Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 28 (14.7.1911)
- Date
- 1911-07-14
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Geste 464 Dr. Blocks WockMckrift : Nr. 28 nßmlich der deutschen BibelleMre, erweitert worden, um unsere Jugeud mit dem ethischen und dichterischen Inhalt der Bibel durch diese Lektüre einigermaßen bekannt zu machen. Es. find im allgemeinen manche Stücke des alten Lehrplanes, die für das Verständnis zu schwierig oder auch nach ihrem Inhalte nicht ganz geeignet erscheinen, ausgeschieden worden. Der Lehrstoff ist für die einzelnen Klaffen so verteilt, daß nach dem übereinstimmenden Urteile der Lehrer das Pensum ohne Ueberbürdung der Schüler bewältigt werden kann. Für die VII. und VIII. Gymnasial- und für die VI. und VII. Realklaffe wurde ein Reform-Lehrplan genehmigt, der zunächst im kommenden Schuljahre versuchsweise an 2 Anstalten zur Einführung gelangt und eine Aenderung der Methode mit stch bringt. Die Mitarbeit der Schüler soll in den zwei obersten Klaffen mehr hervortreten, als es bisher geschehen und im Anschluffe an den Vortrag des Lehrers, der in der Regel nicht länger als 30 Minuten dauern soll, eine Dis-, kuffion stattsiudeu. Die Diskuffion zwischen Lehrern und Schülern' tritt an die Stelle der bisherigen Art des Examinierens. SÖte Note ist das Ergebnis der aus diesen Diskuffionen gewonnenen Wahrnehmungen des Lehrers über die Kenntnisse und Leistungen der Schüler. r Als fakultative Einrichtung wird in der Nähe jener Anstalten, au welchen der Reform-Lehrplan versuchsweise zur Einführung gelangt, ein Lesezimmer eingerichtet, in welchem die von den Religionslehrern in den Vorträgen angegebene und sonstige geeignete Literatur aufliegt. Während der Wiutermonate finden daselbst Diskuffions-Abeude der Schüler statt, die durch ein Schüler-Referat eingeleitet werden. Die freiwilligen Meldungen zur Inanspruchnahme des Lesezimmers und zur Teilnahme an den Diskuffiousabenden erfolgen bei den Religionslehrern der beidm genannten Anstalten. Die Teilnehmer bilden eine Schulgemeinde in jener Organisation, in welcher dieselbe an der k. k. 2. Staatsrealschule im II. Wiener Gemeindebezirke in allen Klaffen bestehen. Die Themen für die Diskuffionsabende werden von der Schulgemeinde den Religionslehrern vorgeschlagen und es hat au jedem Diskuffionsabeud einer dieser beiden Herren oder ein Mitglich , des zur Ueberwachuug der Reformen bestellten Kuratoriums anwesend zu sein. Im Zusammenhang mit der Reform des Religionsunterrichtes an deu Mittelschulen wurde beschlossen, in den Wintermouateu einmal im Monate durch zu berufende Gelehrte Vorträge zumeist geschichtlichen oder literarischen Inhaltes für die Schüler der zwei obersten Klaffen der Mittelschulen abhalten zu lassen. Diese Anträge werden vom Vorstande en bloc angenommen. 4- * Der Präsident referiert über die mit dem Oberrabbiner Dr. Emanuel Löw gepflogenen, schriftlichen und mündlichen Verhcmdlungev, motiviert die Einberufung der Vertrauensmänner- Versammlung und bringt schließlich das nachfolgende Schreiben des Oberrabbiuers Dr. Löw vom 8. Juni d. I. zur Verlesung. Dieses Schreiben lautet: Hochverehrter Herr Präsident! Hochgeehrter Vorstand! Der 8. Jnni, an dem ich das Glück hatte, vor der Vertretung Ihrer Gemeinde erscheinen za dürfen and von ihr gewählt zn werden, war tür mich ein Lebenserntetag. Die Stellung, die Sie mir anboten, die Grösse der Aufgabe, die unverdient ehrende Form, in welcher die Berufung geschah, waren für meinen-Entschluss trotz mancher abmahnender Stimme entscheidend. Wenn ich mich über die Annahme des ehrenvollen Hufes nicht gleich bindend äusserte, so geschah dies nur, weil ich meiner Familie, meiner Gemeinde über die Berufung vor der Entscheidung berichten musste. Dies ist im Laufe der vorigen Woche geschehen. Als ich heute Ihr herrliches Bernfungsschreiben tränenden Auges las, war ich fest entschlossen, mich Ihnen zur Verfügung zu stellen und zu