Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-07-07 · 27 (7.7.1911) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
27 (7.7.1911)
Date
1911-07-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3021927-3021955--20327-3045360
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

N. 27 Dr. Bkochs WochenWM Seitens jüdische Gesamtheit müsse das zu rituellen Zwecken begangene Verbrechen büßen. Die Panik verstärkte sich noch, als die „echtrussische" Gruppe von Mitgliedern der Duma eine Interpellation über die angebliche Ritualmordaffäre einbrachte und sie in der Kammer mit den schlimmsten Pogromreden begründete. Es war nun für die Bedrohten eine wahrhafte Erlösung, als die ausländische Presse der gefährlichen Affäre eine gewisse Aufmerksamkeit zuwsndete und die niederträchtigen Pogrombestrebungen rechtzeitig festnagelte. Selbst die Stolypinsche Regierung sah sich durch die beschämenden Hinweise des Auslandes gezwungen, dem Treiben der rabiaten Judenfresser nicht tatenlos zuzuschauen, und sie entsendete nach der Statte des Unheils einen gewissen Krassowski, der früher Chef der Kiewer Kriminalpolizei gewesen war und jetzt im Petersburger Polizeidepartement einen hohen Posten bekleidet. Seiner Tatkraft gelang es sehr schnell, die richtigen Spuren der Täter zu finden, und insbesondere den Hauptbeteiligten, Rjeschinsky, zu eruieren, ein verbrecherisches Subjekt aus den Reihen des Schwarzen Hunderts, das bereits mit Arrestantenkompagnie bestraft war. Etwas spät hinkt auch die lokale Kiewer Polizei nach: der Chef der örtlichen Kriminalpolizei hat seinerseits gleichfalls die Verhaftung Rjeschinskys wegen Ermordung Justschinstys angeordnet. Der „Liberalismus" des Abgeordneten Doktor G. Groß, Obmannes des Deutschen Schnlvereiues. Das Deutsch-mährische Schul-Blatt Nr. 12, 1911, bringt nachstehende „Ausschreibung" : „Nit Beginn des Schuljahres 1911/12 gelangen' an den Schulen des Deutschen Schulvereines mehrere Lehrer- und Schulleiter stellen zur Besetzung. Die Anstellung ei folgt provisorisch mit einer Kemuneration von jährlich 1200 Kronen, die bei Nachweis der Lehrbefähigung aut 1960 Kronen erhöht wird. Schulleiter haben überdies Anspruch auf freie Wohnung umd Beheizung, in Ermanglung der ersteren auf ein jährliches Wohnungsgeld von 180 Kronen. Die Bezüge der definitiv angestellten Lehrer des Deutschen Schulvereines sind denen der Staatsbeamten der unteren Kängsklassen gleich. Für die Bemessung der Bezüge ist nur die im Dienste des Deutschen Schulvereines verbrachte Dienstzeit massgebend. Bewerber deutscher Nationalität haben die mit dem Taufschein und den Zeugnissen versehenen ungestempelten Gesuche bis 15. Juli d. J. bei der Vereinsleitung (VI., Magdalenenstrasse Nr. 6) einzubringen. Wien', am 14. Juni 1911. Der Deutsche Schulverein in Wien : Der Obmann: Dr. Gustav Gross. Der Schriftführer: Dr. Konrad T w e r d y.“ Vor der Reichsratswahl hat Herr Dr. Gustav Groß in Jglau seinen Abscheu vor dem Antisemitismus beteuert und die jüdischen Wähler haben sich beeilt, für ihn einzutreten und zu stimmen. Und wie viel jüdische Gelder sind dem „Deutschen Schulverein" im Laufe der Jahre zugeflossen? Diese Konkursausschreibung sollten die Juden aller Kreise eingehend beherzigen. Ein Gchpräch mit Bismarck. Der Budapester jüdische Advokat Dr. Julius Kepes veröffentlicht soeben einen interessanten Aufsatz über ein Gespräch,.das er vor 20 Jahren mit dem Fürsten Bismarck im deutschen Bade Kissingen hatte. Unter mehreren Kurgästen