Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 26 (30.6.1911)
- Date
- 1911-06-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 430 Dr . WM WochmMM Mr.^6 Lmne des,ß 30 leg. eit. in einer bestimmten Richtung gehandhabt werde, so Kann., sie auch keinen Anspruch darauf geltend machen, dass Erhebungen" in einer bestimmten Eichtuug gepflogen werden; es kann somit auch., eine Verletzung formeller prozessualer Rechte der Partei nicht vorliegen, und stellt sich daher die Beschwerde auch in formeller Beziehung als unbegründet dar. Wien, am.5. Jänner 1911. , . , Chirurgen im alten Babylon. Französische Forscher haben kürzlich bei den Ausgrabungen im alten Babylon eine sehr interessante Entdeckung gemacht. Die Arbeiter haben nämlich Steine .ans Licht 'gefördert, deren Inschriften ungefähr 3000 Jahre alt find und bemerkenswerte Aufschlüsse über die Vergütungen geben, welche zu jener Zeit die Aerzte, insbesondere die Chirurgen, erhielten. Die Preise, die anscheinend von der Regierung festgesetzt worden waren, müssen recht mäßig genannt werden. So wurde g. B. eine Operation „mit dem'Messer" mit 12 Scheckel Silber bewertet. Diese Münze ist aus der Bibel bekannt und 12 Scheckel betragen 12 Mark. Selbst wenn man den Wert des Geldes von damals in Betracht zieht, ist das keine hohe Bezahlung. Das Einrichten eines gebrochenen Beines kostete 6,80 Mark. Für das Ziehen eines Zahnes wurden 4 Silberscheckel festgesetzt. Auf denselben Steinen ist zugleich eine Verfügung zu lesen, die uns heute sehr humoristisch berührt. Der König hat nämlich im Anschluß an die Preisliste die Bestimmung getroffen,, daß die Chirurgen nur für das Gelingen einer Operation bezahlt werden sollten.. Gelang ihnen dagegen die Operation nicht, dann erhielten sie nicht nur keine Vergütung sondern sie sollten sogar noch bestraft werden. Wenn der Patient an der Operation starb, dann mußte nach der Regierungsverfügung der arme Operateur mit dem Verlust beider Hände bestraft werden, damit er nicht aufs neue in die Versuchung komme, andere Menschen durch seine schlechte Behandlung zum "Tode zu befördern. Es sind auf den Steinen noch eine Menge anderer'Bestimmungen gefunden worden, die besagen, welche Medikamente die Aerzte benutzen dürfen, da anscheinend damals Apotheken noch nicht vorhanden gewesen sind. Eine Ausstellung der Fauna und Flora der Bibel. In dem berühmten Londoner Naturhistorffchen Museum erregt gegenwärtig eine in ihrer Art einzige Ausstellung das Interesse Tausender von Besuchern. Es ist die vor einigen Tagen eroffnete „Ausstellung der Fauna und Flora der Bibel". Die Ausstellung gibt eine genaue Darstellung aller in der Bibel erwähnten Tiere, ^Pflanzen und Steine. Man sieht den „Walfisch, der den Propheten Iona verschlungen hat". Ausgestopfte Eremplare jener Tiere, die Noah in der Arche hatte, und derjenigen, mit deren Fell die Arche und dann das Stiftszelt gedeckt -war. Krähen, „die Heuschrecken Egyptens" usw. In einem Schächtelchen befindet sich „Mannah", das das Aussehen geschälter, geriebener Nüsse hat und nach der erläuternden Beschreibung eine Art Linsen ist, die in Nordafrika, sowie in den Wüsten des Orients wachsen und durch den Wind in die Thäler getragen werden, wo die Bevölkerung es aufliest und verspeist. In einer anderen Schachtel sieht man Muster verschiedener in der Bibel genannter Steine. Auch Stücke jener Sorte von Holz, das Noah zum Baue seiner Arche verwendete, sind zu sehen. Das Holz stammt von einem Baum, der in Armenien wächst, an Härte dem Eichen gleichkommt, und auch jetzt zum Schiffbau verwendet wird. Ferner sind Exemplare aller jener Blumen-, Pflanzen- und Kräuterarten; deren Duft den Heiligen Tempel erfüllten, zu sehen. Von jenen Objekten, die nicht zu haben waren, oder die im Gebäude nicht untergebracht