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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-07-14 · 28 (14.7.1911) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
28 (14.7.1911)
Date
1911-07-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 28 Dr. Bkochs Wochenschrift Seite 483 der ihnen zugefallenen Adelsgüter. Auch sollten sie niemals vor ein geistliches Gericht gestellt werden. Es stimmt ganz mit der obigen Theorie überein, daß die in Polen bereits ansäßigen deutschen Handwerker und Kanfleute zu den eifrigsten Gegnern dieser Privilegien gehörten. Vom Handel abgeschnitten, vom Grunderwerb ausgeschlossen, mußten sich die Juden ganz dem Geldgeschäfte widmen. Wir verdanken Sombart die Kenntnis des Sprichwortes: „Allls verdirbt in der Stadt, wo cs viele Juden hat!" Wie wahr dieses Sprichwort ist, wollen wir an einigen Tatsachen aus der Geschichte des Wuchers zeigen. Was sollen wir dazu sagen, daß die Kirche selber in vollständigem Widerspruche zu ihren eigenen Lehren, zu den auf den Konzilien gefaßten Beschlüssen sich aktiv am Waren- und Geldhandel beteiligte! Als Darlehensgeber traten in der Karolingerperiode hauptsächlich die Klöster auf. (Schluß folgt.) Korrespondenzen Äns den Plenarsitzungen des Knltusvorstandes vom 20. Juni und 0. Juli LOLI unter dem Vorsitze des Präsidenten Dr. Alfred Stern. Der Präsident berichtet, daß das an das Spital der Kultusgemeinde angrenzende Haus, XVIII., Gürtel 99, welches durch die' Munifizenz des verstorbenen Freiherrn Albert von Rothschild in den Besitz der Kultusgemeinde gelangte, im Augusttermine frei wird und nunmehr zur Adaptierung des Hauses geschritten werden muß. Im engen Zusammenhänge mit diesen Arbeiten wird eine gründliche Adaptierung der älteren Trakte des Spitalsgebäudes vor sich gehen müssen. Die Kosten für diese Arbeiten werden eine sehr bedeutende Höhe erreichen. In dieser Ängelegenheit hat der Präsident eine Zuschrift an den gegenwärtigen Chef des Bankhauses S. M. von Rothschild, Herrn Baron Louis Rothschild, gerichtet, in welcher darauf hingewiesen wird, daß das Haus zwar nicht unmittelbar zur Aufnahme von Kranken dienen dürfe, daß aber in dasselbe eine Reihe von bis nun im Spitale selbst befindlichen Institutionen, welche für den Spitalsbetrieb von größter Wichtigkeit find, zu verlegen wären, um auf solche Weise eine befiere Ausnützung der Räumlichkeiten der eigentlichen Spitalstrakte zu erzielen. Bei den Vorbereitungen betreffs der Adaptierungen habe sich ergeben, daß viele Einrichtungen des Spitales manche Rückständigkeit aufweisen, auf welche schon früher, insbesondere anläßlich hoher und höchster Besuche, mit welchen das Spital beehrt wurde, hingewiesen worden ist. Hinsichtlich des mit diesen Adaptierungen verbundenen Kostenaufwandes gibt der Präsident in dem Schreiben der Meinung Ausdruck, daß die Arbeiten in dem Falle, als die Gemeinde an deren Durchführung unter Bestreitung der Auslagen aus eigenen Mitteln schreiten sollte, angesichts der gegenwärtigen, äußerst ungünstigen Finanzlage der Gemeinde, sowie im Hinblicke auf die vielen, an die Gemeinde herantretenden, dringenden, kulturellen Anforderungen auf ein Minimum beschränkt werden müßten, und setzt dann fort: „Es ist nun ein Ihnen, hochgeehrter Herr Baron, bekanntes Faktum, daß das Spital der Gemeinde, dieses eminente Wohltätigkeitsinstitut derselben von Ihrem sel. Herrn Großvater zum Andenken an Ihren sel. Herrn Urgroßvater geschaffen, durch die Munifizenz Ihres sel. Herrn Vaters und Ihrer Herren Onkel erweitert und ausgestaltet wurde und bis auf den heutigen Tag den Rang des ersten Wohltätigkeitsinstitutes der Gemeinde sich bewahrt und zu einer Musteranstalt sich entwickelt hat, welche den Vergleich mit den bestbetriebenen Spitälern des In- und Auslandes nicht zu scheuen hat." Mit Rücksicht auf die Dringlichkeit der Adaptierungsarbeiten — wird in dem Briefe weiters angeführt — habe