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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-07-07 · 27 (7.7.1911) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
27 (7.7.1911)
Date
1911-07-07
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Seite 4SL Nr. 87 Wochs Wochenschrift meiner Seele vorüberziehen. Ich sah Iosua, der mit den von Sehnsucht nach dem verheißenen Lande verzehrten Bindern Israels über den Jordan setzte; den schlemmenden Herodes, die zerstörenden Römer, — kurz, ein gar wechselreiches Bild schwebte vor meinem geistigen Auge. Ich weiß nicht, wie lange ich so einsam gesessen, da legte sich eine Hand auf meine Schulter — ich wandte mich um und sah dem jungen Beduinensürsten in sein dunkles Auge. Er setzte sich an meine Seite und fragte mich in elegantem Französisch, ob ich noch nicht das Bedürfnis nach Schlaf verspüre. Ich erwiderte ihm, daß meine Nerven nach den Strapazen des heutigen Tages den Schlummer noch nicht auf meine Lider ließen, deshalb fei ich hierhin geeilt, um etwas zu sinnen. Der junge Mann verstand es, auf meine Gedanken einzugehen, und erzählte mir von den eigentümlichen Verhältnissen des Landes, das unser Fuß betreten hatte. Die Beduinen, jene Wanderstämme, die seit uralter Zeit Arabien bevölkern, zerfallen in zwei Hauptteile, in die seßhaften, die sich an festen Orten niedergelassen haben und deshalb eines besonderen Schutzes der türkischen Regierung sich erfreuen, und in die eigentlichen Nomaden, die keine bestimmten Wohnsitze innehaben. Letztere sind die Aeneze, die im Winter gegen Zentralarabien hinziehen; sie bilden den mächtigsten Beduinenstamm mit ungefähr 300.000 Seelen und leben mit den seßhaften Stämmen in beständiger Fehde. Jeder Stamm steht unter einem Scheikh, der eine in bestimmte Grenzen gezogene Oberstellung bekleidet. Der Krieg füllt das Leben der Männer aus; er hat in der Regel Streitigkeiten um Weideplätze oder Quellen zum Anlaß. Die Beduinen führen meist ein dürftiges Leben. Ihre Nahrung ist Brod und Milch; nur wenn ein Gast kommt, wird ein Schaf oder eine Ziege, selten ein Kamel geschlachtet. Das Gastrecht ist dem Beduinen unverletzlich: er ist verpflichtet, seinen Gast auch noch die Tage nach der Abreise zu beschützen., Der Reisende hat in her Regel von den Beduinen für sein Leben, das in der Wüste hochgehalten wird, nichts zu fürchten, wenn er sich nicht der Waffen bedient und jemanden tötet; denn dann tritt das Recht der Blutrache ein, die bittere Feindschaft sät und nur durch den Tod des Schuldigen befriedigt ist. Dagegen sind die Beduinen gern bereit, den Reisenden aller überflüssigen Dinge, wozu bisweilen sogar das Hemd auf dem Leibe gerechnet wird, zu entledigen. Die Wohnung der Beduinen besteht aus leicht transportabeln Zelten von schwarzem Ziegenhaar (vergl. die „schwarzen Zelte Kedars" im Hohen Liede 1, 5). Der von den Frauen gewebte, sehr feste Stoff wird einfach über einige Stangen in der Weise gespannt, daß eine Seite bis auf Manneshöhe offen ist. Im Innern hat das Zelt zwei Abteilungen, deren eine von den Männern, die andere von den Weibern bewohnt wird. Der Herd befindet sich in der Mitte der Männer-Abteilung und wird mit dürrem Gestrüpp und getrocknetem Mist unterhalten, die Beduinen sind, wie ihre Urväter, Viehzüchter und erfreuen sich des Besitzes ungeheurer Herden, hauptsächlich von Schafen , und Kamelen. Selten sind sie dazu zu bringen, den Acker zu bebauen. Dieses und noch manches andere aus dem Leben und Treiben dieser Wüstensöhne erzählte mir der junge Scheikh, bis auch mich die Müdigkeit übermannte und die Augenlider mir schwer wurden. K. V. gftawfatr. S. Schaohnowitz, Merelaika. Roman aus dem galizisch-jüdisehen Volksleben. Frankfurt a. M. 1910. Verlag des „Israelit“. Eine Entführung ins Kloster. Mit Recht wird aber darauf hingewiesen, wie oft auch hier das Spielen mit dem Feuer zum Verbrennen führt. Je lockerer die Verbindung mit der jüdischen Tradition in Haus und Schule, desto sicherer ein Liebäugeln mit der Religion der Umwelt, das diesem Menschenraub Tür und Tor öffnet. Nicht immer gelingt, wie hier, die Rettung. 