Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 25 (23.6.1911)
- Date
- 1911-06-23
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Dr. Wochs WochenWM Sette M Nr. 88 Wich te und'Münzen, Geld und Geldwechsel, Prägung und Rechnung, die Zeitrechnung und Zeiteinteilung. So lebt das Bild der alttalmudischen Zeit wieder auf vor uns und wir wandeln in den Städten und Straßen in Palästina und Babylonien umher, sehen die Menschen und Dinge bewegt und im Gebräuche vor Augen, wir hören den Lärm des Marktes und die Lieder des Winzers, des Sandmannes, das Hämmern der Schmiede und Dängeln der Sense, Schimpfen und Feilschen: Wir blicken in Haus und Hof, Küch: und Keller, Schlafgemach und Söller, begleiten Karawanen auf ihren Zügen , hören das Knarren der Wagen, Schnaufen der Esel und Kamele, dringen in Kammern und Kasten und sehen in Schränke und Kisten. Aebnlich, wie wir in den bekannten Erzählungen „Gallus" und „Charikles" über römisches und griechisches Leben und wie wir etwa aus Eber's und Dahn’s Romanen über Egypten und Rom und Deutschland anschaulich unterrichtet werden, so kanu auch der nicht Fachgelehrte diese Archäologie mit Freude und Nutzen lesen. Der Gelehrte wird sie da beginnen, wo sie für jenen aufhört, bei dem unerschöpflichen'Notenspeicher, woselbst vielleicht zu viel Vorrat anfgestapelt ist. — Und alles mühelos und leicht, dank der jahrzehntelangen Arbeit eines bescheidenen Gelehrten, der die Frucht seiner Mühen zum freien Gebrauche hinlegt, um neuerdings an die Arbeit zu gehen. Denn die Bearbeitung der Staats¬ und öffentlichen Altertümer steht bevor. — Die beiden Bände „Talmud ische Archäologie" sind ein Meisterwerk. Wer kritisieren will, wird reichlich Gelegenheit finden; wer lernen will, noch mehr. Wir können uns gratulieren, einen Gelehrten vom Range Krauß'in unserer Mitte zu haben. Vielleicht gelingt es ihm, was anderen Gelehrten der Vorzeit und Jetztreil nicht gelungen ist, in dem Phäaken-Wien Jntcreffe und Respekt für jüdische Wissenschaft wachzurusen, woran wir gerade keinen Ueberfluß haben. — Die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums hat sich große Verdienste erworben. Krauß hat sie wesentlich vermehrt. Die Wissenschaft sagt dem Verfasser Dank und wünscht ihm Kraft und Gesundheit zu weiterem, wackerem Schaffen. Dr. Feuchtwang. Iki. Lagert, Das Alte Testament im Lichte modernistisch-katholischer Wissenschaft. München 1910. J. F. Lehmanns Verlag. Mk. 4.—, geb. Mb. 5.—. Der Verfasser ist wegen seiner Auffassung des Alttn Testaments, wie er sie schon in einem früheren Buche vertreten hat, von seinem Bischof exkommuniziert worden, dadurch um Amt und Brot gekommen. Eine solche Ueberzeugungstreue und Charakterstärke muss jedem Achtung abgewinnen, - doch darf dieser Tribut nicht hindern, das Buch selbst vorurteilsfrei zu betrachten. Und da müssen wir den Standpunkt des Verfassers, dass die alttestamentliche Religion und der israelitische Kultus nach ihrer Grundlage und Fortentwicklung keine Ausnahme vom allgemein geltenden Entwicklungsgesetze der Religion bilden, durchaus ablehnen. Von dem Glauben an einen göttlichen Ursprung dieser Religion ganz abgesehen, verkennt derVerf., nach dem Vorgang der protestantischen modernen Bibelkritik, durchaus die Besonderheit des Volkes Israel, die sich oft gerade in der Umprägung heidnischer Anschauungen und Bräuche in sittlich-soziale Werte ausdrückt. Alle