Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 27 (7.7.1911)
- Date
- 1911-07-07
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Nr. 27 Dr. Wachs Wochenschrift . Seite M) ungemutet fühlten. Wahrlich eine tiefe Brejche hat der Tod in ein seltenes Familienidyll geriffen, ^inen unsagbar herben Schmerz bei den trostlosen Kindern und allen'Verwandten ausgelöst. Dem Verglichenen waren im Leben auch herbe ,Schicksalsschläge nicht erspart ..-gHttebrp^In, kurzen Intervallen wurden ihm seine herrliche Frau . vvd ein Hoffnungsvoller, im blühendsten Alter stehender Sohn geraubt. Sein Gottvertrauen und sein edles Pflichtgefühl den S-inen gegenüber erhielten ihn trotz aller herben Prüfungen aufrecht. Möge dieses hehre Beispiel des abgöttisch geliebteu..Vaters und Bruders .- den tmuernden Hinterbliebenen als.Vorbild voranleuchten, damit sie im Sinne des Verstorbenen das Unabänderliche mit Ergebung in dem nnerforschlichen, göttlichen Ratschluß tragen. Er ruhe in Frieden. Sein teueres Andenken sei gesegnet für immerdar! Charlotte Frischauer. Wien. (Kindergärtnerinnen-Prüfungen.) An der mit der israelitischen Kinderbewahranstalt, IL, Schiffamtsgasse 15, verbundenen und mit dem Oeffentlichkeitsrechte versehenen Ersten Bildungsanstalt für Kindergärtnerinnen in Wien fanden am 28. Juni unter dem Vorsitze des k. k. Profeffors Viktor Frautzl die diesjährigen BefähigungLprüfungen statt, bei welchen sämtliche erschienenen Kandidatinnen als Kindergärtnerinnen befähigt wurden. Anmeldungen für den 44. Jahrgang des Kindergärtnerinnenkurses und für den damit verbundenen Bonnenkurs werden im Juli und September bei der ' Direktion entgegengenommen. Wien. (S ch u l p r ü f u n g.) Sonntag den 25. Juni l. I. fand die Schlußprüfung der Talmud-Thora-Schule für Volks- und Bürgerschüler, sowie die der Fortbildungsschule für Mittelschüler im .Ll. Bezirke statt. Die Prüfung wurde von Herrn Rabbiner Dr. Rosenrunnn eröffnet, der die anwesenden Herren Kultusvorsteher Emauuel Grüuwald, Obmann-Stellvertreter des Bethausvorstandes G. Dukes, - Obmann der Talmud-Thora Max Neumauu, die Zerren Mitglieder der Bezirkskommiffion Ignaz Wodivka, Adolf Wodak, Simon Ezuczka. Emil Fauto. Heinrich Blatt, ferner die Herren Dr. Nuß, Dr. Knecht, Max Feßler, Salomou Morgenstern und viele Damen ' mit einer herzlichen Ansprache begrüßte. Die beiden Lehrer I. Löw und I Eibenschutz führten ihre Schüler und Schülerinnen vor, welche glänzende Beweise ihrer Leistungen abzulegen vermochten. Besonderes Lob erwarben sich die Gymnasiastinnen Treib! und Stein, sowie der Septimaner Akorgeusteru. Der Kultusvorsteher und Obmann-Stellvertreter sprachen ihre vollste Anerkennung aus. Austritte aus dem Judentum Vom 25. Juni bis inkl. 1. Juli 1911. Aftmann Oskar, Spenglergehüfe, geb. 20. Mai 1887, Wien. Götzl Leo, Elektrotechniker, Oktober;Graz, XVII.,: Weidmanngasse 36. Kohn Elisabeth, geb. 21. Juli 1883, Wien, XIX , Chimanistrasse 31. Kolm Anna, Privat, geb. 10. August 1879, Bosnjaci, XIX, . Büdinskygasse 30. Kdiiler Franz, Hof- und Gerichts-Advokat, geb. 1868, Prag, I., : ' : Bolenturmstrasse 29. - Köhler Ida geb. J.ackenbacher, geb. 1880, Wien, I., Botenturmstrasse 23., Köhler Franz, geb. 1. September 1904, Wien, I, Botenturmstr. 