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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-06-30 · 26 (30.6.1911) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
26 (30.6.1911)
Date
1911-06-30
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. L6 Sette m mal hier aüszüglich in deutscher Sprache veröffentlicht werden, bewahren ihr Andenken. . lleber die Nachkommen der Märtyrer wollen wir an anderer Stelle und zu anderer Zeit ausführlicher berichte^ doch müssen wir kurz hinzufügen, datz sie unter dem Familiennamen Bäck P"-) und Honig, zerstreut in allen Teilen der Monarchie leben. Ein Sohn des Hingerichteten Vorstehers Moses Jakob, namens Josef, bekam 30 Jahre nach dem Märtyrertode seines. Vaters das Varanya-Magocser Gut des katholischen Religionsfonds in . Pacht. Vielleicht wollte man ihn dadurch für das entschädigen, was man im Namen der Kirche an seiner Familie verbrochen. Vom anderen Sohne, namens Jakob, stammten in gerader Linie ab: Dr. Adolf Iellinek, der berühmte Prediger der Wiener Kultusgemeinde, und Dr. Samuel Back, Prediger der Prag-Smichower Gemeinde. Literat«». Jüdische Geschichte von der Zerstörung des zweiten Tempels bis zur Gegenwart, in Charakterbildern dargestellt von 8. Müller mit dreizehn Bildnissen. Stuttgart, J. B. Metzler’sche Buchhandlung 1911. Der auch in Oesterreich häufig vernommene Ruf nach Umgestaltung des jüdischen Geschichtsunterrichtes anf modern pädagogischer Basis, nach Ablösung der bisher usuellen schwerfälligen pragmatischen Geschichtsdarstellnng durch Vorführung eindrucksvoller „Geschichtsbilder“ hat endlich in Deutschland ein Buch gezeitigt, das in Anlage und Ausführung als glücklicher Wurf und als ein auch für unsere Verhältnisse nachahmenswertes Vorbild bezeichnet werden kann. In 28 Monographien nnd 11 Essays wird die ganze wechselvolle, fast zwei Jahrtausende umfassende Geschichte des Judentums von der zweiten Tempelzerstöruug bis zur jüngsten Gegenwart entrollt. Die Geschichtsbilder sind bei aller Plastik sorgfältig abgetönte Zeichnungen nnd rechtfertigen so die Erklärung des Autors, dass er nicht weniger als sieben Jahre auf die Verfertigung des Buches verwendete. Zu der, wenn auch nicht tief gehenden, so. doch recht guten wissenschaftlichen Grundlage der Arbeit und der künstlerischen Form der Darstellung gesellt sich ein warmer Ton, eine still verhaltene, aber umso wirksamere Begeisterung. der Ueberzeugung. Man lese z. B. „Rabbi Jochanan ben Sakkai“ oder „Manasse ben Israel“, zwei Kabinettstücke, jedes gediegen in seiner Art. Nichtsdestoweniger drängt sich bei Vergleichen der Eindruck auf, dass die Neuzeit dem Verfasser besser »liege“. All die intimen persönlichen Züge, die erst einem Bilde den markanten anziehenden Charakter zu verleihen vermögen, standen ihm selbstverständlich hier reichlicher zu Gebote als bei den Gestalten des Altertums nnd des Mittelalters. Von packender Schönheit ist die Schilderung des Vorkämpfers für die Gleichberechtigung der Juden in Deutschland Gab riet Riesser; die in der Monographie angeführten Briefe des Vaters an den jugendlichen studierenden Gabriel können nicht ohne tiefe Wirkung auf die jüdische Jugend bleiben. Ebenso ist die Darstellung der Knabenzeit des Schriftstellers Karl Emil Franzos reich an pädagogisch wirksamen Episoden. In die Reihe der Geschichtsbilder gehörten allerdings noch Lasker, Baron Moriz Hirsch, woran sich eine Uebersicht über die humanitären Bestrebungen der Neuzeit knüpfen könnte, Isac Noa Mannheimer als Träger der Reorganisation des jüdischen Kultus, ferner die österreichischen Vorkämpfer Fischhof und Kuranda. Abgesehen von einigen Trivialitäten (Seite 34, „Jeder Band -rdes Talmud —- hat etwa die Grösse eines kaufmännischen Hauptbuches“) und einigen unangebrachten Redewendungen (das „missachtete Judentum“, „schmutzige Kaftanleute“, Seite 974 — letzte Phrase bloss zitiert) ist die Sprache eine durchaus korrekte uüd schulgemässe. Die Illustrationen sowie die gefällige Ausstattung ergänzen äusserlich den angenehmen Eindruck, den das Buch inhaltlich hervorruft. Rabbiner Dr. M. Rosenmann. Oesterreichische Gesetzeskunde. Kommentare zum Gebrauch für Juristen und Nichtjuristen. Heransgegeben von Dr. Max Leopold Ehrenreich, k. k. Bezirksrichter, unter Mitwirkung hervorragender Juristen. 4 Bände gebd: K 44.