Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 27 (7.7.1911)
- Date
- 1911-07-07
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 27 Dr. Wochs Wochenschrift Sette 449 man den offiziellen Bericht über die Verbreitung der Trunksucht unter den Bindern in Rußland liest. Hiernach vergeht fast kein Tag, daß man nicht selbst in Petersburg eine Anzahl schwer betrunkener Kinder im Alter von 8—9 Jahren aus den Straßen auflesen und sie entweder in ihre Wohnung oder in eine Heilanstalt bringen würde. Unter den 70.000 Betrunkenen, die durchschnittlich jährlich in Petersburg ausgegriffen werden, sind nicht weniger als 8000 Kinder im Alter unter zehn Jahren. Das sind demnach in Petersburg allein durchschnittlich 20 pro Tag. Ihre Zahl wird, wie der Bericht sagt, ,täglich größer. Die trunksüchtigen Kinder rekrutieren sich nicht nur aus der ärmeren Bevölkerungsklasse, sondern im großen Maße auch aus den Reihen der Reichen und der sogenannten Intelligenz. Ein KongrG jüdischer Bibliotheken in Rußland. Da bei dem jüngst abgehaltenen allgemeinen Kongreß der Bibliotheken in Rußland die jüdischen Delegierten infolge Verweigerung des Wohnrechtes nicht zu Worte kommen konnten, beschlossen sie, einen Kongreß zu veranstalten, auf welchem ausschließlich jüdische Vibliotheksfragen zur Besprechung gelangen sollen. Dir! Vertreibung der Juden aus Nikolajew. Seit jeher gilt Nikolajew als das Barometer der antijüdischen Stimmung der russischen Regierungskreise. Während die Rechtslage der anderen Städte klar ist und man genau weiß, ob in ihnen Juden wohnen dürfen oder nicht, ist Nikolajew direkt den Launen der Machthaber ausgesetzl. Die Dekrete und Senatserklärungen wechseln einander ab, laut welchen Nikolajew bald zum jüdischen Ansiedlungsgebiet gehört, bald wieder aus demselben hinausdekretiert wird, womit auch das Wohnverbot für Juden verbunden ist. So oft in Petersburg die Stimmung zu Ungunsten der Juden umschlägt, beginnt man an der Wohnrechtsfrage der Nikolajewer Juden zu mäkeln. Es ist nun bezeichnend für die jetzige Stimmung in den Regierungskreisen, daß jetzt wieder mit einemmale Nikolajew als außerhalb des Ansiedlungsrayons liegend bezeichnet und der Auftrag erteilt wird, 'sämtliche Juden aus der Stadt zu weisen. Den Ausgewiesenen wurden zwei Wochen Frist zur Abwicklung ihrer Geschäfte gewährt. Da jedoch die plötzliche Vertreibung sämtlicher Juden auf den Handel der Stadt schädlich wirken könnte, haben hervorragende christliche Kreise petitioniert, den Erlaß rückgängig zu machen. Die« Lage der Juden in Australien. Unter den Juden, die gegenwärtig in Australien eine. Rolle spielen, nimmt der Präsident des Obersten Gerichtshofes in Sydney, Cohen, zweifellos den ersten Platz ein. Judge Cohen ist in England geboren worden und ging vor dreißig Jahren nach Australien, wo er schon damals Geschäftsverbindungen hatte. Von jener Zeit angefangen, wurden ihm nacheinander die wichtigsten Regierungsstellen übertragen. Als überzeugter Demokrat schuf er in Sydney ein Friedensgericht zwischen Arbeitern und Arbeitgebern, dessen Vorsitzender er seit vielen Jahren ist. In einem Gespräche, das Mr. Cohen einem Journalisten in London gewährte, erklärte er, daß es den Juden in Australien im allgemeinen nicht schlecht gehe. Er unterschied die englischen Juden von den aus dem östlichen Europa eingewanderten. Die ersteren sind fast durchweg wohlhabend, manche sogar sehr reich. Die aus Rußland usw. eingewanderten Juden sind wohl weniger bemittelt, aber solchen Armutserscheinungen, wie im Londoner und Newyorker Ghetto begegnet man unter den Juden in Australien nicht. Für die völlig unbemittelten sorgen Mehrere Wohltätigkeitsanstalten'. Auf die Frage, ob die australische Regierung eine umfangreiche Einwanderung von Juden zulassen würde, meinte Mr. Cohen, daß er dies bezweifle, besonders wenn die Einwanderer die Absicht hatten, sich auf