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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-07-28 · 30 (28.7.1911) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
30 (28.7.1911)
Date
1911-07-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 490 Nr. 30 Dr. Mxhs Wochenschrift . Vielleichtaber gelingt es nachträglich, das Versäumte wieder gutzumachen. Für die Juden - in Persien- und Marokko, deren Jammerrufe das Kriegsgeschrei durchdringen, muß eine Wion großen Stiles einsetzey. Sonst werden, ryir uns den 'Vorwurf machen-? müssen, daß wir emen großen Teil unseres BölkeL haben vÄkvmmen lassem- In Marokko leben 'nach, den letzten Zählungen 186.900,. in Persien 50.000 Juden. -Diese werden nicht nur in ihrer Umgebung zu riuenk solchen Äesstand heräbswkeu wie die Parias in Indien und sich nie mehr aus der Verachtung erheben können, sondern sie werden -auch, immer von der Ungerechtigkeit und Gemeinheit verfolgt. Gleiches mit Gleichem vergelten^ den. Sinn für Recht verlieren. Daun wird nach altem Brauche der Antisemitismus kommen und den Juden vorwerfeu, was er selbst verschuldet hat. So weit dürfen wir es nicht kommen lassen. Die Mächte, die ihre Soldaten nach Persien und Marokko entsendet haben, sind im Namen der Zivilisation einmarschiert. Man darf daher billig von ihnen verlangen, daß sie die Juden in ihrem neuen Machtbereich nicht mehr vogelfrei der Blutgier der Eingeborenen überlasieu. Rußland kommt da zwar nicht in Betracht, aber England und Frankreich wetteifern mit einander um den Vorrangs in der Kultur. Ihre Regierungen werden sich dlcher nicht, weigern, eine Mission der Menschlichkeit auch daun zu übernehmen, wenn es sich um Juden handelt. Allerdings werden diese Kabinette erst dann etwas tun, wenn die Größe einer Kundgebung europäischer Juden auf sie einwirkt. Daraus entspringt eine Pflicht der großen jüdischen Korporationen, in Einigkeit und schnell zu handeln. Mord und Raub au unseren hilflosen Brüdern wird die jüdischen Weltorganisationen in diesem Falle wohl daran hindern, sich durch die Eifersucht und kleine Bedenken so lange aufhalten^zu lassen, z^bis es für die Juden in Persien und Marokko zu spät ist. Vom Jahrmarkt des Lebens. Ein WdffchSr iümftter. Der bekannte russisch-jüdische Bildhauer Aronsohn wurde von der russischen Regierung eingeladen, sich am Wettbewerb für das Denkmal, das dem Andenken Suworows gestellt werden soll, zu beteiligen. Der künstlet, der ständig in .Paris lebt, lehnte diese Einladung mit folgendem Schreiben ah: „Ich habe mich überzeugt, daß ich als Jude in Rußland weder ans eine gerechte Kunst-Jury, noch sogar auf ein gewöhnliches kulturelles Verständnis für meine künstlerischen Bestrebungen rechnen kann. Wenn einmal der gegenwärtige Hexensabbat der falschen Patrioten von dem Schlage der Schwarzen Hundert, .ein Ende genommen haben wird, werde ich mich glücklich fühlen, an der gemeinsamen Arbeit für das geliebt Vaterland teilnehmen zu "können." Der Brief ist eine Anspielung auf die Erlebnisse deL.Künstlers im Vorjahre, als er, trotzdem ihm vom Zar der freie AufenthaU in ganz Rußland zugefichert wurde, infolge der Jntriguen der Volksverbändler Rußland fluchtartig verlassen mutzte. DA MWen Senatoren in Italien. Durch die jüngst erfolgte Ernennung der Professoren Dr. Giulio Aron Giuseppe Fano und Dr. Allessandro Lustig zu Senatoren hatdie Zahl der jüdischen Senatoren in Italien die Zahl 12 erreicht; es sind dies außer den zwei Genannten noch die Folgenden: Professor Doktor Alessandro-Ancona, Profl.Dr. Pio Fock-Turin, Doktor Leopolds Franchetti, Ulderico Nobile Levy, Advokat