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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-06-30 · 26 (30.6.1911) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
26 (30.6.1911)
Date
1911-06-30
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Äs ÄÄfm EmHM zu tun.. Schon am nächsten Tage, E 2&1 Zum. gmg aus - der ungarischen Hofkanzlei im Namen Seiner Majestät die strenge Weisung an dre Neutral Komrlatsbchörde, sofort zu veranlassen, dre-HrrMaft BMncs/sich jeder weiteren Tortur der noch gefangenen angeblichen Komplizen enthalte, jede Mgmr sie beabsichtigte StrafeXekution sistiere und über -ie beEts sllrttgefundeneHiürichtüng, die man so rasch ausUhrte, „daß weder die Inhaftierten Zeit hatten, sich tzu verteidigen, noch andere nicht eingesperrte Juden Mittel finden konnten, ihnen im Rahmen der Justiz beizustehen"*) ehestens ein ausfflhrlicher Bericht eingesendet werde. L - Man vergeht sich gewiß nicht gegen die historische Treue der Genesis dieser Szenitzer Tragödie und tut den Manen des damaligen Herrn von Berencs kein Unrecht, Wenn man auf Grund dieser und viel anderer archlvalischen Akten behauptet, daß er dieses schauerliche .Gerichtsverfahren zumindest inspirierte. Die Stammburg des Dominiums, zu dem nebst anderen elf Ortschaften auch die Städtchen Szenitz und Szobotist mit ihren aufstrebenden Judengemeind'en gehörten, war düs auf einen steilen Felsenkegel gelegene, seit dem letzten Kuruzenaufstande immer mehr und mehr veÄllende Schloß Berencs im Miavatale, zwei Meilen nord-nordöstlich von Szenitz. Dort oben und auf seinen Herrensitzen in Szenitz und Szobotist hauste dieser ge- Waftige und gewalttätige Feudalherr wie ein mittelalterlicher Raubritter, immer nach Opfer spähend, auf die er, wie auf "argloses, aufgescheuchtes Wild seine Beamtenlind Dienerkreaturen hetzte. Ganze Hügel von Aktenstoß«! könnte man im Landesarchiv aus den Klageünd Verhchldlüngsschriften zusammentkagen, welche von feinen Judenmißhandlungen, Bauernvergewaltigungen, ja selbst Gewalttätigkeiten gegen Adelige schreien,*^)/während gegen seinen 103 Jahre alt gewordenen Vater WigM, RyLry keine eingegebene Klage zu finden ist. . .Was aber den Charakter dieses gewalttätigen Feudal- - Herrn am besten kennzeichnet, ist die Tatsache, daß einen mit feinem Vater, dem Grafen, begonnenen heftigen Ströft die Hofkanzlei freundschaftlich schlichten lassen . muMe?**) ' 7 Er ließ Juden unter nichtigen Vorwänden ins unterirdischeV erließ seiner Hochburg einkerkern, andere, die - vor seinem Herrensitze selbst in Leichenkondukten, vorüber gingen, von seinen Dienern abfangen und, zu seinem und ihrem Gaudium auch zu Tode mißhandeln: er' mengte sich in die internsten Kultusangelegenheiten seiner. Judengemeinden, diktierte ihnen Kirchenstrafen, 7 stellte seine Trabanten in ihren Gotteshäusern auf. setzte Richter, Lehrer und Schächter nach Willkür ab und ein < und verbot ihnen, bei Fleischhauern einzukaufen, die auf einem anderen adligen Grund wohnten. „Mit dem zu- - nehmenden Alter des Grafen — so entnehmen wir. einer im "Jahre eingegebenen Klage f) — wächst auch seine Begierde, sich von dem mit Schweiß und Mühe bewerbenden armen Untertanen zu bereichern und in der ganzen Berencser Herrschaft ist unter dem armen Volke ^nichts anderes zu hören, als ewige Seufzer.und Klagen." So griff mit diabolischer Seele und rauher Hand in das Leben aller seiner Untertanen dieser mächtige Graf 7 ein, dess«! Vater erst sechzehn Jahre vorher (1723) . ,7 u$ incarcerati nec ipsimet fompus. ef meflia'semet'dfefen; .dendi, nee qlii non incaptivati nsqtie ad limites jtistitia:e ips-'8i inccurendj. modom habere potnerint. **} png. LandeSarchib. lad. eoneept. exped. 1724 Aug. 71. -.OK. MMab. d5» Taiä toter. Lad fase. 14 Nr. 12. 