erhielt auch Dr. Kepes eines Tages eine Einladung zu einem Festmahl, welches der Reichskanzler zu Ehren einer bei ihm erschienenen württembergischen Huldigungsdeputation veranstaltet hatte. Beim Festmahl hatte der Fürst seine hohe diplomatische Würde abgestreift und er war nichts als ein liebenswürdiger, gastfreundlicher Hausherr. Im zwanglosen Gespräche erlaubte sich nun Dr. Kepes an den Gastgeber die Frage, wie es komme, daß er ihn, den Juden, zu seinem Tische eingeladen habe, da doch allgemein die Ansicht verbreitet sei, daß er (Bismarck) dem Antisemitismus huldige. Der Fürst-Reichskanzler widerlegte diese Ansicht ganz entschieden und sagte: „Ich war immer darauf bedacht, die Gebräuche des klugen jüdischen Volkes zu verbessern, ohne es jedoch irgendwie zu verletzen. Eine Verletzung der Juden wäre übrigens auch keine christliche Tat gewesen. Der Fortbestand des Judentums ist ein Beweis für die Lebensfähigkeit des Christentums. Wenn das Judentum aufhören würde zu eristieren, so wäre das — meiner Ueberzeugung nach — ein schlimmes Vorzeichen für den Fortbestand des Christentums." Fürst Bismarck brachte dann sogar in diesem Sinne einen Trinkspruch auf die Juden aus. De'r Jude im italienischen Drama. Aus Mailand wird berichtet: Im hiesigen Olympia-Theater wird gegenwärtig ein Drama des toskanischen Dichters Valentina Soldani mit dem Titel L'Italia Rossa aufgeführt. Das Drama hat die republikanische Bewegung unter Mazzini zur Grundlage. In diesem Drama spielt der Jude Didimo Soria eine wichtige Rolle. Er ist als liberaler Patriot geschildert und hat besonders die Aufgabe, überall dort, wo der Mut der Republikaner zu sinken droht, sie aufzumuntern und durch das eigene Beispiel zum Ausharren zu ermutigen. Wie der Dichter erklärt, wollte er mit dieser Figur den Livornesischen Juden, die sich zur Zeit, als dieses Drama spielt, im Jahre 1857, besonders hervorgetan haben, eine Dankesschuld italienischer Dichter abstatten. Dies sei unl so mehr am Platze, als merkwürdigerweise gerade in Livorno, deren Juden bei der Renaissance Italiens eine so hervorragende Stelle einnehmen, der soziale Gegensatz zwischen Juden und Nichtjuden ein ausfallend großer ist. Die geschastsführenden Präsidenten des internationaken Archäologe'n-Kongresses. Bekanntlich findet im kommenden Herbste in Rom der internationale Archäologen-Kongretz unter dem Protektorate des Königs von Italien statt. Zum Präsidenten des Vorbereitungskomitees wurde vom Kultusministerium Corado Ricci und zum geschäftsführenden Präsidenten der berühmte Archäologe an der römischen Universität Professor Emanuel Loewy ernannt. Die» Juden in Jamaica. Rabbiner Abraham E. Dobrin aus Kingston (Jamaica), der ältesten Iudengemeinde der westlichen Hemisphäre, schildert die Lage der Juden in Jamaica wie folgt: „Wie in ganz Westindien, ist auch in Jamaica die jüdische Bevölkerung in sieter Abnahme begriffen. In St. Thomas gab es einst eine große blühende Iudengemeinde, heute sind nur noch spärliche Ueberreste vorhanden. In Surinam sind die Verhältnisse nicht besser. Sie werden durch, die Mischehen von der übrigen Bevölkerung aufgesogen. Das merkwürdigste an der Sache ist, daß die alten portugiesischen Juden, die zu stolz waren, ihre Kinder an englische Juden zu verheiraten, es als eine Ehre ansehen, sich mit christlichen Familien afrikanischen Ursprungs zu verschwägern. Man begegnet hier einer großen Zahl farbiger Familien, die den Fa-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.