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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-07-21 · 29 (21.7.1911) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
29 (21.7.1911)
Date
1911-07-21
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 482 Nr. 29 Dr. Bwchs Wochenschrift namens Juda Varzel, der als die lebende Sprache, in welcher er geprüft zu werden wünschte, die hebräisch? angab. Das Rektorat sprach sich für die Anerkennung des Hebräischen als lebende Sprache aus und ließ das Kramen in derselben zu. Em offizieAes Gutachten Mer die Juden rm fernen Osten. Die Studienkommission, welche auf Befehl des Zaren in das Amurgebiet entsendet wurde, hat soeben ihren Bericht iveröffentlicht Und enthält einige wichtige Bemerkungen über die dortigen Juden. Bei Besprechung der Frage der Reformierung der städtischen Duma in Nikolajewsk (Amur) wird in dem Berichte gesagt: ,,Es wäre ein verhängnisvoller Fehler, die Juden aus der Stadtverwaltung auszuschlietzen. Die Entwicklung des weltberühmten Fischhandels dieser Gegend ist ausschließlich den Juden zu danken. In einem so völkerarmen Gebiet darf eine solche Methode nicht befolgt werden. Die Juden bilden hier ein sehr nützliches Element und ein Land, das eine Besiedlung seines Gebietes anstrebt, schafft, eher Erleichterungen für die nützlichen Elemente, anstatt sie in ihren Rechten zu beschränken." Die« Juden m der russischen Waldindustrie. Der Vorstand der Minsker Börse für Waldindustrie hat an den Handelsminister ein Memorandum gerichtet, in welchem er für die Abschaffung der gegen die Juden bestehenden Rechtsbeschränkungen hinsichtlich des Holzstandes eintritt. Zur Begründung dieses Ansuchens wird angeführt: Die Holzindustrie bildet den wichtigsten Produktionszweig des nordwestlichen Gebietes von Rußland. Die Bauern finden in ihr, besonders im Winter, ausgiebigen Verdienst, ebenso hat der Staat von dieser Industrie eine große Einnahme. Die Ausbeutung der Wälder in dieser Gegend hat jedoch hauptsächlich, darum unter den abnormalsten Vorbedingungen zu leiden, daß gegen die Juden, die 90 Prozent Händler mit Waldprodukten ausmachen, die schwersten Rechtsbeschränkungen bestehen. Deshalb kann sich die Holzindustrie nicht normal entwickeln. Die Juden dürfen sich nicht mit der Ausforstung der Wälder und der Bearbeitung des gewonnenen Materiales frei beschäftigen: ferner dürfen sie nicht Besitzer von Sägemühlen sein, weshalb sie gezwungen sind, die Produkte in unverarbeitetem Zustande nach Deutschland und Westeuropa zu verkaufen^ drittens ist den Juden der Handelsverkehr durch die außerhalb des Ansiedlungsgebietes gelegenen Handelshäfen — Libau, Windau, Riga, Reval und Petersburg — verboten, weshalb sie gezwungen sind, preußische Hafen — und die Vermittlung preußischer Händler in Anspruch zu nehmen usw. Eine «eue jüdische Sekte unter den Don-Kosaken. Vor kurzem wurde in Luganok (Rußland) eine Gruppe Menschen verhaftet, die einer bisher unbekannten religiösen Sekte angchören. Die Untersuchung ergab, daß sie einer der vielen juden-christlichen Sekten angehören, wie sie in Rußland seit Jahren zu Hunderten entstehen. Merkwürdig ist, daß man bei ihnen Bücher und Handschriften fand, die bisher noch nicht entziffert werden konnten. Die Schristzüge der Manuskripte bewegen sich von rechts nach links. Die Verhafteten erklärten, daß sie am Sabbat, wie ihn die Juden halten, keine Arbeit verrichten und daß sie an keine der christlichen Dogmen glauben. Sämtliche gehören zu den Don-Kosaken. Kolonisation russischer Juden in der Nähe von Kouftautinopel. Vor einem Jahre ungefähr erwarb die Jca in der Nähe von Konflantinopel ein Stück Land, welches sie dann den jüdischen Kolonisten von Nowoschitz in Beffarabien als Niederlaffnngsgebiet anbot. Die Kolonie entsandte eine Delegation nach. Konstantinopel. Auf Grund deS Lokalaugenscheines beschloß nun die ganze Kolonie nach der Türkei auszuwandern