Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 26 (30.6.1911)
- Date
- 1911-06-30
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Sette 426 Dr. Blochs WochechchM Nr. 26 ich lieber nicht uiederschreiben möchte. Die Behauptungen des Obersten Garrard über die Stellung der Juden in unserem Laude sind unwahr. Als oberster Kommandant des Heeres und der Marine spreche ich irgendeinem Offizier das Recht ab, in einem offz'ellen Dokument Beweise eines solchen unbegründeten und engherzigen Rassenvorurteiles uiederzulegen, wie sie in dieser Einbegleitung enthalten sind." In dem Verweise, der im Aufträge des Präsidenten dem Obersten Garrard erteilt wird, heißt es unter Anderem: „Oberst Garrard ist dahin verständigt worden, daß er kein moralisches Recht besitze, den Einfluß seiner Stellung dazu zu benützen, um das Avancement eines mutigen und fähigen jungen Mannes aus dem Grunde zu verhindern, daß dieser der jüdischen Rasse angehört. Ein solches Voxgehen beweist nicht nur Vorurteile, die bei einem Offizier in seiner Stellung und von seiner Erfahrung nicht vorhanden sein sollten, sondern auch die Unfähigkeit, in gerechter Weise die Qualifikation. des Kandidaten zu prüfen, die sich sowohl durch seine Dienstleistung als das vorzügliche Ergebnis seiner theoretischen Prüfungen erweist." Gleichzeitig hat» Präsident Taft Auftrag erteilt, daß der Kandidat im September seine letzten Prüfungen vor der Kommission ein?r anderen Garnison abzulegen hat, deren Zusammensetzung die Möglichkeit ähnlicher Vorurteile ausschließt. So sehr man es anerkennen muß, daß Herr Taft, ohne bestehende Gefühle in der Armee irgendwie zu schonen, zugunsten dieses jüdischen Offiziersaspiranten eiugltreteu ist, ebenso sehr muß man feststellen, daß es dem Oberst Garrard nicht ganz an Gesinnungsgenossen fehlt. Wenn es nicht gegen die Disziplin wäre, so hatte der Gemaßregelte dem obersten Kriegsherrn gegenüber auf das antisemitische Verhalten angesehener Klubs im Lande Hinweisen können. Auch nach dieser Richtung hin hat Herr Taft in sehr energischer Weise zu intervenieren versucht, ohne dabei viel Erfolg zu erzielen. Es liegt aber auf der Hauo, daß zwischen der Aufnahme in eiutN Klub und der Zulassung zum Offizierskorps der Vereinigten Staaten ein sehr weitgehender Unterschied besteht. Immerhin: Trotz der außerordentlich großen Erfolge, die die Juden in den Vereinigten Staaten auch auf den Gebieten der Politik und der Anteilnahme an der Regierung errungen haben, dürste der Zeitpunkt, den Herr Roosevelt voraussehen zu können glaubt, noch in weiter Ferne liegen. Um ihn vorzubereiten, müßten vorher die Begriffe von Freiheit und Gleichheit bei vielen Bürgern in den Vereinigten Staaten einer gründlichen Revision unterzogen werden. Es ist erfreulich, daß sowohl der gegenwärtige Präsident, wie sein temperamentvoller Vorgänger ihren ganzen Einfluß hierfür eiusetzeu. M. B a u m f e l d. Aufruf! Ueber Drohobycz in Galizien ist eine entsetzliche Katastrophe hereingebrochen. Während der eben abgeschlossenen Reichsratswahl sind 25 Menschenleben zum Opfer gefallen; weitere 25 ringen schwer verletzt mit dem Tode. Frauen haben ihre Gatte« verloren, mehr als 80 Kinder sind zu Waisen geworden. Die Familien sind der Not, der Verzweiflung preisgegebeu. Wir appellieren au alle, welche die Fähigkeit, den Schmerz anderer mitzufühleu, nicht verloren haben, sich mit uns z« vereinigen. Wir können die Toten nicht mehr lebendig machen, aber wir können durch rasche Hilfe die Verzweiflung milder«, die Not lindern. Wer rasch gibt, gibt doppelt. Die Gefertigten haben sich zusammeugefuuden, um dieses Hilfswerk sofort zu beginnen, und bitten alle jene, welche uns durch ihre Spende, und sei dieselbe in welchem Betrage immer, unterstützen wollen, ihre Gaben au die Adresse: „Galizischer Hilfsverein" Wie«, 9. Bez. Berggaffe 4, zu sende«. Kaiser!. Rat Wilhelm A « «i n g e r, Friedrich A r t u e r, Dr. Josef S. Bloch, Prof. S. Ehrmaun, Max Frank, Dr. M. G ü d e m a n n, Dr. Max G r u u w a l d. Dr, Anselm Holpern, Dr. Wilhelm Knöpfmacher, Dr. Edmund K o h n, Dr. Edmund