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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-07-21 · 29 (21.7.1911) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
29 (21.7.1911)
Date
1911-07-21
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Sette 486 Nr. 29 Dr. Bkochs MoMenWM Agada, jüdisch-arabische und jüdisch-persische Literatur. Bacher war einer der Begründer der erwähnten Literaturgesells ehaft, Bedakteur der ersten jüdisch-ungarischen Bibelübersetzung und Redakteur der wissenschaftlichen Zeitschrift „Magyar Zsido Szemle“, die seit 28 Jahren erscheint. Es folgt ein warmherziger Appell des Dr. Goldschmidt aus Prossnitz, znr Errichtung eines jüdisch-ungarischen Museums, welches Thema in dem folgenden Artikel des Dr. B. Kolbach fortgesetzt wird. — Auf ein anderes Gebiet treten wir in der bibelkritischen Studie des Dr. L. Kecskemöti, Rabbiner von Grosswardein, betitelt „Die Persönlichkeit des Deutero-Jeschaja“. Verfasser steht auf dem Standpunkt, dass es wohl einen Deuteroaber keinen Trito-Jeschaja gegeben, wie Duhm und Geiger (Nachgelassene Schriften IV) die für die Kapitel 56—66 einen dritten Verfasser annehmen. Wohl herrscht in diesen Abschnitten eine andere Stimmung, die aber Kecskemeti auf die Vielseitigkeit des Propheten und auf veränderte politische Verhältnisse zurückführt. Bibelkritischen Inhaltes sind ferner die Arbeiten des Dr. Ziegler aus Karlsbad über den Propheten Ezechiel und Dr. Eisler aus Klausenburg über das Buch Esra. Seminarprofessor Guttmann widmet Rabbi Moses Bloch s. A. einen warmen Nachruf. — Ethnographischen Inhaltes sind die Arbeiten „Geber das Motiv der gefallenen Engel in der Weltliteratur“ von Dr. Heller, ferner „Der Tod vom jüdischen Gesichtspunkte“ von Rabbiner Dr. Flesch aus MohAcs. Karl Sebestyen übersetzt die „Hebrew Melodies“ von Byron und erzählt die Geschichte ihrer Entstehung. Geber den grossen Komponisten Karl Goldmark referiert der bekannte Kunstkritiker Dr. Fabö. Schön gehalten ist der Aufsatz des gelehrten Stuhlweissenburger Rabbiners Dr. Steinherz „Schiller als Bibelerklärer“. Es folgt die Gebersetzung eines Briefes von Michel Angelo von Ignatz Balla, der uns die Beziehungen dieses Künstlers zu Juden und Judentum ins helle Licht rückt, ferner die Biographie des jüdischen Philosophen Moritz Lazarus, des Begründers der Völkerpsychologie, vom Schreiber dieser Zeilen. Dr. M. Weisz charakterisiert das von ihm edierte Werk „Minhag Tob“, von einem unbekannten mittelalterlichen Verfasser, nach einer Handschrift ans der Kaufmann’schen Bibliothek. A. Radö schreibt über seinen Vater, dem Lehrer Adolf Roder, zu Steinamanger, dem Verfasser der bekannten Roder’schen Briefe, zur Erlernung der ungarischen Sprache, nach der Methode Toussaint-Langenscheidt, Prof. Lenkei zeigt in einer literarhistorischen Studie, dass die ersten Verbreiter und Gebersetzer der Gedichte Petöfis Juden waren. Prof. Dr. 8. Kraus bespricht die Studie des Baron Kutschern über die Chazaren. In einem Vortrage über die Weisen des Talmuds behandelt Prof. Wilhelm Bacher die Synonime Chachamim, Sopherim, Rabbanim in gewehrter Meisterschaft. Schön sind die eingestreuten Gedichte von Feleki, Patai, Mezei und Heves. Den Höhepunkt erreicht das Jahrbuch in dem Aufsatze über „Das Rassenproblem“ von Dr. Ludwig Stein. Es ist ein Fachmann, -der hier das Wort ergreift. Wir kennen das gelungene, polemische, Aufsehen erregende Werk Zollschans, in welchem die Gnhaltbarkeit der Rassentheorie vom anthropologischen, geschichtsphilosophischen und biologischen Standpunkt aus bewiesen wird. Stein ergänzt nun diese Einwürfe mit logischen und sozialphilosophischen Argumenten. Auch sind die Schlussfolgerungen Steins optimistisch, wahrend Zollschans Werk in