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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-07-21 · 29 (21.7.1911) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
29 (21.7.1911)
Date
1911-07-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 29 Dr. Mochs Wochenschrift Seite 479 (Siioah?) Kanal »die Stadt befestigt«. Ebenso überraschen die in Vitrinen ausgestellten Steinmodelle der altisraelitischen Gräber, Wein- und Oelpressen, Wohnhäuser, Backöfen, Hausgeräte usw. Alle diese interessanten Zeugen der uns allen vertrauten biblischen Geschichte bilden den Rahmen zu einem Zelt, das uns das Heim der Patriarchen Israels vergegenwärtigt. Illustrierte hygienische Leitsätze aus der Bibel (Sabbatruhe, Leprabekämpfung, Defäkation usw.) betreffend bilden einen passenden Wandschmuck. Durchquert man von diesem Saale aus Egypten, Griechenland und Rom, so gelangt man durch zwei eingemauerte uralte jüdische Grabsteine (aus Wien XIII. und aus Südarabien), gewissermassen als Wegweiser geleitet, in die Gruppe des späteren Judentums. Wie gebannt steht man vor dem prächtig ausgedachten und durchgeführten Milieu einer Sabbatstube in natürlicher Grösse. Der Tisch mit den Leuchtern, dem Weinbecher, den Sabbatbroten, der Kamin mit den Zinnschüsseln und anderem jüdischen Hausgerät, das Waschbecken mit Kanne, selbst die Sabbatblumen fehlen nicht. In grossen altfränkischen Oelbildern wird hoch oben an den Wänden die Tätigkeit der »Heiligen Brüderschaft« dargestellt, darunter der ganze bunte Kreis der jüdischen Feste (nach Picart u. s. w.). Originell wie dieses Milieu sind die mit verschwenderischer Pracht und hoher Kunst illustrierten hygienischen Weisungen des Talmuds und der Schriften des jüdischen Mittelalters (Maimonides, Schulchan aruCh etc.), die hier das Auge des Beschauers fesseln. Den Uebergang zur Sabbatstube bildet ein sehr gelungenes Modell des Schächtens, der jüdischen Fleischbeschau, des Aussalzens, Präparate, die das Entbluten bei geschachtetem und geschlagenem Vieh darstellen. Daneben ein Modell des Wiener Ghettos von 1420 mit der rituellen Schutzvorrichtung an den Dächern, ferner eine Gruppe »Leichenwaschung«, die Modelle der alten Judenbäder in Worms, Offenburg und Friedberg, Darstellungen und Instrumente der Beschneidung, der rituellen Waschungen, alter jüdischer Friedhöfe. Das ganze macht einen durchaus würdigen Eindruck. Es liegen Proben aus von dem im Verlage der Ausstellung demnächst von Dr. Grunwald, Wien, dem Schöpfer der beiden Gruppen, herausgegebenen Werk »Die Hygiene der Juden«. Der Ausstellungskatalog spricht von den Leistungen der Juden alter wie neuerer Zeit auf dem Gebiete der Hygiene mit Anerkennung, ja zum Teil mit Bewunderung.« Der „Dresdener Anzeiger" vom 30. Juni schreibt in einem Artikel, betitelt: „Die historische Abteilung d e r In t e r n ati o nalen Hygiene-Ausstellung. III. Das Mittelalter.": »Bemerkenswert ist wiederum, wie streng auch die Juden in den Zeiten schwerster Bedrückung an den hygienischen Vorschriften des mosaischen Gesetzes festhielten. Sie gingen sogar so weit, unterirdische Bäder in den Ghettos anzulegen, um stets unberührtes, d. h. reines Wasser zur Verfügung zu hüben, wie das Gesetz es erforderte. So sehen wir die unterirdischen Badeanlagen von Offenburg in einem Modell dargestellt, eine Anlage, die allerdings von manchem nur als Brunnenanlage für den Fall einer Belagerung der Judenstadt angesprochen wird; eine unbestritten nur zu Badezwecken dienende unterirdische Anlage finden wir jedoch in dem Judenbade zu Worms vorgeführt. Eine jüdische Sabbatstube bildet den wirkungs- und stimmungsvollen Abschluss dieses Raumes, in dem ausserdem noch das Schächten eines Schlachttieres in einem kleinen Modell dargestellt wird, während die Abbildung einiger tuberkulösen Lungen usw. von Schlachttieren auf den hohen Wert der rituellen jüdischen Fleischschau hinweist.