und sich auf dem erwähnten Gebiete anzusiedeln. Da jedoch das Stück Land für die Nowoschitzer Kolonisten zu groß sein dürfte, so werden sich ihnen die jüdischen Ackerbaukvlonisten von Britschan gleichfalls in Beffarabien anschließen. Der russische Botschafter in London bei Baronin Rothschild. Vorige Woche gab Baronin Leopold de Rothschild in ihrem Palais einen Gesellschaftsabend. Unter den geladenen Gästen, welche auch der Einladung Folge leisteten, befanden sich die Botschafter von Oesterreich, Italien und Rußland. Aufreizung gegen Inden in Korfu. Laut einer Mitteilung des „Corriere Jsraelitico" aus Korfu macht sich unter der dortigen griechisch-katholischen Bevölkerung in jüngster Zeit eine feindselige Stimmung gegen die Juden und Römisch-Katholischen bemerkbar. Die Hetze geht von der griechischen Geistlichkeit aus, die bei jeder Gelegenheit in Versammlungen und auf der Kanzel die Bevölkerung zu Ausschreitungen gegen die Anhänger der genannten zwei Konfessionen aufhetzen. Die Katholiken, zumeist italienische Untertanen, sind im Wege ihres Konsuls bei der griechischen Regierung behufs Abstellung dieser systematischen Hetze eingefchritten. Die Juden hingegen sind fast durchwegs griechische Untertanen und haben, da sie zu den Zivilbehörden scheinbar kein besonderes Vertrauen haben, sich an den orthodoxen Erzbischof von Korfu um Hilfe gewendet, der den Geistlichen auch tatsächlich solche Hetzreden untersagte. Um nun der kirchlichen Zensur zu entgehen, haben diese Hetzpfarrer ein eigenes Lokal für Vorträge gemietet, in denen sie vor einem großen Publikum ihre antisemitischen Quertreibereien fortsetzeu. Wenn auch vorläufig keine Gefahr besteht, daß die Bevölkerung sich zu ernsten Ausschreitungen hinreißen läßt, so darf doch nicht außeracht gelassen -werden, daß die großen Judenverfolgungen in Korfu vom Jahre 1891 gleichfalls durch Hetzreden seitens griechischer Geistlicher eingeleitet wurden. Fürst Wolkoriski's Menschenliebe. Der russische Fürst W o l k o n s k i, ein bekannter Judenfresser, spendete vor einiger Zeit 220.000 Rubel für die Errichtung einer Augenklinik im Wolhynier Gouvernement, jedoch mit der Bedingung, daß in dieser Heilanstalt nur christliche Kranke Aufnahme und Pflege finden dürfen. Das Ministerium des Innern hat jedoch die Stistungsurknnde nicht bestätigt und zwar mit der bei russischen Behörden sonst ungewohnten Begründung, daß es in der Behandlung der Kranken keinen Unterschied der Konfessionen geben dürfe. Dementsprechend wurde auch die Baubewilligung für das geplante Krankenhaus verweigert. Vermischtes. Wien. (M äd ch en-Unt erstützun g s-V e r e i n, IX., Seegasse 16.) An den Schulen dieses humanitären Vereines hat das Schuljahr am 12. hezw. 13. d. M. geschlossen. Sowohl in der Frauengewerbeschule (63 Schülerinnen) als in der Fortbildungsschule (51 Schülerinnen) im Handels-Lehrkurse (52 Schülerinnen) und im Bureaukurse (40 Schülerinnen) waren die Unterrichtserfolge sehr befriedigend. Von den Zöglingen der beiden letzten Kurse sind bereits viele angestellt. Den Absolventinnen der Frauengewerbeschule verleiht das Abgangszeugnis die Berechtigung zum Antritt des Damenkleidermacher- Gewerbes. Der Unterricht wurde in allen Abteilungen unentgeltlich erteilt. Die Einschreibungen für das Schuljahr 1911/12 (nach Maßgabe der noch vorhandenen Platze) finden am 14. und 15. September dieses Jahres statt. Wien. Anläßlich der Verlobung des Erzherzogs Karl'FMz Josef mit der Prinzessin Zita von Bourbon-Parma hat die-Schriftstellerin Dr. Sophie Großmanu ein Gedicht an das hoheHraMtzar gesendet. Sie erhielt folgendes Telegramm: „Für den schönen Mtzckwunsch dankt herzlichst, Erzherzog Karl". Auch Frau ErzherzoginMäHe Valerie ließ durch hochdero Hofdame für ein Gelegenheitsgedicht'dnläßlich des Ablebens der jüngsten Erzherzogin Agnes der Verfaffeün ihren besten Dank aussprechen.

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