Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 27 (7.7.1911)
- Date
- 1911-07-07
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 27 Dr. WoWs mommm Seite 447 Krone, um zu prangen, aber auch nicht als Hacke und Spaten, um mit ihr zu graben. Das ist das, was Hillel sagte: „Wer die Krone als ein Werkzeug braucht, geht zugrunde". Und Rabban Gamliel äußerte sich: „Das Beste ist, wenn Gelehrsamkeit sich verbindet mit der Weltsitte und dem praktischen Leben. . . Wo sich mit der Thora keine Arbeit verbindet, da ist das ein verlorenes Wissen, das am Ende in sich verfällt und nur die Versündigung herbeizieht." Schemaja lehrte: „Liebe die Arbeit, hasse die Herrschaft und bekenne dicht nicht zu den Oberen". R. Juda lehrte: „Wer seinen Sohn kein Gewerbe lernen läßt, hat ihn gleichsam Räuberei gelehrt". Hillel lebte von dem Erwerb des Taglohns, R. Akiba trug Holz in die Stadt, R. Josua war ein Schmied, R. Jose ben Chalephta ein Gerber, R. Jose den Jlai ein Böttcher, R. Scheschet ein Zimmermann usw. In der Würdigung der Arbeit erheben sich also Bibel und Talmud weit über die ethischen Prinzipien der Griechen und Römer, die die Arbeit nur als Sache der Sklaven betrachten, die den freien Mann erniedrige. Seitdem Moses von der Schafherde hinweg zum Lehrer und Führer Israels berufen ward, find seine Nachfolger, und nicht zum wenigsten die tonangebenden Pharisäer, Männer niederen Standes, Arbeiter und Handwerker, gewesen. Dies ist eine traditionelle Tatsache, deren Gewicht sich selbst die Evangelien so wenig entziehen konnten, daß sie auch Jesus mit Angehörigen derselben Kategorie, mit Fischern und Zimmerleuten umgaben. „Bekannt ist ferner", fährt Sombart fort, „daß die jüdische Verstandesschärfe oft genug zur Spitzfindigkeit und Rabulistik ausartet. Aber wichtiger für die Beurteilung der jüdischen Psyche ist der Umstand, daß sich die Verstandestätigkeit auch insofern einseitig zu entwickeln die Neigung hat, als andere wichtige Seiten des geistigen Lebens unter dem Ueberwuchern des Verstandes verkümmern und verdorren. Verkümmert finden wir häufig bei den Juden das instinktmäßige Verstehen, wie denn alle Empfindungs- und gefühlhafte Beziehung zur Welt ihm nicht so wesensverwandt ist." Zur Illustration dieser Behauptung sei darauf hingewiesen, daß der Talmud sich nicht bloß an den Verstand, sondern durch feinen hagadischen Einschlag sich auch an Herz und Gemüt wendet. Wer könnte den Reichtum an sinnigen Gleichnissen, an Tröstungen und Ermahnungen, an seinen Beobachtungen, an erheiternden Witzworten, an tiefgründigen Erfahrungssätzen und Lebensregeln, wie an zarten Winken und Andeutungen für den Umgang mit Menschen und eine gesittete Lebensführung ermessen, — diesen Reichtum, der im Talmud und in den rabbinischen Schriften aufgehäuft ist und dem auch die Evangelien ihre reizvollsten Stellen entlehnt haben! Es widerspricht übrigens dem klaren, gesunden Menschenverstände, daß aus einem so verkümmerten Boden das Christentum hervorgehen konnte. (Fortsetzung folgt.) Korrespondenzen Die „Wiener - Zeitung" vom 4. Juli publiziert die Ausschreibung einer Stelle eines israelitischen Religionslehrers. An dem k k. Sophien-Gymnasium in Wien ist mit Beginn, des Schuljahres 191112 bic Stelle eines israelitischen Religionslehrers für 22 bis 24 wöchentliche Stunden gegen normalmäßige Remuneration zu besetzen Gesuche sind bis 12. Juli bei der Direktion des Sophien-Gymnasiums in Wien etnzubringen [IÖ09A-1] Das Mandat von Drohobycz. Aus Drohobycz wird gemeldet: Herr Dr. Löwenstein hat sich „mit Rücksicht auf die Aufforderung der polnisch-demokratischen Partei und mit Rücksicht auf die zahlreichen ihm zugegangenen