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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-07-28 · 30 (28.7.1911) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
30 (28.7.1911)
Date
1911-07-28
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 30 Dr. Dlochs Wochenschrift Seite 501 befunden, durch das siebente Tor zu gehen, wo der Engel Michael, der himmlichse Hohepriester, die Seelen empfängt und sie als Geschenk Gott bringt. Vor dem ersten Tore war ich noch, da hörte ich die Stimme Adams: „Machet Raum für den Frommen der kommt". Und ich näherte mich dem Tore und wollte schon hineingehen. Da Vernahm ich ein Aechzen von Seelen, die riefen: „Wehe, wehe, wir glaubten, datz nach sechs Monaten des Höllenfeuers der Schnee kleinere Qualen bringen wird, und wir freuen uns auf den Gedanken der Kälte, denn groß waren unsere Leiden im Feuer. Doch wehe, die Marter in den sechs Monaten des Schnees war stärker als die früheren. Wir gestehen: wir haben gesündigt, gefreselt. Arges ersonnen, Hatz und Rache im Herzen gehegt, ayn heiligsten Gute uns vergriffen und lästerlich geredet. Wehe, wehe uns Seelen, die wir im himmlischen, göttlichen Lichte gewachsen waren, wir stiegen hinab in den irdischen Körper, um durch gute und fromme Taten höher zu steigen. Doch aus frevelndem Uebermut jagte der Geistbegabte dem Irdischen nach, vergatz, datz er Staub im Leben ist, geschweige denn im Tode. Wir dachten nicht daran, datz am Tage des Gerichts die Denkrolle selbst verttindet, bestätigt von des Menschen eigener Hand, und die Taten der Menschen als Zeugen austreten. Wehe, wehe, unsere Qualen sind grotz. verzeihe Herr, in deiner Barmherzigkeit, vergib uns Gott der Vergebung. Und in Tränen gebadet stand ich da, hörte auf die meiner Brüderstimmen, die aus der Hölle drangen und beschlotz, nicht früher in den Gan-Eden zu gehen, bis man mir nicht die Seelen der Sündigen mitgibt. Ich will warten. Ohne diese Seelen gehe ich nicht. Also sprach Reb Mechale und es freute sich darüber das Gemüt des Reb Abraham Chaim. Doch Tage und Nächte vergingen, Reb Mechale stand drautzen und wartete. Und als die Engel kamen und sangen dreimal: Heilig, heilig, heilig ist Gott, der Heerscharen Herr, die ganze Welt ist voll von seiner Herrlichkeit, überfiel Reb Mechale ein mächtiger Ansturm, Gott zu loben und er sang mit und kühlte dadurch das Feuer der Hölle und Gott wurde voll Erbarmung. Und es erschien vor Gott der Engel Michael und sagte: Es steht ein Mann vor dem Tore des Gan- Edens, ein Mann, der würdig ist, in der siebenten Halle den Geheimnissen der Thora zu lauschen, denn er war das Licht der Zeit, seine Seele war .immer von allen irdischen Gütern los und frei, sein Geist hat in allen Kreaturen dich, allmächtiger Herrscher und Schöpfer, erkannt, deinen Namen gepriesen. Was er nur sah, durchffaMmte ihn und sein Mund wurde voll Feuer und voll Himmelpreis, pries dich und deinen heiligen Namen. Jetzt steht der. der würdig ist, im Lichte deines Antlitzes zu wallen, vor dem Tore des Gan-Edens, denn er will auch hier Milde üben und will nicht hineingehen, bis man ihm nicht die Seelen aus der Schneehölle milgibt. Und wenn die glanzumstrahlten Himmlischen dein Lob besingen und einer dem andern das Lob der Heiligung zuruft, singt auch er: „Heilig, heilig, heilig ist Zebaoth der Herr". Und weil dieser gerechte, gottesfürchtige Mann Erbarmung üben will, soll er ohne Lohn bleiben? Das Gericht meint, datz er die Schranken der Gerechtigkeit niederreitzt, wenn er die Seelen der Sündigen verlangt. Die guten Taten Reb Mechale Zloczowers überwiegen die schlechten Taten aller Sündigen aus der Schneehölle. So darf er sie erlösen. Und wenn man Reb Mechale drautzen stehen lätzt, heitzt