Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 26 (30.6.1911)
- Date
- 1911-06-30
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite. 432 Vertrauen Esr. fitochwürden zu seinem Nachfolger, weil sie in dem Sohne den würdigsten Vertreter der Ideen und der Grundsätze des Vaters zu finden hoftte. Die reichen Erfahrungen der letzten Dezennien, die grossen. Schöpfungen der verflossenen Jahre haben die Berechtigung der Wahl und der Erwartung bewiesen; die Szegeder Gemeinde, die Stadt Szeged, die ungarische Judenheit, die Arbeiter der Wissenschaft haben keine Enttäuschung erfahren; der Sohn hat sich als der würdige Nachfolger seines grossen Vaters bewährt. . Es wurde das auch ausserhalb der Grenzen des Vaterlandes anerkannt,. indem wiederholt Versuche gemacht wurden, Ew. Etochwürden an der Spitze der Judenheit in eine Weltstadtposition zu versetzen. Wir wissen es, dass die Szegediner Gemeinde an materiellen Gütern ihrem Seelenhirten nicht so viel bieten kann, als die unter viel'glücklicheren Verhältnissen lebende Gemeinde einer Weltstadt; andererseits wissen wir aber, dass weder eine Stadt, noch ein Land dem Dr. Immanuel Löw, dem Sohne Leopold Löwsund dem würdigen Erben seiner Ideen, an Achtung, Anerkennung und Wertschätzung mehr bieten kann, als Szeged und Ungarn. Wir würden es daher für einen schweren und unersetzlichen Verlust betrachten, wenn Szeged, die ungarische Judenheit und das ungarische Vaterland Immanuel Löw verlieren würden, auf den . im Gebiete der ungarischen Judenheit und der. Szegeder jüdischen Gemeinde die verantwortungsvolle Arbeit der Weiterentwicklung der Ideen Leopold Löws wartet. Wir glauben demnach nicht nur den Wunsch dieser Stadt, sondern auch den Wunsch der ganzen ungarischen Judenheit und des ganzen gebildeten Ungarns zu verdolmetschen, wenn wir Ew. Hochwürden bitten, Ihren Führerposten hierzulande zu behalten; keine Stadt .der Welt kann einen inhaltlich edleren und e'his^h erhabeneren Posten bieten. Genehmigen Ew. Hoch würden die Versicherung unserer ausgezeichneten Hochachtung und Verehrung. Dr. Immanuel Löw beantwortete die Zuschrift des Magistrats mit dem folgenden Schreiben: Ew. Hochwohlgeboren Herr Bürgermeister! Löblicher Magistrat! .. Mit tiefer Ergriffenheit empfing ich den gestrigen Beschluss des löblichen Magistrats. In dem Momente, da die Behörde meiner Vaterstadt, von den üblichen amtlichen Formalitäten absehend, meine bescheidene persönliche Angelegenheit wahrnahm und ihr massgebendes Wort erhob, war die Angelegenheit der Wiener Berufung für mich schon erledigt. Der ausdrückliche Wunsch der Behörde meiner Vaterstadt wäre für mich auch dann ein Befehl gewesen; wenn er mir auch nicht in der das innerste Fühlen meines Herzens berührenden, die Pietät des Sohnes ansprechenden und die Arbeit des Mannes über Gebühr würdigenden, ehrenden Form zur Kenntnis gebracht worden wäre, in welcher der löbliche Magistrat dieselbe zu kleiden für gut befunden hat. Indem ich mich Ihrem dem Wohlwollen entsprungenen Befehle beuge, werde ich meine Tätigkeit als bescheidener Bürger meiner Vaterstadt fortsetzen und Ihre auszeichnende Zuschrift unter meinen Familienreliquien als den schönsten Preis meiner Bestrebungen aufbewahren. Irn Uebrigen verbleibe ich unter dem Ausdruck meiner dankbaren Gesinnung Ihr ergebenster Diener Immanuel Löw. Die Entschließung des Oberrabbiners Dr. Löw Hat in Wien peinliche Verlegenheit verursacht. Nicht nur deshalb, weil jetzt nach einer anderen geeigneten Persönlichkeit wird Ausschau gehalten werden muffen, sondern auch deshalb, weil in gewissen Kreisen der Wiener Gemeinde die Empfindung vorherrscht, daß Dr. Löw in Kenntnis der Verhältnisse in Szegedin die Verhandlungen mit der Wiener Gemeinde nicht hätte so weit gedeihen lassen dürfen, wodurch die Erregung unter den Gemeindemitgliedern erspart geblieben wäre. Verband der israelitischen Religionslehrer an den österreichischen Mittelschulen. Eine Deputation des Verbandsausschuffes, bestehend aus dem Obmanne Pros. Dr. Heinrich Pollak und dem Schriftführer Dr. M. Rosenfeld, erschien Donnerstag den 22. d. M. bei Sr. Exzellenz dem Minister für Kultus und Unterricht Grafen Stur gkh in Audienz, um ihm die Petition des Verbandes betreffend eine Altersversorgung der nichtdefinitiven Religionslehrefl an Staatsmittelschulen zu überreichen. Obmann Pros. Dr. Pollak legte in formvollendeter, wirkungsvoller Ansprache die Hauptpunkte der Petition dar. Der Minister nahm die Püition geneigtest entgegen und zeigte fich in längerem Gespräche mit beiden Deputatiousmitgliedern nicht allein wohlinfoüniert, sondern versprach auch, die. Petition einem Wohl-, wollenden Studium zuzusühren. Er bezeichnete auch die in