29. Kollmann Julie, geb‘ 1. September 1888, Wien, IL, Molkereistr. 10. Königsberg Klara, med. Dr., geb. 1. Februar 1879, Wien, XVII., Hernalser Hauptstrasse 38. i -Rechenberg Josef, Ingenieur, geb. 6. Oktober 1859, Sereth, V., Büdigergasse 25. Reichmann Marcell, Techniker, geb. 7. September 1892, Wien, I., Schauflergasse 2. Sachs E ise des Renaudes geb. Werndorfer, geb. 28. April 1872, Wien, II., Engerthstrasse 223. Schmied Margarethe. Private, 24. Juni 1884, Klosterhradisch, XXI., ' Frömmelgasse 37. Schönwald Paul Alfred, geb. 30. Juni 1888, Wien, I., Liebiggasse 4. Schönwaid Lisbeth, geb. 10. Juni 1889, Wien, I., Liebiggasse 4. Stolzenberg Friedrich, Handelsakademiker, geb. 11. November 1891, II., Kl. Schiffgasse 7. Szego Clara geb. Donath, geh. 12. Februar 1884, Wien, VIII., Wickenburggasse 23. Groß-Enzersdorf. Sonntag den 2. Juli 1911 wurde hier der Religionslehrer, Kantor und Matrikenführer Herr Samuel Eigner imter ungewöhnlich großer Beteiligung zu Grabe getragen. Der Verstorbene wurde in den Tempel, der Stätte seines 28 jährigen Wirkens, gebracht, sodann formierte sich der imposante Zug, welchen sämtliche -Schüler und Schülerinnen, ohne Unterschied der Konfession, mit dem ganzen Lehrkörper eröffnten. Am Grabe sprachen: Herr Rabbiner . Dr. Roseumauu, der Oberlehrer der städtischen Volksschule, der Ortsschulrat Herr Moritz Mandl, der Obmann der Gemeinde Herr Rosenbaum und Herr Religionslehrer Josef Pick aus Wien. ÜWhreuden Abschied von ihrem geliebten Lehrer nahmen auch die Schülerin: Valli Reumau und der Schüler WM Rosenbaum. , Unter den zahlreichen Trauergästen bemerkte inan auch den Bürger- .... meister und Bezirksrichter der Stadt. Herr Rabbiner Dr. Rosenmau« ' schilderte in feiner ergreifenden Trauerrede die vortrefflichen Eigenschaften des Verblichenen und gab der sicheren Erwartung Ausdruck, daß die Gemeinde ihrer Pflicht auch den Hinterbliebenen gegenüber Nachkommen werde. Herr Kantor Jonas Etbenschütz aus Floridsdorf versah die kantoralen Funktionen. Karlstadt. Frau Adele Hermann, die Gattin des Sparkass adirektors und langjährigen Stadtrates, ist am 30. Juni in ihrem 46. Lebensjahre einem tückischen Leiden erlegen. Schmerzlich war der Eindruck, den die traurige Nachricht in allen Kreisen unserer Gemeinde hervorgerufen. Das imposante Begräbnis, das am 2. Juli stattfand und an dem fast die ganze Bevölkerung unserer Stadt sich beteiligte, gab beredtes Zeugnis von den Sympathien, welche diese Frau in allen Schichten der hiesigen Gesellschaft genossen hat. Aus dem Friedhofe hielt Herr Rabbiner Dr. Bernhard Schik eine ergreifende und tiefempfundene, kroatische Leichenrede und sprach den tiefgebeugten Familienangehörigen aus dem Herzen kommende Trostworte zu. D. M. Mariönbad. Der Besitzer des Hauses >,P a l l a d i o" Herr Vadedirektor Schaffer, wird ims, im Gegensatz zu der Mitteilung in der letzten Nummer unseres Blattes, von hochangesehener und vertrauenswürdiger Seite als ein Mann aufrichtig