Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-06-16 · 24 (16.6.1911) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
24 (16.6.1911)
Date
1911-06-16
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3021927-3021952--20282-3045312
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 24 Seite 401 Dr. Bkochs Wochenschrift Professor Schlesinger für die Gesellschaft für innere Medizin und Kinderheilkunde, Direktor Mikosch für den Verein zur Unterstützung verwaister Kinder, Generaldirektor Klang für den Oesterreichischen Phönix, Hofrat Professor Lang im Namen der Patienten Telekys sprachen. Hofrat Lang überreichte eine von den Patienten gewidmete Summe von 10.700 Kronen zur Gründung einer Teleky-Stiftung für wohltätige Zwecke. Es sprachen ferner Hofrat Professor Wmternitz, Professor Königslein für dm Aerztlichen Verein des 1. Bezirkes u. a. Im Namen der K. k. Gesellschaft der Aerzte gratulierten Hofrat Professor v. Eiselsberg und Regierungsrat Professor Bergmeister. Zur Feier, welche einen außerordentlich herzlichen Charakter hatte, fanden sich ferner Hofrat Hye, Direktor Dr. Czinner und zahlreiche Aerzte, ferner alle Mitglieder der Familie Teleky ein. Prag. Geehrte Redaktion! Bon einer zehntägigen Reise zurückgekehrt, finde ich in Nummer 22 Ihres Blattes unter der Aufschrift „Vandalismus an einem jüdischen Ädelsbriefe", eine Notiz, die mich zu einer Erwiderung nötigt, so wenig ich geneigt bin, mich in Zeitungspolemiken einzulassen. Diese Notiz wurde anfangs Mai in drei hiesigen Zeitungsvlättern eingeschaltet und von mir sofort dem Tatbestände tzemäß richtiggestellt. Wenn dieselbe nunmehr fast unverändert ist anderen Zeitungen veröffentlicht wird, so geschieht dies von Seiten der Einsender offenbar wider befferes Wiffen. Ich bitte deshalb, nachstehende Berichtigung aufzunehmen: Es ist unwahr, daß die Prager Statthalterei sich gegenwärtig' mit der Untersuchung der Verletzung des angeblich im Archive der Prager jüdischen Gemeinde aufbewahrten Adelsbriefes Bassewr's beschäftigt. Vermeintliche Nachkommen Bassewi's, die ihre Abstammung nicht nachgewiesen und ebensowenig aufgeklärt haben, wodurch sie dessen Adel verloren haben, und ein für diese Nachkommen tätiger Agent haben wohl durch Inserate in hen drei erwähnten Prager Blättern und durch eine Audienz bei dem Herrn Statthalter versucht, eine solche Untersuchung anzuregen, dieser Versuch ist aber ganz erfolglos geblieben. Ich habe nämlich in der Erwiderung auf die Zeitungsnotiz nachgewiesen, daß der Adelsbrief Baffewi's bis vor 10 bis 15 Jahren nicht in dem Archive der Kultusgemeinde, sondern von dem Vorstande der autonomen großen Hof-Synagoge üufbewahrt worden ist, daß ich ihn erst nach Demolierung der großen Hof-Synagoge in die Verwahrung der Gemeinde übernommen habe und daß derselbe von da ab auf dem jüdischen Rathause unter meinen persönlichen Verschluß sorgfältig aufbewahrt wurde, daß sonach seit dieser Uebernahme nicht die mindeste Veränderung an dem durch die Unbill der Zeit fast unleserlich gewordenen Dokumente vorgenommen worden ist. Ich ersuche alle anständigen Blätter, welche diese Notiz ausgenommen haben, auch diese Berichtigung zu veröffentlichen. Skandalblättern, mögen sie nun antisemitische oder angeblich jüdische sein, will ich das Vergnügen, die Verwaltung einer der bedeutendsten jüdischen Gemeinden zu verleumden, durch Berichtigungen nicht verkümmern. Prag, den 13. Juni 1911. Dr. Arnold R o se n b ach er Präsident der. Prager israel. Kultus gemeinde Der Brldungszensus für galizische Orthodoxe Rabbiner. Wie das Organ der galizifchen Orthodoxen „Machsike Hadäth" zu berichten weiß, hat die österreichische Regierung den Erlaß vom Jahre 1890, wonach die galizischen Rabbiner durch ein Zeugnis die bestandene Reifeprüfung einer Mittelschule nachzuweisen haben, außer Kraft gesetzt. Der neue Bildungszensus wird darin bestehen, daß die galizifchen Rabbinatskandidaten vor einer Prüfungskommission in der Statthalterei eine allgemeine Bildungsprüfung abzulegen haben werden, in welcher das Hauptgewicht darauf zu legen sein wird, daß die Rabbiner einer der drei Landessprachen, polnisch, ruthenisch oder deutsch, mächtig sind. Jüdische Abgeordnete im ungarische» Parlament nnd die Vertretung jüdischer Angelegenheiten durch dieselben. Im ungarischen Parlamente fitzen 15 jüdische