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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-07-21 · 29 (21.7.1911) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
29 (21.7.1911)
Date
1911-07-21
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 29 Dr. Blochs Wochenschrift Sette 463 Wien. (Bethausverein „Am Volker t".) Unter unerwartet starker Beteiligung, sowohl der Bethausvorstandsmitglieder als auch der Eltern der Schüler, fand am 2. Juli die zweiteöffentliche S ch l u ß p r ü f u n g an der im Jahre 1909 errichteten Sprach- und Bibelschule statt. Während im Vorjahre, dem ersten Schuljahre, nur 60 Schüler die Bibelschule besuchten, weist das heurige Schuljahr schon eine Anzahl von 168 Schülern auf, darunter eine stattliche Reihe, die das Gymnasium oder die Realschule besuchen, weshalb sogar in 5 Abteilungen durch 3 Lehrkräfte Unterricht erteilt wurde. Das Interesse au der Schlußprüfung wurde durch das Erscheinen illustrer Gäste und gewiegter Pädagogen gehoben. Trotzdem ganz aparte, die Fähigkeiten der Schüler herausfordernde Fragen gestellt wurden, wußten die Schüler in schlagfertiger Weise zutreffende Antworten zu geben. Der Erfolg wurde allseitig als durchschlagend bezächnet, zumal die Kinder nicht nur Gebetstücke und manche Kapitel der Bibel geläufig lesen und zum Teile übersetzen konnten, sondern auch die Gebetordnung für Werk-, Sabbat- und Festtage, sowie für Neumondstage genau kannten und die Rezitationsgebete und Sprüche praktisch erlernt haben. In längeren Ansprachen lobten die Herren K'ausrabbiner Abeles und Prof. Josef Antscherl den Elfer und Fleiß der Schüler und zollten den eifrigen Lehrern ihren Beifall. Viele anwesende Eltern drückten dem Sektionsvorstand ihren Dank für die umsichtige Leitung und für den unerwartet großen Erfolg ans. — An dem vom Herrn Lehrer Nußbaum geleiteten Barmizwahkurse haben IO Schüler und hievon 6 Schüler unbemittelter Eltern teilgenommen. Durch die Errichtung dieser Religionsschule ist somit dem in diesem 'Bezirksteile langentbehrten Bedürfnisse vollauf Rechnung getragen worden. Austritte aus dem Judentum Vom 10. Juli bis inkl. 16. Juli 1911. Agular Magarethe, Manipulantin, geb. 15. März 1891, Wien, VII., Sigmundsgasse 5. BiaCh Eduard, Finanzaufseher, geb. 1. Jänner 1865 zu Brünn, Wien, XIX., Zahnradbahnstrasse 3. Feinberg, Dr. Josef Viktor, Bankbeamter, geb. 4. Juli 1884 zu Hadersdorf, Wien, I., Herrengasse 2. Grünbaum Bödog, geb. 5. Jänner 1877 zu Wien, Budapest. GUnszberger Eleonore, Schneiderin, geb. 4. September 1885 zu Fünfkirchen, Wien, Lerchenfelderstrasse 94. Jerusalem, Dr. Ernst, geb. 9. November 1884, Wien, VII., Siebenstern gasse 33 Lewy Valerie, geb. 7. April 1909 zu Wien, Prag. Mandl Eugen, Kommis, geb. 23. April 1887 zu Sarosd, Wien, II., Ausstellungsstrasse 7. Metzt Josef, Beisender, geb. 20. Juni 1876 zu Csabrendek, Wien, XVII,, Paletzgasse 12. Sass Simon, Handels-Agent, geb. zu Wald - Nowosiolka, Wien, XII., Franz Emrichgasse 3. Saxl Ernst, Bealschüler, geb. 2. November 1895, Wien, XV., Fünfhausgasse 5. Schlesinger Alfred, Archivar, geb. 9. Dezember 1882 zu Eumburg, Wien, XX., Klosterneuburgerstrasse 30. Schwarz Rudolf, geb. 17. September 1888 zu Wien, 6 ö ding. Velkusz Irene, geb. 15. Februar 1883 zu Grosswardein, Wien, ITI, Baumgasse 54. Luudeuburg. (Schulfeier). Anläßlich des Jahresschlusses