werden konnten, wurden Photographien angefertigt und .ausgestellt. Jedem Ausstellungsobjekt ist die Benennung, sowie eine wissenschaftliche Erläuterung dessen /beigefügt. auf welchem Wege festgestellt: wurdedaß-es tatsächlich dem. entspricht, was in der Bibel unter diesem Namen erwähnt ist. Ueberdies befindet sich in der Ausstellung eine Sammlung aller jener Werke, welche seit 400 Jahren über die Bibel veröffentlicht wurden. - Die Frankfurter Universität und der „Judenpunkt". Aus - Frankfurt a. M. meldet die „N. I. K." :; In einigen Blättern war die Nachricht enthalten, der amerikanische Philanthrop Jacob Schiff habe eine größere Summe Geldes für die zu errichtende Universität in Frankfurt a. M. unter der Bedingung gestiftet,-daß die in Preußen geübte Praxis der Nichternennung von Juden zu ordentlichen Professoren in Frankfurt nicht angewandt werden sollte. Nun-hat in einer kürzlich hier abgehaltenen Versammlung, in der über die . Frankfurter Univerfitätsgründung diskutiert wurde, der Bankier Wolf mitgeteilt, Herr Schiff habe 2 Millionen Mark spenden wollen, sei aber davon abgekommen, da er keine Garantien für die von ihm verlangte Gleichberechtigung der der Juden im akademischen Lehrfach erhalten konnte. Auch Baronin Wilhelm v. Rothschild hat dem Vernehmen nach, als sie zur Zeichnung aufgefordert wurde, die Garantie verlangt, daß wenigstens an dieser in der Hauptsache von jüdischem Gelde gestifteten Universität die Parität gewahrt' werde. Diese Gewähr konnte ihr nicht geboten werden, und sie hat demzufolge eine Zeichnung abgelehnt. Wohltätige Stiftungen der Familie Halpern in Kiew. Aus Odessa meldet man der „N. I. K.": Anläßlich der Genesung des Herrn Moses H a l p e r n wurde von Herrn Halpern selbst und seinen/Familienangehörigen eine Reihe wohltätiger Stiftungen in Kiew und in Palästina ins Leben gerufen. Herr Moses Halpern gründete ein groß angelegtes; den peinlichstem.Forderungen der rüddernett "Heilkunde und Hygiene entsprechendes Sanatorium für Lungenkranke. Sein Sohn Markus Halpern läßt im Anschluß an .dieses Sanatorium eine Heilanstalt für Nierenkranke errichten. In naher Zukunft soll auch das von der Familie Halpern gestiftete, für dreißig Zöglinge berechnete Waisenhaus eröffnet werden. Das Waisenhaus soll nach dem Muster der besten europäischen Anstalten dieser Art geleitet werden. Wie bereits gemeldet/ hat die Familie Halpern aus demselben Anlaß auch 30.000 Francs zur Errichtung von Wohnhäusern für jüdische Arbeiter in den palästinensischen Kolonien gespendet. Anerkennenswertes Interesse für Palästina hat auch Herr Z. L. R a b b in e r s oh n, ein Schwiegersohn Halprrns, bekundet, indem er 80.000 Francs zur Gründung einer Handwerkerschule in Jaffa spendete. Ein Brief Rudolf Euckens über die Religiosität der Jugend. Im „Pariser Univers Israelite" erschien jüngst aus der Feder des bekannten Publizisten Louis Lövy eine Besprechung des jüngsten philosophischen Werkes des Jenaer Philosophen Rudolf Eucken. Hierauf erhielt Herr Levy ein sehr beachtenswertes Schreiben, das in deutscher llebersetzung lautet: „Ich begrüße mit großer Freude hie. Einführung meines Briefes in hochgebildete und-geistig ernsteKreise. Der Inhalt dieser Nummer des „Univers Israelite" hat im Allgemeinen mein tiefstes Interesse gefunden. Für uns alle, die wir zur Religion halten, ist unsere Zeit eine Epoche der Arbeit und des Kampfes; unsere gefährlichsten Feinde sind nicht so sehr .die Negation, .als,, der Indifferentismus. Ich habe jedoch die Empfindung,.! daß hinter dieser Gleichgiltigkeit sich eine neue' Richtung erhebt, die den Wunsch nach Religion in sich trägt. Die' Geschichte lehrt es indirekt, daß die..Lebenserfahrung alles, was flach und zersetzend ist, als ungenügend empfindet. Das Gefüchl der UnZMüHWWEMer srM^mg.-