Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 24 (16.6.1911)
- Date
- 1911-06-16
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Seite 405 Nr. 24 Dr. Bkochs Wochenschrift bewilligtem Verlangen legen sie ihre Vermummung ab und .gäben sich als angesehene Patrizier der Stadt zu erkennen, die dem Rabbiner für das Schweigen und Nichtanwortgeben auf einige Fragen des Präsidenten 10.000 Dukaten antrugen, die Briefe wären von einem Falsifikator und schlechten Menschen versaht, um honette Menschen ins Unglück zu stürzen. Dies sei evident bewiesen, wenn der Rabbiner auf einige Fragen keinen Bescheid geben wird. Der Rabbiner wies das Geld zurück, die Ueberredungskunst der Männer machte auf ihn keinen Eindruck und die Drohungen noch weniger, da Landau der größte und stärkste Mann in Prag war. Bei der Schlußverhandlung war natürlich der Rabbiner zugegen, er sah unten am Tische, wo die Erperten zu sitzen pflegten. Er hörte die Auseinandersetzungen des Referenten mit Aufmerksamkeit an, endlich fing er an zu lachen, da näherte sich ihm ein Herr mit einer großen Brille und roter Perücke und fragte ihn, warum er denn so plötzlich zu lachen beginne. Ist denn diese den Angeklagten so günstige und so schöne Rede so lächerlich? Was geht es dem Herrn an, wenn ich lache, ich störe niemanden, war die brüske Antwort des Rabbi. Da machteihm der Hofsekretär ein vielsagendes Zeichen, und Landau merkte, daß er es mit einer hohen Persönlichkeit zu tun hätte, und er sagte, wenn ich für das Schweigen 10.000 Dukaten zugesagt bekommen habe, wie viel 1000 muß dieser hohe Gerichtsherr und Referent für das viele Reden bekommen haben. Nach einigen Minuten wurde die Verhandlung unterbrochen, die Akten mit einer Schlußerklärung des Rabbiners Landau nach Wien gesendet. Was das Ende des Prozesses war, wissen wir nicht, uns ist nur bekannt, daß Kaiser Josef, so oft er nach Prag kam, Landau in besonderer Audienz empfing, und so ist der Brauch geblieben, daß wenn der Kaiser nach Prag kommt, der Oberrabbmer, nicht als Vertreter der Gemeinde, sondern als Rabbiner in der Reihe der Würdenträger des Landes vom Kaiser in Audienz empfangen wird.*) A. W e r 1 h e i m. Literat«». Andrew Dickson White, Geschichte der Fehde zwischen Wissenschaft undTheologie in derChristenheit. Uebersetzt von C. M. v. Unruh. Leipzig 1911. Theod, Thomas. M. 9.60, geh. M. 12.—. Das ist keine Geschichte dieses einen gewiss höchst wichtigen Gegenstandes, es ist eine glänzende Geschichte der Wissenschaften überhaupt, wie sie für den weiteren Kreis der Gebildeten nicht prächtiger geschrieben werden kann. Hier hat der vielgereiste und vielerfahrene Weltmann sich mit dem Meister der Darstellung und dem gründlichen Forscher verbunden, um einem Herzensdrange zur Befreiung der Wissenschaft in seinem Vaterlande Bahn zu brechen. Das Buch wirkt aber weit über Amerika hinaus. Das beweist die Höhe der (16.) Auflage. Echt amerikanisch knüpft der Verfasser an die Bibel an. „Von der Schöpfung zur Entwicklung“, „Von der Genesis zur Geologie“, , Der Sündenfall und die Anthropologie“, „Die Ethnologie nud die Geschichte“, „Vom Turmbau zu Babel zur vergleichenden Philologie“, „Von den Sagen des Toten! Meeres zur vergleichenden Mythologie„, „Vom Levitikus zur Volkswirtschaft“, so lauten die Ueberschriften einiger der wichtigsten Kapiteln. Spinoza und Maimonides, Jbn Ezra und Philo, Benjamin von Tudela und Darmstetter, Ascoli und Grätz usw., alles von Namen in der Wissenschaft, auch aus jüdischem Stamme, gibt sich hier ein Stelldichein. M. Silberfarb, Die Verwaltung der jüdischen Gemeinden in Russland. Alkalay u. Sohn, Pressburg 1911. Eine Berner Dissertation, die allen, die des Russischen und seiner Literatur unkundig sind, höchst willkommen sein muss, da sie ein Kapitel der jüdischen Kulturgeschichte behandelt, das angesichts der rassischen Ungesetzlichkeiten gegen die Juden von aktuellem Interesse ist. *) Ich habe die Märe im Jahre 1863 von dem seligen hochgelehrten Herrn Dr. L. in Gegenwart meines unvergeßlichen Lehrers des seligen Rabbi Nathan Wolf Lieber erzählen gehört. M. Fluegel, Israel, the biblical people. Baltimore 1899, H. Fluegel u. Co. Es ist schon vor kurzem an dieser Stelle das Erstaunen darüber geäussert worden, dass die Schriften des kürzlich verstorbenen Verfassers diesseits des Ozeans so wenig bekannt sind. Das Vorliegende hält gründliche Abrechnung mit den Judenfeinden alten und neuen Kalibers. Voltaire und Diderot kommen auf den Amboss, ebenso wie Stöcker und