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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-07-07 · 27 (7.7.1911) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
27 (7.7.1911)
Date
1911-07-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Sette 442 Dr. Vlochs Wochenschrift Nr. 27 eingesetzt, den verkappten Klerikal-Feudalen, welcher seine schützende Hand schon über den wackeren Listen-Pawelka halten wird, wenn es zu den nächsten Gemeindewahlen kommt. Diese Wahlen in die Ratsstube sind von historischer Bedeutung, sind die Entscheidung über eine weitere Möglichkeit christlichsozialer Herrschaft. Wenn bis dahin die Wiener Abgeordneten ihre Machtlosigkeit, Zerfahrenheit und Ohnmacht behalten, dann öffnen sie den Christlich-Sozialen den Weg zur Rückkehr. Wenn es wahr ist, daß auch dieses Parlament nicht lange leben wird und B i e u e r t h als Statthalter die nächsten Wiener Reichsratswahlen patronisieren soll, dann wissen wir schon, was kommt. Dann aber wird man Abrechnung halten mit einer aus egoistischen Gründen irrlichternden Presse, mit unseren im Geldpunkt schmutzigen Größen, mit unseren faulen Politikern. Möge man den Volkszorn nicht bis zu diesem Grade kochen lassen, möge mau arbeiten, organisieren, rüsten und alle rückständigen und eigensinnigen Führer mit Wort und Schrift rechtzeitig zum Teufel jagen — sonst war die freiheitliche Wiener Partei und ihre Abgeordneten das Vertrauen ihrer Wähler niemals wert und wird es so schnell verlieren, als sie es gewonnen hat. Vom Zabrmarkrl des Lebens. Eine Infamie. Die Bande politischer Strauchritter, welche die Wiener Bevökerung durch zwei Jahrzehnte unter dem Vorwand, die Religion zu retten, auspauverte und begaunerte, kann sich über den erlittenen Hinauswurf schwer beruhigen. Nachdem die Wählermaffen, welche zur Erkenntnis gelangt sind, daß man unter den rauschenden Klängen der Hepp-Hepp-Musik alle Taschen geleert hat, voll Ekel diese Volksvertreter mit dem Stiefelabsätze zur Türe hinausbefördert haben, kommen diese Herrschaften und ersinnen die infamsten, brutalsten Lügen, um dem Volk einzureden, die Religion und das Christentum sei in Gefahr, wenn die Hatzel-Gefellschast, die Geßmann und Bielohlawek nicht mehr die obersten Herren von Wien find. In der „Reichspost" von Mittwoch den 28. v. M. werden nachstehende, gemeine und abscheuliche Lügen dem christlichen Volke aufgetischt: „Me die Juden den Wahlsieg feiern. Ein Bürger von Wien-Breitensee schreibt uns: Von tiefster Empörung gedrängt, teile ich Ihnen Folgendes mit: Am zweiten Tage nach der so unglücklich ausgefallenen engeren Wahl am 20. Juni wurde morgens an unserer hiesigen Pfarrkirche Sankt Laurentius in Breitensee, 13. Bezirk, ein Anschlag aufgeklebt gefunden, worauf zu lesen war: „Dieser Schweinestall ist zu vermieten.“ Zu so unerhörten Beleidigungen der christlichen Bevölkerung versteigen sich jetzt die jüdisch-sozialdemokratischen Wahlsieger. Viele christliche Bewohner Breitensees waren Zeugen dieser Laheit. A. Z.“ * „Ein Privatbeamter von der Landstrasse teilt uns mit: Vor einigen Tagen machte ich einen Ausflug und kam gegen Abend nach Sankt Andrä-Wördern. Vor Antritt der Heimfahrt wollte ch noch etwas verzehren und setzte mich in den Vorgarten eines Gasthauses; Wie ich da das vorübergehende Publikum musterte und eben wieder sehen musste, dass auch dieser schöne Ort stark von Wiener Juden besetzt ist, bemerkte ich ein paar Jüdinnen, welche die Strasse herunterkamen und Vor dem Gasthause mit einigen Stammesgenossinnen znsammentrafen. Die eine Gruppe der koscheren Gesellschaft rief laut unter Knixen und Eichern: „Gelobt sei Jesus Christus worauf die andere unter unbändigem Lachen erwiderte: „In Ewigkeit Amen!