Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 27 (7.7.1911)
- Date
- 1911-07-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr 27 Dr. Bkochs WochenWist Sette 448 nach Colchis^); Jonathan, „Aphus" (Chapus), nach Capus (Capotes«), einem Gebiete Nordarmeniens bis Colchis; Simon, Tharsi, nach dem südlichen Gestade des PontE). Daraus ergibt sich schon mit Sicherheit die Lage des Landesteiles Tharschisch. Desgleichen geht ans der Erzählung Josephüs' (Jüd. Krieg I, 14, 2), daß ein Enkel Simons, Alexander, der von ihm verübten Grausamkeit wegen mit dem Beinamen der „Thrazier" gebrandmarkt wurde, klar hervor, daß „Tharschisch" von Thrazien herzuleiten sei, da der von Simon und gewiß auch von dessen Nachkommen geführte Name Tharschisch, weil er die verwildeten Sitten der heidnischen Thrazier nachahmte, hier zum Schimpfname wurde. Nun findet man eine auch noch in anderer Hinsicht interessante Notiz in der Mischna des babyl. Talmuds Ab. Sara II, 4 onM bw m nraa, wofür in derselben des jerus. Talmuds 'p"va steht. Mit 'p”JN, in der Tosifta e. 5 richtiger *Kp'j*n geschrieben, sind die Heniocher gemeint, die um Dioscurias und zerstreut auch in Colchis, in größeren Massen in den nach ihnen benannten Bergen östlich von Trapezuut au den Ufern des Schwarzen Meeres wohnten. (Plin. VI, 3 0,1.12,1. Dio Cassius L. Hist. L LXXVIII, 18 u. LXXI, 2). auch int Talmud u. A. Jerus. Synh II, 2. in der Zusammensetzung mit dem griechischen Adverbium rept 'THrna zur näheren Bezeichnung der Lage, des vor oder um der Pylae Cauc. liegenden Landstriches. In demselben Sinne wird dieses Land Thargum II zu Esther c I •n‘13 fps genannt, wofür in der Parallelstelle in Midrasch Thilim e. 137 ausdrücklich i»>N2 Jberien steht. Das in Cis-Caucasien oberhalb der Pylae liegende Land heißt im Jerus. Talmud Git. IV, 6 in der Zusammensetzung mit ünsp B'-ilBiaK d. h. oberhalb der Pylae gelegen. In Jberien sollen nach einer alten Tradition im Talmud, Juden bereits in der vorsalomonischen Zeit gelebt haben, wie wir weiter unten dies erwähnen werden. — . 7) Strabo XI erzählt, daß in Colchis von den Bergen des Caucasus, die dort angesammelten Ströme und Regenwässer mit solcher Stärke herabströmen, daß hievon der ganze Boden durchlöchert ist. Davon dürfte die hebräische Bezeichnung des Landes nV'in» wie die' Griechische von Höhlung, Vertiefung und die Aramäische herrühren. So ist in der von einem griechisch sprechenden Juden am oberen Euphrat verfaßten Pesikta des R. Kahane (I. Hachodesch p. 44) der aramäische Name nach der griechischen Form Afa. ifj (Herod. tbid. u. A.) pja Für das in den Parallelstellen erwähnte pivdr (Jmeritia oder' pnv wie der nördliche Teil von Colchis heißt, wie ich anderweitig ausführlich Nachweisen werde). Und weil eben Colchis aramäisch 12 heißt, ist es auch sehr plausibel, warum Mischna und Talmud den Mischling von Ziegenbock und Hirsch den „Tragelaphos", der im Altertum nach dem Zeugnisse Plinius nur am Phasis in Colchis lebte, (Plin. VIII, 33, nyn alibi, quam juxta Phasin amnen nascens) „'13" nannten. Die spätere hebr. Bezeichnung hiefür wohin die Israeliten 720 v. Chr. von Tigläth Pilaser exiliert wurden, ist dem griechischen Colchis nachgebildet. — Der in den Keilschriften oft vorkommende Landname Kiu oder Kiwu dürfte auch Colchis sein. °) Capusa kommt in Wejikra Rabba C. 5 sd'BB vor, wohin Schewno exiliert worden sein soll. Es ist eben das Sper der Alten am Capotesgebirge. Capotes ist soviel wie eaeruleus d. h. Himmelsbläue. Der Talmud Kiduschin 72 bezeichnet die angrenzenden Bezirke Calarzene und Lazica mit was dasselbe bedeutet. Dort wurde der lapis lazuli oder lapis armenicus gefunden. Moses Khor. (Chr. L. I, C. XX) läßt dorthin einen vornehmen Juden namens Schambat zur selben Zeit exilieren, von dem die armen. Dynastie der Bagraditen abstammen soll. Derselbe dürfte mit Schrbna identisch sein, da beide Berichte sich decken. Diese Gegend heißt bei den Talmudisten K'öBBN, wie wir weiter unten ausführlich darlegen. °) Aus Herodot's Worten II, 104: Nicht nur die „Syrer" in Palästina, sondern auch die am Pontus an den Flüssen Thermodou und Parthenius, in der Nähe der Macrones (diese Gegend eben bezeichnen die Rabbiner mit b"D“ie) wohnen, nehmen die Circumcision an sich vor [,,Ootvtxe<s ös xai Stiptoc ol sv vq