humaner Gesinnung geschildert, welcher Wert darauf legt, jeden Verdacht des Antisemitismus von sich adzuwehren. Derselbe schreibt uns: Sehr geehrter Herr Redakteur! In Nr. 26 Ihres geschätzten Blattes „Oesterreichische Wochenschrift" vom 30. Juni 1911 ist in dem Artikel Marienbad, Verzeichnis der Häuser, deren Besitzer sich bei den letzten Reichsratswahlen in hervorragender Weise für den antisemitischen Kandidaten eingesetzt und agitiert haben, auch mein Haus „Palladio" genannt. Ich sehe mich hiedurch veranlaßt, gegen die Einreihung meines Hauses „Palladio" in das genannte Verzeichnis und gegen die dadurch aufgestellte öffentliche Behauptung, als wäre ich mit unter denjenigen gewesen, welche bei der letzten Reichsratswahl eine antisemitische Agitation entfaltet haben, meinen entschiedenen Protest hiemit zu erheben und einen solchen Vorwurf mit Entrüstung zurückzuweisen. Wahr i st v i e l m e h r, daß ich weder bei der letzten noch bei einer früheren Wahl für den antisemitischen Kandidaten agitiert habe, wahr ist vielmehr, daß ich die ehrliche Ueberzeugung, die Religion oder Nationalität und Sprache eines Jeden achte und diesen Standpunkt für Marienbäd, als einen Weltkurort, ganz besonders betone, da die Heilmittel eines Kurortes für alle Leidenden der ganzen Welt ohne Unterschied der Konfession, Nation und Sprache bereit stehen. Durch den genannten Artikel Ihres geschätzten Blattes erleide ich daher eine große Ungerechtigkeit und Schädigung und werde das unschuldige Opfer einer Mystifikation, Verwechslung, Verleumdung oder Bosheit eines persönlichen Feindes, (wer hat solche nicht?) der Ihnen falsch berichtet hat. Da ich jedoch die Ueberzeugung hege, daß Sie, geehrter Herr Doktor, in Ihrem Blatte auch der Wahrheit dienen wollen, so darf ich Sie wohl auch ersuchen und es erwarten, daß Sie im Interesse der Wahrheit (deren es für alle Konfessionen ja nur eine gibt) die Berichtigung des obigen Artikels rücksichtlich meiner Person und meines Hauses „Palladio" nicht versagen und dieselbe in der nächsten Nummer Ihres geschätzten Blattes bringen. Von dieser Ueberzeugung ausgehend, darf ich wohl auch die sonst übliche Berufung auf den 8 19 des Preßgesetzes unterlassen. Zur Bekräftigung meiner obigen Darlegung berufe ich mich auf Ihre hiesigen Glaubensgenoffen, ganz besonders auf Herrn Optiker K o h o r n und die Herren Bankiers Julius und Moritz Heller, welche mich seit vielen Jahren sehr genau kennen und meine Freunde sind und welche Ihnen wahrheitsgetreu bestätigen werden, daß ich niemals antisemitisch agitiert habe. Mit verbindlichstem Dank für die gefällige Berichtigung in der nächsten Nummer Ihres geschätzten Blattes, zeichne in Hochachtung Jos. Schaffer, Direktor der Badeanstalten. .Besitzer des Hauses: Palladio. Ferner protestieren gegen den Verdacht antisemitischer Gesinnung: Herr Wenzl W i l f e r t, Besitzer des Hauses „Q u is i s a n a", und die Besitzerin des Hauses „Stadt Paris", Frau Witwe Pistl, sowie deren Söhne, Firmainhaber der Ersten Wiener Hutfabriks-Niederlage, Marienbad, was wir im Jntereffe der Wahrheit gerne konstatieren.