Nr. 26 früheren Memoranden des Verbandes ausgesprochenen Wünsche, deren er sich noch genau entfinne, geradezu als Forderungen der Gerechtigkeit, denen leider bisher das Veto der Finanzverwaltung entgegenstand. Vom Minister begab sich die Deputation zu den Hofräten Dr. Hu eurer und Dr. Krapp el und zum Sektionsrat Dr. Zw eig, welche Herren gleichfalls ihrer Stellungnahme zur Petition in überaus wohlwollenden und liebenswürdigen Worten Ausdruck gaben. Krems a. d. D., eine SchulstacU. Eltern und Vormündern bereitet die Wahl einer geeigneten Schulstadt für ihre unverdorbenen Kinder oft grosse Sorgen. Sie möchten die Gewähr haben, dass ihre Kinder — dem aufregenden, grosstäitischen Getriebe fern — in gesunder Gegend ihren Studien mit Fleiss obliegen können, ohne auf schiefe Ebene zu geraten. Auf dieser Suche übersehen sie ganz, dass in nächster Nähe von Wien die reizende Stadt Krems a. d. Donau liegt, die ob ihrer gesunden Lage und ihrer Naturschönheiten wegen alljährlich von einer Unzahl Fremder aufgesucht und bewundert wird. Abgesehen von manch anderen Lehranstalten birgt diese Stadt auch ausgezeichnete Mittelschulen, wie Obergymnasium, Oberreal- und Handelsschule in sich, wo auch jüdische Schüler ihres Glaubens wegen in keiner Weise zu leiden haben und bei Fleiss und Ernst'mit Leichtigkeit den Anforderungen der Schule naChkommen können. Da Mutter Natur über diese Stadt ihre Schönheiten mit vollen Händen aasgestreut hat und die Stadt selbst, von herrlichen Parkanlagen durchzogen, den Schülern willkommene Badegelegenheit, Jugendspielplätze, Theater, sowie eine reizende Umgebung (Wachau, Kamptal) etc. bietet, kann diese Schalstadt auch für jüdische Studenten wärmstens empfohlen werden, umsomehr, als. diese — wegen der Nähe von Wien — leicht und oft von den Angehörigen kontrolliert werden können. Das ehrw. Babbinat in Krems, das die Schüler auch zu religiösen Hebungen anhält und diese während des Studienjahres oft zu Fleiss, Ausdauer und Sittsamkeit anspornt, ist gerne bereit, auf Wnnsch geeignete jüdische Pflegehäuser zu empfehlen, sowie jede gewünschte Auskunft zu erteilen. Neutitschein, eine Schulstadt. Die Zeit des Schulschlusses bildet für viele Eltern eine Krise, die fürs Leben entscheidend ist. Fällt doch ia diese Zeit die für die Zukunft des Kindes ausschlaggebende Wahl des Lebensberufes. Wohl gilt auch hier das Wort „Es bildet; ein Talent sich in der Stelle, sich ein Charakter in dem Strom der Welt“, und zwar unabhängig vom Orte seiner Studien; aber für das Durchschnittsmass der Schüler kommt doch immer auch die richtige Wahl ihres Studienortes in Betracht, die oft ihr zukünftiges Schicksal mitbestimmt. Diesen gilt der Studienort soviel, als der Studienerfolg. -Den p. t. jüdischen Eltern dürfte dämm der Hinweis auf die Stadt, aus der diese Zeilen datiert sind, orientierend sein. Jüdischen Eltern, die ihre Knaben der kommerziellen, technischen oder Beamtenlaufbahn widmen wollen, diene zur Bichtung, dass die deutsche Stadt Neutitschein in Mähren durch ihre Ö b e r-L and es r e als c h ul e für deren Zwecke sich besonders eignet. Mit dieser Anstalt ist ein öffentlicher Kurs für Latein und Griechisch verbunden, welcher die Schüler befähigt, eventuell auch die staatliche Prüfung in diesen Fächern abzulegen: In romantischer, waldreicher Gegend von gesundem Klima gelegen, bietet die genannte Stadt auch preis würdige, jüdische Pensionen in achtbaren Privathäusern, wie andererseits das sittlich-religiöse Wohl der Schüler von ihrem Beligionslehrer überwacht wird. Aufnahmeprüfungen finden zu Ende des laufenden und Anfangs kommenden Schuljahres statt. Auskunft erteilt das Babbinat Neutitschein. 2Mst. Es wird die Leser Ihres geschätzten Blattes sicherlich interessieren, wie die Juden sich zu den Wahlen in Triest stellen. Es ist zur Genüge bekannt, daß jin keiner Stadt Oesterreich-Ungarns die Juden sich politisch so wohl fühlen als in Triest. Die Juden nehmen da eine in jeder Beziehung und Richtung hin vollständig gleichberechtigte Stellung ein. 2n der liberal-nationalen Partei führen die Juden, oder die von Juden abstammenden „liberi pensatori“ oder „sconfessionati“ das große Wort und nehmen eine führende Stellung ein, sie haben allen Grund itnit den Liberal-Nationalen Hand in Hand zu gehen. Das Unglück — nicht nur ein Fehler — besteht eben darin, daß von den national-liberalen Juden der größte Teil sich nur einzig und allein „italienisch" fühlt und für jüdische Angelegenheiten gar kein Interesse ifühlt. Gewählt wurden der Magistratsassessor Dr. P i t a c c o, ein in allen Kreisen geachteter und beliebter Vertreter, ferner Advokat Dr. E a s s e r, der von der national-liberalen Partei Dr, WM WoHenWist