IlaXataTtvfl. .26pioi ös 01 Tcspt Ospjioöovta xat üapO-svtov Tüoxapöv xal Ma%pü>ve<g 01 Toüxotai aaxuyetxovss sovtsg“ ....], geht klar hervor, daß er mit Syrer nur Juden meint und es sich um diese am südlichen Ufer des Schwarzen Meeres wohnenden handelt. Herodot war aus Halicarnassus und waren ihm die Verhältnisse in Kleinasien auch durch Reisen genau bekannt. In geschichtlicher Beleuchtung der Verhältnisse im Nordosten, nebenbei bemerkt, werden wir sehen, daß die dortige Bevölkerung jüd. Sitten und Gebräuche angenommen habe und die Beschuldigungen Herodots in dieser Beziehung ganz parteiisch sind. -- Juden lebten aber dort viel, früher vor Herodots (blühte 470—440 Chr.) Zeiten, wie wir weiter unten Nachweisen werden. Die Mischna des jerus. Talmuds hat die ursprüngliche Lesart np"vn beibehalten, da der Tradent mit den Verhältnissen im Norden bekannt war, wie ich dies anderweitig Nachweise (s. w. u.). Er nennt daher, wie die Griechen, die Bewohner des asiatischen Pontusufers „Thrazier"; hingegen wurde hiefür in Südbabylon die nähere Bezeichnung Heniocher, unter welchen Namen sie dort besser bekannt waren, gesetzt. Ebenso gebraucht der jerus. Talmud Chag. II, 2 für die in Phrygien erzeugten, daher „Phrygische Gewänder" genannten feinen Purpurkleider mit Nadelgoldstickereien (Plin. VIII, 74, 1) den Ausdruck 'pvn , weil die Phrygier auch (Herod. l. c.), „asiatische Thrazier" genannt wurden. Resümiert man nun das Gesagte, so bedeuten die in der Bibel erwähnten »nsnn nnx also soviel wie „P 0 ntische Handelsschiffe, und die in der Prophetie Ezechiels 38. 13 gegen Goz im Norden im Zusammenhänge mit diesem Volke erwähnten t*'tsnn nmo Politische Handle?. Wir können nicht umhin, schließlich noch eine Konjektur, die bei Manchen Anklang findet, zu erwähnen und zu berichtigen. Die Septuaginta gibt in Ezechiel 27, 12, für Tharschisch Kapx*]Sovwt, d. i. Karthago. Wir halten diese Stelle entschieden als apokryph, eine erklärende Interpolation eines Kopisten früherer Zeit, da die Vulgata hier ihr schon mit der Erklärung „OÜ3.rta.§in68 negotiatores“ folgt; dies umso mehr, als alle sonstigen Stellen mit dem Originalworte 6«pat* wiedergegeben sind. Sogar in demselben Kapitel, Vers 25, steht für Tharschischfchiffe nur uXota, Schiffe. Wenn aber diese Stelle auch authentisch sein sollte, beweist sie doch nur, daß ein griechischer llebersetzer es für richtig fand, den Namen der damals berühmten Handelskolonie Karthago als Erklärung für Tharschisch zu geben, obwohl er von deren Unhaltbarkeit selbst überzeugt zu sein scheint, da er bei Uebersetzung des darauf folgenden Verses dieselbe fallen läßt. Karthago ist gegen 800 v. CH. gegründet und zur Zeit der Propheten noch viel zu unbedeutend, um in fernen Landen als weltberühmt hingestellt zu werden, llebrigens darf man den Autoren der Bücher der Könige und der Chronik aar nicht einen solchen groben, anachronistischen Fehler zumuren, bei Salomons Ophirfahrten von Tharschisch zu sprechen, wenn dieselben karthagische Schiffe bedeuten sollten, da Karthago damals noch nicht existierte. Endlich soll Karthago auch die von Ezechiel 27, 12 erwähnten, aus Tharschisch exportierten Erze, wie Silber, Eisen, Kupfer, Blei rc., nie aufzuweisen gehabt haben, während das Land der Chalyber dadurch im Altertum berühmt war und das Hinterland von Trapezunt heutzutage noch all diese Erze reichlich hervorbringt. S. Spinner, Wien. (Fortsetzung folgt.) Zur Stellung der Jude« im Mittelaller. Mit Streiflichtern auf Werner-Sombarts jüngstes Werk: „Die Inden »nd das Wirtschaftsleben." Vortrag gehalten im Verein zur Abwehr des Antisemitismus am 25. April 1911 vom Bibliothekar Dr. Beruh. Münz. Nach kurzer herzlicher Begrüßung durch den Vereins- Präsidenten Prof. Dr. Szeberinyi führte der Vortragende aus: „Die ungeheuerlichen Bedrückungen und Verfolgungen der Juden, die so viele Blätter zumal der Geschichte des späteren Mittelalters geschändet haben, werden gewöhnlich, dem Zusammenwirken zweier Faktoren zugeschrieben: der Unduldsamkeit einer despotisch gewordenen Hierarchie und der allgemeinen Roheit eines halb barbarischen Volkslebens. Das Vorhandensein dieser beiden Faktoren wird niemand itz Abrede stellen. Aber ebensowenig kann geleugnet werden, daß die Päpste, wie an einer Fülle von Beispielen gezeigt