Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-07-07 · 27 (7.7.1911) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
27 (7.7.1911)
Date
1911-07-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/3020846-3021927-3021955--20328-3045361
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Sette 444 Dt. Mochs WocheiMM Rr. 37 lmiliermamen Men-es da Costa, Morais, Gideon, Delgado führen und auf ihre jüdische Abkunft stolz sind, aber selbst kerne Juden sind. Die letzte Volkszählung gibt 2800 Juden in Jamaica an, nach meiner Schätzung dürften es kaum 1000 bis 1200 sein. Man kann Neger sehen,, in deren Adern jüdisches Blut fließt und sich üer der Zählung als Juden eintragen lassen. Dir Beteiligung der Juden uw Kerrschen Welthandel im Altertum. (Nachdruck verboten. Uebers.tzungsrccht Vorbehalten.) II. Wie vor Aufführung eines Neubaues vorerst die Be» seitigung der im Wege liegenden Schutthaufen und Gerölle erforderlich ist, so muß auch vor allem mit den seit vielen Jahrhunderten von Generation zu Generation sich vererbenden irrigen historischen Auffassungen aufgeräumt werden, um einem neuen Gesichtspunkte Geltung verschaffen zu können. Wenn sich einmal irrige Erläuterungen geschichtlicher Begebenheiten einbürgern, in Fleisch und Blut übergehen, gelten sie fortan als unumstößliche Voraussetzungen. Es nützt nicht mehr, denselben mit bloßen Gegenansichten entgegenzutreten. sondern man muß zuerst die Elementarbegriffe der geschichtlichen Grundlagen nochmals einer genauen kritischen Prüfung unterzichen, sie neu umgestalten, um nun erst auf diesen neugelegteu Grundsteinen eine neue Ansicht aufbauen zu können, die bann leicht Wurzel fassen und Eingang finden wird. Ebenso verhält es sich mit unserem Thema. Bevor man zu dessen Behandlung schreitet, müssen zuerst alteingebürgerte unrichtige Erklärungen und Begriffe teils beseitigt, teils richtiggestellt und modifiziert werden. Wir wollen bei Umwertung des geschichtlichen Materials uns nach Möglichkeit einschräuken, sonst müßte die Einleitung zu einem Buche anwachseo, wie es selbstverständlich ist, wenn man alte An-, sichten, die von Hand zu Hand wie gangbare Münzen kursieren, umprägeu will. Die in dieser Richtung unserem Hauptthema vorauszuschickenden kurzen Exkurse dürften aber auch manchem Jutereffe begegnen, weil sie in die Dunkelheit dieser Geschichtspartie Licht bringen. Schreiten wir nun kurzgefaßt zu den vorauszuschickenden Erläuterungen: 1. tP'tsnn. Der Lautähnlichkeit wegen wird es allgemein Äs Tarteffus in Spanien genommen. Abgesehen aber von den sonst dagegen sprechenden Gründen, ist diese Hypothese schon deshalb unhaltbar, weil es in der Völkertafel Genesis X. 4, mit Äeolis und Chithim als „Söhne Javans" zusammeugestellt wird. Von Chithim wissen wir aus I. Maccab. 1, 1, daß die Alten damit Mazedonien und Umgebung bezeichneten, während Aeolis am Hellespont in Kleinasien lag. Demnach kann man auch Tharschisch nur in dieser Gegend suchen. Auch deshalb schon, weil Ezechiel 27, 12, Ersen als Produkt von Tharschisch aufzählt und Jeremias 15, 12, ausdrücklich paxö ^T"a „Eisen vom Norden kommend" erwähnt, sollte man es auch im Norden suchen. — Lassen wir uns nicht von philologischen Spielereien, die schwerlich als Bausteine für die Geschichte dienen können, sondern von den altbewährten Lootsen auf diesem Gebiete, von den aramäischen Bibelübersetzern leiten, die unter dem unmittelbaren Eindrücke der Begebenheiten und der noch lebendigen Tradition ihre Nachrichten schöpften, so treffen wir auch hier den unfehlbar richtigen Weg, nur darf man nicht, wie bisher, ihre klaren Worte mißverstehen. Diese aramäischen Ueöersetzungen geben das fragliche „Tharschisch" größtenteils mit kb* oder noch deutlicher Jesaias 66, 19, mit rtv' Tii'Tö wieder, was eine wörtliche Ueberträgung von „Pontus" ist. Mischna und Talmud nennen diese Gegend auch dv, nme. Im babyl. Talmud (Ab. Sara 39 a) findet sich hiefür der Name*) - 9 Davon abgeleitet nennt auch die Mischna Joma III, 4 das vsnhier kommende,, von Juden erzeugte feine Gewebe, das der Hoherrvi^a, (s. w. u.) Pelagos, nsX-x-yos-Meer, Pontus, was dasselbe bedeutet, wie denn auch die ältesten, von hier kommenden Einwanderer nach Griechenland „Pelasger" genannt wurden. Im Midrasch Aba Gorion, der im Norden verfaßt wurde, wird (Ed Buber 0 1) zu dem Worte Tharschisch die Erklärung jifcnp >^paov*@tröui), Festland als Bezeichnung der südlichen Küste des Pontus Euxinus hinzugefügt, was dem Sinne nach dasselbe ist. Desgleichen wird bei Wiedergabe des Wortes Tharschisch,mit ddib (Jerusch Megila I, 11, Jerus. Thargum Genes. 