Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 25 (23.6.1911)
- Date
- 1911-06-23
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Dr. Bkochs Wochenfchrfft Seite 415 Nr. Lb worden wäre, es weder zu einer Verurteilung noch viel weniger aber, wenn diese schon vorauszusetzen wäre, zu der bisherigen Abweisung aller Revisionsbestrebungen gekommen wäre. — Nicht der Mangel einer formalen Handhabe kann die Ursache bilden, daß sich der zur Revision berufene Senat nicht einmütig und rückhaltslos für die Revision einsetzt, sondern nur die angedeuteten tieferen Motive sind es, die hiezu den Ausschlag geben — wie sich jedem Unbefangenen die Erklärung über diese ganz uufaßliche Haltung aufdrängte. Ungleich sicherer als in irgend einem ähnlichen Prozeß liegt hier der Tatbestand vor, daß Hilsner, so wenig er sonst moralisch qualifiziert sein mochte, unmöglich an den Morden irgendwie beteiligt gewesen ist. Wenngleich daher die ehrerbietigst Unterzeichnete Vereinsleitung in Erfüllung ihrer Aufgabe sich zunächst des Schutzlosesten aller Schutzlosen, des ganz allein auf sich angewiesenen JudenHilsnerannimmt, so handelt sie doch auch zugleich im allgemeinen Interesse, indem sie unausgesetzt gegen diesen einzig dastehenden Rechtsbruch sich auflehnt, gegen einen Schuldspruch, der nicht auf Grund objektiver Erwägung, sondern lediglich durch Voreingenommenheit zustande kam und der, falls keine Remedur geschaffen wird, eine ständige Bedrohung jedes Einzelnen bedeutet, der dem 20. Jahrhundert zur Schmach gereicht und eines Rechtsstaates unwürdig genannt werden muß. Die tiefergebenst Unterzeichnete Vereinsleitung, welche bereits im Juli 1910 — wiewohl bedauerlicherweise ganz resultatlos — die Eingabe an die Generalprokuratur um Revision des Prozesses Hilsner gemacht hat, schließt sich dem durch Dr. Scheu unternommenen Schritte vollinhaltlich an und bittet hiemit neuerdings die Revision des Prozesses Hilsner endlich und zwar auf einem national und konfessionell . möglichst wenig durchwühlten Boden anordnen zu wollen. Die formalen Erfordernisse hiezu müssen in dem Mangel jeglichen Tatbestandes, aber auch in der Irreführung durch die erwähnte Agnoszierung eines angeblichen Zeugen erblickt werden, der später wegen Betrug zur Verantwortung gezogen wurde, durch dessen Aussage aber, wenn sie sich mck den Tatsachen wirklich decken könnte, nur bewiesen wäre, daß Hilsner zur vermutlich kritischen Zeit in dem Wäldchen sich gleich so vielen Anderen aufgehalten habe. In tiefster Ergebenheit „Verein zur Abwehr des Antisemitismus^. Landesverein der Angestellten der israelitischen Knltnsgemeinden Ungarns. Der Verein hielt unter dem Vorsitze des Präsidenten des provisorischen Komitees Adolf Jakobovits seine erste Jahresversammlung ab. Nach der Eröffnungsrede des Vorsitzenden in der er die Förderung der moralischen und materiellen Jntereffen der Mitglieder als das Hauptziel des Vereins bezeichnete, erstattete Rechtsanwalt Dr. Arnold Somogyi Bericht über die Tätigkeit des Exekutivkomitees. Hierauf begrüßte Rabbiner Dr. Julius Fischer die Anwesenden und beglückwünschte sie zu ihrer Organisation. Nachdem noch Moritz Weiß (Marczali) gesprochen hatte, wurde« die Wahlen vorgenommen, die folgendes Resultat ergaben : Präsident Dr. Julius Weißburg, Generalsekretär der Budapester Kultüsgemeinde; Vizepräsidenten Oberkantor Adolf Lazarus und Noel Weißmann, Rechtsanwalt Dr. Arnold Somogyi, Sekretär Eugen Galombos; Kaffier Ignaz Gombos; Kontrollor Josef Perczel; Vorsteher: Wilhelm Blau, Josef Fenyoe, Adolf Jakobovits, Jakob Krausz, Dr. Moritz Lichtman, (Ujpest), Samuel Pollak, (Erzsebetfalva), Leopold Rosenzweig (Adony). Das Jubiläum des Magnatenhausmitgliedes Franz Chorin. Wie aus Budapest berichtet wird, feiert der bekannte jüdische Politiker Franz Chorin sein 