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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-07-21 · 29 (21.7.1911) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
29 (21.7.1911)
Date
1911-07-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nc 29 Dr. Bkochs WochenschM Seite 475 den Graf Zeppelin an Harden gerichtet hat, wie den sachlichen Inhalt der Erwiderung Hardens wiedergeben. Graf Zeppelin hat nach dem Erscheinen der Antwort Hardens auf die Erklärung des Direktors Colsman folgenden Brief an Harden gerichtet: „Um diese Zweifel einfür allemal aus der Welt zu schaffen, darf ich Euer Hochwohlgeboren ersuchen, die nachstehende Aufklärung in den Spalten des nächsterscheinenden Heftes der „Zukunft" zu veröffentlichen. Die Unrichtigkeit der verbreiteten Meinung, daß ich wichtige Teile meines Luftschiffsystems von dem Oesterreicher Schwarz übernommen hätte, erweist sich aus der Tatsache, daß ich bereits im Jahre 1894, wo bei uns wenigstens noch Niemand Etwas von einen Schwarz'- schen Luftschiff wußte, die ins Einzelne ausgearbeiteten Entwürfe, nach welchen später im Wesentlichen meine Luftschiffe ausgeführt wurden, einer von Seiner Majestät dem Kaiser Allerhöchst befohlenen Prüfungskommission vorgelegt habe. Es ist demnach ausgeschloffen, daß ich von Schwarz Anregungen für den Bau meiner Luftschiffe bekommen haben könnte. In Erwartung, daß Euer Hochwohlgeboren meinem Ersuchen gern entsprechen werden, verbleibe ich hochachtunvsvoll Dr. Graf Zeppelin." Maximilian Harden stellt nun in seiner Erwiderung auf diesen Brief folgendes fest: Der Holzhändler David Schwarz kam als erster auf den Gedanken, ein lenkbares Luftschiff aus starrem Stoff zu bauen. Er studierte, zeitweise als Arbeiter verkleidet, mehrere Aluminiumfabriken und legte sein Projekt 1890 dem österreichischen Kriegsminister vor. Da die österreichische Regierung die notwendigen Geldmittel nicht zur Verfügung stellen konnte, wurde Schwarz russischer Regierungsingenieur und baute 1892 in Petersburg sein erstes Luftschiff, das aber nicht mit Gas gefüllt werden konnte, da schlechtes Material geliefert worden war. Schwarz wandte sich dann nach Berlin, wo sein Projekt eines Aluminiumlenkballons von achtzig Metern Länge und zwölf Metern Breite gutgeheißen wurde. Die Militärbehörde versprach, den Ballon bei erfüllten Erwartungen für 300.000 Mark anzukaufen. Am 13. Jänner 1897 wurde Schwarz zum Probeflug telegraphisch von Wien nach Berlin berufen. Er starb kurz nach Empfang der Depesche auf offener Straße gm Herzschlag. Seiner Witwe, Frau Melanie Schwarz, wurde auf Befehl des Kaisers die Vorarbeit und Demonstration im Luftschifferpark anvertraut. Das Luftschiff stieg am 3. November 1897 auf dem Tempelhofer Feld auf. Die Führung war den Offizieren nicht erlaubt und deshalb einem jüngeren Maschinisten überlassen worden. Das Luftschiff wurde bei Zu rascher Landung zerstört, Graf Zeppelin war bei diesem Probeslug zugegen. Sein Patent vom 31. Aug. 1895 spricht weder von Aluminium noch von einer Verbindung der beiden Gondeln, die vier Monate später einem Amerikaner patentiert wurde. Er hat erst nach Schwarzens Tode ein Luftschiff gebaut und Aluminium sowie Propeller von den gleichen Fabriken wie Schwarz .bezogen. Am 19. Februar 1898 haben Graf Zeppelin und Kommerzienrat Karl Berg in Stuttgart mit Frau Schwarz zwei Verträge geschlossen. Durch den ersten Vertrag erwarb Herr Berg das Recht, über die „ihm mit den Schwarzschen Erben gemeinschaftlich gehörigen patentierten und nichtpatentirrten Erfindungen" in Deutschland frei zu verfügen. Durch den zweiten Vertrag sicherte Graf Zeppelin der „Gesellschaft zur Förderung der Luftschiffahrt" das Vorkaufsrecht für die den Schwarzschen Erben außerhalb des Deutschen Reiches zustehenden Rechte. Nach Hardens Mitteilungen hat die Gesellschaft, die nach den mißglückten Versuchen des Grafen Zeppelin im Sommer und Herbst 1900 aufgelöst wurde, ihre Verpflichtungen gegenüber Frau, Schwarz nicht ^.erfüllt. Harden schließt mit