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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-07-14 · 28 (14.7.1911) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
28 (14.7.1911)
Date
1911-07-14
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 88 Dr. Bkochs Wochenschrift Sette 467 Ferienkolonie „Kinderstütze". Wien, XVI/1, Hubergasse 8. Ein reges Leben entfaltete sich am 9. d. M. morgens auf dem Nordbahnhofe, im Wartesaale III. Klasse, wo sich 50 Kinder, Mädchen und Knaben, im Alter von 8—12 Jahren in Begleitung ihrer Angehörigen versammelt hatten, um mit dem Zuge 7 Uhr 50 Min. nach dem Ferienheim in Austerlitz (Mähren) befördert zu werden. Es ist dies die erste Abteilung der alljährlich von der Ferienkolonie „Kinderstütze" unter Leitung des bewährten Obmannes Herrn Philipp Blau entsendeten Ferienkolonien. Die zweite Abteilung der Ferienkolonisten erfolgt in gleicher Anzahl am 9. August l. I. Zur Abreise hatten sich viele Vorsteher anderer Wohlfahrtsvereine, Se. Ehrwürden Rabbiner Dr. I. M. Bach sowie viele Freunde des Vereines eingefunden. Die Begleitung der Kinder übernahm eine Lehrperson und ein Amtsdiener des Kultusbezirksamtes. Der Abschied der Kleinen von ihren Angehörigen, welch' letztere ihrem Dank und ihrer Freude über die den schwächlichen und bedürftigen Kindern zuteil werdende Wohltat eines Landaufenthaltes unter Tränen Ausdruck gaben, gestaltete sich zu einer rührenden Feier. Der Vereinsleitung „Kinderstütze" sei auf diesem Wege gestattet, den Fördern und Gönnern dieser Ferienkolonie, insbesondere Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. I. M. Bach, dem Bethausobmanne Herrn Eduard Politzer, sowie dem Amtsleiter Sigismund Rochmis für ihre Mitwirkung herzlichsten Dank zu sagen. Beitrittserklärungen, sowie Spenden für den Verein „Kinderstütze" nimmt Se. Ehrwürden Dr. I. M. Bach, XVI., Ottakringerstratze 40 und die Amtsleitung des Kultusbezirkes Ottakring, XVI/1, Hubergasse 8, dankend entgegen. Austritte aus dem Judentum Vom 2. Juli bis inkl. 9. Juli 1911. Bauer ida geb. Mandj, Private geb. am 26. April 1872 in Prossnitz, XIII., Hadikgasse 120. Czaczkes Bernhard (Borisl.), Firmavertreter, geb. 4. Juli 1889 in Odessa, II., Gr. Stadtgutgasse 7. Deutsch Fritz, Goldarbeiterlehrling, geb. 23. April 1893 in Wien, I., Spiegelgasse 13. Fleischer Arthur, Opernsänger, geb. 17. Dezember 1881 in Wien, VII. , Wimbergergasse 12. Fleischer Erna geb. Samuely, Private, geb. am 23. Jänner 1885 in Wien, Hannover, Podbidskistrasse 322. Fleischer Thomas Philipp, geb. 28. Mai 1909, VII, Wimbergergasse 12. Löwy Selma, Private, geb. 10. April 1890 in Ludiz, IX., Alserstrasse 2. Mannassevit8Ch Josef, Arzt, geb. 16. Oktober 1836 in Kamencz- Podolski, IX., Mariannengasse 20. Mautner Eugenie, Private, geb. 24. Oktober 1887 in Prag, IX, Franz Josefsbabnstrasse 5. Neumann Otto, Cand. med., geb. 28. März 1887 in Wien, IX., Maximilianplatz 12. Steiner Borcsa, geb. 20. Juni 1880 in Budapest, IV., Johann Straussgasse 40. Weissenberg Alice, Kontoristin, geb. 7. August 1886 in Jägerndorf, VIII. , Laudongasse 37. Tabor. Samstag, am 8. d. M., um V2* Uhr nachmittags, fand hier der Schluß-Jugendgottesdienst diekes Schuljahres statt. Zu demselben hatten sich im beleuchteten Tempel viele Damen und Herren, darunter vom KultuSvorstande Präses Herr Dr. Friedrich Guttmann ferner die Herren Richard Mendel und Isidor Wodicka eingefunden. Der Lehrkörper der öffentlichen Volks- und Bürgerschulen war durch Bürgerschuldirektorin Frl. Marie Pseniöka, Volksschullehrerin. Frl. Sidonie Barta und Herrn Oberlehrer Emanuel Rabiska vertreten. Nach dem Minchagebete nahm Herr Religionslehrer Adolf Fried, der nach 15 jähriger Tätigkeit in Tabor nach Wien übersiedelt, in der Exhorte von der Schuljugend Abschied und legte derselben ans Herz, stets religiösen Sinn und Strebsamkeit zu betätigen. Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. N. Weislobitä verrichtete bei offener Bundeslade das Kaisergebet, worauf die Volkshymne begeistert gesungen wurde. Nachdem Se. Ehrwürden der Schuljugend den Segen erteilt hatte, hielt dessen Tochter Margarete, schwungvoll eine dankende Ansprache an den Herrn Exhortanten. Prerau. Die Prerauer Kultusgemeinde und die zahllosen Freunde des Oberrabbiners Herrn Dr. Jacob Tauber sind von Freude erfüllt über die Ernennung desselben zum Professor. Dieser mehrfach bereits ausgezeichnete Mann der jüdischen Wissenschaft wirkt anerkanntermaßen als bedeutender Halachist, ausgezeichneter Prediger, gewiegter Schulmann und herzenswarmer Humanist. Er gehört zu den Rabbinern der älteren Zeit, die Frömmigkeit und Bescheidenheit mit Fortschritt und modernem Wesen verbinden. Religiösen Rückschritt und Heuchelei bekämpft er auf das Entschiedenste. Dr. Jakob Tauber ist ein Förderer alles Guten und Edlen in der Gemeinde. Myslowitz. Unter außerordentlicher Beteiligung aller Kreise unserer Stadtwurde am Sonntag die so jäh aus dem Leben geschiedene Gattin des hochverdienten Stadtvorstehers, Justizrates Richter zu Grabe getragen; die Leichenfeier wurde in der Friedhofshalle durch Herrn Oberkantor Singer aus Kattowitz eingeleitet, welcher mit seiner herrlichen Stimme einen Trauer-Psalm vortrug, worauf Dr. Braunschweiger in erhebenden Worten den Nachruf sprach. I. B. Sosta. (Die Wahlen in Bulgarien.) Am 19. Juni haben die Wahlen zur großen Sobranje stattgefunden. In Sofia wurde der jüdische Kandidat Apotheker Farchi mit großer Majorität gewählt. Jerusalem. (Der neue aschkeuasische Gemeindevorstand.) Am 15. d. M. nahm das von den Angehörigen aller aschkenafischen Gemeinden gewählte Kollegium der 80 Wahlmänner die Wahl des neuen Gemeindevorftandes, des sogenannten Waad-Hair, vor. ES wurden in geheimer Abstimmung 23 Männer aus den verschiedenen Landsmannschaften zu Mitgliedern der Waad-Hair gewählt. Unter der jüdischen Bevölkerung herrscht großer Jubel, daß diese seit langer Zeit schwebende Angelegenheit zur allgemeinen Zufriedenheit erledigt worden ist. Man setzt in weiten Kreisen große Hoffnungen auf die Tätigkeit des neuen Waad, der berufen ist, der trostlosen Zerfahrenheit in den hiesigen Gemeindeverhältniffen ein Ende zu machen und insbesondere auch die Berufung eines Oberrabbiners der Aschkenafim in die Wege zu leiten. Die Oberrabbinerstelle ist bekanntlich seit dem Tode R. Samuel Salants unbesetzt. Feuilleton. Freitagabeirdsegerr. Eine Betrachtung von I. Oppenheim. In unserer Zeit ist der Erziehungsfrage ein besonders großer Platz in Wort und Schrift eingeräumt. Zahllose pädagogische Schriften überfluten den Büchermarkt. Im öffentlichen und im Privatleben ist diese Frage Gegenstand endloser Erörterungen, wir stehen, mit einem Worte, im Zeitalter des lindes. Dem kommenden Geschlecht wird mit vollem Recht die größte Beachtung geschenkt, wir leben, wirken und schaffen ja nur dafür. Dennoch führen wir unsere Kinder, trotz aller Aufopferung, trotz unserer Mühe und Arbeit, trotz der gegebenen Erziehungsmittel, nicht zu jener Glückseligkeit, die wir für sie wünschen. Ja, sie entgleiten unserer Führung zu früh, sie scheinen unser nicht mehr zu bedürfen, sie betonen., noch unreif, das Recht ihrer Individualität und ihres Eigenlebens. Oft werfen sie in unbegreiflichem Leichtsinn, in einer Stunde der Rot das Leben von sich. Der Grund des tragischen Endes ist ein stetes Sichunv erstanden glauben. Mitten im Jammer über die zerstörte Hoffnung, über dieses finstere plötzliche Scheiden erhebt sich bang die Frage, wo haben wir gefehlt? was haben wir, trotz all unserer Vorsicht, trotz aller unbegrenzten Liebe außer acht gelassen? Die Seele unseres Kindes liegt vor uns wie ein geschlossenes Buch und nicht die allgewaltige Kraft unserer Liebe vermag es zu öffnen. Unsere Gedanken verlieren sich in weite Fernen, sie schreiten zurück auf die Pfade, die wir selbst einmal gegangen. Da scheint es uns. daß wir einfacheren Gesetzen gehorcht, daß wir uns bescheiden gelernt und dabei doch fester gerüstet fürs Leben gewesen waren als unsere Kinder, die wir mit dem kompliziertesten Apparat der Erziehung umgeben. Freilich blicken wir auf Erlebtes, Ueberwundenes leichter. Denn die Erinnerung nimmt

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