40-jähriges Jubiläum als Politiker. Die Repräsentanz der Stadt Szatmarnemeti hat auf Antrag des Bürgermeisters Bajay beschloffen, das Magnatenhausmitglied Franz Chorin aus Anlaß des Jubiläums seiner vierzigjährigen politischen Tätigkeit in einer Adreffe zu begrüßen. Herr Chorin, der Sohn des berühmten verstorbenen Oberrabbiners von Arad, ist Ehrenbürger der Stadt und hat sie wiederholt im Reichstage vertreten. Ueberdies stehen seitens der zahlreichen Körperschaften, denen Chorin angehörte, vielfache Ehrungen des auch über die Grenzen Ungarns bekannten Politikers bevor. Amtseinführung und Auszeichnung des neuernannten Großrabbiners von Serbien. Aus Belgrad wird uns geschrieben: In feierlicher Weise wurde hier der neuernannte Großrabbiner von Serbien installiert. Der Feier in der Synagoge wohnten bei: Als Vertreter des Königs Ministerpräsident Pafich, als Vertreter des Kultusministers Bürgermeister Davidovicz und der Rektor der Theologie Wrffelinowitsch, ferner mehrere Erzpriester und zahlreiche angesehene Bürger. Nach der patriotischen Jnstallationsrede des neuen Großrabbiners übergab ihm der Ministerpräsident den Sava-Orden vierter Klaffe. Juden im bulgarische» Parlament. Aus Sofia wird berichtet: Vorige Woche fand hier eine große jüdische Wählerversammlung statt, in welcher zu den bevorstehenden Parlamentswahlen Stellung genommen wurde. Infolge eines Beschlusses der Versammlung wurden die Führer der einzelnen bulgarischen politischen Parteien deputativ eingeladen, in der Versammlung zu erscheinen und ihr politisches Programm zu entwickeln und ihnen bekanntzugeben, daß die bulgarische Judenschaft darauf bestehe, in der Nationalversammlung einen Vertreter zu haben. Dieser Schritt hatte einen glänzenden Erfolg. Fast sämtliche Parteien haben sich bereit erklärt, einen Juden in ihre Kandidatenliste aufzunehmen. Bisher find die folgenden jüdischen Kandidaten nominiert. Die Nationalpartei, die gegenwärtig am Ruder ist, kandidierte den Zionistenführer Chaim Farchi, die Stambulowisten H. Levy, die Judenliberalen Josef Schavul und Josef Gerschon, die Altliberalen den Advokaten und Vizepräsidenten des Synagogenvorstandes Abraham Reffetoff, die radikaldemokratische Partei den Advokaten Leon Cohen und die Sozialisten Jacob Levy und Dr. Niffimoff. Unter solchen Umständen ist es als sicher anzunehmen, daß das nächste bulgarische Parlament auch jüdische Abgeordnete aufzuweisen haben wird. Die Hnldrgungsadresse der Saloniker Inden an den Sultan. Anläßlich der Anwesenheit des Sultans in Salonichi überreichten die Vertreter der Judenschaft eine prachtvoll ausgestattete Huldigungsadreffe, die in hebräischer und türkischer Sprache auf einer Pergamentrolle kalligraphiert ist- Die Adreffe ruht in einer wertvollen Kaffette. Die Adreffe hat folgenden Wortlaut: „Die Berge Mazedoniens und die Fluren von Salonichi grüßen Euere Majestät, unseren hochherzigen Souverän, Kaiser der Ottomanen, Kalifen der Muselmanen, den Freund der Gerechtigkeit und der Freiheit, Sultan Mehmed Reschad V. Seine Herrschaft sei stets glorreich! Mächtiger und erleuchteter Monarch! Wir, die Häupter der israelitischen Gemeinde von Salonichi, erlauben uns, Eurer Majestät die aus der Tiefe des Herzens kommenden Segenswünsche der gesamten jüdischen Bevölkerung darzubringen, die immerdar dem Throne Eurer Majestät in Innigkeit verbunden bleiben wird. Im Namen unserer ganzen Gemeinde rufen Eurer Majestät zu: „Willkommen, glorreicher Gast, der Du geruht hast, unsere Stadt mit Deinem Besuche zu beehren!" Majestät! Es sei uns gestattet, diesen historischen Augenblick zu ergreifen, in welchem wir die Ehre haben, den Besuch Eurer Majestät zu empfangen, um Eurer Majestät die Gefühle der tiefsten Hochachtung, der Liebe, der Treue und der Ergebenheit zum Ausdrucke zu bringen, von denen die