den Worten: „Die Entschleierung dieses Tatbestandes ergänzt die „Aufklärung" des Grafen Zeppelin. Er hat sie apf das Jahr 1894 beschränkt und die Meinung zurückgewiesen, „daß er von Schwarz Anregungen für den Bau seiner Luftschiffe bekommen haben könnte." Seine Energieleistung soll nicht geschmälert noch die Selbständigkeit seiner ersten Pläne bestritten werden. Erweislich und erwiesen ist aber, daß er erst lange nach Schwarz das Aluminium als Baumaterial gewählt und Schwarzens „Erfindungen und Erfahrungen" durch Vertrag und um den Preis der Verpflichtung, die Erben des genialen Agramers entschädigen zu lassen, seiner Gesellschaft gesichert hat." („Berl. Tagebl., v. 11. Juki 1911.) Die Rhetorik und die jüdische Kanzelberrdsawkeit. Von Rabbiner Dr. M. Rosenmaun. Der vom Rektor der Wiener Universität jüngst gemachte Vorschlag behufs Errichtung einer Profeffur für Rhetorik soll uns nicht etwa veranlassen, offenstehende Türen einzurennen und den Nachweis zu erbringen, daß schon in uralten Zeiten die Beredsamkeit im Judentum nicht bloß intensiv ausgeübt, sondern auch gelehrt wurde (Jesaias Kap. 50, Vers 4 ff.); er diene vielmehr bloß dazu, Rechenschaft abzulegen über den Stand der Kanzelberedsamkeit im gegenwärtigen Judentum. Wer mit offenem Sinn die verschiedenen parlamentarischen und forensischen Reden liest und sie mit den jüdischen, nicht geradezu notorisch schlechten Predigten vergleicht, gelangt bald zum erfreulichen Resultate, daß letztere, was Reinheit der Sprache, Eleganz des Ausdruckes, sowie Aufbau der Teile und logische Durchführung des Themas betrifft, ersteren zum mindesten nicht nachfiehen, sicherlich aber fast alle katholischen Predigten weit überragen, sowie auch sehr viele protestantische, obschon die moderne jüdische Kanzelrede nach protestantischem Borbilde entstanden ist. Israel Jacobson in Seesen dürfte vor etwa mehr als einem Jahrhundert — nach vielen mißlungenen Versuchen einiger Vorläufer — der erste gewesen sein, der eine regelrechte Predigt hielt. Bald schritt man daran, in Anlehnung an Mosheim, Dräseke, Zollikofer, Löffler die jüdische Kanzelrede zu vervollkommnen, so daß sie in kurzer Zeit durch den Hamburger Prediger Gotthold Salomon Triumpfe feiern konnte, um nach einer Periode des Stillstandes in den letzten Jahrzehnten in dem Berliner Kanzelredner M a y b a u m, der zum pastoral salbungsvollen Ton eine scharfe Dialektik hinzufügte, einen neuen hervorragenden Vertreter zu erlangen. Ihr ureigenes jüdisches Gepräge erhielt die Predigt erst in Oesterreich, resp. in Wien. Hier war es der Genius loci, der Einfluß der in Wien immer vorhanden gewesenen talmudisch Gelehrten, der schon Mannheimer veranlaßt hatte, den bis dahin als homiletische Quelle verpönten Talmud in den Kreis seiner Betrachtungen zu ziehen, bis schließlich I e l l i n e k durch geniale Anwendung des Midrasch die Predigt auf ihre uralte Basis stellte und so die epochemachende Wiener Schule begründete. Eine eigene köstliche Note dieser Schule bildet die Beredsamkeit des bescheidenen großen Wiedererweckers der Herz und Gemüt labenden „Maschalim" (Gleichniffe) Dr. Adolf Schmiedl, dessen Sanfinnim als ein modernes „Menauras Hamoaur" bezeichnet werden können. — In vielen Beziehungen einander ähnlich find die scharf pointierten, an Antithesen reichen, das reale Leben behandelnden Reden des mährischen Landesrabbiners Dr. P l a c z e k und des Oberrabbiners Dr. G ü d em a n n. Beide find namentlich Kasualredner, die oft mit einem einzigen Zitat, mit wenigen prägnanten Worten einen ganzen Lebenslauf kennzeichnen. Man erinnere sich z. B. an Güdemanns Zitat an der Bahre Emil Horners: S22 npix wy öb»q na» np« Man lese die in diesem Blatte veröffentlichten Leichenreden am Sarge Sonnenthals und Theodor Ritter v. Tausfig oder den in Güdemanns „Grabreden* enthaltenen Nachruf nach Bettina v. Rothschild („Ich rede nicht von dem, woran die Welt gewöhnlich zunächst denkt .... Der Glanz ihrer Per-

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