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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-07-14 · 28 (14.7.1911) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
28 (14.7.1911)
Date
1911-07-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
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N. 28 Dr. Blochs Wochenschrift Seite 461 Zum Schluß: Vor mir liegen zwei Dankesschreiben, eines von der mohammedanischen, eines von der israelitischen Gemeinde in Mogador, beide von angesehenen Männern dieser Gemeinden unterzeichnet. In rührenden Worten wird darin für die Hilfe gedankt, die Hamburger und andere deutsche mit Marokko arbeitende Firmen auf Veranlassung der Deutschen Mogadors den armen Juden und Marokkanern Mogadors geleistet haben. Als im Anfang dieses Jahres infolge Mißernte im Hinterlande von Mogador dort entsetzliches Elend herrschte, da brachten die deutschen Marokkofirmen in Kürze 2250 Duros (zu 4 Mk.) auf. Die Hälfte dieser Summe wurde für die Marokkaner, die Hälfte für die Juden verwendet. Der Not ist dadurch wirksam gesteuert worden." Eine Beratung über das Sonntagsruhegesetz in England. Der Gesetzentwurf über die Sonntagsruhe hat unter den Juden Englands große Beunruhigung hervorgerufen. Wie tief diese Beunruhigung geht, ist daraus zu ersehen, daß sämtliche jüdische Mitglieder des Unterhauses sich veranlaßt gesehen haben, in einem Konferenzzimmer des Parlamentes zu einer Beratung zusammenzutreten, deren Bedeutung dadurch gekennzeichnet wird, daß an ihr auch die jüdischen Mitglieder der Regierung Sir Herbert Samuel und Rufus Jsaacs teilnahmen. Der Beratung wurden auch der Vertreter der „Board of Deputies, Mr. Alexander, und der Sekretär des kaufmännischen Vereines, Mr. Rosenfeld, zügezogen. Die Beratung dauerte mehrere Stunden und nachdem sämtliche Anwesenden — mit Ausnahme der Minister — sich geäußert hatten, konnte man konstatieren, daß alle die Fortsetzung des Kampfes zu Gunsten der jüdischen Bürger, welche den Sabbath heiligen, als eine Pflicht ansehen. Die anwesenden jüdischen Minister nahmen die ausgesprochenen Wünsche zur Kenntnis und gaben, ohne in die Debatte einzugreifen, die Versicherung, das Ihrige beizutragen, daß die Juden infolge des Gesetzes über die Sonntagsruhe nicht geschädigt werden- Diese Beratung, unterstützt von der allgemeinen heftigen Protestbewegung unter der jüdischen Kaufmannschaft, hat auch schon den Erfolg gezeitigt, daß Minister Churchill bereits die Erklärung abgab, einige Aenderungen zugunsten der jüdischen Kaufleute und Gewerbetreibenden an dem Gesetze vornehmen zu wollen. So soll in das Gesetz eine Bestimmung ausgenommen werden, daß die Regierung das Recht habe, in jenen Distrikten, wo ein gewisser Teil der Bevölkerung es wünscht, die Handelszeit am Sonntag zu verlängern oder im Ganzen zu gestalten. Die Juden find jedoch mit diesen Amendement nicht zufrieden, weil sie dadurch für immer der Willkür der jeweiligen Regierung ausgesetzt bleiben. Sie beschlossen daher, im Kampfe auszuharren, in welchem sie auch von den bedeutendsten christlichen Parlamentariern unterstützt werden. Eine Aktion zugunsten der rumänischen Juden. In Washington fand Ende Juni eine Konferenz von Delegierten aus allen in Washington bestehenden, nichtjüdischen Konfessionen und Sekten statt, in welcher beschlossen wurde, dem Präsidenten Taft ein Memorandum zu unterbreiten, das die Forderung enthält, daß der Präsident der Vereinigten Staaten eine internationale Konferenz einberufe, deren einziger Beratungsgegenstand die Lage der rumänischen Juden zu bilden habe. Es sei die moralische Pflicht aller jener Regierungen, die noch irgend was auf die Moral des gegebenen Wortes und der eingegangenen Vertragsverpflichtungen geben, mit allen Mitteln dahin zu wirken, daß Rumänien seine auf dem Berliner Kongresse übernommene Verpflichtung bezüglich der Gleichberechtigung der Juden endlich einmal erfülle. Zur