Abgeordnete, aber die Juden Ungarns fühlen ihre Tätigkeit nur selten und dann nur zu ihrem Nachteile. So z. B. beeilen sich diese jüdischen Abgeordneten, oder zumindest ein Teil derselben, so oft die Einwanderungsfrage im Parlamente zur Sprache kommt, zu versichern, daß auch sie gegen die Einwanderung galizischer und ruffischer Juden seien, wobei mitunter auch manche Ausdrücke gebraucht werden, die wir sonst nur von unverfälscht antisemitischer Seite gewohnt find. Diese unbegreifliche Haltung der jüdischen Abgeordneten hat nun endlich auch die offiziellen Kreise der ungarischen Judeuschast irritiert und der Generalsekretär der Budapester Kongreßgemeinde, Dr. Julius Weisburg, gibt auch dieser Mißstimmung in der jüngsten Nummer seiner Monatshefte in folgender Weise kräftigen Ausdruck: „Es ist unmöglich, zu verschweigen, daß Schamröte das Gesicht jedes warmfühlenden vaterländischen Juden bedeckt, wenn er bedenkt, daß in keinem einzigen Lande sich die Jndenschaft so sehr erniedrigt hat, um der herrschenden Macht hilfreich die Hand zu bieten, damit sie verfolgten Juden die Türe weise, wie dies die vaterländische Judenheit getan. Auch die französischen Juden find vom Zustrom der russischen und polnischen Juden betroffen und leiden ebenfalls unter dem Vorwurfe, daß ihre eingewanderten Glaubensgenoffen die Ursache vieler Uebelstände seien. Die amerikanischen Juden sehen mit eigenen Augen die Nachteile der riesigen dauernden jüdischen Einwanderung für die bereits dort brfindlichen. Aber alle haben sieso viel Menschlichkeit, Erbarmen, Glaubens- und Stammesliebe, um die Nachteile zu erdulden, sie kämpfen sogar dafür, daß das freie Anfiedlungsrecht keinen Abbruch erleide, damit ihren zugrunde gegangenen Glaubensgenoffen wenigstens die ejne Zuflucht bleibe, sich ein neues Vaterland suchen zu können. Dies gereicht ja auch dem neuen Vaterlande nicht zum Nachteile, und nach Ablauf von 10 oder 20 Jahren werden die Neuangekommenen politisch affimiliert. Nur manche Persönlichkeiten der ungarischen Judenschaft begehen den Verrat gegen ihre Mitmenschen, Glaubensgenoffen und Brüder, indem sie, um mit ihrem Patriotismus zu prahlen, das Geschrei der wütendsten Judenfeinde übertönen, mit welchem sie jeden verfolgten armen Juden von der Grenze zurückscheuchen wollen." Budapest. (Landeskonferenz der „MiSrachi"- Zionisten.) Sonntag den 4. Juni, nachmittags, hielten die Misrachi- Zionisten in Taubers Restauration ihre konstituierende Landeskonferenz ab. in welcher das zionistische „Misrachi".Landes-Organisationsstatut beschloffen und die Leitung gewählt wurde. Im Tätigkeitsbericht erklärte der bisherige Leiter der Organisation als die Ursache des im Vorjahre erfolgten Austrittes der Misrachisten aus der ungarländischen zionistischen Organisation die nicht entsvrechende Vertretung der ungarländischen Misrachi-Zionisten innerhalb der Leiiu lg der ungarischen Zionisten, infolgedessen sie ihre Aufgaben und Pflichten nicht erfüllen konnten. Als Zweck der zionistischen „Misrachi"-Weltsöderation bezeichnet der Vorsitzende die Aufgabe, an der Durchführung des zionistischen Baseler Programms mitzuwirken, jedoch darüber zu wachen, daß bei dieser Durchführung das jüdisch-traditionelle Religionsgesrtz innerhalb der zionistischen Organisation respektiert und nicht verletzt werde. In das Landeskomitee für Ungarnwurden die Herren L. Lebowitsch, B. Weißbraun, B. Schlauger, Professor Dakar und Ph. Mayer gewählt. Von wesentliche-, Beschlüssen erwähnen wir: die Fortsetzung der bereits begonnenen Sammlung eines Koloniqlfonds zur Ansiedelung gesetzrStreuer Kolonisten in Erez Jisroel, die wirksame Unterstützung der gesetzestreuen Tachkemoni-Schule in Jaffa und die Einleitung einer Aktion, um die Häuser in der unmittelbaren Nähe der „Kosel hamaarowi" anzukausin, den Vorplatz vor derselben zu reinigen und zu erweitern, um dem heiligen Platze die ihm entsprechende Reinlichkeit zu geben und die Besucher vor Belästigungen durch die böswillige Umgebung zu schützen. Wahlverschrebung wegen des Sabbath. In Pretzburg hätte vorigen Samstag ejne. Nachwahl für das ungarische Abgeordnetenhaus ftattfinden sollen. Da jedoch in Preßburg ein großer Teil der Reichtstagswähler Juden find, die der strenggläubigen Richtung angehören, wurde der Wahltermin auf deren

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.