fand am 14. Juli eine Schulfeier statt, welche einen äußerst würdevollen Verlauf nahm. Derselben wohnten die Vertretung der politischen Jsraelitengemeinde, der Kultusgemeinde, der Ortsschulrat, die Eltern der betreffenden Kinder sowie zahlreiche Schulfreunde bei. Die Schüler der ersten Klasse brachten das Liederspiel „Der Kinderreigen" zum Vortrage und ernteten reichen Beifall. Die Schüler der zweiten Klasse trugen das Liederspiel „Der Alpenwanderer" und „Die schöne fröhliche Ferienzeit" zur größten Zufriedenheit der teilnehmenden Schulfreunde vor. Der Obmann des Ortsschulrates Herr Jonas Gold dankte mit beredten Worten dem Lehrkörper für die erzielten günstigen Unterrichtserfolge sowie für das Zustandekommen des herrlichen Schulfestes. Hernach hielt der Oberlehrer I. Robitschek eine passende, vom Patriotismus durchwehte Ansprache an die Schuljugend und Gäste, welche mit Enthusiasmus ausgenommen wurde. Das Absingen der Volkshymne bildete den Abschluß des gediegenen Schulfestes. Gleichenberg. (Galizische Wahlmacher.) Das Blutopfer von Drohobycz hat in der ganzen jüdischen Welt eine ungeheure Aufregung, aber gleichzeitig Mitgefühl hervorgerufen. Selbst hier in Gleichenberg, wo die jüdischen Kurgäste lediglich zur Linderung ihrer Leiden da sind, haben sie sich am 14. Juli um 10 Uhr vormittags im Saale des Restaurateurs Goldschmied — den er gratis zur Verfügung stellte — zur Abhaltung einer Seelenandacht versammelt. Eingeleitet wurde die Feier mit einer Ansprache des Herrn Rabbiner Dr. Nathan Weisz aus Balasagyarmat in Ungarn, der mit vibrierender Stimme die Juden zur Einigkeit aufforderte.' Den Kulminatiouspunkt erreichte die Feier, als Oberkantor Jena Weiß aus Großwardein den »LI mole Rachmim« gesungen hat, ohne Ehor, aber so eindringlich tief, daß kein Auge trocken blieb; wie gebannt standen alle da. Tief ergriffen verließen die Teilnehnrer die Seelenfeier. »vjähriges Lehrerjubiläum. Am 22. Juni feierte die israel. Kultusgemeinde in Semlin das 50jährige Lehrerjubiläum ihres Sekretärs und Schuldirektors Bernhard Kohn, der sich um die Hebung der verschiedenen Gemeinde-Institutionen große Verdienste erworben hat. Die Feier begann mit einem solennen Festgottesdienste. Der Tempel war zum Erdrücken voll von einem distinguierten Publikum, verschiedenen hierortigen und auswärtigen Deputationen und Korporationen. Nachdem ein schöner Choral mit einem prächtigen Sologesänge des Oberkantors Csernovsky verklungen war, bestieg Rabbiner Dr. Urbach die Kanzel und sprach ein kurzes aber innig gehaltenes Dankgebet in kroatischer Sprache. Dann führte er aus, wie die Schüler, die ihr erstes Wissen aus dem reichen Borne des Jubilars gewonnen und in den Tiefen des Lebens zu mächtigen Strömen geworden — während er zeitlebens ein unversiegbarer Quell der Belehrung geblieben ist —; wie Bächlein, Flüffe und Ströme wieder zu ihrem Urquell emporgestiegen sind, um sich in ihm als in dem Quell ihrer Tugenden zu bespiegeln und ihm zu zeigen, was aus ihnen seither Großes geworden ist. Er feierte ihn schließlich (mit Anknüpfung an Vaj. R. 9, 2. zu Ps. 50, 23. >pi?DO 1^8 Tn DtSH nnaiD an . . . nnn1? nna iSk an ♦ ♦ * nn-H mpirnn fiR onöVö«1 DWöl) als Bahnbrecher, Wegweiser und Erzieher seiner Gemeinde. Ein zweiter Choral beschloß den würdigen Gottesdienst und das Publikum zog hinaus in den festlich