geradezu verzweifelnden, pessimistischen Akkorden ausklingt. Wir wollen den Gedankengang Steins etwas ausführlicher darstellen. Das Rassenproblem dient gewissen politischen Tendenzen; die Wissenschaft aber kennt keine Teleologie, keine ausserhalb liegenden Ziele, sondern nur Wahrheit, die Selbstziel ist. Wenn man mit vorgefassten Meinungen an die Wissenschaft herantritt, so konstruiert man gewaltsam die Tatsachen. Was in das Schema nicht hineinpasst, wird nicht berücksichtigt. Man schlägt dadurch ein willkürliches, wissenschaftliches Verfahren ein. Ein solches Dogma ist die Rassenfrage. Stein nennt sie eine Kunstmythologie, die politisch und wissenschaftlich viel Unheil angerichtet. Gibt es also eine jüdische Rasse? Die Rassentheoretiker, Düring, Wagner, Paul de Lagarde, Chamberlain, Weininger wiederholen in allen Tonarten, von fortissimo bis furioso die Minderwertigkeit der jüdischen Rasse. Selbst Renan, der dem religiösen Genius der Juden Lobeshymnen singt, spricht ihnen das organisatorische oder plastisch schaffende Talent ab. Ja er bestreitet sogar ihre kommerziellen Fähigkeiten, im Gegensätze hierzu hält Sombart Kapitalismus und Judaismus für analog. — Ein Gegner des Rassenproblems ist Max Müller, R. Hartmann, K. Voller, ebenso Luschan, der Direktor des anthropologischen Museums in Berlin. Die Kraneologie, auf welche die Rusentheoretiker ihre Hoffnungen gesetzt, hat Schiffbruch erlitten, besonders ist es das Werk Judts, der auf Grund jüdischer Schädelmessungen zeigt, dass die Juden keine echten Semiten seien, da letztere Langschädel, erstere hingegen Brachycephalen sind. Judt widerlegt auch den von Vogt begründeten, neuerdings von Sombart und Kutschern aufgefrischten Unterschied zwischen Sephardim und Askenasim. Endlich der Standpunkt Zollschans, dass der Unterschied der Rassen nur fliessend ist. Charakter und Intelligenz auf Dolichocephalie zurückzuführen, steht im Widerspruch mit den Tatsachen, weil ja Sokrates, Bismarck, Luther, Laplace, Napoleon, Pascal, Raffael, Leibnitz, Bethoven typische Beispiele von Rundschädel sind. Auch hohe Gestalt steht nicht im Zusammenhänge mit geistiger Qualität, wie dies die Beispiele eines Windthorst, Ranke, Menzel, Lichtenberg u. s. w. zeigen. Stein beginnt mit einer Begriffsaualyse des Wortes „Rasse** und zeigt, dass dieses nur ein Hilfsbegriff ist und sich auf die Klassifizierung der Menschen nicht anwenden lässt. Er beruft sich auf Mill, Buckle, Friedrich Müller, Ihering, der behauptet, dass die Völker schon in den Wiegen ausgetauscht wurden. Unter den Aphorismen von Nietzsches Nachlass findet sich sogar eine Warnung, nicht mit Menschen zu verkehren, die sich am Rassenschwindel beteiligen. Er meint damit seinen Schwager Förster, den bekannten Rassenantisemiten. Für die Tierwelt ist der Rassenbegriff ein unentbehrliches Einteilungsprinzip, weil die Rassenmerkmale konstant sind und sich vererben. Aber unanwendbar für die Geschichte, die das Reich der Freiheit ist, in welchem Zwecke regieren. Die Rasseneinteilung der Menschen hat nur einen Schulwert, um die Menschheit in gewisse Gruppen zu teilen, ist nur logisch-methodologisch gütig, wie etwa die Katalogisierung einer Bibliothek nach einem von einem Bibliothekar beliebig gewählten Schema. Wir sehen ja, dass fast jeder Anthropologe eine andere Rasseneinteilung vornimmt, nach subjektiv gewählten Merkmalen. Die Einteilung nach Haut und Haarfarbe hat methodologischen Wert, aber weiter zu gehen, die kaukasische Rasse in Arier und Semiten einzuteilen, hat gar keine Berechtigung. Es mag ja sein, dass. gewisse Eigenheiten sich im Laufe der Zeit bei den Juden ausbildeten, die aber nicht in der physiologischen Beschaffenheit begründet sind und nicht im Blute liegen. Die Rassentheorie