Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 29 (21.7.1911)
- Date
- 1911-07-21
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Sette 480 Dr. BloKs WvchenschM sei, sondern das inoffzielle und unangreifbare Saloniker Komitee. Ein Einfluß auf dieses könne nicht von den Regierungen genommen werden, sondern von den ehrenhaften und humanen Juden der westlichen Staaten! Der anonyme Autor wird dann deutlicher. Das Saloniker Komitee, sagt er, sei „bekanntlich" eine fteimaurerische Organisation, in der Juden und Dönmes (ein zum Islam übergetretener, jüdischer Bevölkerungsteil Salonikis) den stärksten Einfluß hätten. Sie hätten die Revolution vorbereitet und sie tragen die Schuld an der blutigen Niederwerfung des albanischen Ausstandes. Der Autor nennt auch diese jüdischen Komiteeführer Salonikis. Dabei passiert ihm das Mißgeschick, daß er zwei Männer anführt, die nicht in Saloniki leben: Saflun, der in Bagdad, und Meslah, der in Smyrna wohnt! „Diese Tatsachen", fährt der Artikel fort, „welche jede europäische Regierung kennt, sind auch in der Türkei und auf dem Balkan bekannt, wo eine wachsende Tendenz unverkennbar ist, die Juden und Dönmes für die blutigen Fehler des Komitees verantwortlich zu machen. Den Grad der Verantwortlichkett gerecht festzustellen, ist gegenwärtig unmöglich. Fraglos find die Juden das Gehirn der Komiteebewegung und es ist ebenso ficher, daß, wenn ein Unglück eintritt, auf fie das Odium fallen wird für Ereignisse wie die Massakers von Adana, die Niedermetzelung bulgarischer Bauern im letzten Herbst und die gegenwärtigen Vorgänge in Albanien, die ein so trauriges Licht auf das jungtürkische Regime werfen". Wer die Geschichte der letzten Jahre kennt, der weiß, daß die Juden weder mit Adana noch mit den Komitatschis auch nur das geringste zu schaffen haben. Es ist auch bekannt, daß der Einfluß der jüdischen Mitglieder der Leitung des Komitees für Einheit und Fortschritt — wenn er jemals bestanden hat — seit dem Sturze des Finanzministers Dschawid Bej geschwunden ist und daß sich in Albanien eine rein militärische Operation vollzieht, wie fie Oesterreich in Bosnien, England in Aegypten oder Sansibar, Deutschland im Witboiaufftand, Frankreich in Madagaskar usw. durchgesührt haben. Man könnte ebensogut die Juden für das Erdbeben von Messina verantwortlich machen. Der Zweck des Artikels ist sehr durchsichtig und mit einem Wort zu fasten: P o grome! Es wäre sehr interestant, den Autor des Artikels kennen zu lernen. Sicher ist, nach verschiedenen Fchlern, die er begeht, daß er kein Türke ist. Ein Albaner ist er auch nicht. Vielleicht fitzt er in Wien selbst, in den Kreisen, mit denen der Albanerführer Jsmael Kemal schon einmal im Vorjahre und vor zwei Wochen wieder auf der Reise nach London konferiert hat, in der christlichsozialen Parteileitung, die schon seit langem mit begehrlichen Blicken nach dem Balkan sieht, wo Pogrome einen prächtigen Vorwand zu einer bewaffneten Intervention der christlichen Staaten liefern würden! Es ist nötig, daß das Judentum aller Richtungen und Parteien auf der Hut bleibt, um der Niedertracht, die sich du wieder einmal in geheimnisvollem Dunkel vorbereitet, rechtzeitig entgegenzutreteu. Wie». Am 17. Juni starb der israelitische Religionslehrer Professor Jakob Reiß, Doktor der Universität Halle. Bei seinem -am 19. Juni vom Zentralfriedhofe aus stattgefundenen Begräbnisse, an dem sich der weitaus größte Teil der Schüler ohne ^Unterschied der Konfession, sowie der dienstfreien Lehrer beteiligten, widmete chm der Direktor Regierungsrat Dr. G. Waniek, nachdem Herr Rabbiner Dr. David Feuchtwang die Trauerrede gehalten hatte, nachstehende Worte: „So müssen wir denn in diesem Schuljahre auch noch an dein offenes Grajb treten, du treuer Kollege, du wackerer Lehrer. Du bist der dritte, der innerhalb weniger Monate aus unserer Mitte von seiner Arbeit abberufen wurde. Wohl warst du der Aelteste unter uns. Aber nicht nur des Alters Erfahrung und Weisheit haben dich ausgezeichnet, auch das schöne Vorrecht der Jugend, schaffenstüchtige Gesundheit und vollwirkende Kraft war dir eigen. Unermüdlich und unentwegt warst du am Werke des Tages und keine Minute hat die Arbeitsstunde deiner vergeblich geharrt. Du hast nie geklagt über die Bürde und Schwere deines Berufes. Bescheidenheit hat dir stilles Glück und Zufriedenheit gesichert und deine Tage mild durchsonnt und deinem Schaffen Gedeihen und Segen gespendet. Wer konnte ahnen, dass ein Baum, der noch reiche, von