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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-07-28 · 30 (28.7.1911) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
30 (28.7.1911)
Date
1911-07-28
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. so Dr. Blochs WochenichrifL Seite wt Die besondere Begabung der Juden für die Schauspielkunst ist vielfach, nebenbei bemerkt, ebenfalls in der Rgsfe begründet: »Ich glaube, wenn man aus dem Schauspielertum das jüdische BlUt und das in dieser Richtung ihm verwandte slawische ausstriche, es bliebe von jener Schauspielkunst, die uns im Tiefsten aufzuwühten vermag, sehr wenig übrig. Das Höchste der Schauspielkunst ist mit dem sogenannten Vermitteln des Dichters nicht zu geben. Die germanische Natur zumal kommt über eine gewisse Sp rö di gke it .... nicht hinweg." Mahler hat sich, wie bekannt, taufen laffen, da er als Jude nicht daran denken konnte, auf den Direktorposten der Wiener Hofoper berufen zu Werden. Welche . engherzigen Anschauungen auch im lieben Deutschen Reich in dieser Beziehung noch walten, zeigt folgende der „T. R." mitgeteilte „Erinnerung an den jungen Mottl", der seinem genialen Wiener Kollegen leider so schnell in das Schattenreich gefolgt ist: „Die Erstlinasoper Felix Mottls „Agnes Bernauer"' wurde Anfang 1880 in Weimar aufgefiibrt. Der ebenso talentvolle wie liebenswürdige und stattliche junge Künstler eroberte sich im Fluge die Httzen von Jung und Alt. Während einer der berühmten Lisztschen Matineen in der „Hofgärtnerei", die heute das Liszt-Museum birgt, vereinigten sich die kunstsinnige Tochter des Großherzogs Karl Alexander, Prinzessin Elisabeth, und eine für das Weimarer Musikleben bedeutende Frau in der begeisterten Anerkennung der Vorzüge des jungen Wieners. Man kam auch auf seine Abstammung zu sprechen.; „Kgl. Hoheit"-'hieß es plötzlich aber stockend, er wird doch nicht.,.?" „Ach' nein, das glaube ^ch' nicht; aber darüber kann ich mir in Kürze Auskunft verschaffen.' Sollte sich dabei ihre Vermutung doch bestätigen, Jo schicke ich Ihnen nur ein Briefchen mit Trauer ran d." Ein paar Tage später brachte der Hoflakai in die Wohnung der Weimarer Kunstfreundin ein Kärtchen aus zartstem Rosa- Papier. Es enthielt nur die zwei Worte: „G u t k a t h o l i s ch I" Korrespondenzen Zum Ableben des Chief-Rabbi of England Die Nachricht von dem Ablehen des Chief-Rabbi of England Dr. Hermann Adler hat in den Kreisen der jüdischen Bevölkerung Wiens einen tiefen Eindruck gemacht. Der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde richtete gleich nach Einlangen der Nachricht an den Vorstand der Vereinigten Synagogen, in London das folgende Beileidstelegramm: „Board of United Synagogues, London. Zu dem unermeßlichen Verluste, den Sie und die Judenschaft Englands durch das Hinscheiden Ihres auch über die Grenzen seines Vaterlandes hochverehrten Großrabbiners Dr. Hermann Adler erlitten, bitte ich im eigenen, wie im Namen des Vorstandes der Wiener israelitischen Kultusgemeinde den Ausdruck des tiefsten Beileids entgegen zu nehmen. Das gesamte Judentum trauert mit Ihnen um den Verlust eines gelehrten menschenfreundlichen und weisen Führers in Israel. Sein Andenken sei gesegnet. .Präsident Dr. Alfred Stern." Ueber das Leichenbegängnis des Oberrabbiners von England Dr. Hermann Adler wird uns gemeldet: Die hohe Verehrung, welche der verstorbene Oberrabbiner Doktor Hermann Adler nicht bloß bei der englischen Judenheit, sondern auch in allen Kreisen des englischen Volkes und speziell bei der königlichen Familie genossen, zeigte sich bei der Beerdigungsfeierlichkeit. Das war eine Trauer-Prozession, wie es London selten gesehen hat. Viele Hunderte Wagen und Automobils führten Deputationen der Landgemeinden, der Rabbinen und der