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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-06-23 · 25 (23.6.1911) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
25 (23.6.1911)
Date
1911-06-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Seite 413 Nr 25 Dr. Wachs WochttlfchM dir glauben, was ein Beth bedeutet." (L. VI.) Hierauf gibt Jesus die Deutung des Aleph. Diese Schrift legt noch an anderen Stellen davon Zeugnis ab, daß man sich in jener Zeit viel mit der Deutungskunst, und zwar nicht nur des hebräischen, sondern auch des griechischen Alphabets befaßt hat. Im Talmud und Midrasch finden sich so manche Beweise dafür, daß man sowohl in den Kinderschulen, wie auch in den Synagogen während der Predigt viel über die Deutung der Buchstaben nachgedacht und gesprochen hat, wie heute noch Gematria und Remez in gewissen Kreisen die beliebtesten und wirksamsten Mittel der Derascha sind, um Beifall einzuernten. Ohne ein recht künstliches Gematriaspiel und Remez keine richtige Derascha. An einem regnerischen Tage — heißt es j. Megila 1. 9. Genesis rabba K. I. 17 (vgl. „Zeitschrift für alttestamentarische Wissenschaft", Jahrg. 27, p. 283) — versäumten die Gelehrten ins Lehrhaus zu kommen, da spielten die Kinder und stellten Fragen über die Bedeutung der Doppelbuchstaben auf. Für jeden Buchstaben fanden sie ein entsprechendes Wort und sagten: nab naa p'nxb p'-ixa jawb;awa nasab nasaa tpb spa Bon diesen fünf Deutungen stimmen etwa vier mit den bei den Kirchenvätern erwähnten überein: M e m heißt bei Ambrosius: viseera ex ipsis, was nach Müller (f. 21) dent o'yö- oder cna entspricht, vielleicht ist aber dabei an Memra oder logos (Maamar) zu denken? Bein Nun haben Eusebius und Hieronymus: sempifcernnin, was an snw erinnert. Die anderen drei stimmen vollkommen überein mit Eusebius und Hieronymus: Eusebius Hieronymus: iustitia — gerecht. Eus., Hier. Ambrosius: os — Mund. Eus. Hier.: manus — Hand. Die Erzählung des Midrasch ist einem n'xa-i-, 'aus betitelten Buche entnommen. Diese Schrift, wie die zum Buchstaben noch erhaltenen Deutungen lehren, wird wahrscheinlich eine agadische Erläuterung des Alphabets enthalten haben. Ueberreste dieses Midrasch dürften dann noch in den Partien der rabbinischen Literatur zu finden sein, welche Buchstabendeutungen haben (vgl. Pesikta rabbati p. 108b, b. Hagiga 13b, Midi-. Kolielet 8. 15, 4, 3, Taulmna -jb K. 9, M. Psalmen 90, 13, 105, 3 u. a. St. m.)*) Es sei noch auf die Deutung des Alphabets im „Alphabet Bensiras (ev. M. Steinschneider, Berlin 1858) p. 18 a ff. hingewiesen, wo der Verfasser seine Absicht, ein Buch über die Deutung des Alphabets zu schreiben, kundgibt xn-a uabua naa n kh na un'2 «absa nao na'vu -p und tatsächlich erklärt Pseudo- Sirach das ganze Alphabet. Es ist fraglich, ob der erwähnte TKa -Tr ’aiJK Midrasch nicht die Quelle der späteren Deutungen bei den Kirchenvätern und der Otijot V. R. Akiba war? Jedenfalls würde die Geschichte dieser Deutungsversuche noch eine eingehendere und zusammenhängende Bearbeitung verdienen. Skotschau, den 11. Juni 1911. Hochachtend Dr. A. Mamorstein. Korrespondenzen Juden in dem neuen österreichischen Abgeordnetenhause. Bis nun sind gewählt: Ministerialrat K u r a n d a und Dr. Julius Ofner (deütschfreisinnig) in Wien; Dr. Straucher (Wilder) in Czernowitz; Dr. Groß, Krakau; G a l l, Tarnopol; Doktor *) Es wird noch auf b. Sabbat 104 a hingewiesen, wo wir einen regelrechten Midrasch zum Alphabet haben, wo jeder Buchstabe gedeutet wird. Zur Literatur über die Buchstabendeutungen sei an Wertheimers nrcnna TO II p. 23 erinnert, der ein Genizafragment veröffentlicht, ferner auf das Buch “T>na und auf die Schrift »vra rmun nrnian von Saadje ihn Danau (bei Wertheimer D’bKTv im Heft II p. 11 ff. W. Blumgrung. Saadje ibn Danau. Budapest. Diff. p. 19, wo die Deutungen der Buchstaben n und v mit Ambrosius