1769, RMr/Äom. Ztzch. Ltenetis Inquis. i741fasc. VH. Nr. 151. ' ***) LaüdeSapch- Ihädi eondSpt. Exped. 173Ö 66; f) LandesarchK dÄseÄ-aSk LaL V. Lase?14.' " in den Grafenstand erhoben wurde.*) Der einstige Ruhm, Glanz und Reichtum der Familie war aber damals schon stark im Abnehmen. Dreißig Jahre später, 1770, figurierte der an Reichtum immer zunehmende Barön Höretzky, dessen Schutzjuden, Moses Jakob, der Graf so grausam hinrichten ließ, schon als Kompossessor der Berencser Herrschaft. Welche Strafe ihm als Sühne für die unter seiner Gerichtsbarkeit unschuldig Hingerichteten auftzrlegt wurde, darüber schweigen die Akten. Im Volksmunde der SzMtzer Juden ging die Sage, daß ihm König Karl III. (Kaiser Karl VI) deshalb nachher das Jus gladii, das Recht über Leben und Tod zu richten, entzogen habe. > Beim Niederschreiben der Schlußzeilen dieser Szenitzer Tragödie tauchen in meinen Jugend erinnerungen zwei Szenitzer Gestalten aus den Sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts auf. Die eine ist die des alten, aber noch immer stattlichen Magnaten Grafen I. Nyary, des Großneffen des oben erwähnten mächtigen Herrn auf Betencs. Derselbe war nun der Letzte seines Stammes geworden. Einfach und bescheiden, lebte er von dem zusammengeschrumpften Reste des enormen Dominiums, das sich einst auf 13 Ortschaften und 8 Gehöfte erstreckte. Wenn er durch die Szenitzer Straßen schritt, erwiderte er, nach allen Seiten lächelnd, die Grüße. Fast jeden, ob reich oder arm, klein oder groß, sprach er freundlich an, verkehrte mit Christen und Juden gleichmäßig jovial, besuchte gerne bürgerliche Bälle und Unterhaltungen und machte allen hübschen Mädchen den Hof. Nur dann geriet der sonst so ruhige Aristokrat aus dem Häuschen, wenn unter den schattigen Bäumen vor seinem Kastell die schreiend spielende Kinderschar ihn in seiner Nachmittagsruhe störte. Dann kam in ihm das schlummernde avitische aristokratische Gefühl zum Durchbruch und in seinem Zorne, die.Flinte ergreifend, gab er zum Fenster hinaus einige Blindschüsse auf die nach allen, Richtungen zerstiebende Jugend ab. Die andere aus diesem Anlasse in unserer Erinnerung auftauchende Gestalt ist die des sieinalten Mosche Perez, der in seiner aus dem achtzehnten Jahrhundert herübergebrachten Kleidertracht damals die ehrwürdigste patriarchalischeste Gestalt unter den Szenitzer Juden war. Jung und alt lauschtegerne seinen Erzählungen aus längstvergangenen Zeiten, und wenn man ihn bat, 'die Geschichte der Märtyrer zu erzählen, blinzelte er mit seinen fgltigen klugen Augen und, unter Berufung darauf, daß er dies von seinem Großvater, dem Augenzeugen der schrecklichen Hinrichtung, gehört, erzählte er, daß eine in Szenitz verheiratete schöne züchtige und itugendhafte Jüdin aus Schoßburg (Sassin) Ursache dessen war, daß man an den Szenitzer und Sassiner Juden solch furchtbare Rache nahm. — Als der Kirchenraub geschah, wurde der Einbrecher, an einem Samstag, gerade als man zu Mittag vom Gottesdienst kam, in die Fortengasse vor die Synagoge geführt, wo man die Erwähnten als Mitschuldige verhaftete und in kurzem Prozeßwege verurteilte und Hinxichtete. Die armen Märtyrer baten auf dem Richtplatze, der auf dem Esasztkoer Berge war, den Henker, ihnen ihr Kappichen auf den Kopf zu nageln, damit sieihre Sterbegebete nicht barhaupt sagen müssen. Mit der Beteuerung ihrer Unschuld auf den Lippen, hauchten sie unter fürchterlichen Qualen ihre armen Seelen -aus. Ihre Körper wurden so zu Asche verbrannt, daß man sie gür Nicht beerdigen konnte, und weder ein Grabhügel, noch ein Leichenstein gibt Kunde von ihrem einstigen Dasein. Bloß das ergreifende Gebet im Szenitzer Memmorbuche und die allen vergilbten Akten, die! zum ersten- *) Nägy JvKn. Die adeligen Familien Ungarns (Magyarorszdg cfcalädai) VIII. 184.

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