folkloristischen und kulturhistorischen Parallelen dienen nur dazu, diese entscheidende Tatsache immer von neuem zu erhärten. Und die Konstruktion des Hebräergottes und seiner Laufbahn vom Dämon bis zum Weltengott ist schon so oft widerlegt worden, dass wir hier davon absehen können. J. Garsowski und Jos. Klausner, Mil Ion schel kis. Hebräischrussisch-deutsches Taschenwörterbuch. Warschau 1910. Verlag Tuschija. Rubel 2.35. Auf 1267 kleinen Quartspalten ist eine ungeheure Schwierigkeit meisterhaft gelöst. Sämtliche Vokabeln des biblisch-hebräischen Sprachschatzes, sowie der Talmude und des Neuhebräischen sind hier gesammelt übersetzt, zum Teil erklärt. Sogar Wandlungen in ihrer Bedeutung sind durch leicht verständliche Zeichen kenntlich gemacht. Das Buch ist bei dem erfreulichen Wachsen des Interesses für unsere hebräische Sprache und Literatur nicht nur doppelt willkommen, sondern geradezu eine Notwendigkeit. Wir können es nur auf das Wärmste empfehlen. R. Charmatz, Oesterreichs innere Geschichte von 1848 bis 1907. I., 2. Aufl., Leipzig 1911. B. G. Teubner. Nach zwei Jahren eine neue Auflage ist ein Zeichen, das für den Wert eines Buches spricht, das ein so oft behandeltes Thema zum Gegenstand hat. Man darf sagen, dass eine so klare und gründliche, dabei fesselnde und fliessende Darstellung in so knappem Rahmen eine Meisterhand verrät. Die Charakteristik der Persönlichkeiten, die Entwicklung der Geschehnisse, die Bewertung der Parteiansprüche, alles ist trefflich gelungen. — Robert.Hessen, Die sieben Todsünden der Menschheit. München 1911. Albert Langen. Ein prächtiges Buch. Seite 7 heisst es: „Noch verdienter als Ricord“ (der grosse Bekämpfer der Syphilis), „ist Moses, der intuitive Hygieniker, der auch die genialste, wirksamste Vorbeugungsmassregel, die Beschneidung, in das jüdische Ritualgesetz (Lev. XII, 3) aufnahm“. Es folgen schlagende Beweise für diese Aufstellung. Auch was auf Seite 20 und sonst empfohlen wird, deckt sich mitunter wörtlich mit den Forderungen des mosaischen Gesetzes. Nur was über die Prostitution bei den alten Hebräern gesagt wird, bedarf einer Korrektur. Kein Volk des Altertums ist gegen diese Erscheinung schärfer vorgegangen, als gerade die Israeliten. Alle Eltern und Erzieher müssten dieses Buch gelesen haben. E. Decsai, Mein liebes Wien. Berlin 1911. Schuster und Löffler, Ein Ungar schreibt ein Buch über die intimen Schönheiten der Umgebung Wiens und dieses Buch erscheint in einem Berliner Verlage. Ein Hinweis auf die Allgemeinheit der Bewunderung, die diese gemessen und mit Recht gemessen. Wie dieser arme ungarische Uhrmacher in einer Wiener Vorstadt lieber mehr, als unbedingt nötig, darben als sein Wien missen-und verlassen will, so ist es schon manchem anderen ergangen. A. Storck, Musik und Musiker in Karikatur und Satire. Oldenburg 181 l, Gerhard Stalling. Von diesem hier bereits nach Gebühr gewürdigten hochinteressanten Werk sind wiederum einige Hefte erschienen, die den Verfasser auf der Höhe seiner Aufgabe und die Opferwilligkeit des Verlages, der das Buch mit wahrer Verschwendung illustrieren Hess, von der besten Seite zeigt. Auch Nichtmusiker werden daran ihre Freude haben. B. Tannenwald. Die rechtlichen Verhältnisse der Juden in Hamburg. Hamburg 1911, C. Boysen. Die Schrift entbehrt Dicht typischer Bedeutung. Es werden darin die Erkenntnisse verschiedener Instanzen über Fragen