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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-06-16 · 24 (16.6.1911) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
24 (16.6.1911)
Date
1911-06-16
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 404 Dr. Bkochs Wochenschrift Nr. 24 FeuMeton. „Kabbi Ezechiel Zandau". Ein Genie eigener Art war der Prager Oberrabbiner Landau, ein „CH ach um lecheschejerze", um mich eines alten hebräischen Ausdruckes zu bedienen: man konnte eine zeitlang mit ihm verkehren, ohne Spuren eines groben Geistes an ihm wahrzunehmen. Er gefiel sich, den Unbedeutenden zu spielen, Uetz er aber einmal seine Geistesfunken sprühen, so wurde es selbst dem gewiegtesten Talmudisten in seiner Nähe unheimlich, er kam sich vor wie ein Wurm unter den Füßen eines Riesen. Als Landau nach Prag zum Rabbinate aus einer unbedeutenden Gemeinde berufen wurde, lachten die Prager Talmud-Koryphäen sich in die Faust, der aus Jample (das Städtchen, wo er geboren und gewirkt) ist uns Prager Lomdim doch nicht gewachsen. Sie hielten ihn für zu unbedeutend, um ihn ernst zu nehmen und bestellten einen aus ihrer Mitte, der bei dem ersten, talmudischen Vortrage, den er in der Alt-Neu-Synagoge halten sollte, ihm zu widersprechen — wenn nötig, mit gefälschten Zitaten. Es soll sich zeigen, ob er die Falle merkt! R. Efraim Wehli, ein Mann von eminenter Gelehrsamkeit, war der auserkorene Opponent, welcher, eingedenk seiner lieevtia poetica. sofort nach den ersten angehörten Präludialsätzen eine gefälschte Maimonidesstelle vom Stapel laufen ließ, aber er konnte nur den kleinsten Teil des Falsifikates rezitieren, denn er wurde von dem Vortragenden sofort unterbrochen. „Die Stelle, die Ihr rezitieren möchtet, befindet sich nicht in Maimonides, — im 5. Teil wird sie vielleicht zu finden sein, der wird ja erst vorbereitet." In Prag waren nämlich viele Gelehrte geheime Sabbatianer, auch R. Efraim Wehli wurde desselben bezüchtigt, es lag aber gegen ihn nichts Handgreifliches vor; die Sabbatianer wollten, so hieb es, einen Supplementkoder mit ihren Satzungen verfassen, auf die Supplementargelüste anspielend, besah er sich seinen Gegner mit Feueraugen vom Kopf bis zu den Füßen. Der Iammermensch zitterte am ganzen Leibe, er war vernichtet, die höhnischen Blicke des Rabbi waren zu verständliche Im Verlaufe des Vortrages fielen nochmals die Gelehrten im Chor ihn an, er aber, mit Donnerstimme, machte sie alle schweigen, und beschämt ging jeder der Gelehrten durch Seitengassen nach Hause. Der Rabbi, als er nach Hause gekommen war, sagte zu seinem Famulus, die Prager Lomdim (Gelehrten) werden an den heutigen Tag denken, aber auch ich. Ich habe durch Ueberanstrengung Schaden genommen, hole mir schnell den Doktor. Der gelehrte Rabbi hatte vollkommen recht, die Gelehrten und mit ihnen die ganze stolze, von jeher schwer zu behandelnde Gemeinde zitterten vor dem gewaltigen Manne, der nicht nur in Maimonides ein Meister war, sondern auch in die Herzen der Menschen eindringen konnte und ihre geheimsten Gedanken herauslas. Er wurde gefürchtet, aber zur Liebe hat er es in Prag nicht gebracht. Prag liebte immer einen Rabbiner, der mit einem Kopfe kleiner war, als die Gemeinde, so er selbe überragte, konnte von Liebe keine Rede sein. Ich rede nicht von dem Heutigen Prag, das ist längst nicht das alte. Schon in meinen Zeiten hatte das alte talmudische Prag ein kleines Refugium in der „Eger-Schul", wo ich manchen glänzenden talmudischen Strauß mitmachte und miterlebte. Diese Prager Talmud-Epigonen sind alle schon heimgegangen, bis auf einen, den berühmten Doktor K Der freundliche Leser erlaube mir diese kleine Abschweifung, ich eile