Lbereinstimmen). Löwen st ein, Drohobycz; Dr. Kolischer, Brody; Rauch, Stanislau (sämtlich Mitglieder des Polenkluös); Doktor Diamant, Lemberg (Sozialdemokrat); Dr. L i e b e r m a n n, Przemysl (Sozialdemokrat). In Stichwahl befinden sich: Buczacz: Bernhard Stern (Polenklub) gegen Dr. Michael Ringel (Zionist); Stryj: Dr. Reich (Zionist) gegen einen polnischen Sozialdemokraten; Sokal: Dr. Steinhaus (Polenklub) gegen Professor Stazynski. Der ehemalige Abgeordnete Stand kandidierte in vier Wahlkreisen, es ist ihm jedoch nicht gelungen, auch nur in die Stichwahl zu kommen. * * * Zu den erfreulichen Resultaten der Wahl zählt auch die Niederlage des Herrn Dr. W e i d e n h o f f e r in Krems, des Herrn von S t r a n s k y in Asch, des Herrn Dr. Karl Drexel in Vorarlberg und des blutrünstigsten Antisemiten M Y s i v e c in Prag. Der blutige Wahltag in Drohobycz. Der Wahltag in Drohobycz wird einen Schandfleck bilden in der an Grausamkeiten und Vergewaltigungen so reichen Geschichte der „galizischen Wahlen". Ueberall, wohin die Nachrichten von den schrecklichen Vorgängen gelangen, erregen sie Zorn und Empörung. Die Ursachen der Vorgänge sind jedem klar, der einigermaßen mit der Uebung galizifcher Wahlen vertraut ist. Die Wahlmajoritäten kommen in Galizien dadurch zustande, daß der Bezirkshauptmann das Wahllokal durch Militär rundherum absperren läßt. Zugang zum Wahllokal erhalten nur diejenigen, deren Gesinnung und Parteizugehörigkeit man sicher ist. Oppositionelle Wähler werden nur in geringen Dosen zugelassen, und zwar in solch' geringen Dosen, daß sie dem Regierungskandidaten unmöglich Schaden zufügen. Nur für regierungstreue Wähler ist die Paffage frei und für sie sind auch Seitenzugänge frei gemacht. Das geschieht nicht nur in Drohobycz, sondern in allen Wahlorten Galiziens. So lange nur der Mittelstand wahlberechtigt war, hat dieser llets schweigend diese Praxis ertragen. Nach der Einführung des allgemeinen Wahlrechtes erschienen die Masten auf dem politischen Schauplatz und diese find nun einmal noch nicht dazu erzogen, ihr Recht sich verkümmern zu lasten. In Drohobycz wurde nun die Wahl nach der alten Methode vorgenommen und als die Wähler sahen, daß sie vergewaltigt werden, haben sie zunächst das Haus des Wahlmachers Jacob Feuerstein, welcher auch als Kultusvorsteher fungiert und darum auch als Helfershelfer der Korruption für die Vorgänge verantwortlich gemacht wurde, demoliert. Feuerstein, der es als Analphabet zum Vizebürgermeister gebracht hat, erhielt wegen seiner Verdienste als Wahlkünstler den Franz Josephs-Orden; offenbar war es wiederum seine Aufgabe, die Opposition vom Wahlakt fernzuhalten. Nachmittags versuchten die Wähler endlich mit Gewalt Zugang zum Wahllokal sich zu erzwingen, um ihr legitimes Wahlrecht auszuüben; da begann das Militär auf die Menge zu schießen. Wie Gras unter dem Schnitte der Sense, so flogen die Menschen unter dem Krachen der Mannlicher- Gewehre auf den Boden. Unter den Opfern finden sich kleine Kinder, auch ein Greis von 92 Jahren Die Panik in der Bevölkerung war ungeheuer. Die Leute liefen wie wahnsinnig aus der Stadt bis hinaus ins Freie. Ein Wehklagen begann, daß es bis ins innerste Mark drang. Jeder lief, um feine Angehörigen zu suchen. Da keine Rettungswagenzur Verfügung standen, wurden die bekannten galizischen, primitiven Holzwagen zum Transporte für die Verwundeten verwendet. Andere Verletzte und Tote wurden von Passanten auf den Händen fortgetragen. Die Szenen, die sich hiebei abspielten, kann mau sich leicht vorstellen. Sie werden dem, der sie miterlebt, unvergeßlich bleiben. Trotz der ungeheueren Aufregung wurde der Wahlakt merkwürdigerweise nicht unterbrochen; man benützte vielmehr die gute Gelegenheit, die Stimmen für den offiziellen Kandidaten Dr. Löwenstein plötzlich nach Tausenden anschwellen

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