es. datz nicht einmal hier die Gerechten ihren Lohn bekommen, soll denn das Gute unbelohnt bleiben?" Und Gott übte Gerechtigkeit und Gnade und die Seelen gingen mit Reb Mechale in den Gan-Eden. Und die Tarschischim, Seraphim und Ophanim bestärkten sich im Wetteifer, Gott durch ein „Dreimal Heilig" zu verherrlichen, und alle Geschöpfe der Welt sangen den Preis seines heiligen Nqmens. Und als Reb Abraham Chaim im Traume sah, datz Reb Mechale nicht mehr vor dem Tore des Gan-Edens steht, wurde seine Seele erhoben und sein Herz nachtigallte: „Lobpreiset den Allgnädigen und Allbarmherzigen." _ Ben Ioschua. Moses Mendelssohns Urteil «der den Talmud. Eingesandt von Felix Wertheimer. Moses Mendelssohn lätzt seinen Rezensenten der deutschen Uebersetzung der Mischna vom Kapellan Rabe folgendes erzählen: „Ich bat einst einen jüdischen Gelehrten, der bei seiner Nation in grotzem Rufe stand, mir einen Begriff ivon dem Talmud zu machen." „Der Talmud", gab er mir zur Antwort, „ist der Inbegriff aller unserer Gesetze, Sitten und Gebräuche,, unserer Glaubenslehren und unserer Weisheit. — Sie werden über diese Beschreibung vielleicht lachen, vielleicht «auch sich verwundern. Ich weitz, was für einen armseligen Begriff sich die Weisesten unter Ihrem Volke von unserem Wissen zu machen pflegen: und da unsere Sache niemals Verteidiger gefunden, so hat Ihnen ein jeder einbilden können, was er uns entweder aus Unwissenheit oder aus unlöblichen Absichten hat aufbürden wollen. Wie viel Verspottung, unbillige Verachtung und Nationalhatz haben diese unseligen Vorurteile nicht zu Wege gebracht: und wollte Gott! sie hätten nur keine blutigen Verfolgungen nach sich gezogen. Jedoch, ich will Sie und mich mit diesen traurigen Erinnerungen verschonen. Es ist ein Unglück für uns, datz sich unsere Gelehrten nie darum bekümmerten, was man in anderen Sprachen zu ihrem Nachteil geschrieben^ und wenn sie sich auch darum bekümmerten, so verstanden sie doch die Sprachen nicht, in welchen sie sich hätten verteidigen müssen." „Stehen aber die Märchen nicht Wirklich in dem Talmud", fragte ich, „die man uns daraus übersetzt hat?" „Die Meisten", gab er zur Antwort, „befinden sich wirklich darin". „Was kann aber in einem Buche Vernünftiges sein", erwiderte ich. „in welchem solche abenteuerliche und abgeschmackte Dinge Vorkommen?" „Wir schlietzen gerade umgekehrt", versetzte mein Rabbi: „die Dinge, die dem ersten Anblick nach ungereimt scheinen sollten, machen etwa den zwanzigsten Teil des Talmuds aus. Im übrigen enthält er nichts als gründliche Abhandlungen und Betrachtungen über unsere Rechte, unfern ^Gottesdienst und andere Gebote des Alten Testaments. Sollten wir also glauben, datz Leute, die soviel Proben von ihrer Weisheit abgelegt, auf einmal allen Menschenverstand verloren haben und auf Dinge verfallen sein sollen, hie sich kein Kind weitz machen lätzt? Ist es nicht vernünftiger, diese wenigen Stellen, die uns änstötzig scheinen, für allegorische Vorstellungen solcher Wahrheiten zu halten, die man zu allen Zeiten dem Volke mit Fleitz zu verbergen und nur Leuten von imehrerem Nachdenken zu verstehen zu geben gewohnt war? Wir glauben hiervon überzeugt zu sein und haben auch schon wirklich den Sinn von einigen rätselhaften Stellen herausgebracht. Die wir nicht erklären können, betrachten wir mit einem ehrfurchtsvollen Stillschweigen und gestehen unsere Unwissenheit." „Indessen", fuhr er fort, „sind die Allegorien selbst, in welchem sie die Wahrheit eingehüllt, nicht alle so widersinnig, als man glaubt. Oefters enthält auch ihr planer Sinn sehr gute Sittenlehren, die heilsam und ersprietzlich sein können. Mehrere Lehrer haben hierin die

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