Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 25 (23.6.1911)
- Date
- 1911-06-23
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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- Tunis 1× ep/1048155
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gesamte Judenschaft der Türkei für ihren Souverän, ihre Regierung und ihr Vaterland erfüllt ist. Y Wir sind glücklich, Eurer Majestät versichern zu können, dich in künem Teil unseres weiten Reiches auch nur ein' einziger Jude lebt, der nicht sein Vaterland liebte und verehrte. Unsere heilige Religion gebietet uns, das Volk zu ljcheu, . in deffe«. Mitte wir als freie Bürger, ausgestattet mit allen Menschenrechten, leben. Und das ist auch der Grund, weshalb alle Mitglieder der jüdischen Familiein welchem Lande immer sie leben und welcher Partei immer sie angehören mögen, niemals aufhörten und niemals aufhörey.werden, die Türkei zu lieben uyd zu schätzen, die ihren jüdischen Bürgern gegenüber stets Gerechtigkeit walten ließ nüd chnen zu aller Zeit vollständige Gleichheit der Rechte gewährte. . - Unsere ganze Vergangenheit in diesem Lande ist Zeuge unserer Treue zu ihm.. Wir Juden von Salonichi haben von dem Tage-unserer Hierherkunft — es sind mehr als 400 Jahre — niemals aufgehört, für das Wohl unseres Vaterlandes zu arbeiten. Und wenn wir heute mit Freude und mit Stolz daran erinnern, was wir in unserer schönen Stadt auf dem Gebiete der Industrie, des Handels und des Unterrichtswesens geleistet haben, so geschieht dies bloß, um zu versprechen, daß wir imsere Anstrengungen für den Fortschritt unseres Landes in .Hinkunft verdoppeln werden. In diesem feierlichen Augenblicke, in Anwesenheit unseres echabeneu Padischah schwören wir, im Einvernehmen mit allen Elementen des Reiches an dem Glücke, dem Ruhme der. Entwicklung und der kulturellen Hebung des Vaterlandes zu arbeiten! . -Wir sind von der Hoffnung erfüllt, dgß unter dem Leitstern der Frecheit, der Mit der Thronbesteigung Eurer Majestät zu leuchten begann, die Türkei immer mehr und mehr fortschreiten und Dank ihrer Friedensliebe, ihrer Macht und ihrer.Gerechtigkeitsliebe, sowie ihrer Liebe für die.WMnschasten in der Lage sein wird, im Konzerte der zivilisierten Großmächte einen wichtigen Platz zu erringen." .Die Adresse schließt mit den Wünschen für die Gesundheit und das Leben des Sultans und der kaiserlichen Familie. Der Sultan nahm die Adresse huldvoll entgegen, versicherte die' Judeuschaft seiner unwandelbaren Gunst und machte dem Grand Rabbin eine wertvolle Uhr und Kette zum Geschenke. Das Lag-Baower-Feft in der tunesischen Stadt Djerba. Die „Depöche Tunisienne" enthält in einer ihrer letzten Nummern die folgende interessante Schilderung des Lag-Baomer-Festes in der Nahe von Djerba. Das Rosen fest, das die tunesischen Juden am 33. Tage vom Pesiachfeste begehen, ist vorüber. Die Synagoge, die den Namen Griba führt, in welcher das Fest begangen wird, liegt ungefähr zwei Kilometer von der jüdischen Stadt Hara Seghira entfernt, gilt den treugläUbigen Juden von Nordafrika und besonders aber denjenigen von Tunis und Tripolis als geheiligte Stätte, zu welcher sie bei gewissen Gelegenheiten wallfahrten, um ihre Gelübde zu erfüllen. Man schätzt die Anwesenden in diesem Jahre auf ungefähr 2000, die aus Tripolis, Gebas, Sfax und Tunis gekommen waren, um an dem religiösen Feste teilzunehmen, das um 8 Uhr abends beginnt und erst mit Sonnenaufgang sein Ende nimmt. ' Sowohl das Innere der Synagoge, wie auch die Umgebung derselben ist herrlich illuminiert und überall drängten sich Tausende von Männern, Frauen und Kindern in festlichen Gewändern. Denn außer den obenerwähnten Fremden sind auch die Juden der Städte Hara Kebra und Hara Seghira mit Kind und Kegel bei dem Feste. Abgesehen von den religiösen Zeremonien wird dieses Nachtfest auch durch Volksbelustigungen ausgefüllt. Die Vertretung der Judengememde von Hara Seghira hatte jüdische Musiker und