der Abendsonne vergoldete Früchte Nr. 39 trug, so rasch dahinsinken werde! Erschüttert stehen wir an deiner Bahre, du kernige, nun zusammengebrochene Mannesgestalt und trauern um dich. Was du berufen warst zu sein, das bist du ganz gewesen : ein Priester und Lehrer deiner altehrwürdigen Religion. Ehern wie das heilige Gesetz, dem du gedient, waren dein Wille und die Kraft, es zu halten und zu üben, und ehern war der Ernst, mit dem du es in die Seele der Jugend geprägt hast. Die irrenden Stimmen der falschen Lehrpropheten, die das Hohe im leichten Spiel erringen wollen, die von der Jugend nicht mehr fordern als das Bekenntnis ihrer Zufriedenheit mit dem augenblicklichen Zustand, hast du nie gehört. Du kanntest die Geschichte deines vielgeprüften Volkes, die erzählt, wie es sich nur dadurch die Jahrtausende über erhalten und zu neuem Aufschwung erheben konnte, dass es die Schwere des Lebens kennen und tragen gelernt hat; du kanntest deinen Psalmisten, der jenes Leben als köstlich besang, das Mühe und Arbeit gewesen ist. Aber du hast dich auch den Forderungen unserer Zeit nicht enge verschlossen. Eifernde religiöse Unduldsamkeit lag dir ferne. Du suchtest nicht auf, was die Menschen trennt und auseinander führt, sondern was sie bindet und eint zu gemeinsamer Kulturarbeit. Als Lehrer einer bestimmtenReligion ist auch dir das edle Menschentum als höchstes Ziel der Erziehung vorgeschwebt und so warst du ein echter und rechter Gymnasiallehrer. Darum hat dich auch nichts von deinen Kollegen getrennt. Du warst uns ein treuer, hochgeschätzter Mitarbeiter, dem wir unser ungeteiltes Vertrauen entgegengebracht haben, wir alle, ohne Unterschied der Konfession. Du hast es unterlassen, dich mit bestrickendem Wort in die Herzen der Jugend zu schmeicheln, aber du hast niemanden wehe.getan; mit Ernst und Strenge wusstest’ du rücksichtsvolle Nachsicht, Wohlwollen und Güte zu einen. So hast du dein Lehramt die letzten 18 Jahre deines Lebens verwaltet. Und nun es ans Scheiden geht, nimm den wehmutsvollen Dank deiner Kollegen für deine Anhänglichkeit und Treue, nimm den Dank der Jugend entgegen für die Worte des Lebens, die du ihnen aus den heiligen Schriften vermittelt und gedeutet hast, für deine sichere religiöse und sittliche Führung, für alles Gute, das du jedem einzelnen und den Armen und Verlassenen insbesondere getan hast. - rn vr! Dein Mund ist verstummt, dein Wort wirkt fort und fort wirkt auch das reine, von keinem Anhauch getrübte Bild deines geschlossenen Mannescharakters, das du durch dein Leben geprägt hast und das heute hier bereits mit beredteren Worten geschildert wurde. Noch in späteren Tagen werden deine Schüler den .justum : ac tenücem propositi virum, den Mann mit seiner unverrückbaren Ueberzeugungstreue, seiner Gerechtigkeit und anspruchslosen Frömmigkeit vor ihrem geistigen Auge sehen und werden ihm folgen. Du aber ruhe aus von deiner rastlosen Wanderung, ruhe aus von den Jllühen deiner Arbeit! Du hast die Ruhe ehrlich verdient. Möge dir die Erde leicht werden!“ DÄr Vizepräsident der Stadt Krakau. Bei der vor einigen Tagen stattgehabten Konstituierung des Präsidiums der Stadtgemeinde Krakau wurde Hofrat Josef Sare zum Vizepräsidenten der Stadtgemeinde Krakau gewählt. Hofrat Sare ist eine der angesehensten Persönlichkeiten Krakaus und war auch für ein Mandat in den Reichsrat in Aussicht genommen. Seine Wahl zum Vizepräsidenten der Stadt Krakau hat diesmal eine um so größere Bedeutung, als der Präsident und Bürgermeister der Stadt, Dr. Leo, zum Reichsratsabgeordneten gewählt wurde und daher den größten Teil des Jahres von Krakau abwesend sein wird, wodurch seine Stellvertreter, darunter auch Vizepräsident Hofrat Sare,. mehr zur Geltung kommen werden. Hofrat Sare gehört der polnisch-demokratischen Richtung an und versprach in seiner Antrittsrede, daß er bestrebt' feil?3 werde, mit der größten Unparteilichkeit für die Hebung des wirtschaftlichen und kulturellen Niveaus der Stadt und ihrer gesamten Bevölkerung Zu arbeiten. Ein RÄord in Mischehen. Ungarn ist das Land, in welchem die'meisten Mischehen zwischen Juden und Christen geschloffen werden. Im Monate Mai hat jedoch Ungarn sich selbst, übertroffen. Wie nämlich dem Maihefte der Mitteilungen des statistischen Landesamtes zu entnehmen ist, wurden im Monat Mai insgesamt 14.923 Ehen geschlossen. Die Zahl der Ehen zwischen Juden und Christen betrug 86, in 66 Fällen gehörte die Braut dem christlichen und in 50 Fallen dem jüdischen Glauben M. Bezüglich der