der Präsident diese Angelegenheit auf die Tagesordnung der am 6. Juli d. I. stattfindenden Plenarversammlung des Kultusvorstandes setzen laffen. Der interessante Brief schließt folgendermaßen: „Zum Schluffe beehre ich mich Euer Hochwohlgeboren folgende Tatsache zur Kenntnis zu bringen: Das Rothschild-Spital, so wird es allgemein im Volksmunde genannt, erfordert einen Jahresaufwand von rund 400.000 Kr., wovon die Hälfte durch Stiftungen, die Hälfte aus Gemeindemitteln gedeckt wird. Die Erfordernisse werden schon in diesem Jahre und noch mehr in den nä hstfolgenden Jahre eine weitere gesteigerte Inanspruchnahme der Gemeindemittel zur Folge haben und es dürfte der Gemeinde, welche mit Jahresdefiziten arbeitet, kaum möglich sein, das Spital, welches unter allen Wohltätigkeits- Instituten den höchsten Beitrag erfordert, allerdings auch unter den Wohltätigkeits-Institutionen der Gemeinde den ersten Rang einnimmt, in dem bisherigen oder gar noch in gesteigertem Maße zu subventionieren. Ich lese in den Zeitungen von einer größeren Spende Ihres Herrn Bruders für den Bettina-Pavillon und ich überlasse es nun Euer Hochwohlgeboren, aus all dem mir Vorgebrachten die Ihnen geeignet erscheinenden Konklusionen zu ziehen." Dem Briefe lag ein ausführliches Promemoria bei. Nachdem die Ansicht vorhanden sein dürste, daß für die Erfordernisse der Adoptierungsarbeiten im Spitale selbst, sowie in dem neuerworbenen Nebenhause Sorge getragen werden müßte, nachdem ferner die Vornahme der Adaptierungen dringlich ist und dieselben am besten während der Sommermonate vorgenommen werden können, wird es dem Präsidenten überlassen, diesfalls die entsprechenden Verfügungen zu treffen. * * * Anträge der Unterrichtskommission und des Vertreter-Kollegiums betreffend die Einführung eines neuen Lehrplanes für den israelitischen Religionsunterricht in der l. bis VI. Gymnasial- und in der I. bis V. Realklasse vom Schuljahr 1911/12 ab: Der neue Lehrplan soll den Schülern Erleichterungen bringen. Im Publikum werden von verschiedenen Seiten entgegengesetzte Anschauungen über den Religionsunterricht an Mittelschulen in seinem gegenwärtigen Ausmaße und in der Verteilung des Lehrstoffes geäußert. Namentlich war in den letzten Jahren vielfach von mancher Seite über den hebräischen Unterricht geklagt worden. Der Lehrplan, nach welchem bisher unterrichtet wurde, ist auf Grund des Plenarbeschlusses vom 11. Juni 1901 eingeführt. Wiewohl derselbe gegen die früheren Lehrpläne Vorzüge besitzt, zeigten gleichwohl die Erfahrungen, daß auch ihm sowohl in der qualitativen und quantitativen Auswahl des Lehrstoffes, wie in der Anordnung und Verteilung Mängel und Lücken anhaften, deren Beseitigung zur Erreichung des angestrebten Lehrzieles geboten erscheint. Der gegenwärtige Entwurf bemüht sich nach Möglichkeit den divergierenden Anschaunngen Rechnung zu tragen und durch eine Reduzierung des hebräischen Lehrstoffes und durch eine passende Auswahl der Stellen, die vom Hebräischen ins Deutsche übersetzt werden, sowie durch eine entsprechende Verteilung des Stoffes den Unterricht ersprießlicher und das Ziel leichter erreichbar zu machen. Der neue Entwurf ist aufgebaut auf den neuen, seit September 1908 giltigen Lehrplan für Volks- und Bürgerschulen. In den Lehrplan für Mittelschulen sind daher jene Gebetstücke nicht ausgenommen, die schon in der Volks- und Bürgerschule gelehrt werden. Für die ersten und zweiten Klassen wird für das Uebersetzen ausschließlich das Gebetbuch gewählt, und zwar im Hinblicke darauf, daß die Schüler dieser Klassen die fleißigsten Besucher des Jugendgottesdienstes find und es daher zweckmäßig erscheint, daß sie die Gebete, die sie sprechen, soweit dies erreichbar ist, auch verstehen. Der Lehrplan für die Oberstufe ist zunächst durch die Aufnahme eines neuen, bisher nicht behandelten Lehrgegenstandes,

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