—. Verlag der Patriotischen Volksbuchhandlung Wien, VIII/2, Albertgasse 26, Ges. m. b. H. Das vorliegende . Werk ist berufen, eine bedeutende Lücke, in unserer Rechtsliteratur auszufallen. Es fehlte bisher vollständig an Schriften, die geeignet wären, dem Nichtjuristen die bestehenden Gesetze mundgerecht und verständlich zu mache». Btezti genügt es nicht — was tatsächlich unternommen: wurde — den ganzen Text eines Gesetzes abzudraeken und, ihm eine mehr oder mipder systematische Abhandlung folgen zu lassen, Die zweckmäßigste Form, in der einem Laien ein Gesetz erklärt werden kann, ist die eines Kommentars,' d. K. es müssen die einzelnen Paragraphen oder kleinere Paragrapbengrnppen ihrem Sinne und Zwecks nach erläutert werden. Nur so ist es möglich, die geradezu unglaubliche herrschende Unkenntnis der geltenden Gesetze wirksam zu bekämpfen. Einen solchen Popularisierungsversuch enthält auch das vorliegende Werk, zu dessen erstem Bande, der das allgemeine bürgerliche Gesetzbuch erläutert, der berühmte Rechtslehrer und Forscher Hofrat Professor Dr. Leopold Pfaff ein Geleitwort geschrieben hat, an dessen Schlüsse es heisst: „Ich mache namentlich aufmerksam auf den Kern des Programms: In möglichst einfach« und klarer Sprache sollen Grund, Zweck und Sinn der einzelnen gesetzlichen Vorschriften angegeben und durch Beispiele aus der Praxis, also aus dem Leben erläutert werden, wobei wir besonderes Gewicht darauf legen, verbreitete irrige Rechtsanschauungen des Publikums hervorzuheben .; ,Jeder Leser de» Werkes—■ ich habe einen recht bedeutenden Teil -des vorliegenden Bandes gelesen — wird sich sagen müssen, dass nicht zu viel versprochen ist: die Sprache ist in der Tat so einfach und klar als möglich, der einzelne Rechtssatz wird, wo nötig ergänzt und abgerundet durch andere, dazu gehörige Sätze, die Beispiele sind zahlreich und passend, theoretische Streitfragen werden nur; wo es unerlässlich ist, berührt, die künftige Entwicklung des bürgerlichen Rechtes durch knappe Mitteilungen aus der Novelle aqgedentet. Etwas Ueberflüssiges habe ich in dem Buche nicht gefunden. Ich glaube, es ist geeignet, das vorgesteckte Ziel zu erreichen. Wir haben dem Urteil dieser fachmännischen Autorität nur beizufügen, dass das Werk zweifellos nicht zur Verbreitung von Rechtskenntnissen unter gebildeten Laien mit Erfolg benützt werden, sondern auch dem studierenden Juristen und jedem juristischen Praktiker ein wertvoller Behelf sein wird, denn, es enthält in gedrängter Fassung die Ergebnisse der heutigen juristischen Wissenschaft und auch der Rechtssprechung des Obersten Gerichtshofes. Wir können den vorliegenden Band Juristen wie Nichtjuristen wärmstens empfehlen. Dem Erscheinen der weiteren drei Bände sehen wir mit Interesse entgegen. Berthold Auerbach’8 Werke. Neue, wohlfeile Ausgabe. Stuttgart und Berlin. J. G. C o 11 a’s c h e Buchhandlung Nachfolger. Dorfgeschichten, Bd. L M 1.80, geb. M. 2tS0; Volks büch er, Bd. 1, M". 2, geb. M. 2.80; Wädd f ri«d, M. 1.40, geb. M. 2.10. Mit dieser Auerbach-Ausgabe hat dieser altrenommierte Verlag dem deutschen Volke ein Geschenk gemacht,, das Jeder zu würdigen wissen wird, der diese Lektüre noch nicht gans in die Rumpelkammer der Literatur gewiesen hat, sondern sich noch immer an dem treuen, sehlichten Volkston ergötzt, den Auerbach in seinen besten Tagen nie verfehlt hat. Wer ist mehr travestiert worden? Und doch hat er seinerzeit Wundes gewirkt. Wie Schuberts Lied hat sein Wort dem Deutschen seiner Zeit als treuester Ausdruck deutschen Wesens gegolten. Und es war doch eine kerntüchtige, schaffensffohe Zeit, da» Geschlecht, das dem Deutschen sein Vaterland gegeben hat. Die Aufnahme, die Auerbach in diesem neuen, freundlichen Gewände finden wird, dürfte mit als Masstab dafür gelten, was von jener altbiederen. Tüchtigkeit noch heute im deutschen Volke lebt. J. Lehmann. Dr. Markus Lehmann. Frankfurt a. M. 1911. J. Kaufmann. M. 1.—. Zu Lehmann’s Jüdischer Volksbücherei gehört sehr passend seine eigene Biographie. Sie ist, wie bei dem Verfasser natürlich, mit grosser Liehe und Sachkenntnis geschrieben und ragt hie nnd da Über das rein Persönliche in das allgemeine Kulturgeschichtliche. Goethe'» Gespräche. Gesamtausgabe. Neu herausgßgeben von F. Freih. von Biedermann. Leipzig 1912. F. W. von Biedermann. Als Abschluss des herrlichen Werkes bietet der vorliegende 6. Band Erläuterungen, Quellennachweise, Nachträge, das chronologische Verzeichnis der Gespräche nnd vor allem ein ganz vorzügliches Sachnnd Namensregister. Dadurch werden diese Gespräche jedem Goethe-Freund unentbehrlich. Heinrich Heine. I. Bd. Leipzig. 1911. I ns e 1 - Verlag. Der Würdigung, die wir. dieser Musterausgaba Heines schon bei früherem Anlass in diesen Spalten zuteil werden Hessen, entspricht dieser I. Band. Schon die Einleitung von Oskar Walzel gewinnt den Leser durch die. Objektivität der Auffassung, die unter Anderem auch in der1 Frage nach dem Einflüsse des Judentums auf kleine sich bekundet. Noch ist, nach Walzel, nicht der gediegene Kenner der jüdischen Poesie anf den Plan getreten, der diese Frage durch schlagende Belege entscheiden könnte. Auch in den Anmerkungen, zunächst zum „Buch der Lieder“,, den Uehersetzungen aus „Byron“ und den Tragödien, zeigt sieh Walzel seiner Aufgabe gewachsen. ' x.

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