einem und demselben Gebiete niedrrzulassen. Seiner Meinung nach sind die in Australien zwischen der -christlichen und jüdischen Bevölkerung in Sydney bestehenden guten. Beziehungen hauptsächlich dem Umstande zu danken, daß die Juden dort kein eigenes Ghetto schufen. Die verschiedenen jüdischen Kolonisationsprojekte dürften nach Ansicht des Mr. Cohen niemals realisiert werden. In Australien selbst haben die verschiedenen Zeitungsnachrichten ln dieser Frage nicht den geringsten Eindruck gemacht. Vermischtes. Krarizablösrmgsfpeudeu zugunsten der Chewra-Kadischa in Wien I., Seitenstettengaffe 4 für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens des sel. Dr. Emanuel Strotz: Von Dr. Hermann und Immanuel Brüch. K 50, Dr. Sigmund Wolf, Brünn, 20, Dr. Sigm. Schorns.ein und Frau 20, Dr. Heinrich Selldorff und Frau 20, Dr. Josef Winternitz und Frau 20, Dr: EliaS Münz 20, Familie Dr. Ludwig Blau 20. Leopold Otto 40, Oberlandesgerichtsrat Dr. Josef Löwner 2(>, Dr. Geza Palos 20, Doktor Julius Bondy 20, Dr, Adolf Grünbaum 20, Dr. Daniel Bachrach 20, Geheimer Justizrat Dr. A. Bachrach 20. Zusammen K 330. Anläßlich des Ablebens der sel. Iba K o h n: Von Siegfried Schneider L 5. Adolf Friedmann 5, Ungenannt 10, Em. Adler 10, Josefine Fraenkel 20. Zusammen K 50. Anläßlich des Ablebens des sel. Josef Lederer: Von Moriz Haßberg K 20. Anläßlich des Ablebens des sel. Dr. Siegmund Adler: Von Dr. Leopold Fellner, kaiserl. Rat, K 20. Anläßlich des Ablebens der sel. Ella Grün; K. S. in Brünn K 50. Anläßlich des Ablebens des sel. Bernhard G u ß m a n n: Von Familie Bernhard Gußmann K 20, Jofef Sommer u. Fran 10, Julius Beer n. Frau 10, Fam. Julius Beck 20, Karl Beck u. Frau 10, Familie Adelberg 20, Dr. Hermann Engel 5, Simon Gußmann und Frau 20. Zusammen K 115. Wien. Am 29. v. M. fand in überaus feierlicher Weise die Trauung des Herrn jur.-u. Dr. Max W e l i s ch, Sohn der Frau Ludmilla W e l i s ch, mit Frl. Helene W a s s i n g, Tochter des Hof- und Gerichtsadvokaten Herrn Dr. Arnold W u s s i n g, im hellbeleuchteten Tempel der Müllnergaffe im Beisein eines großen Kreises von Bekannten und Verwandten statt. Herr Rabbiner Dr. Gelbhaus hielt eine tiefempfundene Ansprache an das Brautpaar, dem er besonders empfahl, die Tradition des Elternhauses zu wahren und zu pflegen; die kantorale Funktion versah Herr Oberkantor Kläger mit dem Tempelchor in weihevollster Weise. —n Wit!n. (Verlobung.) Fräulein Berta Dreikurs, Tochter des Herrn Nathan Dreikurs, hat sich mit Herrn Friedrich Feuer, Sohn des Malers S. Feuer, verlobt. Wien. (T al mud - T h o r a - V o lksschule mitOeffent lichkeitsrecht für Knaben, Wien, II., Malzgaffe 16.) Die Schüler-Einschreibungen für das Schuljahr 1911/12 finden am 10. und 11. Juli d. I. von 8 bis 11 Uhr vormittags in der Schulkanzlei statt. Am 15. September können Schüler nur nach Maßgabe des noch vorhandenen Platzes ausgenommen werden. An Dokumenten find erforderlich: Geburts- und Impfschein, sowie Heimatsnachweis. Für Kinder, welche noch nicht 6 Jahre alt sind, muß die Altersdispens beim Ortsschulrate rechtzeitig eingeholt werden. Wien. (Nachruf.) Am 25. Juni starb in Kaltenleutgeben nach längerer Krankheit der Fabrikant Herr Leopold Frischaner. Der Verblichene — ein Mann von seltener Herzensgüte, liebenswürdigen Charaktereigenschaften, strenger Rechtlichkeit und immenser Arbeitskraft — erfreute sich bei Allen, die ihm nahestanden, der größten Wertschätzung und Liebe. In einer Zeit, in der die Hast und Unrast des Lebens in so manches Familienleben unsanft und störend eingreift und den Sinn für dasselbe in vielen Fällen abstumpft, war es gerade der patriarchalisch ausgeprägte Familiensinn, der dem Hause dieses edlen Mannes die Signatur verlieh und von dem Alle, die das Glück hatten, dort zu verkehren und das edle, harmonische Zusammenleben aller Familienglieder zu beobachten, sich unendlich warm