seine Nachbeter in Halbasien. Hochinteressant ist auch die Auseinandersetzung mit Delitzsch und der Kommentar zu Leroy-Boilieu. M. Fluegel, Philosophy, Quabhala and Vedanta. Baltimore 1902. H. Fluegel u. Co. Durch Gespräche und Korrespondenzen mit Max Müller und Wilhelm Wundt frühzeitig zu vergleichenden Studien über dieses Thema angeregt, hat der Verfasser hier die Flüchte seiner Forschungen niedergelegt. Von besonderem Belang sind die Bemerkungen über Spinozas Beziehungen zu älteren, jüdischen Denkern, insbesondere zur Quabbala. Selbst, wenn man im Prinzip mit dem Verfasser nicht einverstanden ist, wird man ihm für gelungene Kombinationen im Einzelnen dankbar sein. V. Blbl, Die niederösterreichischen Stände im Vormärz. Herausgegeben von der Gesellschaft für neuere Geschichte Oesterreichs. Wien 1911. Gerlach u. Wiedling. Nach den vorzüglichen Arbeiten des Verfassers über Gegenstände der österreichischen Verfassungsgeschichte nimmt man das Buch mit den günstigsten Vorurteilen zur Hand. Man kommt auch voll und ganz auf seine Rechnung. Da ist kein Datum übersehen, kein Zug verzeichnet und Alles in fesselnde Form gegossen. Die Geschichte der Wiener Revolution, die in letzter Zeit mit so erfreulichem Fleisse angebaut wird, erfährt mit dem vorliegenden Bande eine wertvolle Bereicherung. Unter Anderem sei auf das sympathisch geschilderte Wirken Kuranda’s und seine „Giänzboten“ hingewiesen. Rudolf Herzog, Nur eine Schauspielerin. Berlin 1910. Ullstein u. Co. M. 1.—. Dieses Buch erzählt von der Liebe eines Dichters zu dem Weibe, das die Gestalten seines poetischen Schaffens auf der Bühne verkörpert. In der bunten Welt des Scheins erblüht diese reine und starke Liebe, in der sich die schöpferische Kraft des Mannes und die nachschaffende Kunst der Frau untrennbar miteinander verbinden. Karl der Grosse. Die Grundlegung der mittelalterlichen Kultur und Weltanschauung. Von Dr. Franz Eampera, ord. Professor an der Universität Breslau. Erstes bis fünftes Tausend. Mainz 1910. Verlag Kirchheim u. Co. Mit Mosaikdruck. Titelbild und 74 Abbildungen. Grossoktav. (VIII. u. 128 3.) Preis in Leinenband M. 4.—. (Weltgeschichte in Charakterbildern, herausgegeben von den Universitäts - Professoren Dr. Franz Kampers (Breslau), D. Dr. Sebastian Merkle (Würzburg) und Dr. Martin Spahn (Strassburg i. E.) Das Buch ist vom katholischen Standpunkt aus geschrieben. Doch liegt gerade in der persönlichen Färbung der Auflassung und des Stils ein besonderer Reiz, der dem Leser ans der Lektüre einen wirklichen Genuss bereitet. Nirgends stört ein Ausfall gegen andere Bekenntnisse, wie man ihm in ähnlichen Schriften oft begegnet. Die 74 beigegebenen Illustrationen sind mit grosser Geschicklichkeit ausgewählt. Das Mosaikdruck-Titelbild (Triklinium Leo’s III. im Lateran zu Rom: Petrus überreicht Karl dem Grossen das Banner Roms, dem Papste Leo III. das Pallium) ist nach einem Original-Aquarell ausgeführt, zahlreiche andere Abbildungen sind nur wenig bekannt und schwer zugänglich, und dürften daher auch den eingehendsten Kenner jener Kulturepoche befriedigen. Ein prächtiges Werk für alle Gebildeten. „Die Hilfe“. Wochenschrift für Politik, Literatur und Kunst- Herausgegeben von Friedrich Naumann, M. d. R. Nummer 23. 8. Juni 1911. Aus dem Inhalt: Friedrich Naumann: Die Reichsversicherungsordnung. — Erich Eyck: Die Gründung der Deutschen Fortschrittspartei. — Wilhelm Vershofen: Der neue Weg. II. — Paul Rohrbach: Syrien I. — Unsere Bewegung.— Soziale Bewegung. — Paul Zschorlich: Die Dresdner Hygiene-Ausstellung. II. — Paul Schubring: Drei Theateraufführungen in Italien. — Paul H o c h e: Schule und Literatur. — Karl Wilhelm Fritsch: Um Michelburg. Roman. — Büchertisch. — Politische Notizen. — Buchverlag der „Hilfe“, Berlin- Schöneberg. Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden. Herausgegeben vom Bureau für Statistik der Juden, Berlin C. 2, An der Spandauerbrücke 15. Begründet von Dr. Arthur Ruppin. — Redigiert von Dr. Bruno Blau. 7. Jahrgang. Heft Nr. 6, Juni 1911. — Inhalt: I. Abhandlungen: 1. Dr. oec. Jakob Segall, Berlin: Die wirtschaftliche und soziale Lage der Juden in Deutschland (Fortsetzung). — 2. Dr. Salompn Margolin, St. Petersburg : Die neuesten Angaben über den Stand der jüdischen Bevölkerung in Russich-Polen. — 3. Ergebnisse der letzten Volkszählungen in der Schweiz, Bosnien und Herzegowina und Griechenland. — II. Statistisches Archiv : Die Blinden, Tauben, Geisteskranken und Geistesschwachen in Berlin im Jahre 1905.