Volkssänger aus Tunis kommen lasten, denen sich das jüdische Orchester der Stadt anschloß. Die Sänger produzierten lustige und traurige Volkslieder und Hebräische . Hymnen, die gesammelt zu werden verdienten. Dke Htbgeor-neteu aus dem Hemen und die Judern Y Dje Abgeordneten des tmkischen Parlaments haben - nach Vertagung d^selben, wie uns aus Konstantivopel berichtet wird, die Hirüptstadt verlassen und find in ihre Hümai abgereist. Die Ahgeüxdnetefl aus. dem Jemen , statteten vor ihrer Abreise dem Großrabbiner eine Abschiedsbesuch ab und versicherten ihn abermals, sich in ihrer Heimat ernstlich mit der Verbesserung der Lage der yemenitischen Juden befaßen zu wollen. Sie gaben auch nochmals Versprechen, ihren ganzen Einfluß aufzuwenden, daß bei den nächsten Parlamentswahlen auch ein yemenitischer Jude gewählt werde. - Die Juden in Irland. Laut den Ergebnissen der letzten Volkszählung be< trägt die Zahl der Juden in Irland 5101, bei einer Gesamtzahl der Bevölkerung von 4,381.951. Im Jahre 1861 gab es in Irland im ganzen 393, im Jahre 1891 zählte man bereits 1796 Juden und im Jahre 1901 betrug die Zahl der Juden 3898.. Die irländische Presse findet Dieses verhältnismäßig rapide Anwachsen der jüdischen Bewohner Irlands um so interessanter, als die allgemeine Bevölkerungsziffer schon seit Jahren stetig abnimmt. Jüdffche Gelehrte haben kein Gastrecht in Petersburg. Demnächst wird in Petersburg ein Kongreß des Bibliothekwesens abgehalten werden. Zu diesem Kongresse waren mehrere jüdische Delegierte angemeldet, - denen auch wichtige Referate zugeteilt wurden. Auch aus dem Ausland wurden bekannte Fachgelehrte auf dem Gebiete des Bibliothekwesens als Ehrengäste zum Kongresse geladen. Für die jüdischen Delegierten und Ehrengäste mußte jedoch vorerst eine Aufenthältsbewilligung für die Zeit des Kongresses in Petersburg erwirkt werden. Die Regierung Hütte jedoch, sämtliche diesbezüglichen Ansuchen, sowohl der Kongretzleitung, wie auch der Beteiligten, rundweg abgelehnt und so wird der Kongreß mit Ausschluß der anerkanntesten Fachgelehrten abgehalten werden müssen. Die K e i tf e P a tz e r l'e ich t e r u u g ' f u r a m e r ikanisch e I w d e V. Petersburg. Die aus Amerika in die europäischen Blätter gelangte und vielfach kommentierte Nachricht, daß die russische Regierung der. amerikanischen gewisse Erleichterungen in bezug auf die Pässe der Juden, die das Bürgerrecht der Vereinigten Staaten besitzen; zugesagt habe, wird an zuständiger Stelle als unrichtig bezeichnet. Wohl habe die amerikanische Regierung, als im vorigen Jahre ihr in Konstantinopel beglaubigter Botschafter, der Rußland besuchen wollte, auf. Paßschwierigkeiten stieß, da er Jude ist, versucht, Erleichterungen für die amerikanischen Bürger jüdischen Glaubens durchzusetzen, habe aber dabei nicht, das geringste Verständnis, geschweige denn ein Entgegenkommen bei der russsischen Regierung gefunden. Diese verwies vielmehr darauf, daß solche Paßerleichterungen eine große Erregung unter der russischen Bevölkerung Hervorrufen würden, zudem aber nur durch einen gesetzlichen Akt durchführbar wären. Dumadeputierter Nisselowitsch Mitglied der Budgetkommission. Die progressiven Blätter Rußlands verzeichnen mit großer Genugtuung die Meldung, daß der jüdische Deputierte Niffelowitsch für die kommende Dumasession in die wichtigste Kommission der Düma, nämlich in die Budgetkommission, gewählt wurdet Ein australischer Minister über jüdische Kolöni- ' sation in Australien. Anläßlich der Krönungsfeierlichkeiten ist auch der Minister süx Auswärtiges in Australien E. L. B a t ch e I o t in London erschienen. Ein Vertreter des „Jewish Chroniclc" hatte mit dem.. australischen Minister des Auswärtigen eine Unterredung, im - Verlaufe welcher sich derselbe über die geplante jüdische Koloni- - sation in Australien äußerte. „Sowohl die australische Regierung, . wie üüch die Oberbehörden..der einzelnen Provinzstaatenmit Y .- ■ -