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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-07-14 · 28 (14.7.1911) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
28 (14.7.1911)
Date
1911-07-14
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 466 Dr. Bwchs WochaMM Die Militärmusik iw Stadtgarten zu Jerusalem. Seit einiger Zeit bemüht sich der Pascha von Jerusalem, die dortigen Juden dazu zu bewegen, daß sie Samstag, da ihre Geschäfte ruhen, im großen, städtischen Garten der Ruhe pflegen. Während bisher die Militärmüsik Samstag im städtischen Garten nicht spielte, gibt es jetzt allsamstäglich ein auserlesenes Konzert, in welchem besonders jüdische Musikstücke aus Sulamith, Kol-Nidre rc. zur Aufführung gelangen. Die Volkszählung in Italien. In Italien fand dieser Tage die Volkszählung statt. Die Zählbogen enthalten auch eine Rubrik über die konfessionelle Zugehörigkeit. Die Zahl der Juden in Italien dürfte kaum 50.000 übersteigen. Viele italienische Juden haben jedoch die Rubrik über die Konfession nicht ausgefüllt, zum Teile weil sie daraus eine geschäftliche Beeinträchtigung für sich befürchten, andernteils weil fie als überzeugte Freigeister prinzipiell dagegen waren? daß die Volkszählung zu einem konfessionellen Zensus benützt werde. In Kenntnis dieser Tatsachen hat der Vorstand des vor einiger Zeit gegründeten Verbandes der Judengemeinden Italiens an sämtliche Juden des Landes einen Aufruf gerichtet, im Interesse der jüdischen Gemeinden die Rubrik über die Konfeffiou unbedingt auszufüllen. Aus den Berichten aus den einzelnen Gemeinden scheint jedoch hervorzugehen, daß die Aufforderung der Verbandsleitung nicht die gebührende Würdigung gefunden hat. Freikurse für hebräische Literatur an der Pariser Universität. Der Profefforenrat der Pariser Universität hat, wie uns berichtet wird, dem bekannten jüdischen Gelehrten und Hebraisten Professor Nahum S l o u s ch die venia legendi für einen Freikurs über die hebräische Literatur und ihre Geschichte erteilt. Jahresversammlung des Rabbiuerverbaudes in Frankreich. Vorige Woche fand in Paris die Jahresversammlung des ftanzöfischen Rabbinerverbandes statt. Anwesend waren 39 Mitglieder. Den Vorsitz führte Grand-Rabbin A. Levy. Von den wichtigeren Beschlüffen seien hervorgehoben: Herausgabe eines Gebetbuches mit Uebersetzungen und Erläuterungen in französischer Sprache. Der Konseil des Verbandes wird beauftragt, Vorkehrungen für die Herausgabe von Erbauungsschriften und volkstümlichen Abhandlungen über das Judentum zu treffen. Ferner beschäftigte sich die Versammlung mit der Frage der Behandlung von Ehescheidungen und Eheschließungen jüdischer Eheleute, deren Ehe im Auslande geschloffen wurde. Eine sensationelle Verhaftungen der Affäre des Kuabenmordes in Kiew. Petersburg, 10. Juli. Der Stiefvater des in diesem Frühling unter angeblichen Anzeichen eines Ritualmordes ermordeten Knaben Juschtschinsky, namens P r i ch o d k o, wurde gestern in K i e w auf Befehl des Untersuchungsrichters verhaftet. Der Knabenmord in Kiew hat bekanntlich zu einer Interpellation in der Duma geführt. Die russischen nationalistischen Blätter mit der „Nowoje Wremja" und dem „Swjet" an der Spitze, hatten den mysteriösen Knabenmord in Kiew zum Anlaß einer Ritualmordhetze gegen die Juden genommen und diese Hetze erzeugte im jüdischen Niederlassungsgebiet eine Pogrompanik, die sich erst dann legte, als die Lokalbehörden strenge Weisungen zur Unterdrückung der Unruhen gegen Juden erhielten. Inzwischen entsandte das Justizministerium einen hohen Beamten nach Kiew, um die Angelegenheit zu untersuchen. Das Ergebnis der Untersuchung war, daß der Knabenmord keinen ritualen Charakter trage. Die unter dem Verdachte des an dem Knaben Juschtschinsky begangenen Ritualmordes verhafteten Juden wurden auch sofort freigelaffen. Nun wurde