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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-06-30 · 26 (30.6.1911) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
26 (30.6.1911)
Date
1911-06-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 26 Oß», BIOCH’S Istzrgang XXVIII Zentralorgan für die gesamten Interessen des Judentums Wim, 30. Juui 1911 Lrscd eint j e 0 cn Frei t ag. Brief-Mreffe: Wien, ix/i, Hahngaffe 15. Telegramm-Adresse: Bloches Wochenschrift, Wie«. 0 0= - -00 p 9tpxg&prtia für Vefierrrich: Q Halbjährig 8 Kronen; Einzelexemplare 50 Heller. Für'» Ausland? Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 4malgespal- "> tene Petttzeile 24 Heller. OP --Do * Ä. ft. Postsparftaffenarnt 9 Sleartng-Verkebr «r. 810.976. RedaMon und Administration: Wir« TKli, Hahngaffe Nr. 15. k Telefon Nr. 14.847. J 00=D0 Inhalt: Leitartikel: Präsident Taft gegen Rassenvorurteile. — Sabbat und Sonntag auf der Internationalen Hygiene-Ausstellung zu Dresden. — Ein Denkmal für Karl Lueger. — Die Beteiligung der Juden am Serischen Welthandel im Altertum. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Der Verwältungsgerichtshof in Franzensbad. Chirurgen im alten Babylon. Eine Ausstellung der Fauna und Flora der Bibel. Die Frankfurter Universität und der „Judenpunkt". Wohltätige Stiftungen der Familie Halpern in Kiew. Ein Brief Rudolf Euckens über die Religiosität der Jugend. Das Judentum im Theater. Zu dem Adelsbrief Basiewis. Zur Kaddischfrage. — Korrespondenzen: Absage des Oberrabbiners Dr. Immanuel Löw an die Wiener Gemeinde. Verband der Israelitischen Religionslehrer an den österreichischen Mittelschulen. Krems a. d. D. eine Schu'stadt. Die Königskrönung in England und die Juden. Agitation gegen die Jca und den Hilfsverein der deutschen Juden in Rußland. Verschärfung der antisemitischen Politik in Rußland. Eine jüdische Protestresolution auf dem russischen Bibliotheken-Kongreß. Amerikanisch-jüdische Marineure in Rußland. Dre - Juden in Charbin. Eine Synagoge bei den Niagarafällen. — Vermischtes. — Feuilleton: Zwei Märtyrer. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Präsident Taft gegen R»Ifenvornrteile. In Nr. 23 der „Oesterreichischen Wochenschrift" haben wir unter der Überschrift: „Die Juden in der amerikanischen Armee", eine-Meldung über das energische Eintreten des Präsidenten Taft zugunsten jüdischer Offiziere gebracht. .Nun liegt im „Berliner Tageblatt" hierüber ein ausführlicher Bericht vor, welcher schon wegen seiner historischen Bedeutsamkeit an dieser Stelle reproduziert werden soll. Der Korrespondent des Blattes meldet: Kardinal Gibbons, der Senior der katholischen Kirche in Amerika, hat bei seinem fünfundzwanzigjährigen Kardinalsjubiläum eine Huldigung erhalten, die mehr, als es sonst' eine Auszeichnung vermöchte, für seine besonderen Eigenschaften spricht. Ein Bürgerkomitee, das sich aus Angehörigen aller Konfessionen zusammensetzte, hat ihm zu Ehren einen Empfang in Philadelphia veranstaltet, bei dem der Kardinal von den bedeutendsten Männern des Landes gefeiert wurde. Präsident Taft, Expräsident Roosevelt, Vizepräsident Sherman, der Sprecher des Repräsentantenhauses Clark, sowie sein Vorgänger Cannon befanden sich unter den Rednern. Im Verlaufe einer Rede,, in welcher er sich mit den Aufgaben der Kirche gegen Andersgläubige beschäftigte, gab dabei Herr Roosevelt die Erklärung ab, daß im Laufe der Zeit auch Katholiken und gewiß auch Juden zu Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt werden. Zu den ungeschriebenen Gesetzen des Landes, die aber in der Praxis weit wirksamer erscheinen als viele der