zu dem, was ich erzählen will, eine Episode aus dem Leben des Rabbiners E. Landau. Kaiser Josef, der-inkognito mit seinem Freunde Grafen Rosenberg das nördliche Böhmen besuchte, kam in eigener Person auf die Spur einer großen Schmuggler- und Falschmünzerbande, der Kaiser, mit seinem Adlerblicke, sah bald ein, daß bei dieser verbrecherischen Affäre viele Komplizen von großem Einflüsse beteiligt seien, und er ließ den Prozeß nicht aus den Augen. Bei der Unbeholfenheit und Schwerfälligkeit der damaligen Justiz glaubten sehr viele der beteiligten Personen, sich, herauswinden zu können, trotz dem Drängen des Kaisers. Bei den Korpusdelikten fand man eine Kassette mit hebräischen Papieren, und von diesen hing der ganze Prozeß ab, denn die Justiz war überzeugt, daß in ihrer Gewalt sich nur untergeordnete Mitglieder der Bande befanden und die eigentlichen Urheber in ganz anderen Gesellschaftskreisen sich befinden, als in der eigentlichen Verbrecherwelt. Die Briefe waren sehr geheimnisvoll, die nichtjüdischen Erperten brachten nur soviel heraus, daß eine große Zahl von Komplizen aus den besten Ständen einer geschickten hebräischen Feder sich bedienten, die ihren schriftlichen Verkehr besorgte, um im Entdeckungsfalle nicht kompromittiert zu werden. Die paar armen jüdischen und deutschen Fuhrleute, deren man mit den Waren und gefälschten Münzstücken habhaft wurde, beteuerten ihre Unschuld, was auch glaubwürdig war. Man hatte ihnen an der Grenze als Frachtgut die Waren übergeben. Kaiser Josef, den die Sache sehr interessierte, er befand sich im Walde, wo er mit den Schmugglern einige Worte gesprochen, erzählte seinem Hofbankier Arnstein seine diesbezügliche Verlegenheit. Der Arnstein, ein tüchtiger Köpf,-und in der Prager Gemeinde wohlbekannt, ward gleich fest überzeugt, daß, wenn ein Mensch die fraglichen hebräischen Schriftstücke enträtseln könnte, nur Landau, der Verfasser des „N odebijehuda" es imstande wäre. Er teilte seine Ansicht dem Kaiser mit, welcher, hocherfreut, etwas Positives zu hören, befahl, die fraglichen Akten an Landau zum Studium zu übergeben und den Rabbiner mit allen Rücksichten eines Standeserperten zu behandeln. Die Natur solcher Weisungen kannten die Beamten der damaligen Zeit, der Rabbiner Landau wurde zum Obergericht beschieden und nicht wie ein Kämmerknecht- Rabbiner behandelt, man ließ ihn platznehmen und ohne ihm etwas mitzuteilen, wurde ihm einer der zu enträtselnden Briefe übergeben. Nach einigen Minuten gab er dem Präsidenten den Brief zurück und teilte ihm dessen Inhalt mit. Der Präsident erklärte, mit der Mitteilung volle zwei Tage zur Verarbeitung in Anspruchs genommen zu sein, die Lesung der Briefe wird dann fortgesetzt werden. In einigen Stunden sah man schwarze verschlossene Wagen mit starker Bedeckung sehr zahlreich verkehren und man wußte, daß höher gestellte Personen verhaftet wurden. Der Kaiser, der sofort mittels Estaffette von allem benachrichtigt wurde, sandte seinen eigenen Hofsekretär nach Prag, die Prozedur besonders zu bewachen. In der Pinkasgasse wurden die Militärwachen sehr verstärkt, um bei der Hand zu sein,, daß die Anhänger der verhafteten Personen gegen den Rabbiner keinen Anschlag ausführen konnten. Der Hofsekretär wollte das Haus durch einen Militärposten sichern, was der Rabbiner entschieden zurückwies, er habe keine Furcht. Es wurden immer nach jeder Brieflesung neue Verhaftungen vorgenommen, bis endlich die Schlußverhandlung auf. einen 'bestimmten Tag anberaumt wurde. Einige Tage vor der Schlußverhandlung erschienen in der Nacht zwei türkische Juden bei dem Rabbiner und baten ihn um eine geheime Unterredung. Nach

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