Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 26 (30.6.1911)
- Date
- 1911-06-30
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Sk. 36 Sette 431 Dr. Mochs WochenWfft teriellen Kultur macht sich täglich stärker gellend zind nirgend hat dieses Gefühl, wie ich es auf Grund meiner Beobachtungen als Professor konstatieren kann, so tiefe Wurzeln gefaßt, wie in den Herzen der Jugend. Wollen wir uns trotz der momentanen Unruhe nicht von dem festen und frohen Glauben an die göttliche Superiorität abbringen lassen und es ist ein erfreuliches Zeichen, daß wir alle Freunde der Religion in diesem großen geistigen Kampfe im engen Ideenverkehr geblieben sind:" Das Judentum im Theater. Diese Frage, die immer aktueller wird, verdient eine gründlichere Behandlung als die, die sie in der Tagespresse erfährt. Wir bringen daher gern die ironische Glosse aus der Zeitschrift „März" zum Abdruck: „Der Direktor Zickel, (der Gottlob dem Judentum »»denn doch nicht gar so schwer zu finden. Allgemein heißt es, daß «IBaffewi am 18. Jänner 1422 das Adelsdiplom erhielt. G. Wolf je- <>§doch behauptet, daß Baffewi erst am 39. August 1633 in den Adelsstand erhoben worden sei. In Geigers Zeitschrift zur Geschichte der Juden in Deutschland, II. Bd., pag. 215, sagt Wolf wörtlich: „Das von mir gegebene Datum der Adelserhebung schöpfte ich aus dem Adelsarchiv des Ministeriums des Junern." Hieraus ist doch Har und deutlich zu ersehen, wohin man sich diesbezüglich um nähere Auskunft zu wenden hätte; ferner muß ich bemerken, daß im Pascheles Kalender 1892 die Biographie Jakob Baffewi von Treuenberg von dem sel. Dr. M. Grünwald nebst einer Zeichnung und Beschreibung des Wappens Baffewis von Rudolf Braun, Heraldiker, k. k. Hofgraveur erschienen ist. Der Herausgeber dieses Kalenders schrieb hiezu folgende „Anmerkung": Der Heraldiker und Hofgraveur Herr Braun halte die Freundlichkeit, besagten Adelsbrief im Archiv in Wien zu besichtigen und fand, daß in demselben nicht der Adel für Bassewis Nachkommen erteilt wurde. Die Erben Baffewis hätten es sich wahrhaftig ersparen können, gegen den Vorstand der altehrwürdigen Gemeinde Prags in so unqualifizierbarer Weise aufzutreten. _ nicht mehr angehörl) des Lustspielhauses weiß, was der Masse von Berlin W gefällt — andere Leute gehen massenhaft überhaupt in kein Berliner Theater — und kauft einfach die ganze Ernte auf. Mußte sich doch die Reinhardt-Bühne für ein Stück von ähnlichen Qualitäten eigens Herrn Pinski aus Newyork verschreiben. Daß es mit dem Erfolg dann doch nichts wurde, lag einfach daran, daß Herrn Pinskis Stück nicht „jiddisch" gespielt, sondern verhochdeutscht wurde. Jedes Stück, das zurzeit in Berlin Erfolge haben will, muß nämlich mindestens einen Juden lächerlich machen, und deshalb bevorzugt man auch so auffallend jüdische Autoren, denn sie können das noch immer am besten. Wo immer ein solches Stück sich zeigt, kauft es das „Lustspielhaus" und macht damit überall volle Häuser. Das neueste Zugstück, „Das -Objekt" genannt, besteht sogar nur noch aus jüdischen Berlin W-Witzen. Hier habt ihr den Weg, deutsche Dramatiker, der sicher zum Ziele führt, und das Lustspielhaus" kauft solche Ware zu den besten Preisen, wenn sie noch auf dem Halme steht. Mit dieser Ware beherrscht der disqualifizierte Direktor glücklich drei Bühnen. Wenn er will, kann er noch drei, vier dazukriegen. denn je schlechter es um seine Konzession bestellt ist, umsomehr Theater bekommt er auf solche Weise unter seine Leitung. Hat er erst die Hälfte aller Berliner Theater, kann ihm gewiß nichts mehr geschehen. Auch von dem Polizeidirektor nicht. „Quod erat demon- Zur Kaddifchfrage. Bei Gelegenheit gestatte ich mir bezüglich der Kaddischfrage, die in letzter Zeit vielfach besprochen wurde, zu bemerken, daß R. AbrahamHorowitz, einer der hervorragendsten rabbinifchenAutoritäten seiner Zeit, in seiner Schrift p^ira v' behauptet, daß der Zweck der Einführung des avr ttt»ip nicht etwa war, damit der Sohn durch das „Kaddischsagen« den verstorbenen Vater aus der Hölle