vornehmsten Repräsentanten der Londoner jüdischen Gesellschaft. Man sah Mitglieder der Familie Rothschild, der Familie Montefi o re, Baron Alexander G ü nz b ur g, Lord Sw aj th lin g Postminister Samuel, zahlreiche englische Lords. Aber auch Se. Majestät der König hat einen Adjutanten als sp ziellen Vertreter entsendet. Ebenso entsandte der Oberbürgermeister von London einen Vertreter zum Leichenbegängnis. Von allen Seiten drängte man sich, dem Verstorbenen einen letzten Zoll aufrichtiger Verehrung darzubringen. Unter den Kondolenzen, welche der trauernden Familie zugekommen find, findet fich ein Telegramm des Königs, dann ein Schreiben von dem Bischof von London und von dem Erzbischof von Westmünster, ferner ein Telegramm des C h a ch a m B a s ch i von Konstantinopel im Namen der türkischen Juden, von Jakob Schiff und dem Präsidenten David W o l f s o h n. Roch am letzten Montag war das Befinden des Verewigten ein ziemlich günstiges und er gedachte aufs Land zu reisen. .An jenem Tage erhielt er von Sr. Majestät dem König durch einen Boten Blumen zugesendet mit dem Ersuchen, von dem Befinden des Oberrabbiuers täglich verständigt zu werden. Am Abend darauf hatte fich der Zustand bedeutend verschlimmert und Dienstag früh hatte er seine Seele ausgehaucht. Sämtliche Tagesblätter Londons widmen dem Verewigten spaltenlange Artikel, schildern seinen Lebensgang, preisen seine hohen Geistesgaben, sein segensreiches Wirken an der Spitze der englischen Judenheit, vor allem seinen edlen Charakter und seine seltene Selbstlosigkeit, welche ihm die Liebe, die Verehrung und die Bewunderung seiner Gemeinde jederzeit sicherten. In seinem Vermächtnis vom 27. Februar d. I. drückt Rabbi Adler den Wunsch aus, sein Nachfolger möge sich die große Aufgabe vor Augen halten, die Ost- und Westjuden, die englischen und eingewanderten Juden einander näherzubringen. Der erste Vizepräsident der Bereinigten Synagogen von England hat eine Bekanntmachung erlassen, daß im nächsten Herbst die Ernennung eines Chief-Rabbis erfolgen wird: Es wurde aber bereits dafür Sorge getragen, daß auch bis dahin die Amtstätigkeit des englischen Rabbinats in keiner Weise unterbrochen oder gestört werde. Zwei RabbinatsaffefforeN (Dajanim) werden in Gemeinschaft mit dem Rabbinät die ihm obliegenden Funktionen bis zum Herbst verrichten. Eine hohe Auszeichnung eines englische» Juden- Aus London wird der „R. I. K." berichtet: Sir Matthew Nathan, Sekretär der Postverwaltung, wurde zum Vorsitzenden der Fiskusverwaltung ernannt. Sir M. Nathan ist der einzige Jude, der zu verschiedenen Malen das Amt eines Governors in einigen britischen Kolonien bekleidete. Sir Matthew Nathan kam auch als Nachfolger des jüngst verstorbenen englischen Generalkonsuls in Aegypten, Sir Eldon Gorst, in Betracht. Auswanderung persischer Jude» nach Palästina. Aus London wird der „N. I. K." berichtet: Einer telegraphischen Meldung zufolge treffen dieser Tage ungefähr 100 obdachlose Juden aus Schiras (Persien) in Buschir ein. Infolge der Judenverfolgungen in Persien haben sie sich entschlossen, nach Palästina auszuwandern. Sie. benötigen zirka 4000 Mk, um ihre Fahrt fortsetzen zu können. Die Juden in Buschir appellieren daher an die jüdische Oeffentlichkeit, Spenden für diesen Zweck per Adreffe E. D. Saffon & Co. in Buschir zu senden. Der Emigrationskongreß adermaks verschoben. Diese Woche fand in Wien eine Sitzung des Komttees zur Vorbereitung des Emigrationskongresses statt, welcher auch die Mitglieder der von der Petersburger Emigrationskonferenz nach Europa entsendeten Delegation, pnd zwar die Herren Advokat Dr. Mandel, Ingenieur Gurewitsch und Dr. Rappaport beiwohnten. Rach einem eingehenden Berichte des Präsidiums, aus welchem

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