kodi- - fizierten, gehört es bisher, daß kein Angehöriger der katholischen' Kirche, vollends aber kein Angehöriger einer nichtchristlichen Religion für die höchste Würde des Landes , wählbar sei. Wenn man . der Wahrheit die Ehre geben - will, kann man auch nicht behaupten, daß sich innerhalb der letzten Jahrzehnte irgend ein Zeichen dafür gezeigt hätte, daß nach dieser Richtung eine Aenderung eintreten könnte. Herr Roosevelt genießt den Ruß weitsichtiger zu sein als seine politischen Freunde, und hat, seitdem er vom Amte zurückgetreten, wiederholt Dinge nicht, nur als möglich, sondern direkt als wünschenswert bezeichnet, die selbst seinen engeren Parteifreunden als bare Ketzerei erscheinen.. Impulsiv, wie er ist, empfängt er die Anregungen für solche Aeüßerüngen meist aus den Geschehnissen des Tages. Es ist daher durchaus nicht unmöglich, daß seine aufsehenerregende Annahme von der Möglichkeit eines Mischen Präsidenten in den Vereinigten Staaten durch einen Zwischenfall beeinflußt worden ist, der sich tags zuvor abgespielt hatte. Auf besonderen Btfehl des Präsidenten Taft hat der Oberst Garrard des 15. Kavallerieregiments einen äußerst scharfen Verweis dafür erhalten, daß er sich gegen die Zulassung eines jüdischen Soldaten zum Offizierskorps in einer Weise ausgesprochen hat, die nicht anders denn als Mißachtung der ganzen Konfession aufgefaßt werden konnte. Frank Bloom ist der Sohn eines jüdischen Schneiders. Vor einigen Jahren hatte man beim Präsidenten Roosevelt zu seinen Gunsten interveniert, um ihm Aufnahme in die Militärakademie in Westpoint zu sichern. Diese Anstalt ist nur wenigen Auserlesenen zugänglich, und es mußte wiederholt wegen der nicht überschreitbaren Zahl der zugelaffenen Söhne aus den besten Familien des Landes zurückgewiesen werden. Da auch damals kein Platz offen war, gab Herr Roosevelt dem jungen Bloom den Rat, wie ein echter Amerikaner von der Pike auf zu dienen. Seit einigen Jahren gehört Bloom der Armee an und hat sich nach tadelloser Dienstführung zu der vorgeschriebenen Prüfung gemeldet, auf Grund deren er sein Offizierspatent erhalten kann. Der von Oberst Garrard an das Kriegsdepartement unterbreitete Bericht über die Qualifikation des Kandidaten enthielt unter anderem folgendes Passus: „Der Applikant ist ein Sohn von Joseph A. Bloom, eines Juden, der seit einigen Jahren als Schneider in der hiesigen Garnison tätig, ist. Seine gesellschaftlichen Beziehungen haben sich, ebenso wie die seiner Familie, soviel ich weiß, hauptsächlich auf Soldaten beschränkt, sind aber durchaus respektabel gewesen. Der junge Mann selbst ist zweifellos ehrbar und anständig, strebsam und wahrscheinlich auch verdienstvoll. Aus den folgenden Gründen aber möchte ich ihn nicht als Offizier unter meinem Kommando und als gesellschaftlichen oder persönlichen Verkehr haben:. Die Anwesenheit seiner Familie wäre gefährlich für die Disziplin, die Behandlung, die ihr zuteil werden dürfte, erniedrigend für sie, sowie die Quelle vieler Verdrießlichkeiten für die kommandierenden Offiziere. Auf Grund meiner vieljährigen Erfahrung weiß ich, daß, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, Juden von sehr wenigen Gemeinschaften als wünschenswerte Glieder ausgenommen worden sind." Die Antwort, die Präsident Taft, dem die ganze Angelegenheit unterbreitet wurde, an den Kriegsminister richtete, enthält die folgenden bemerkenswerten Worte: „Es ist schwer für mich, die Bemerkung des Obersten Garrard zu Ende zu lesen, ohne dabei die Geduld zu verlieren und ohne Worte der schärfsten Verurteilung zu gebrauchen, die

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