befreie, sondern damit den Anwesenden in der Synagoge Gelegenheit geboten wird, das zu sprechen, wodurch der Sohn rnekadesch hoschern ist, d. h. zur öffentlichen Verherrlichung des göttlichen Namens Anlaß gibt und dieser Xiddusch hoschern gereicht den im Grabe ruhenden Eltern zur höchsten Ehre. Da nun, so äußert sich Rabbi Horowitz, jede edle Tat, die der Sohn oder die Tochter ausübt, geist- und wirkungsvoller als das Kaddischgebet sei, so empfahl er seinen Kindern, daß sie sich stets bestreben sollen, wohltätig im Kreise der menschlichen Gesellschaft zu wirken und einen streng religiösen Lebenswandel zu führen. Diese Stelle lautet wörtlich also: ra»*pö dki .1120 pnn.if? vxb nw 1"'"2'2 iS na iS w' "Qrr 2"8"i tsMipn jö im* 2wm •n »asS 28n Sy p.i SSannp nSan u*rr nt ts**ipi *it mpn dbm eHpe U2ts>2 naS i.i .11221 mar «Sk Sirrwa mSyn? ♦1“21 ni2Ö 188t .IM 2'8"1 1'8>"* JÖ8 1*1.18 tty* Snp.11 2*212 Da nun die Töchter des sel. Baron Günzburg fich in der Lage befinden, täglich edle Taten auszuüben, Tränen zu trocknen, Wunden zu heilen, schwer geprüften, hart heimgesuchten Familien beizustehen, so haben sie es wahrhaftig nicht nötig, ihre Pietät gegen den teuren Heimgegangenen Vater durch das bloße „Kaddischsagen* zu bekunden. Dr. Fr. strandum.“ Diese Kritik ist gewiß nicht unberechtigt und es ist beschämend, daß unsere Salonjuden in solche Theater gehen, wo das Judentum karikiert und zur Unnatur verzerrt wird. Ein wenig mehr Stolz könnte den Juden von heute nicht schaden. Daß man die jüdische Literatur bes Ostens für unsere Bühnen fruchtbar macht, ist ein gesunder und auch künstlerischer Gedanke, nur sollte man bei der Auswahl der Stücke mehr Geschmack bekunden. Nicht alles, was im Jargon erscheint, ist gut, und nicht alles, was an sich gut sein mag, paßt für unsere Bühnen. Noch schlimmer aber sind die seichten Stücke, die aus einigen Witzen zusammengeflickt sind und auf den schlechten Geschmack spekulieren. Soll das Judentum dramatisch verwertet werden, dann darf es nur in rein künstlerischer Gestalt, frei von allen Tendenzen, geschehen. Uns fehlen Stücke, die uns die jüdische Seele in ihren Freuden und Leiden, ihren Kämpfen und Konflikten zeigen. Aber — wer weiß, ob solche Stücke „ziehen" würden? Uns selber ist ja häufig das jüdische Seelenleben fremd geworden, wie sollen es die andern verstehen? Manche begreifen gar nicht, wie traurig in Grunde solche schlechte jüdische Witze sind. Zu dem Adelsbrief Baffewis. Die Lösung der Baffewischen Adelsdiplomfrage, mit der sich die Berichterstatter verschiedener Zeitungen seit Wochen abquälen, ist Korrespondenzen Absage des Oberrabbiuers Dr. Immanuel Löw au die Wiener Gemeinde. Bekanntlich wurde der Szegediner Oberrabbiner Dr.Jmmanel L ö w vom Vorstande der Wiener Kultusgemeinde zum Rabbiner der größten Wiener Synagoge in der Leopoldstadt gewählt. Die Wahl erfolgte, nachdem Dr. L ö w fich dem Vorstände und den versammelten Vertrauensmännern und Experten persönlich vorgestellt und eine kurze programmatische Ansprache gehalten hatte. Im Zusammenhänge damit hat die Szegediner Stadtgemeinde, zu deren gewählten Repräsentanten auch Dr. Immanuel Löw gehört, auf Grund eines einhelligen Beschlusses das nachfolgende Schreiben an ihn gerichtet: Uochwärdiger Lsrr Oberrabbiner! Ls sind kaum einige Wochen verflossen, seitdem die Stadt Szeged unter Teilnahme Ungarns und der ganzen gebildeten Welt die hundertste Wiederkehr des Geburtstages Leopold Löws mit pietätvoller Begeisterung feierte, jenes Mannes, der der Schöpfer und Führer der patriotischen ungarischen Judenheit war, der sich auf dem Felde des Patriotismus, der Beligiosität und der Wissenschaft einen unsterblichen Namen geschaffen hat, der der anerkannte erste Seelsorger der ganzen Judenheit war, an den man sich, als an die Quelle der Wahrheit, nicht nur aus unserem Vaterlande, sondern auch von jenseits der Grenzen desselben gewendet hat. Als dieser hervorragende Mann unter allgemeiner Teilnahme das Zeitliche segnete, berief die Szegeder israelitische Gemeinde einhellig und mit berechtigtem