Giacomo Malvano, Gen-eralprokurator des Kassationshofes, Prof. Lüdovico Mostara, Universitätsprofessor Dr.. -Vittorio Pohleco-Padua ,' Baron Alberto Treues de Bonfili, UniversiWsprofessorPr. Dito Volterra-Rom. AdvoW. Giacomo Levi-Civito, Sektionspräsident im Staatsrak. - - - , JudM in der Schiffahrtei. Aus Anlaß des 25 jährigen Jubiläums des Generaldirektors Ballin-Hamburg weist Prof. Dr. Gotthard Deutsch im „American-Jsraelite" darauf hin, daß der -Anteil der Juden an der Entwicklung des Schifffahrtswesens .im allgemeinen von jeher ein bedeutender, gewesen ist. Schon im vierten Jahrhundert', erwähnt Bischof Synecms in seinen Briefen eines jüdischen Schliffsmannes» der am Sabbat nicht arbeiten, wolle und zollt in diesem Zusammenhänge den jüdischen Soldaten volles Lob. Der Poet Claudiamus, der im 5. Jahrhundert lebte, spricht wiederholt von jüdischen Schiffern, die bis nach Indien segeln, und Bischof Gregor von Tours, im 6.. Jahrhunderts berichtet von jüdischen Schiffsleuten, die zwischen Nizza und Marseille den Schiffsverkehr aufrecht erhalten. Jakob I. von Aragon verlieh einem Juden im 13. Jahrhundert ein Privileg für eine Passagier- ' schiffahrt in Barcelona. Gasper de las Jndias begleitete Vasco di Ga.ma auf zweien seiner Expeditionen. Jakob ibn Habil, der Verfasser eines hagadischen Sammelwerkes in Konstantinopel zu Beginn des 16. Jahrhunderts, dankt in der Einleitung zu seinem Werke seinem generösen Förderer Chajim ibn Saruk, „dem großen Fürsten in Israel, einem jener, die aut den Schiffen auf hoher See fahren". John Chamberlain nennt in seinen Briefen au Sir Dudley Carleton einen marokkanischen Juden, der im Jahre 1614 eine Expedition zur See befehligte und ein spanisches Schiff, das sich auf dem Wege nach London befand, gefangen nahm usw. Lins Judmdebatte ßm amerikanischen Kongreß. Seit der Veröffentlichung des Tadels, den der.Präsident Taft an den Kommandanten Garard, wegen Nichtzulassung des jüdischen Soldaten. Blum zur Offiziersprüfung gerichtet hatte, hat die öffentliche Meinung von Amerika nicht aufgehört, sich mit diesem Vorfälle zu beschäftigen.. Auch der Kongreß erachtet es als feine Pflicht, zu dieser Frage in energischer Weise Stellung zu nehmen. Eine Gruppe von Kongreßmitgliedern brachte in einer der letzten Kongretzsitzungen einen Antrag ein, in welchem verlangt, wird, daß eine Untersuchungskommission die Frage studieren Md darüber dem Kongreß in. kürzester Zeit Bericht erstatten möge,, inwieweit die Juden ihres Judentums wegen in der Armee, der Marine und den Militärschulen zu leiden Haben. An diesen Antrag knüpfte sich, eine sehr aufgeregte Debatte, in welcher sowohl der Kriegsminister als auch der Marineminister dem Parlamente die Versicherung gaben, daß weder in der Armee noch in der Marine ein Unterschied zwischen. Juden zmd Christen gemacht werde. Der MarinekommgndMt wies an der Hand von offiziellen Daten nach, daß von den 328 amerikanischen Marineoffizieren 29 Juden seien, wobei er es für seine Pflicht hielt, zu bestätigen, daß diese 29 jüdischen Marineoffiziere bei ihren Kollegen in der höchsten Achtung, stehen. Ebenso sei er in der Lage, zu bestätigen, daß in der amerikanischen Marine sich, niemals, ein Zeichen von Feindlichkeit gegen Juden bemerkbar gemacht habe. Es sei bloß zu be-- dauern, daß Juden sich-verhältnismäßig wenig dem Flottendienste widmen, und er sei überzeugt, daß eine stär-- kere (Vertretung des .begabtenjüdischen Volkes in der Marine für diese von außerordentlichem Vorteile wäre. In demselben Sinne sprach auch Idas jüdische Kongreß-

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