versuchen, ob ich mit Anspannung aller Kräfte, das grosse Vertrauen, das Sie mir entgegen brachten, rechtfertigen kann. Da stellte sich mir unmittelbar nach Erhalt Ihres Berufungsgchreibens ein unvorhergesehenes Hindernis in den Weg. Der Magistrat der Stadt Szeged, aus den Zeitungen über meine Berufung nach Wien informiert, hat sich in seiner heutigen Sitzung über Antrag des Bürgermeisters mit der Angelegenheit beschäftigt und fordert mich über Beschluss des Senates soeben in einem ausführlichen warm gehaltenen Schreiben auf, Vaterstadt und Vaterland nicht zu verlassen. Der Umstand, dass wir bei den vorwöchentlicheu Landtagswablen in der Minorität geblieben sind, gibt dem gänzlich ungewohnten Vorgehen des Magistrates eine besondere Bedeutung und schliesst die Möglichkeit des Widerspruches aus. Ich empfinde das Dazwiscbentreleu der Behörde, so ehrend e? für mich ist, persönlich als ein Unglück, das mich verhindert, den Gipfel meiner Laufbahn zu erreichen. Bei den heut gen Zeitläuften aber ist eine ähnliche Aeusserung der zweitgrössten Stadt Ungarns von einer Bedeutung, die über die Grenzen des Einzelfalles, auf den sie sich bezieht, hin aus geht. Schweren Herzens verzichte ich auf das Glück und auf die Ehre, mich in den Dienst Ihrer Gemeinde zu stellen. Das Wohlwollen, dem ich bei Ihnen begegnete und die Auszeichnung, die Sie mir zuteil werden Hessen, sind der höchste Lohn meines dem Dienste des Judentums gewidmeten Lebens. Genehmigen Sie den Ausdruck meiner ganz besonderen Hochachtung, mit dem ich zeichne ... jrtf. r eines löblichen Vorstandes dankbar ergebener Dr. Immanuel Löw m. p. Szegedin, den 19. Juni 1911. ß Es wird beschlossen, über diese Angelegenheit zur Tagesordnung überzugehen. Die Frage der Besetzung des Rabbinerpostens am Leopoldstädter Tempel soll im Herbst zur neuerlichen Verhandlung gelangen. Es wird eine Reihe von Subventions-Ansuchen erledigt und eine Erhöhung der Bezügen; der im Dienste der Israel. Kultusgemeinde stehenden Schächtern beschlossen. Die „Wiener-Zeitung" vom 12. Juli 1911 publiziert die Ausschreibung einer Stelle eines israelitischen Religionslehrers An der k. k. Staatsrealschule im ersten Wiener Gemeindebezirk ist mit Beginn des Schuljahres 1911/12 die Stelle eines israelitischen Religionslehrers für 13 wöchentliche Stunden gegen normalmäßige Remuneration zu besetzen. Gesuche sind bis 20. Juli bei der Direktion der k. k. Staatsrealschule im I. Bezirk in Wien einzubringen. _ Die Überschwemmung in der Bukowina. Es ist wahrhaftig, als hätten sich die Elemente gegen die Juden der Bukowina verschworen. Ein Unglück folgt dem andern auf dem Fuß, eine Katastrophe löst die andere ab. .Betäubt, überwältigt, sehen sie händeringend dem Unheil zu, ohne Rat und Hilfe schaffen zu können. Erst kam die Krise in der Holzindustrie. Hunderte von Familienvätern, die beim Holzhandel ihr bürgerliches Auskommen gefunden hatten, kamen plötzlich um ihr Brot; Tausende, die als Arbeiter im Wald und auf dem Floß, als Beamte in den Sägen und Kanzleistuben sich leidlich ernährt hatten, sahen sich plötzlich ohne Arbeit und Beruf. Und kaum hatte man sich an den durch die Holzkrise geschaffenen Notstand gewöhnt, kam uns das Schänkerelend über den Hals. Seit dem ersten Jänner dieses Jahres sind Hunderte von Familien, die früher im Wirtsgeschäfte Unterkunft und Nahrung gefunden hatten, auf die Straße gesetzt. Von den vielen, vielen Armen, die uns täglich um Unterstützung bei ihrem Konzeffionswerben anflehen, werden nur sehr Wenige erhört; die Uebrigen treten das Pflaster der Hauptstadt und schwellen das Heer der Unglücklichen, die nach Beschäftigung ausschauen und keine finden. Und jetzt kommt die neue Katastrophe, die Überschwemmung, dazu l Grausige Berichte gehen uns aus allen Teilen der Bukowina zu, am ärgsten aber ist Wiznitz und Umgebung betroffen. Diese Aermsten der Armen find durch das Hochwasser um das Letzte gekommen, um das Dach über ihrem Haupt.