Kornfeld, kais. Rat Dr. S. K r ii g e r, Dr. Artur Kuranda Ministerialrat Camill K u r a n d a, Dr.' Gustav L a n n st e i n, kais. Rat Alois Lemberger, Magistratssekretär i. P. Dr. Wilh L ö w y, Sigmund M a y e r. Doz. Artur Mahler. Edmund Melcher, Lcop. P o l l a k Edler b Parnegg, Wilh. P a p p e n h e i m, Dr. Alfred Stern, Alex. Scharr. Sabbat ua i Sonntag auf der Internationalen Hygiene-Ausstellung zu Dresden. Von Rabbiner Dr. Jakob Winter, Ministerialdirektor und Geheimer Rat Dr. Carl Roscher. (Aus „Bausteine“, Jahrgang 1911, Nr. 5'5 und 516 Mai und Juni). In der historischen Abteilung, der gross gedachten und grosszügig durchgeführten Hygiene-Ausstellung zu Dresden, die alles, was der Gesundheit des Leibes und der Seele dient, im edlen Wetteifer der Völker vor Augen stellt, findet sich (Raum 3) eine wertvolle Zusammenstellung altjüdischer Hygiene, darunter zahlreiche BibeL teilen, die auf altehrwürdigen Thorarollen mit kostbarem Schmuck in zwei Glasschränken vorgeführt werden,. Die gewaltige Gestalt des Moses, des glaubensstarken Beters, des weisen und mutigen Führers, des Propheten, Dichters und Staatsmannes, wie ihn einst Michel Angelo’s Seele erschaute, ist, Israeliten und Christen gleich ehrwürdig, mit Recht in diesem Raum aufgestellt. Im Hintergründe des Raumes ist schlicht aber weihevoll ein Teil als „Sabbatstube“ abgegrenzt. Diese bescheidene, auch den armen erreichbare Sabbatstube, weist auf die grösste hygienische Wohltat hin, die der Menschheit nicht aus sich selbst, sondern von oben zu Teil wurde. Alle anderen hygienischen Einrichtungen und Ratschläge, die in den 99 Gebäuden d er Anas tellung;.vorgef ührt werden, treten hinsichtlich der Verbreitung, der jahrhundertelangen Bewährung, der leichten Anwendbarkeit, der sozialen Bedeutung und des vermittelten Segens weit zurück hinter den Sabbat der Israeliten und den Sonntag der Christen. Die Sabbatstube, zu der jeder, auch der bescheidenste Raum umgewandelt werden kann, ist das Heiligtum des israelitischen Hauses, die Stätte, wo das irdische Leben mit himmlischen Kräften erfüllt wird, ein idealer Ersatz dessen, was die hygienisch bedeutungslose „gute Stube“ des Spiessbürgers sein soll. Meine Bitte um eine Darlegung der Bedeutung der „Sabbatstube“ erfüllte Herr Rabbiner Dr. Winter durch folgende Mitteilungen: „Die Weihestimmung der Sabbat-Stube ist kein Erzeugnis der Kunst. Der Beschauer spürt das Weben des religiösen Geistes in seiner Unmittelbarkeit. Aeussere Ruhe und Bewegtheit des Herzens, gottfrobe Gehobenheit. Die Sabbatlampe, das Sabbatbrod, die Decke darüber, alles geweiht durch die Heiligkeit des Tages, jedes von besonderer religiöser Bedeutung. (Die zwei Brode mit der Decke darüber sind ein Hinweis auf das Manna, das — 2. Mose 16, 29 — am Rüsttage zum Sabbat in zweifachem Masse beschert wurde und mit einer Tauschicht überdeckt war. Das Licht ist ein Sinnbild festlichen Gehobenseins.) Die tiefe Wirkung dieser feierlichen Ruhe erklärt sich aus dem Gegensätze zu der Unruhe der Werktage mit ihrer Plage und Pein. Die Freiheit des Gotteskindes im Gegensätze zu den Demütigungen, die die Welt bereitet. Das Joch des harten Weltdienstes ist abgetan und vergessen. „Kommt der Sabbat, so kommt die Ruhe“. Der Sklave ist nun ein König. Angesichts seines Gottes hat er seine niedergetretene Menschenwürde wiedergewonnen. Die Macht des Sabbats wurzelt im Glauben. Für die Macht des Glaubens ist ein beredter Zeuge der Sabbat. Freilich konnte der Sabbat so grosse Wirkung als erhaltende Macht nur bewähren, weil man ihn nicht nur nach seiner negativen Seite wertete als eine Zeit des Ausruhens von der Werkarbeit, seine Bedeutung vielmehr erfasste als eines -Tages, „heilig dem Ewigen, der Lust an Gott“ Jesaia 58. 18, 14: „Wenn du vom (Entheiligen des) Sabbat deinen Fuss fernhältst, dass du nicht deine Geschäfte an meinem heiligen Tage verrichtest, wenn du den Sabbat eine Wonne, den heiligen -(Tag) des Ewigen verehrungswürdig nennst und ihn in Ehren hältst, so dass du nicht deinem Tagewerke nachgehst, deine Geschäfte vornimmst und Ge-