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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-07-07 · 27 (7.7.1911) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
27 (7.7.1911)
Date
1911-07-07
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sette 452 Dr. Bkochs Wochenschrift Nr-97 tn der Sonnenhitze eine rechte Qual. Eine gute Strecke hinter uns kamen die beiden Letzten, schon mehr ein Bild , des Jammers. Sie hingen nür.so auf ihren PferdchM^ die nkühsam ihre Last voranschleppten: von Zeit zu Zeit machten sie tiefe Verbeugungen nach vorn, schnellten dann -aber wieder plötzlich empor: sie konnten eie dezn Dragoman nicht verzeihen, dah er sie um das gewohnte Mittagsschläfchen gebracht und versuchten nun, unter der Einwirkung der Sonnenglut, das Versäumte nachzuholen, wenn nur nicht der spitze arabische Sattel mit seinen unliebsamen Störungen gewesen wäre! Den Schlich machten zwei prächtige Beduinen aus dem Stamme der Abu Dis, die Begleiter des an der Spitze reitenden Scheikhs. Es waren herrliche Gestalten, diese echten Naturkinder, in ihrer kleidsamen Tracht aus ihren arabischen Vollblutpferden.: man sah es ihnen auf den ersten Blick an, daß sie an dies entnervende Klima gewöhnt waren, denn sie sahen so frisch auf den Pferden, als Hohlen sie eben ihren Ritt begonnen und nicht sechs Stunden durch die bäum- und wasserlose Wüstegetrabt. An. ihren stahlharten Nerven versuchte der Sonnenbrand vergebens seine zersetzende Tätigkeit. So zogen wir fürbaß gegen Jericho, das Ziel unseres heutigen Rittes. Ein ieder überlieh sich seinen Gedanken: zu einem Austausch derselben fehlte ganz und gar die Stimmung: wir. sehnten uns eben alle nach dem Ruhepunkte, von dem wir wohl noch eine gute Stunde entfernt sein mochten. Zwischen weihschimmernden Kalksteinfelsen führte uns der Weg durch ein beständiges Einerlei ohne jegliche Abwechslung, die doch dem Auge so wohl getan hätte. Kein Strauch, kein Hälmchen, kein Baum belebte die Szenerie, alles öde, tot und still! Wenn wenigstens ein Käfer uns umschwirrt, ein Vöglein uns einen freundlichen Gruß gezwitschert hätte, wie wir das in der Heimat gewohnt waren! Aber in dieser Wüste schien alles Leben erstorben zu sein. Ruhelos schweMHÄHMM» müde und matt von den mit Steinen beMen Wege auf die Kalkfelsen, von den Felsen auf den Weg und sucht umsonst nach einem Gegenstände, der eine wohltuende Farbe geboten hätte. Wir waren nicht wenig froh, unserem Ziel nahe gerückt zu sein, und nahmen die letzte Kraft zusammen, um als wackere Reiter auf dem Lagerplatz zu erscheinen. Noch einige mühsame Minuten, und die Berge treten zurück» die Strahe erweitert sich, das herrliche Iordantal liegt im Schimmer der Abendsonne vor uns. Da wälzt er, einem mächtigen Silberfaden auf grünem Grunde gleich, seine heiligen Fluten dem toten Meere zu, der Fluh, der so viele Wunder gesehen. Wie feierlich still breitet sich das vom Himmel so gesegnete Tal zu unseren Fühen aus! In der Ferne umsäumen die bläulichen Moabiter-Berge den Horizont, die Zeugen der erbitterten Kämpfe, welche das auserwählte Volk um das ihm vom Herrn zugesprochene Besitztum liefern muhte. Rechts erhebt sich die gewaltige Masse des Nebo dräuend zzlin blauen Firmament, wie ein gewaltiger Mahner, dah die strenge Gerechtigkeit des Allerhöchsten auch der eigenen Fremde und Günstlinge nicht schont. Von hier aus warf Moses, der von Gott gesetze Führer des israelitischen Volkes, durch Welle und Wüste einen Blick in das gelobte Land, das von Milch und Honig floh, das er selbst aber nicht betreten durfte. Bald schlagen wir eine nörd'- östliche Richtung ein; die Gegend verliert ihren öden Charakter: Blumen und Gesträuche umsäumen unseren Pfad, in der Ferne winkt auf einer von Schutt und Asche gebildeten Plattform ein freundliches Zeltlager — alle Müdigkeit ist vergessen: es ist, als ob auch unsere Pferde den nahen. Ruhepunkt ahnten, sie eilen flinkfühiger voran, bald sind wir an Ort und Stelle, unser Nachtquartier nehmen wir auf den