Vertrauenskundgebungen" entschlossen, das Reichsratsmandat von Drohobycz beizubehalten! — Offenbar unterliegt hier Dr. Löwenstein einer Pression der Regierung, welche den Ausgang einer Neuwahl unter der jetzt vorherrschenden Stimmung der Wähler fürchtet. Er dürfte sich indetz bald überzeugen, daß er mit dieser Nachgiebigkeit übel beraten war. Allerdings heißt es: „Er solle das Mandat bloß behalten, nicht ausüben". Auch das ist nicht ohne Bedenken. Solche Wahlvorgänge, wie in Drohobycz, haben ihre unerbittlichen Konsequenzen. Die« Sammlungen für die Drohobyczer Opfer. Wer die Vorgänge nach der schrecklichen Wahlschlacht von Drohobycz unparteiisch verfolgt, und besonders die Sammlungstätigkeit für die Hinterbliebenen der Opfer beobachtet, wird das Gefühl des Bedauerns nicht unterdrücken können, daß selbst auf diesem rein menschlichen Gebiete innerhalb der Judenschaft Oesterreichs ein einheitliches Vorgehen durch Bildung eines zentralen Hilfsaktionskomitees nicht zu erreichen war. Abgesehen davon, daß in den meisten Städten Oesterreichs die Spendensammlung unter den verschiedensten Auspizien "von berufener und auch unberufener Seite veranstaltet wird, konnte selbst in Drohobycz, auf dem Schauplatze der furchtbaren Ereignisse, ein einheitliches Zentralhilfslomitee nicht erzielt werden. Auch in D roh o bycz haben sich verschiedene Komitees konstituiert. Man fragt sich erstaunt: Warum? Erinnert man sich an die seinerzeitigen Sammlungen anläßlich der großen russischen Pogrome, bei denen manches Sammelkomitee wohl nicht unbedeutende Spenden eingesammelt hat. aber die öffentliche Verrechnung noch bis heute schuldig geblieben ist, so kann nicht früh genug davor gewarnt werden, die Sammlungstätigkeit zu zersplittern und sie dadurch einer übersichtlichen öffentlichen Kontrolle zu entziehen. Besonders aber müßte dahin gearbeitet werden, daß in Drohobycz selbst ein einheitliches, aus Vertretern aller Parteien bestehendes verantwortliches Hilfskomitee gebildet werde, dem auch Vertrauensmänner derjenigen öffentlichen Organisationen zugezogen werden müßten, welche in den einzelnen Zentren die Spendensammlung leiten. Von diesem Gesichtspunkte aus gewinnt die Mitteilung an Bedeutung, die uns aus Drohobycz zukommt: „Mit Rücksicht darauf, daß das zuerst gewählte Drohobyczer Hilfskomitee sich nicht auf die Hilfsaktion selbst beschränkte, sondern auch die politische Seite der Drohobyczer Wahlvorgänge in ihr Tätigkeitsgebiet aufnahm und dadurch die Befürchtung erweckt, daß ihre Hilfsaktion selbst geschwächt und behindert sein könnke. fand unter dem Vorsitze des Bezirksmarschalls Grafen Zamoyski eine Beratung Drohobyczer Bürger statt, aus deren Mitte ein Komitee gebildet wurde, mit der Aufgabe, sich ausschließlich der Hilfsaktion, ohne jedes politische Beiwerk zu widmen. Diesem Komitee gehören gleichfalls Vertreter aller Richtungen an." Hoffentlich gelingt es, eine Einigung zu erzielen, und wenigstens die Rettungsaktion zu gunsten der ihrer Ernährer beraubten Familien von dem politischen Wettstreite der einzelnen Parteien fernzuhalten. Für die Drohobyczer Waisen. Bad Reichenhall. Am 29. Juni fand hier im Saale des Restaurateurs Bermann eine Trauerfeier für die Getöteten von Drohobycz statt. Herr Altberg aus Leipzig hatte Herrn Jork Steiner, Wien, für die Trauerrede gewonnen und ein Komitee aus den distinguiertesten Kreisen des Publikums entfaltete eine rege Agitation, so daß der Saal am Abend überfüllt war. Nach Eröffnung der Versammlung durch Herrn Hofrat Goldschmidt sprach Herr Jork Steiner. In feffelnden Worten verstand es der Referent, den zahlreichen Anwesenden die traurigen Ereignisse in zu Herzen gehender Weise zu schildern