10, 4, sowie Babyl. Meg. 13 a) dasselbe Gebiet gemeint, nur mehr auf die östliche Lage desselben anspielend, wo das Volk der Chalyber am Pontus wohnte, denn die Bedeutung der Worte o'vnv und XaXußes Erzschmiede, decken sich. Wenn die Thargumim anderseits für Tharschisch (Reg. I, 10, 32, 22, 49. Jerem. 10, 12) 2) setzen, so ist dies mit den obenerwähnten Bezeichnungen ganz kongruent, da Lpsirieu — ^Ttetpog, Festland, Küste im Gegensätze zum Meer heißt, nur meinen sie damit gewöhnlich auch den mehr östlich gelegenen Winkel und "Colchis (Synh. 94 wS '^'rr 2'n^>) wie auch die Griechen diesen Isthmus mit Ala und Herodot I, 2, Afa H KoXx^ bezeichnen. s) Aus den darauf bezughabenden Stellen der alten Literatur läßt sich nun auch ein Schluß auf die ursprüngliche Ableitung des Wortes Tharschisch deduzieren. Nach Herodot V, 3, sind die Thrazier das größte Volk im Norden und sind Phrygier, Bithynier,^ Armenier rc. dessen Nachkommen. Man vergleiche noch I, 28, VII, 73, 90, 185 und III, 90, wo Herodot von den an der. r e ch t e it Küste des Schwarzen Meeres wohnenden „a s i a t i s ch e n Thraziern" spricht. Es wäre demnach die Annahme gerechtfertigt, daß die Bibel die Einwohner dieses Landstriches am Meere als thrazischer Abkunft mit bezeichnet. *) Daß diese bisherigen Ausführungen keine Hypothesen sind, sondern mit den geschichtlichen Tatsachen in Einklang stehen, werden schon zwei Belege allein vollauf bestätigen können. Die bis nun unaufgeklärten Beinamen der Söhne Mattathias, des Asmonäers, sind wohl Ehrenepitheta, hergeleitet von den Namen der Länder, in denen die größtn Massen von Juden im Norden zusammenlebten. Nach I. Maccab. II, 2 — 5, führte Jochanan den Namen Caddrs, womit der Landstrich Cadusia, wie die Griechen Gelae nennen (Plin. VI, 18, 3) gemeint ist. °) Eleazar Heist Avaran,sfiin.nachdemLandeJberiao); Juda,ebenso „Maccawi", Priester am Versöhnungstage beim Gottesdienst trug Die Kunstwebestühle von Phrygia ad Hellesp. (opus Phrygium), waren im Altertum berühmt. (Auch Plin VIII, 74, 1.) 9 Hingegen bedeutet rrv'NQrr bei Gomer, Cimmerien Genes. X, 2, Hyperboreica, womit'die Griechen und die Talmudisten den Norden bezeichnet«!.. 3) Im Talmud (Jerus. Jeb. I, .6. Bab. Kiduschin 72) heißt der Cauc. Isthmus auch Landstrich am Meere, und zur näheren Bezeichnung der Grenze Babylons im Norden werden die am Fuße des CaucasuS wohnenden Völker Sunia (Strabo XI) links des Berges am Schwarzen Meere nun Albania '82111 (Agkavier oder Giovacier wie Mos.- Khor IIC., 47 rc. sie auch nennt), rechts am Casp. Meere, angeführt. 4) Man findet bei Plinius VI, 8, 13 auch in Colchis einen großen Fluß Tarsuros. 9 Gelae heißt im Talmud x’Sl; die hierauf sich beziehenden Stellen werden später besprochen. Hier lebten die Juden in großer Anzahl, denn R. Meier deutet einen Vers Jerem. 30, 10 D’itp ^"iNtt „vom Lande ihrer Gefangenschaft" auf die Juden in Gelae. 6) Der alte Name des Landes Jberien, daS am Eingänge der Pylae Caucasiae liegt, scheint davon herrührend, siiiN'Engpaß gewesen zu sein, wie überhaupt alle Ortsnamen im Norden aramäischen Ursprunges find. So ist auch noch der Name für den Pylae caspiae in Choarene erhalten, ftiin heißt Paß,. (Pylae) und wie im Griechischen z. B. statt Chaggai Aggai gelesen, wurde hier Avaran geschrieben, woraus von den Griechen Jberien gemacht. Im Epitheton Eleasers ist noch der alte Name des Landes Avaran konserviert. Dieser findet sich

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.