8. König , Das alttestamentlichePro p.h etentum. und die moderne Geschicbstforschnng. Güterslohtgio, 0. Bertelsmann. M. 1.80,* geh. M. 2.40. Dieses Büchlein sollte von den jüdischen Gemeinden und Verbänden zu Hunderten von Exemplaren gekauft und kostenfrei an Lehrer verteilt werden. Es bietet eine so erhebende Lektüre und verficht die Hoheit unserer Prophetie gegen die in ihrer Gehässigkeit geradezu blinden Angriffe der modernen, sogenannten Bibelkritik so schneidig und durchschlagend, dass man nur staunen muss, wie solche Perlen in unseren Zeitungen mit Stillschweigen übergangen werden können. „Was in den Quellen steht, ignoriert man. und was nicht darin steht, konstruiert man.“ Mit diesen Worten fertigt König mit meisterhafter Heberlegenheit die modernen Beurteiler des Piophetismus ab. Einem Delitzsch wird (S. 82) unumwunden nachgewiesen, dass er alles, was in der Bibel den Universalismus unzweideutig verkündet, absichtlich ignoriert hat. Auch die Ausführungen am Schlüsse über das Problem der Prophetie wirken herzerhebend. Franz Grillparzer, Das goldene Vliess. Karl Prohaska. Teschen 1910. (Deutsch-Oesterreichische Klassiker-Bibliothek, herausgegeben von Dr. 0. Rommel) Um in Grillparzer den grossen Dichter zu erkennen, muss man seine „Medea“ gesehen, sie ganz zu begreifen, die beiden früheren Teile der Trilogie gelesen .haben. Denn von der Bühne scheinen sie für immer gebannt. Umso dankbarer muss man dem Verlage sein, der sie uns so leicht in Buchform zugänglich macht — In derselben Sammlung erschienen von Bäuerle, D i e Bürger in Wien“ und „Aline oder Wien in einem anderen W eltteil“, harmlos wie der Wiener von dazumal. Beide Stücke machten die Runde durch Europa. Staberl, Aline, Golkonda usw. erlebten unter den verschiedensten Verwandlungen zahllose Auferstehungen. Wer kennt sie heute? J. Krakauer, Die politische Geschichte der Frankfurter Juden bis zum Jahre 1349. Frankfurt 1911. J. K auf f mann. M. 1501 Der Verfasser, dem wir bereits einige vortreffliche Monographien über die Geschichte der Juden Frankfurts verdanken, bietet in dieser neuen Arbeit eine sorgfältige Zusammenstellung dejr anfangs auffallend spärlich, später umso zahlreicher auf tretenden Daten über die mittelalterliche Geschichte dieser wichtigen Judengemeinde. Ihre furchtbare, zweimalige Vernichtung^ 1241 und 1349, wird ergreifend fiargestellt Mit Benützung dar neuesten, gerade in letzter^ Zeit reichlicher fliessenden Literatur über die Finanzgeschichte der Juden jener Zeit wird diesem .Punkt naturgemäss ein besonderes Augenmerk gewidmet. Freih. v. Soden, Palästina und seine Geschichte. Leipzig 1911. 3. Aufl., 7. B. G. Taubner. M. 1.25. Diese populären Vorträge über die geschichtlichen Stürme, die seit Jahrtausenden über einen so vielen Millionen ehrwürdigen Boden dahingebraust sind, haben lasche Verbreitung gefunden. Wenn auch ein protestantischer Theologe hier die Dinge von einer anderen Warte als wir beobachtet, seine Liebe zu dem uns gemeinsamen Kleinod findet den Weg auch zu unserem Herzen. Dieser Lauf durch die Jahrhunderte gewährt gerade in. seiner Raschheit wichtige und wertvolle Ausblicke 8. Jampel, Die Haggada aus Egypten Frankfurt a. M. 1911. J. Kaufmann. Das Heftchen behandelt übersichtlich „Israels Bedrückung in Egypten nach den dortigen zeitgenössischen Inschriften“-. Das jüdische Publikum, das im Grossen und Ganzen von den Ergebnissen der Inschriftenentzifferung wenig Notiz nimmt, in diese nicht nur allgemein, sondern ganz besonders für uns Juden hochinteressanten Studien ein wenig einznführen, ist die Arbeit hervorragend geeignet. W. Bachrach, Ueber die Bedeutung der Jugendlektüre. Hamburg 1911. Max Lehuert, Kleine Rosenstrasse 8. Man wird dem Verfasser nur beipflichten können. Auch die drei Muster billiger Schülerbibliotheken, die er am Schluss bietet, sind brauchbar und für billiges Geld einzuführen. — Von den „Meisterbildern in Farben“, herausgegeben von P. Leman-Hare sind im Verlage »Harmonie“ in Berlin wieder drei vortreffliche Bändchen erst&ienen: Turner von C. L, Hmd, Rubens von Bensusan und Fra Angeiico von J. Mason. Sie zeigen sämtlich die Vorzüge ihrer hier besprochenen Vorgänger. Ihr Preis (M. 1) steht in keinem Verhältnisse zu ihrem Werte. Alfr. Stern , Geschichte Europas von -T88Ö b is 1848i Stuttgart und Berlin 1911. J. G. Cotta’s Nachfolger. Das Werk zeichnet sich durch Objektivität im besten Sinne aus. Es wird aus den zuverlässigsten Quellen geschöpft, im Urteil über Personen und Verhältnisse Licht und Schatten mit wohltuender Gerechtigkeit verteilt. Schiefe, tendentiöse Darstellungen, wie die Treitsehke’s, erfahren wiederholt gebührende Zurückweisung. Für die grossen Vorbilder, wie Ranke, findet der

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