« Verein der israelitischen Fleischhauer und Fleisch- Verkäufer in Wien. Unter sehr zahlreicher Beteiligung der Mitglieder wurde am 4. d. die Generalversammlung dieses Vereines abgehalten. Der vom Vorstände erstattete Bericht gedenkt der vielfachen Erfolge, welche im abgelaufenen Jahre erzielt wurden und dank "dem festen Zusammenhalten der Mitglieder auch in Zukunft erhofft werden dürfen. Als Hauptaufgabe des Vereines erblickte die Vereinsleitung die bestmögliche Verwertung der Nebenprodukte, wodurch die schwierige Lage des Gewerbes doch etwas gemildert würde. Nach Genehmigung dieses Berichtes bereitete die Versammlung dem anwesenden Ehrenmitgliede und Mitbegründer des Vereines Herrn Heinrich Kornmehl anläßlich seines 70. Geburtstages eine herzliche Ovation. Obmann Herr Siegmund K o r n m e h l erstattete sodann einen ausführlichen Bericht über seine Tätigkeit in der Genossenschaft, deren derzeitige Vorstehung die Geschäfte in tadelloser und objektiver Weise leitet. Die Versammlung nahm den Bericht mit dem Ausdrucke des Dankes für die eifrige und erfolgreiche Tätigkeit des Referenten zur Kenntnis. Bei der vorgenommenen Neuwahl des Gesamtvorstandes wurden mit Stimmeneinhelligkeit die ausscheidenden Herren: Siegmund Kornmehl (Obmann), Jakob Morgenstern (Obmannstellvertreter), Gustav Herrmann (1. Schriftführer), Alexander Klein (2. Schriftführer), Ludwig W e inw urm (Kassier), Leopold Frankl, Gottlieb H errmann, Theodor Kraus, Heinrich Pordes, Moritz Winter und Simon Schlesinger wieder- und die Herren Max Eisna, Nathan Lustig und Siegmund Schwarz neugewählt. Für das Amt der Revisoren wurden die Herren Alfred Fried und Siegmund Plaschkes berufen. Eine lebhafte Debatte knüpfte sich an das Referat des Gottlieb Herrmann über die gegenwärtige Verwertung der Nebenprodukte. Von allen Rednern wurde der Ansicht Ausdruck gegeben, daß die Mitglieder der einzelnen Innungen für ihre Nebenprodukte nicht jene Preise erhalten, welche zu erreichen möglich sind, daß es aber auch ungerecht sei, wenn Außenstehende (Lieferanten) für ihre Produkte mehr erhalten als die Mitglieder. Die Vereinsleitung will den Versuch machen, durch geschlossenes Vorgehen der Mitglieder eine Besserung dieser Verhältnisse herbeizuführen. Mit einem Proteste gegen die Schächtgebühren, welche die Kultusgemeinde den jüdischen Fleischhauern neuerlich auflasten will, schloß die Versammlung nach dreistündiger Dauer. In der Schächtgebühren-Angelegenheit begab sich eine Deputation unter Führung des Obmannes Herrn Siegmund K o r n m e h l, um den Standpunkt der israelitischen Fleischhauer zu präzisieren, zur Kultusgemeinde, dieselbe möge den gegenwärtigen Schächtgebührmodus einer vollständigen Neuregelung unterziehen, da gegenwärtig immer wieder nur die arme Bevölkerung diese Gebühren auf das ohnehin sehr teuere Fleisch bezahlen muß, denn viele Reiche essen leider kein rituelles Fleisch, auch wird noch das Schächten immer mehr zur Rarität werden, wenn nicht eine andere Art von Einhebung der Gebühren stattfindet. Der Vizepräsident Herr Hofrat Dr. Rappaport empfing die Deputation aufs Liebenswürdigste, verwies darauf, daß gerade Herr Kornmehl Veranlassung nahm, eine Gehaltsaufbesserung der Schächter herbeizuführen, was der Gemeinde abermals große Opfer koste, und daß die Koscherfleischfrage jährlich ein Defizit von 40.000 Kronen verursache. Der Obmann des Vereines der israelitischen Fleischhauer ersuchte hierauf, ihm die betreffenden Daten in dieser Frage zur Verfügung zu stellen, und erklärte, er sei bereit, eine vollständige Regelung der Schächtgebühren auszuarbeiten und dem Präsidium vorzulegen; dieselbe dürfte alle beteiligten Kreise befriedigen. » Herr Hofrat Dr. Rappaport erklärte sich mit diesem Vorschläge einverstanden und sagte seine vollständige Unterstützung in dieser Sache zu. Die Juden und der albanische Aufstand. Aus London wird der „N. I. K." berichtet: So oft in irgend einem Lande der Welt ein Ereignis eintritt, das die Oeffentlichkeit in hervorragendem Maße beschäftigt, macht sich der internationale Antisemitismus ungesäumt an die Arbeit, dem Judentum die Schuld beizumeffen. Ob es sich um einen Sensationsprozeß handelt oder um eine Veränderung der Regierungsform oder um eine wirtschaftliche Krise — stets ist der Jude daran schuld. Es steht noch in allgemeiner Erinnerung, wie man die portugiesische Umwälzung den „jüdischen Freimaurern" zuschrieb, die überhaupt ein beliebtes Gruselobjekt der antisemitischen Regiekunst bilden. Nunmehr sind die Juden auch an den Mißgriffen und Grausamkeiten beteiligt, die von Torgut Schefket, dem türkischen Kommandierenden in Albanien, gegen die Aufständischen angeblich begangen werden. Ja einem Artikel, der gleichzeitig in der Wiener „Zeit", in klerikalen, italienischen Zeitungen und in der Londoner „Times" auftaucht, schildert ein nichtalbanischer „Augenzeuge" die Kriegsührungsmethode Torgut Scheskets gegen die Albaner. Die Intervention der europäischen Kabinette in Konstantiopel müßte darnach vergebens bleiben, weil nicht die türkische Regierung für die Grausamkeit verantwortlich

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