ist nur eine politische Legende, die Lehre vom jüdischen Rassenblut ist nur eine moderne Blutlüge. Stein zeigt nun auch sozial-philosophisch die Unhaltbarkeit der Rassentheorie. Dass das Judentum noch heute besteht, ist ein geschichtliches &KC&, )v£y6|JL£V0V. Wie erklären wir nun dieses soziologische Phänomen? Es wird gezeigt, dass wir weder mit der Milieutheorie von Buckle und Taine, noch mit der Theorie des Klassenkampfes von Marx und Engels die Frage beantworten können. Die dritte Lösung, die vom Rassenkampfe, wird merkwürdigerweise von zwei Gelehrten jüdischer Abstammung verkündet, von Gumplowitz und Weininger, Die Geschichte wird durch das Temperament der Rassen prädestiniert. Diese Theorie verkündet ein soziales Fatum. Das Rassenblut ist nach Chamberlain der Gott, der Lenker der Geschichte und hat ausnahmslose Geltung, wie ein Naturgesetz. Gegen die Rassenromantik und Rassenauserwähltheit muss eine wissenschaftliche Soziologie Protest erheben. Nur in der Natur, wo alles mechanisch-causal verfliesst, waltet eine eherne Causalität, ein Determinismus, nicht aber in der Geschichte, die durch eine teleologische Causalität geleitet wird. Gewiss löst das stärkste Motiv die Handlung aus, aber eben in der Wahl des Mottos liegt die Freiheit und kann nicht durch den Rassencharakter voraus bestimmt werden. Bei der Wahl der Mittel spielen so viele Imponderabilien mit, die das Fatum der Geschichte illusorisch machen. Blut und Rasse sind gewiss nicht die ausschlaggebenden Faktoren der Kultur. Es mag ja sein, dass durch die fast 2000 Jahre dauernde Unterdrückung, durch Inzucht usw., gewisse Dispositionen erzeugt werden, die liegen aber nicht, — wie Weissmann sagen würde — im Keimplasma und liegen nicht, gleich einer Schicksalstragödie, im Blute; es sind dies höchstens erworbene Eigenschaften, die man nach Spencer vererben kann, jedoch mit dem Aufhören der historischen Ursachen verschwinden. „Arbeitet und verzagt nicht“, ruft Stein mit Carlyle den Juden zu. Arbeiten wir an unserer Selbsterlösung zielbewusst, mit eiserner Konsequenz. Treiben wir physische und geistige Gymnastik, damit die Spuren des Ghettos verschwinden. Der Artikel klingt in messianischen Hoffnungen aus. Das Judentum wird nicht von der Arena der Geschichte verschwinden, das Heil liegt nicht hinter uns, sondern vor uns. Das Jahrbuch schliesst mit einem gelungenen Jahresbericht von Bänoczi über das Gebahren des Vereines im Jahre 1910. Der Verein überraschte auch seine Mitglieder mit einer schönen Jugenderzählung, betitelt „Die vier Knaben“ von Sigmund Meszaros, israelitischer Volksschullehrer zu Nyitra-Noväk. Diese Erzählung wurde preisgekrönt, welche Auszeichnung diese auch in vollem Masse verdient. Schlicht und einfach zeigt der Verfasser, woran das ungarische Judentum krankt, nämlich an der Planlosigkeit in der Erziehung der Kinder. Es wird in grossem Masse ein Intelligenz-Proletariat gezüchtet und schon heute gibt es kaum eine grössere jüdische Gemeinde, in welcher wir nicht einigen erwerbslosen akademisch Graduierten begegneten. In dieses Wespennest greift nun der Verfasser mit kühner Hand ein. Die Erzählung ist ein Tagebuch eines jüdischen Volksschullehrers, der uns den Lebenslauf seiner treuesten Schüler, Namens Mojse, Schaje, G6za und Imre erzählt. Schon die Namen, zeigen, dass Letztere Kinder moderner, Erstere Kinder nach alt jüdisch er Weise lebender Eltern sind. In dem Lehrer erkennen wir den ecfit jüdischen Pädagogen, der nebst profundem Wissen ein tüchtiger Kenner des Talmuds, des Midrasch und der jüdisch-philosophischen Literatur war. In der Volksschule waren die genannten Kinder in gleichem Masse streng religiös und fleissig. Der Lehrer

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