geschmückten Tempelhof. Nachdem die Zöglinge der jüdischen Elementarschule die Nationalhymne gesungen, begrüßte der Gemeindepräsident M. Binder den Gefeierten in warmen Worten, überreichte ihm 1000 Kronen als Ehrengabe der Kultusgemeinde und verständigte ihn zugleich von ihrem Beschlüsse, daß ihm sein gegenwärtiger Gehalt auf Lebenszeit gesichert wurde. Der städtische Schulinspektor und Direktor der Mädchenbürgerschule Paveliä gratulierte ihm im Namen der hiesigen Lehrerschaft und hob die Bedeutung des Lehrers für Kultur und Fortschritt hervor, sowie den hohen Sinn der Kultusgemeinde, der sich im Verständnisse dafür geäußert hat. Im Namen des ung. isr. Lehrerverbandes überreichte Simon Adler, Direktor des Ritter von Wechselmann'schen Blindeninstituts in Budapest, dem Jubilanten das Begrüßungsdekret des Vereines und Präsidentin Rosa Sonnenfeld 200 Kronen in Gold im Namen des jüdischen Frauenvereines. Hierauf gratulierten noch Bernhard Scheer im Namen des Lehrkörpers der isr. Bürgerschule in Baja und Direktor L. Gado im Namen der hiesigen ung. Staatseisenbahn-Schule. Schulstuhlmitglied Avram Deutsch übergab dem Jubilar eine schwere goldene Uhr als Geschenk der gewesenen Schüler und auch die kleinen Schüler (Vlado Jgnjatic und Marianne Asriel) nach exakter Deklamation ihrer Gratulationsgedichte diverse Ehrengaben aus massiven Silber. Schließlich dankte der Gefeierte tief gerührt für alle Ehrungen des Tages, besonders aber dem anwesenden Bürgermeister Dr. Markovic, von dessen Vater er vor 33 Jahren hier installiert wurde. Das Tamburaschen-Orchester der jüdischen Mittelschuljugend trug inzwischen mehrere Piecen, zuletzt den Herzlmarsch meisterhaft vor und damit war die erhebende Feier in ihrem amtlichen Teile zu Ende. Abends gab der Jubilar den auswärtigen Gästen ein Festbankett von ca. ICO Gedecken, bei dem auf ihn animierte Toaste ausgebracht wurden. Unter anderem verriet hier Direktor Adler den Gästen ein Amtsgeheimnis des ung. isr. Lehrervereines, daß der Jubilar, der der Wohltaten des Vereines nicht bedarf, seit Jahren schon im Stillen den Mitgliedsbeitrag für zwei solche Lehrer leiste, die das aus Eigenem nicht tun könnten, welch edles Beispiel Redner zur Nacheiferung empfahl. Darauf replizierte der Gefeierte mit einer anderen Indiskretion, daß er dem Vereine bereits ein entsprechendes Legat testamentarisch vermacht habe, damit mit den Zinsen ein solcher Mitgliedsbeitrag für 2 würdige, arme Kollegen für ewige Zeit geleistet werden könne. Die Gesellschaft blieb in heiterer Stimmung bis spät nach Mitternacht beisammen. Es war das würdige- Fest eines würdigen Schulmannes, das allen Teilnehmern unvergeßlich bleiben wird. Feuilleton. K UmKnitaria. Moise Loria - wer ist dies? so fragen sich die meisten erstaunt. Ein Mann, der auf allgemeine Anerkennung und Dankbarkeit ein Anrecht hat, wie nur wenige, also lautet die Antwort. Leicht läßt sich eine solche Behauptung begründen. 2n Mantua geboren, verbrachte Moise, gemeinsam mit seinen Glaubensgenossen, seine Kindheit und Knabenzeit eingeschlossen im finstersten Ghetto, ein Gegenstand der Verspottung, wenn er sich über seines Hauses Schwelle wagte, nicht selten sogar das Ziel tätlicher Angriffe. Dem herangewachsen-en jungen Mann war ein solcher Zustand unerträglich: nach-

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