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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-08-04 · 31 (4.8.1911) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
31 (4.8.1911)
Date
1911-08-04
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sette 516 Dr. Blochs ©erlitt. (Memoiren Goldmarks.) Aus Berlin wird uns berichtet: Karl Goldmark arbeitet, wie der „Börsen-Courier" berichtet, an seinen Memoiren. Der Meister hofft, daß die Fertigstellung des Memoirenwerkes bereits im Herbst werde erfolgen können. Es wird in einem angesehenen reichsdeutschen Verlage erscheinen. DM mm Präsident der amerikanischen wissenschaftlichen Aärztegesellschaft. In der letzten Jahresversammlung der amerikanischen wissenschaftlichen Aerztegesellschaft wurde Prof. Doktor Abraham Iacobi aus Newyork zum Präsidenten gewählt. Prof. Iacobi steht heute im 65. Lebensjahre und ist. einer der angesehensten Emigranten. Prof. Iacobi ist der berühmteste Spezialist als Kinderarzt und hat eine große Zahl medizinischer Werke verfaßt. Auch als Jude nimmt Prof. Iacobi am öffentlichen Leben der aMerikanisch-jüdischen Gesellschaft regen Anteil. Feuilleton. Girr merkwürdiger Krieffrmd*) Vor einigen Iahren wurde zu Schwanenstadt in Oberösterreich beim Ausgraben von Grundmauern eine Anzahl Truhen gefunden, die offenbar während der Greuel des Dreißigjährigen Krieges vergraben worden waren, während die Eigentümer umgekommen sein mußten, bevor sie das sorgsam verscharrte Gut wieder ans Tageslicht bringen konnten. Dieser Schwanenstädter Frund, in dessen glücklichem Besitze heute das Museum Francisco-Carolinum in Linz ist, birgt wahre Schätze an wertvollem kulturgeschichtlichem Material, denn nicht nur silberne Prunkstücke, Zinngeräte und Gläser waren in jenen Truhen enthalten, sondern die ganze Haus¬ und Leibwäsche einer wohlhabenden Bürgersfamilie aus dem Anfänge des 17. Jahrhunderts. Von metallenem und anderem Hausrat aus jener 'Zeit ist ja in Museen und Sammlungen noch genug vorhanden; um aber einen Begriff von Art, Aussehen und Zahl der Wäschestücke eines damaligen Patrizierhauses zu bekommen, mußte dieser Merkwürdige Zufall spielen, der alles, was sonst in längstens einer Generation abgenützt und zerrissen wird, durch drei Iahrhunderte in luftdicht verschlossenen Behältern späten wißbegierigen Geschlechtern aufbewahrte. Ein ähnlicher Fund» gleichfalls von großer kulturhistorischer Bedeutung, wenn auch auf ganz anderem Gebiete, war dem Forscherglücke der Herren Dr. Landau und Dr. Wachstein beschieden. Es ist dies eine Sammlung jüdischer Privatbriefe**) aus dem Iahre 1619, sämtliche an einem Tage, dem 22. November, oder kurz vorher geschrieben, die vermutlich in den bewegten Kriegsläuften der damaligen Zeit nebst anderen Korrespondenzen, dem Boten, der. sie von Prag nach Wien zu bringen hate, abgenommen wurden. Deutsch geschriebene Briefe sind in dieser im k. u. k. Haus-, Hof- und Staatsarchiv befindlichen Sammlung nicht enthalten, während die in fremden Schriftzeichen abgefaßten jüdischen, mit denen niemand etwas anzufangen wußte, unbeachtet beiseite blieben. Nunmehr, nach dreihundert Iahren. haben fachkundige Gelehrte nicht nur die außerordentlich schwer zu entziffernden Handschriften in regelrechten hebräischen Druck übertragen, sondern auch eine llebersetzung der Briefe angefertigt. Eine besondere Schwierigkeit der Uebertragung lag darin, daß die Briefe fast durchweg in einem seltsamen Gemisch des damals üblichen Jüdisch- *) Aus der Wiener Abendpost. **) „Jüdische Privatbriefe aus!dem Jahre 1619.