Trümmern des alten Jericho. Wir warfen dem Mukari (Pferdeknecht) die Zügel zu und reckten und streckten die vom siebenstündigen Ritt durch glühenden Sonnenbrand über schlechte Wege steif gewordenen Glieder. Dann ging es zur nahen Elisa- Quelle, um uns an dem köstlichen Wasser zu erquicken. Diese Quelle, deren Lob schon Flavius Iosephus in überschwänglicher Weise singt, verdankt ihren Namen jenem Propheten, der auf Bitte der Bewohner von Jericho auf wunderbare Weise das bittere, ungeniehbare Wasser m ein sehr schmackhaftes Trinkwasser verwandelte. Ich kann wohl sagen, dah mir niemals ein Trunk besser gemündet, als jener aus der frischen Quelle am Abend zu Jericho. Nachdem wir uns also erfrischt und dann bei' Speise und Trank dem leiblichen Menschen zu seinem Recht verholfen hatten, machten wir einen Spaziergang in die Umgegend. Wir wollten die Ueberreste des alten Jericho kennen lernen, fanden aber nichts als Schutt und Asche. Das Werk der Zerstörung ist hier gründlich besorgt worden; übrigens teilen jidj Jahrtausende darin. Jericho, d. i. die Duftende, wegen der vielen Balsamstauden, die hier wuchsen und zum Teil noch wachsen, in der Bibel die „Stadt der Palmen" genannt, aus Anlah des ausgedehnten Palmenwaldes, dessen Früchte Strabo herrlicher preist, als die von Babylon und Theben, ist eine uralte Stadt mit wechselreicher Geschichte. Die Kanaaniter verteidigten sie gegen die unter Iosua heranziehenden Israeliten, welche die Stadt auf wunderbare Weise einnahmen und ihre Einwohner niedermachten. Später kam sie in den Besitz der Moabiter, Antonius schenkte die wegen ihrer Rosen und duftenden Gewächse hochberühmte Gegend der Kleopatra. Diese verkaufte sie hinwiederum an Herodes, der zu Jericho sein Winterquartier aufschlug, wozu die Stadt wegen ihres durch die tiefe Lage (390 Meter unter dem Mittelmeer) bedingten, Überaus warmen Klimas sich vorzüglich eignete. Er erbaute daselbst mehrere Paläste, eine Rennbahn, Theater und mancherlei sonstigen. Zeitvertreib, bis er hier die Augen schloh, noch im Tode eine. Freveltat begehend, indem er von dem Sterbebette aus seinen Sohn Antipater erdolchen lieh. Später ward die Stadt der Rosen und der Palmen, nachdem sie vom römischen Feld- Herrn Trajan im grohen jüdischen Kriege nochmals zerstört worden war, eine blühende Stadt, die sich besonders wegen ihres überaus fruchtbaren Klimas grober Aufmerksamkeit der Kreuzfahrer erfreute. Erst der ägyptische Virekönig Ibrahim hat sie i. I. 1840 gründlich verwüstet und in einen Schutthaufen verwandelt. Was jetzt noch von der sonst so herrlichen, gesegneten Stadt übrig ist, sind einige erbärmliche Lehmhütten, die eine noch erbärmlichere Bevölkerung beherbergen. Mittlerweile war die Nacht hereingebrochen, und wir kehrten nach der ziemlich ergebnislosen Untersuchung der Umgebung m unser Lager zurück. Cs war eine wunderbare Nacht. Am Firmamente stand der Vollmond, umgeben von einem unzählbaren Heere blinkender Sterne, die alle ein intensives Licht verbreiteten, so dah von eigentlicher Dunkelheit nicht die Rede sein konnte, vielmehr vermochten wir sogar mit leichter Mühe auch die kleinste Schrift -u lesen. Die Luft war lauwarm, aber durchaus nicht unangenehm drückend, wie bei uns in schwülen Sommernächten. Ein würziger Blütenduft lag über der Gegend, von den vielen blühenden Gewächsen herrührend', die in der Ebene wucherten. Dabei herrschte ringsum eine feierliche Still», die durch keinen Laut unterbrochen wurde. Dazu die ehrwürdige Stätte, auf der wir uns befanden — es war eben alles dazu angetan, das Gemüt mächtig zu ergreifen: darum sehnte ich mich danach, mit meinen Gedanken allein zu sein. Als deshalb die Gefährten ihre Zelte aufsuchten, um sich zur Ruhe zü legen, trat ich noch einmal hinaus vor das Lager in die wundersame, stille Nacht. Ich setzte mich auf einen Stein, den Blick auf das Iordantal gewandt, und lieh die bedeutungsvollen Ereignisse, die sich hier zugetrag!rn, an

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