Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 25 (23.6.1911)
- Date
- 1911-06-23
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Ausnahme von Tasmania, erklärte der Minister, verhalten fich den Einwanderern gegenübersehr sympathisch und tun auch sehr viel, um ihnen neue Immigranten nach Australien heranzuziehen. Die Frage der jüdischen Einwanderung ist eine Angelegenheit, die jede Provinz in Australien unabhängig behandelt; ich glanbe jedoch nicht, daß diese Provinzen geneigt wären, ganze Gruppen Emigranten einer bestimmten Konfession oder Race außer Engländer aufzunehmen. Sie beabsichtigen nur einfach, Einwanderer ohne Unterschied des Glaubens und der Abstammung heranzuziehen, vorausgesetzt, daß sie gesunde arbeitsfähige Menschen find. Manche Provinzen werben landwirtschaftliche Arbeiter oder solche, die als Diener und Knechte Arbeit verrichten können. Ausgeschlossen find wie in vielen anderen Einwanderungsstaaten Kontraktarbeiter. Auch jüdische Einwanderer aus osteuropäischen Ländern können frei einwandern, wenn sie den obigen Bedingungen entsprechen. Ein Vorurteil gegen Juden besteht in Australien nicht. Unter unseren Richtern, Politikern und hohen Beamten gibt es nicht wenig Juden. Richter I s a a c's ist Mitglied des Obersten Gerichtshofes. Mister Solomon war Premier von Südaustralien, Sir Julian Salomon's ist ein in Australien angesehener Name. Auch gibt es bei uns sehr viele jüdische angesehene Juristen. In Australien werden Alle von dem Gesetze gleich behandelt. Was die Kolonisierung in Nordaustralien betrifft, so beschäftigt sich die Regierung mit diesem Plane sehr ernstlich, Das Klima ist für Europäer sehr günstig und sogar in den Zuckerplantagen in Queensland arbeiten auch Europäer, nur an der Küste ist das Klima, wie in allen tropischen Ländern, ungesund. Auf die Frage, ob die I t o für den Fall einer großangelegten Kolonisation in Australien eine Autonomie für dieselbe zugefichert erhalte, antwortete der Minister: „Das können wir unmöglich tun, wir können nicht erlauben, daß in Australien separate Gemeinschaften gegründet werden, die nach anderen Gesetzen regiert werden als der restliche Teil des Landes. Sie können zum Beispiel nicht die Macht erhalten, gewisse ihnen unliebsame Elemente von der Einwanderung in das betreffende Gebiet auszuschließen. Die australische Regierung hat nur das eine Interesse, daß möglichst viele arbeitsfähige Menschen einwandern und so rasch als möglich in der übrigen Bevölkerung aufgehen. Auf die dezidierte Frage des Journalisten, ob in dem Falle, als nach dem Plane der Jto die eingewanderten Juden auf einem bestimmten Gebiete Australiens die Majorität erreichen würden, ihnen automatisch die Selbstverwaltung gewährt würde, antwortete der Minister: „Im Sinne unserer Gesetze wäre dies ganz gut möglich, da wir, wie gesagt, keiner Raffe gegenüber ein Vorurteil kennen, aber wie gesagt, würde eine Ansammlung von Mitgliedern einer bestimmten Raffe auf einem geschloffenen Gebiete und in größeren Massen von den Provinzen in Australien, soweit mir bekannt, nicht gerne gesehen werden." Table d'hote und koschere Speisen in den New- Aorker Schulen. Aus Newyork, 1. Mai, wird der „Frankfurter-Zeitung" (vom 12. 5.) berichtet: Die vor einiger Zeit in mehreren hiesigen Schulen probeweise eingeführte Einrichtung, Kindern während der Mittagspause einen Imbiß zum Selbstkostenpreise zu verabreichen, hat sich bewährt und soll jetzt auf alle im öffentlichen Schulsystem inbegriffene Institute, also auch die Hochschulen, ausgedehnt werden. Bei der Zusammensetzung des Speisezettels trägt die Schulbehörde nach Möglichkeit den Eigentümlichkeiten der verschiedenen Nationalitäten uud Religionsgemeinschaften in Newyork Rechnung. So kommen z. B. in den italienischen Distrikten vorzugsweise italienische Gerichte auf die übrigens wenig umfangreiche Speisekarte. Auch wird in einigen Schulen „koscher" gekocht und zwar mit peinlich genauer Befolgung der jüdischen Religions- Vorschriften. Nur „koscher" wird in der großen Schule an der Ridge- und Broome-Street gekocht, wo 200 Kinder, fast lauter Abkömmlinge von russischest und polnischen Juden,, Unterricht genießen. Uebrigens wird in den städtischen Hospitälern ebenfalls auf die religiösen Gefühle der israelitischen^ Bevölkerung Rücksicht genommen, was ü. a. daraus hervorgeht, . daß die Speisen für israelitische Patienten strikt „koscher" zubereitet