“ Ich muss gestehen, ich war, obwohl ich, offen gestanden, kein besonders eifriger Katholik bin, im ersten Homente starr vor Entrüstung über diese empörende Verhöhnung unserer Religion. Wann hat je ein Antisemit die jüdische Religion verhöhnt? Wenn sieh J mand durch diese freche, jüdische Provokation za einer handgreiflichen Zurechtweisung verleiten Hesse, was würden die Juden für ein Spektakel machen! Ganz Press-Israel würde mobilisieren gegen die rohen, unduldsamen „Klerikal u“ und würde haarscharf beweisen, wie unterdrückt und entrechtet die armen Juden sind, diese armen Juden, welche uns in unseren schönsten Sommerfrischen frech verhöhnen. Ja, sie fühlen sich wieder. M. K.“ Selbstverständlich sind beide Geschichten erlogen und erstunken. Tie frommen Herren haben stets diese Kampfmethode der Lüge und Betrug geübt. Dafür bietet die beglaubigte Geschichte zahlreiche Zeugnisse. In den Gerichtsbüchern des Schlosses Kremenetz (Krz-miemiee) 1753 findet sich eine Urkunde als Notariatsinstrumer.t des Apostolischen Notars zu Lemberg. Josef Augustinowltz, ddo. 1754, Jänner 22, Lembero, daß ein mit dem Kloster, der reformierten heiligen Brüder in nicht näher bezeichneter Verbindung stehendes Individuum Namens Borzeckonusky seurem eigenen Kinde, einer Tochter Namens Marianna, mit einem Messer unter dem Auge einmal und an beiden Füßen zweimal Stichwunden beibrachte. Er legte es in den Stall eines Juden und hoffte, daß das Kind wahrend der Nacht sterben werde. Wurde dann der Leichnam des verstümmelten Kindes bei dem Juden gesunden, so war diesem und seinen Glaubensgenossen der Untergang sicher. Da das Kind aber am Morgen noch lebte, so setzte es der Rabenvater unweit des jüdischen Hauses aus, damit es dort durch Hunger sterbe.. Auch so würde er seine verbrecherische Absicht erreicht haben. Die Verstümmelung und Entkräftung wären unfraglich bei einem Prozesse als „jüdische Marterung und Blutentziehung" gedeutet worden, und auf der Folterbank hätte man den Juden die erforderlichen „Geständnisse* abgepreßt. Allein dieses unglückliche Kind hat dann gegen den Vater geklagt und mit schwacher Stimme erklärt, daß es von ihm selb st diese Verwundungen erlitten habe. So handelten die Gesinnungsgenossen der „Reichspost" in alten Zeiten l ' Emö Entlarvung in der russischen Rituakmordaffäre. Aus Petersburg wird der „Arbeiter-Zeitung" vom 29. Juni geschrieben : Mit der Kiewer Ritualmordaffäre wird es nun voraussichtlich bald aus sein. Denn jetzt kommt eine Nachricht, die den hetzerischen Pogromgeistern wenigstens nach dieser Richtung hin das Handwerk legen wird. Die neuerdings mit großer Energie wieder aufgenommene Voruntersuchung hat nämlich vorläufig das Ergebnis gezeitigt, daß die Ermordung des unglückseligen Knaben Iustschinskya als das Wckrk seines Stiefvaters und eines Verwandten Njeschinsky feststeht. Eigentlich war der Verdacht der Täterschaft von vornherein auf die Verwandten Iustschinskys gefallen und sie wurden damals, bald nach der Auffindung der Leiche, auch festgenommen. Da griffen „unbekannte Personen von hohem Einfluß" in die Angelegenheit ein und bewirkten die Freilassung der verbrecherischen Sippe. Zugleich damit brach eine frevelhafte Agitation gegen die Kiewer Juden los, eine Agitation, die vor keiner bewußten Lüge zurückscheute und zu Judenmassacres mahnte, Kein anderer als die Juden seien schuld am Tode Iustschinskys, hieß es in den Zeitungenin speziellen Proklamationen, in Reden, und die

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