Stellung der Jude« im Mittrtalter. Mit Streiflichtern auf Werner-Sombarts jüngstes Werk: „Die Inden und das Wirtschaftsleben." Bortrag gehalten im Verein zur Abwehr des Antisemitismus am 25. April 1911 vom Bibliothekar Dr. Beruh. Münz. (Fortsetzung.) Wir geben Sombart auch zu bedenken, daß die Propheten, das Buch Hiob und die Psalmen reich an herrlichen Naturschilderungen sind. Durch zahlreiche Naturbilder verdeutlichen sie die religiösen sittlichen Begriffe und ziehen die verschiedensten Gegenstände zu den kühnsten Vergleichen für Gottes Wesen und Walten heran. Aber auch die irdischen Genüsse gelten nicht bloß als erlaubt, sondern als integrierende Teile eines völlig gesunden Lebens. Nicht Unterdrückung des Sinnlichen, sondern innige Durchdringung des Seelischen Körperlichen, eine Durchdringung, die bei aller Ueberordnung des Geistes doch auch eine volle, blühende Entfaltung des Lebens gestaltet, drückt dem Judentum das Gepräge auf. Die Natur — sowohl im physikalischen Sinne, als auch i:n Sinne der natürlichen Triebe und Neigungen des Menschen — wird mit den Aufgaben der Sittlichkeit verflochten, in deren Dienst gestellt und so in das Reich der Ideen emporgehoben. Gesundheit und Rüstigkeit, Genußfähigkeit und Arbeitsfreudigkeit bilden die Elemente des natürlichen Organismus, in welchen: die Seele der Sittlichkeit als leitende Kraft webt und waltet. Allein was kümmert dies den großen Sombart? Er steigt ja so tief herunter, daß er daraus, daß die jüdische Religion durchaus teleologisch orientiert ist, in ihr, wie in allen Betätigungen des jüdischen Geistes, der Primat der Ethik deutlich zutage tritt, den — gelinde gesagt — überaus seltsamen Schluß zieht: der Jude bringt alles in Beziehung zu seinem Ich; die Fragen, die ihm das größte Interesse abgewinnen, sind: warum, wozu; Was trägt es? Sein lebendigstes Interesse ist das Erfolgsinteresse, dem das „Werkinteresse", das „Sachinteresse" gegenübersteht. „Kein Wort klingt dem Juden vertrauter als das Wort „Tachlis" das Zweck, Ziel, Endresultat bedeutet. Tachlis muß etwas sein, damit man es tue, Tachlis ist der Sinn des Lebens im ganzen wie in allen seinen einzelnen Betätigungen. Tachlis ist der Inhalt der Welt." Ein ernster, unvoreingenommener, freier Forscher müßte vielmehr daraus, daß Israels und nur Israels gewaltiger sittlicher Schwung die sinnliche Phantastik und den Pantheismus hinter sich ließ, folgern, daß Israel allein sich in die Welt nicht verstrickte, daß es von keinen auf Handel, Schiffahrt, Industrie gerichteten Bestrebungen in seinem innersten Streben gebändigt wurde und somit davor bewahrt blieb, unlöslich in das Diesseits zu verwachsen. Die Opposition gegen ein irdisches Sichzufriedengeben ist die innerste Lebensregung von Israel. Sombart findet in der jüdischen Religion dieselben leitenden Ideen, die den Kapitalismus charakterisieren. Das ganze Religionssystem ist ihm im Grunde nichts weiter als ein Vertrag zwischen Jahve und seinem auserwählten Volke: ein Vertrag mit allen obligatorischen Konsequenzen, die ein Vertragsverhältnis mit sich bringt. Gott verspricht etwas und gibt etwas, und die Gerechten haben ihm dafür eine Gegenleistung zu machen. Es gibt keine Art der Gemeinschaft zwischen Gott und dem Menschen, die sich nicht in der Form vollzöge, daß der Mensch etwas der Thora Gemäßes leiste und von Gott dafür etwas Entsprechendes empfange. „Das Vertragsoerhältnis wickelt sich", sagt Sombart, „in der Weise ab, daß dem Menschen die erfüllten Pflichten einzeln belohnt, die verabsäumten Pflichten einzeln durch Uebles vergolten werden: Belohnung und Bestrafung erfolgen teils in dieser Welt, teils im Jenseits. Aus diesem Sachverhalt ergibt sich zweierlei mit Notwendigkeit: ein beständiges Abwägen des Vorteils oder Schadens, den eine Handlung oder Unterlassung bringen kann, und eine sehr verwickelte Buchführung,

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