Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 27 (7.7.1911)
- Date
- 1911-07-07
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Dr. Mochs WoOenMW Sette 451 Nr. L7 NMHmis. (Kultuswahl.) Bei der am 2.d. M. stattgefundenen Konstituierung des hingen Kultusvorstandes wurden folgende Herren gewählt: Sigmund Singer/Vorsteher: Eduard Herrmann, Vorsteher- Stellvertreter : Leopold Fleischer, Tempelvorsteher; Adolf Kau der. Kassier; Rudolf Fantl, Schriftführer : Leopold Fleischner, Adolf Lederer. Moritz Schulz, Julius Zimmer, Vorstandsmitglieder. Buezaez. (R e i ch s r a t s w a h l.) Bei der ersten Wahl am 19. Juni d. I. erhielt Herr Bernhard Stern, Bürgermeister in Buczacz, 3143 Stimmen, Dr. Mich. Ringel 2578 Stimmen, Teofil M e i 6 it 780 Stimmen. Es fehlten Herrn Bürgermeister daher zur absoluten Majorität 107 Stimmen. Am 26. Juni bei der Stichwahl erhielt Herr Bernhard S t e r n 3701 Stimmen und Dr. Mich. Ringel 3080 Stimmen. Somit wurde Herr Bernhard Stern mit einer Majorität von 621 Stimmen gewählt. Mähr.-WMkirchen. (K u l t u s w a h l.) Am 28. Juni l. I. fand hier die konstituierende Versammlung des acht Tage zuvor neugewählten Kultusausschusses statt. Dem Kultusvorstande gehören nun nachstehend genannte Herren an: Herr Samuel Kober, Kultusvorsteher, Herr Sigmund Benisch und Herr Rudolf Haus, Beiräte, Herr Julius Gehler, Kassier, und die Herren Bürgermeister Schlesinger, Advokat JUDr. Eduard Batz, Karl Baron, Alfred Wolf, Leopold Riesenfeld, Ausschutzmitglieder: die Herren Adolf B. Adler, David Donnebäum und Leo Hecht, Ersatzmänner. Bemerkt sei auch, datz die Herren Samuel Kober und Bürgermeister Schlesinger, trotz hohen Alters, über Wunsch des Rabbiners in der Gemeinde, Mandate in der Gemeindevertretung bereitwilligst angenommen haben. * Triest. Einen traurigen Fall haben wir in Ihrer Zeitung zu verzeichnen. .Es betrifft den Wienex Hofanstreicher Max Makler, dessen Tochter Mizzl, verheiratete Weiß, von einer tückischen Krankheit im Verlaufe von einigen Tagen -rahingerafft wurde. Es war herzzerreißend, der Szene beizuwohnen, als die Mutter von ihrem mit Recht so geliebten Kmde Abschied nahm. Frau Mkzzi Weiß war eine auffallende Schönheit, von einem beneidenswerten Temperament und einem ausgesprochen künstlerischen, ästhetischen Schönheitssinne, die durch ihr bescheidenes und liebenswürdiges Benehmen sich in der kurzen.Zeit in Triest viele Sympathien erworben hat. I. M. Triest. In allen Zeitungen sind Berichte über den in Triest letzthin stattgefundenen Stapellauf in ausführlicher Wnse zu verzeichnen gewesen. Was Ihre Redaktion jedoch als von besonderem Werte berichten sollte, ist — bis jetzt merkwürdigerweise — ausgegeblieben. Schon vor zwei Jahren beim „Franz-Ferdinand" konnte ich mich des Gefühles nicht erwehren, daß der Thronfolger unwillkürlich sich die Frage aufwerfen mußte, woher kommt es, daß die Juden in Triest eine so hervorragende Stellung einnehmen, wogegen sie in Wien von jeder offiziellen Stellung zurückgedrängt werden. Im Pavillon des Thronfolgers waren als Erbauer des Kriegsschiffes „Franz Ferdinand" General-Ingenieur Siegfried Popper, der Vertreter der Stadt, II. Bürgermeister, Commendatore Dr. Ettore Richetti, Präsident der Advokatenkammer, Vertreter des Stabilimer.to Tecnico. Direktor Oskar Gentiluomo, Generaldirektor des Oesterreichischerv Lloyd Albert Frankfurter rc. Auch - diesmal war der Held, des Tages der Jude General-Jnaenieur S. Popper, . der das modernste Kriegsschiff (Dreagnought) „Viribus uuitis" dem österreichischen Staate erbaut hat. Wenngleich die Auszeichnung, Eiserner Kronen-Orden II. Klasse, sicherlich eine hohe Auszeichnung ist, hätte jedoch der General-Ingenieur wohl in Anbetracht seiner auf seinem Gebiete hervorragenden Verdienste eine höhere Auszeichnung verdient. Am Nachmittag waren mehrere Mitg'ieder unserer Gemeinde auch als Gäste zur Reunion am „Franz Ferdinand" geladen, wo der Statthalter Prinz Hohenlohe. Podestä Balerio, die höchsten Generäle und Admiräle erschienen. Unsere Gemeinde