werden. Um jeder Verwechslung des Geschirrs vorzubeugen, sind die zwei Sorten für Milch- und für Fleischspeisen in einer gleich in die Augen fallenden Weife gekennzeichnet. Vermischtes. Kranzablösungsspenden zugunsten der Chewra-Kadischa in Wie« I., Seitenstettengaffe 4 für arme kranke Glaubensgenosse». Anläßlich des Ablebens des sel. Wilhelm Oppenheim Von den Beamten der Firma A. Reiß K 36, Adolf Reiß 10, Ignaz Neumark 10, Dr. Karl Neumark 10. Zusammen K 66. Anläßlich des Ablebens des sel. Josef Singer: Von Bernhard Mandelbaum K 10. Anläßlich des Ablebens des sel. Dr. Samuel M e i s e l: Von Dr. Theodor Meise! K 20. Anläßlich des Ablebens der sel. Rebekka Lipfchütz: Von kais. Rat Leopold Sachs L 30. Anläßlich des Ablebens der sel. Ella Grün: Vou Georg Grün und Familie K 100, S. Popper 10, Architekt Goldschläger 20. Zusammen K 130. Anläßlich des Ablebens des sel. Dr. Jakob Reiß: Von Doktor Elias Münz K 20, Ludwig Spiegler 30. Zusammen K 50. Anläßlich des Ablebens des sel. Josef Dukes: Von Doktor Hermann und Immanuel Brüch K 25. Wien. Freitag den 23. d. M., abends, und Samstag den 24. d. M., vormittags, wird Herr Oberkantor Leo Kornitzer aus Prag im Gemeinde-Tempel XVI., Hubergaffe 8 einen Probe-Bortrag abhalten. Wien. (Trauung.) Im engsten Familienkreise fand kürzlich im Hause des Herrn Oberkantors Don Fuchs die Vermählung seiner Schwägerin Sara Schi och et mit Herrn Kantor Gerson Margolis statt. Die Trauungs-Funktion wurde von den Herren Oberrabbiner Dr. Güdemann und I. Kantor Matyas vollzogen. Wie». (Trauung.) Donnerstag den 39. Juni 1911 um 3 Uhr nachmittags findet im israelitischen Tempel, IX., Müllnergaffe 21, die Trauung des Fräulein Helene W a s s i n g, Tochter des Hof- und Gerichtsadvokaten Herrn Arnold W a s s i n g, mit Herrn I. U. Dr. Max W e l i s ch, Sohn der Frau Ludmilla W e l i s ch, statt. Wie». (Trauung). Sonntag den 2. Juli 1911, um 2 Uhr nachmittag, findet im ifr. Tempel I., Seitenstettengaffe die Trauung des Fräulein Olga Weiß, Tochter des Herrn Jakob Weiß, mit Herrn Dr. Jakob Beutum, Sohn des Herrn Josef Beutum statt. Wien. (Verein Israelitische Kinderbewahranstalt.) Die von dem Vereine Israelitische Kinderbewahranstalt erhaltene und mit dem Oeffentlichkeitsrechte versehene Erste Bildungsanstalt für Kindergärtnerinnen in Wien, II* Schiffamtsgasse 1», welche mit einem Bonnenkurse verbunden ist. beschließt nunmehr das 43. Schuljahr. Diese im Jahre 1868 gegründete Anstalt hat nicht nur die Aufgabe, staatlich geprüfte Kindergärtnerinnen auszubilden, sondern sie will auch den Familien tüchtige Erziehungskräste verschaffen und solche Mädchen, welche keinem Broterwerbe nachgehen wollen, im Geiste Pestalozzi's und Fröbel's für ihren künftigen Mutter beruf vorbereiten. Wie«. Samstag den 17. d. M. wohnte ich als Zuschauer dem Empfange Seiner kais. Hoheit des Erzherzogs Leopold Salvator in der Bundesschießstätte zu Baden bei. Ich war zufällig anwesend bei der leutseligen langen Aussprache, mit der Seine kais. Hoheit den Nitrolinol-Fabrikanten I. Berger aus Wien auszeichnete. Aus dem Gespräche der illustren Gäste dort entnahm ich, daß ihm diese Auszeichnung vollauf gebührte, weil er durch seine Erfindung der Armee Hunderttausende erspart. Eine, Seiner kaiserl. Hoheit gereichte Flasche dieses Gewehrservierungspräparates nahm Obersthosmeister Prinz Lobkowitz wohlgefällig entgegen. Herrn I. Berger wurde auch, wie ich in der „Badener Zeitung" lese, die Ehre zuteil, bei Eröffnung des Bundesschießens am Donnerstag den 15. d. M. von Seiner Exzellenz dem Grafen Kielmansegg angesprochen zu werden. Ich will annehmen, daß die Wiener fortschrittliche Tagespreffe dies nicht etwa deshalb in ihren diesbezüglichen Berichten nicht bringt, weil Herr I. Berger Jude ist. Jakob Stern. Wie«. Am 17. Juli d. I. werden es 10 Jahre, daß ich als Patient am Eröffnungstage der israelitischen Siechenanstalt ausgenommen worden bin und kann ich nicht unterlaffen, für die liebevolle Aufnahme, Behandlung, Pflege und alle anderen Wohltaten, welche ich während dieses Zeitraumes genoffen habe, dem hochverehrten Damenkomitee mit unserer liebenswürdigen Präfidentin Frau Id« Diamant an der Spitze, unseren hochverehrten Präsidenten Herrn Hofrat Dr. Rappaport, unserem allverehrten Herrn Primarius Dr. Jnfeld, sowie den Herren Aerzten mit unserer allseits beliebten Frau Oberin an der Seite und nicht zuletzt unserem hochverehrten