« Herausgegeben von Dr. Alfred Landau und Dr. Bernhard Wach st ein, Wien und Leipzig, Wilhelm Braumüller, ku. k. Hof- und Univerfitatsbuchhandler, 1S11. Wochenschrift 31 Deutsch und des Hebräischen abgefaßt sind, denn schon zu jener Zeit war das Hebräische eine tote Sprache und nur den Gelehrten unter den Iuden vertraut. Diese Mochten sich in ihrer Korrespondenz leicht und flüssig des alten Idioms bedienen, sowie zur selben Zeit, mehr noch freilich ein Jahrhundert vorher, zur Zeit der Humanisten, deutsche Gelehrte das Latein als Umgangssprache namentlich in Briefen anwendeten. Aber auch wo das Hebräische den Schreibern weniger geläufig ist, versäumen sie es nicht, gewisse Formeln, die zu Anfang oder Ende des Briefes den Segen des Himmels auf.dem Empfänger herabflehen oder geeignet sind, ihm zu (schmeicheln, in der alten, liturgischen Sprache ein- -uflechten, denn Gelehrsamkeit war in jenen Tagen, selbst unter den im allgemeinen Erwerbsleben stehenden Iuden ein hochgeschätztes Gut, dessen wirklicher oder scheinbarer Besitz ehrenvoll dünkte. Die Herausgeber haben nun die jüdisch-deutschen Teile, sofern sie ohne weiteres verständlich find, unverändert abgedruckt, die hebräischen Beimischungen, mag es sich um die erwähnten Schmuckformeln oder um einzelne auch den Ungebildeten geläufige Ausdrücke handeln, ins Hochdeutsche übertragen und durch Kursivschrift dieses Abweichen vom Originaltext kenntlich gemacht. Gerade im hebräischen Schrifttum nimmt die Briefliteratur einen weiten Raum ein. Was aber bisher davon auf unsere Tage gekommen ist, umfaßt zumeist gelehrte Episteln aus den verschiedensten Gebieten religiöser und weltlicher Forschung, die zum Teil von Anfang an fü'r den Druck bestimmt und daher in Anlage und Ausführung auf die Veröffentlichung berechnet waren, zum Teil als wissenschaftliche Korrespondenzen befreundeter.Forscher sich injaturgemäß dem Buchstil näherten. Was die kulturhistorische Bedeutung der vorliegenden Briefschaften ausmacht, isb gerade der Umstand, daß die Schreiber größtenteils nicht dem Gffehrtenstande angehörten, daß auch die zwei oder drei veröffentlichten Briefe gelehrter Männer dem Inhalte nach durchaus privaten und familiären Charakter tragen, mögen sie auch in der Form die höhere Bildung des Absenders erkennen lassen. Eng und zahlreich waren, wie aus den Briefen und den einleitenden Ausführungen der Herausgeber hervorigeht, die Beziehungen zwischen den Angehörigen der Prager und der Wiener Judengemeinde. Häufig sind die nächsten Familienangehörigen, Mann und Frau, Eltern und Kinder, aus Gründen des leichteren Lebenserwerbes von einander getrennt, und die unruhigen Zeiten, nicht minder schwere Seuchen, die schon zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges im Gefolge der ersten blutigen Kämpfe auftraten, erfüllten die auseinander gerissenen Glieder dieser Familien mit schwerer Sorge um das Los der teuren Verwandten. Regelmäßige Posten gab es nicht. Gelegentliche Boten christlichen und jüdischen Glaubens unterzogen sich gegen Entgelt oder um Gotteslohn der Aufgabe der Beförderung. Waren in Deutschland und Oesterreich die Iuden durch den Ausschluß von Zünften und Gilden auf den Kleinhandel sowie das Betreiben von Darlehensgeschäften angewiesen (zu denen ihnen im übrigen aus dem Zinsverbote der Kirche für Christen eine Art Monopol erwuchs), so war damit ihr inneres Leben lange nicht ausgefüllt. Freilich, nicht alle konnten. Rabbiner und Aerzte werden, aber so mancher, der tagsüber auf Pfand geliehen hatte, versenkte sich des Abends in die krausen Gedankengänge des Talmud und seiner Kommentare. .Ia, diese Beschäftigung allein galt dem armen Handelsjuden als eine würdige, und war er zu -Geld gekommen, so dachte er gewiß daran, seinem Sohn einen höheren Grad der Gelehrsamkeit zuteil werden zu lassen oder seine Tochter einem Gelehrten zu vermählen. Der Familiensinn der Iuden muß zu jener Zeit

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