mitgeteilt, wie die, ob ohne bezw. gegen die Erlaubnis der geistlichen Gemeindeleitung ein Metzger sich als Koscherfleischhändler etablieren dürfe, oder wie es mit der Beisetzung von Aschennrnen auf einem jüdischen Friedhof zu halten sei. In beiden Fragen — bei der zweiten in drei Fällen — haben die Hamburger Gemeinden den Kürzeren gezogen. Das Verbrennen wurde von den Richtern als eine eingebürgerte Volkssitte anerkannt. Interessant sind auch die eigenartigen Verhältnisse der Hamburger deutschen Gemeinde, die den Kultus besonderen Verbänden überlässt und selbst, abgesehen von zwei Schulen, sich nur der Armenpflege und der Verwaltung der Friedhöfe widmet, mit Ausnahme eines auf preussischem Boden liegenden Grundstückes, das Bismarck, einer Hamburger Beerdigungsgesellschaft in Langenfelde bewilligt hat. Aug. Wünsche, Der Kuss in Bibel, Talmud und Midrasch- Breslau 1911. M. und H. Marcus Eine neue Arbeit Wunsches in die Hand zu nehmen, bedeutet für jeden Freund d^r jüdischen Literatur einen besonderen Genuss, mau möchte sagen, ein Fest. Gerade das vorliegende Thema erforderte wieder einen ganzen Wünsche, d. h. einen Geist, der mit dem umfassendsten Blicke auf allen Fel lern folMoristischer Aussaat die passenden Früchte zu Anden weiss, die als Beilage un 1 Würze ein solches, an sich schon für den Kenner schmackhaftes Gericht zu einem allen Leckerzungen gerechten Schmaus veredeln. Es ist ihm, wie sonst, meisterhaft gelungen. Wenn man diese Seiten durchblättert, fragt man sich immer und immer wieder: Und was haben die Juden getan, um diesen Reuchlin unserer Zeit, den Dolmetsch unseres alten Schrifttums für das deutsche Ohr, zu ehren und ihm zu danken? G. Von Dr. Wilhelm Münz’ Buche „Einsames Land, Erzählungen und Stimmungsbilder“ wird in nächster Zeit die zweite Auflage erscheinen. Der Verfasser hat sein Werk durch mehrere neue Skizzen erweitert. Eine dieser neuen Erzählungen knüpft an die Auflösung der jüdischen Geschichte inKieferstädtel an. (Im Buche Kieferburghein genannt.) in der Form eines tiefangelegten allegorischen Märchens werden die letzten geisterschwülen Tage des verödeten Gotteshauses und des trauernden Friedhofes geschildert. Diese Erzählung darf für sich kulturhistorisches Interesse beanspruchen, weil sie in einem typischen Beispiel die Tragödie so mancher jüdischen Kleinstadtgemeinde behandelt. Die Verlagsbuchhandlung J. Kauffmann in Frankfurt a. M. hat das Buch vornehm ausgestattet und mit dem Bildnis des Verfassers geschmückt. Le Traducteur, The Translator, II Traduttore, drei Halbmonatsschriften zum Studium der französischen, englischen, italienischen und deutschen Sprache. Diese Sprachschriften bieten hauptsächlich folgenden Inhalt: Interessante Erzählungen, naturwissenschaftliche Aufsätze, Handelsbriefe, Belehrungen über Länder- und Völkerkunde, Handel, Sitten und Gebräuche, entweder mit genauer Uebersetzung oder mit Fussnoten. Neben dem Sprachstudium berücksichtigen sie auch die Aneignung wichtiger Sachkenntnisse. Ganz besonders nützlich dürften die in jeder Nummer enthaltenen Gespräche sein, in denen hauptsächlich die in den Schulen nicht genug gepflegte Umgangssprache berücksichtigt wird. Ausserdem wird den Lesern Gelegenheit geboten, mit Ausländern zu korrespondieren. — Probenummern für Französisch, Englisch oder Italienisch kostenfrei durch den Verlag des „Traducteur“ in La Chaux-de-Fonds (Schweiz).