der Stiefvater des ermordeten Knaben unter dem Verdachte der Täterschaft verhaftet, so daß der mysteriöse Knabenmord, wie es scheint, am Vorabend seiner Aufklärung stehen dürfte. Außer dem Stiefvater des in Kiew ermordeten Knaben I u s ch t s ch i n s k i wurden dessen Bruder, ferner zwei Onkeln des Ermordeten, N e s ch i n s k i und Tschirikow, sowie eine Nachbarin, Wera Tscheborjakowa, verhaftet. Die Verhaftung erfolgte auf spezielle Anordnung des stellvertretenden Justizministers W e r e w k i n. Eine Konferenz jüdischer Emigrationsgesellfchaften in Amerika. Die New - Aorker jüdische Einwanderungsgesellschaft „Hebrew Imigrant Aid Society“ hat an sämtliche jüdische Einwanderungsgesellschaften eine Einladung - zu einer Konferenz ergehen lassen, in welcher wichtige Reformen auf dem Gebiete des Elpigrantenschutzes beraten werden sollen. Die Konferenz wird Ende Juli in New-Iork stattfinden. Lueien Wolf s Aufruf zu Gunsten der ruffifchen Juden. , In der Londoner „Times" veröffentlicht der bekannte jüdische Publizist einen längeren Artikel, in welchem er bekanntgibt, daß er aus Rußland eine große Zahl Zuschriften erhalte, in denen er gebeten wird, die englische Presse aufzufordern, gegen die neuerlich geplanten Beschränkungen gegen1’ Juden in Rußland Protest zu erheben. Es bestehe die Gefahr, schreibt ^ucien Wolf weiter — daß diese neueren Mchtsbegrenzungen iy der auch sonst fanatisierten russischen Bevölkerung unbedingt die Meinung erwecken müßten, daß die russischen Juden vollständig vogelfrei, recht- und schutzlos seien, gegen welche auch Pogrome, begleitet von den scheußlichsten Metzeleien, straflos inszeniert und ausgeführt werden können. Vermischtes, Wien. (Verleihung des Adelsständes.) Der Kaiser hat dem Großindustriellen Dr. Horace Landau den Ritterstand verliehen. Wien. (D r. B e n n o W ü n s ch.) Der Schauspieler Herr Benno Wünsch, ehemaliges Mitglied des Josefstädter Theaters, hat nach vorausgegangener Ablegung des römisch-rechtlichen und des judiziellen Rigorosums dieser Tage auch vor einer Kommission, der die Professoren Hofrat B e r n a tz i k, Hosrat Menzel, Professor S t r i s o w e r.und Baron Mieser angehörten, das staatsrechtliche Rigorosum bestanden und wird am 14. d. M. zum Doktor der Rechte promoviert. Wien. Der hier anwesende Generaldirektor der Philadelphia Chicago Grand Opera Company, Herr Andreas Dippel, hat den H-ldenbariton sind.zur. Friedrich Schorr, Sohn des Oberkantors Mayer Schorr und Schüler des Gesangprofessors Adolf Robinsohn, ab Herbst dieses Jahres engagiert. Wien. (Jüdische Mediziner.) Nach langen Bemühungen ist es uns gelungen, eine Organisation der jüdischen Mediziner, die einem so ticfgehenden Bedürfnisse der jüdischen Mediziner entspricht, ins Leben zu rufen. Wir halten cs für die Ehrenpflicht eines jeden jüdischen Mediziners, dem von ms begründeten „akademischen Verein jüdischer Mediziner in Wien" beizutreten und ihn auf das tatkräftigste zu unterstützen. Der ..akad. Verein jüdischer Mediziner" hat den Zweck, die Fach- und Standesinteressen ber jüdischen Mediziner zu vertreten und durch Pflege der Freundschaft und Geselligkeit die jüdischen Mediziner einander näher zu brigen, durch Rat und Tat diejenigen Kollegen zu unterstützen, die sich dem medizinischen Studium widmen wollen, sowie durch Begünstigungen und Hilfsmittel ihnen das Studium zu erleichtern. Wir hoffen, nicht umsonst an das Interesse unserer Kommilitonen appelliert zu haben und fordern Euch, jüdische Mediziner, auf, Mann für Mann unserer Organisation beizutreten. Für das provisorische Komitee: Alfred Grünspan«, Otto Almoslino, Ascher APle, Salomo« Awromoff, Siegfried Berl, Josef Krenberger und Ernst Spitzer. Zuschriften a n d e n „A k a d. V e r e i n jüdischer Mediziner", Wien, I., k. k. Universität.

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