war durch Se. Ehrwürden Herrn Rabbiner Professor Dr. Brettholz vertreten, dem in der nächsten Nähe der Allerhöchsten Gäste der Platz angewiesen war. I. M. Oderberg-Bahnhof. Das schw-re Unglück, welches die jüdischen Bewohner der Stadt Drohobycz in Galizien am Wahltage getroffen, hat auch in den hiesigen jüdischen Kreisen allgemeine Trauer und Teilnahme erweckt. Der Obmann des „Zionvereines" Herr Josef Zänker, berief am L7. y. M. den Vereinsvorstand zu einer Sitzung, in welcher Herr Zänker seinem Mitgefühle Ausdruck gab und auch die Vorstandsmitglieder zum Zeichen ihres Beileids sich von ihren Sitzen erhoben Es wurde beschlossen, am Samstage beim Gottesdienste das Li rnule Rachamim-®ebet für die so tragisch ums Leben Gekommenen zu verrichten und mit dem vom jüdischen Nationaldrrvin..eingesandten Sammelbogen eine Sammlung zu veranstalten. Am Sabbat den 1. d. M. wurde nun bei dem Gottesdienste das El mule rachamim von Herrn Oberkantor Goldman« in besonders ergreifender Weise vorgetragen und am darauf folgenden Sonntag mit der Sammlung, welche die Herren Vorstandsmitglieder Adolf Rischk 'und Je^ob Eichenbaum übernommen hatten, bereits begonnen und verspricht dieselbe einen ergiebigen Ertrag. Feuilleton. Beduinen. Am Nachmitttag eines heißen Frühlingstages zog ein kleiner Trupp müder Reiter die Stratzs von Jerusalem nach Jericho. Sie hatten die goldene Wanderregel, die besonders im Orient zu befolgen ist, früh aufzustehen und bei Zeiten zu satteln, verträumt, und nun mutzten sie den Schaden tragen. Die Sonne meinte es gut an diesem Tage. Glühend ergötz sich ihre Strahlenfülle über die geplagten Menschenkinder, und wer nicht schon draußen war, wagte sich gewiß nicht in die sengende Glut. Die armen Reiter halten nun gerade die heißeste Tageszeit für ihren Spazierritt ausgesucht. Bis gegen 11 Uhr hatten sie im kühlen Jerusalem gelegen, und nun trabten sie, versengt von der palästinensischen Mittagssonne, dem Jordantale entgegen. Gar traurig war diese Karawane anzusehen. Sonnverbrannt humpelten die Rötzlein schwerfällig daher, das müde Haupt beinahe, zwischen den Vorderbeinen verbergend» die lechzende Zunge weit aus dem Munde steckend, denn seit sechs Stunden hatte kein Tröpfchen Wasser ihren ausgedörrten Gaumen benetzt. Sonnverbrannt hockten die Reiter aus ihren Rosinanten, den breitkrämpigen Strohhut tief in die Stirne gedrückt, die Füße neben dem Bügel schlenkernd und die ermatteten Hände beständig auf der Suche nach dem entglittenen Zügel. Wenig hätte gefehlt, so kollerten Rotz und Reiter in den zur linken Seite der halbwegs paffierbaren Stratze sich öffnenden Graben. Wir waren unser zehn. Die Spitze dieser merkwürdigen Kavalkade hielt der Dragoman, der Reiseunternehmer, dem wir uns für diese Tour in unbekannte Gegenden auf mehrere Tage anvertraut hatten: neben ihm eilte der junge Beduinenscheikh, der die Aufgabe übernommen, gegen gute Bezahlung unser teueres Haupt und unseren vollen Beutel gegen die räuberischen Angriffe seiner Stammesgenossen in dieser Gegend zu schützen, wo der Padischah dem Namen nach, aber in Wirklichkeit der Beduine herrscht. Wehe dem. der es wagen würde, ohne eine solche Bedeckung das Gebiet der freien Wüstensöhne zu betreten? Er könnte noch vom Glück sagen, wenn es ihm bloß erginge, wie jenem unvorsichtigen Rheinländer, der,, auf seinen deutschen Mannesmut pochend, auf eigene Faust einen Streifzug ins Land der Söhne Jsmaels unternahm und dann von diesen so liebevoll in Empfang genommen wurde, daß er ihnen alles hinterliest, was er am Leibe hatte. Vorsicht ist auch hier die Mutter der Weisheit! Hinter dieser trabten die zwei Wackersten aus unserer Gesellschaft, denen des Tages Last und Hitze noch am wenigsten zu schaffen gemacht und die sich deshalb noch so leidlich auf ihren Rötzlein hielten. Die Mitte bildeten mein Leidensgefährte und ich: wir Beide waren gerade keine Kunstreiter und halten auch außerhalb des gelobten Landes weit mehr auf Stühlen und Bänken als auf flinken Rossen gesessen: deshalb war uns dieser Ritt O