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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-06-16 · 24 (16.6.1911) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
24 (16.6.1911)
Date
1911-06-16
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Serie 402 Dr. Mochs WochonWrist Nr. 24 Wunsch und infolge des Einschreitens des Oberrabbiners der Pretzburger orthodoren Gemeinde auf einen Wochentag verschoben. Die galizischen Juden in Ungarn. Der Kampf der ungarischen Chauvinisten gegen die Einwanderung galizischer Juden nach Ungarn hat umso bedauerlichere Formen angenommen, als auch die chauvinistischen Irchen Ungarns, um sich gegen den Vorwurf der Förderung dieser Einwanderung zu schützen, die Antisemiten in ihrer Bekämpfung der galizischen Juden womöglich noch überboten. Es war daher eine gute Tat, die der Schriftsteller Dr. Jlles vollbrachte, als er die ganze Frage einem wissenschaftlichen Studium unterzog und die Ergebnisse seiner Forschungen in einer lehrreichen Broschüre niederlegte. Dr. Jlles weist aus Grund . offizieller Daten nach, d'atz die Behauptung, daß die eingewanderten galizischen Juden zumeist arbeitsscheue Wucherer seien, die das Land überfluten und die Bevölkerung aussaugen, vollständig aus der Luft gegriffen ist. Im Gegenteile: die eingewanderten galizischen Juden sind fast durchwegs arme Menschen, die von ihrer Hände Arbeit leben und Beschäftigungen nachgehen, die man früher bei den ungarischen Juden nie gekannt hat. Die Zahl der eingewanderten „östlichen" Juden beträgt in ganz Ungarn nicht mehr als 5000. Davon sind 33 % Taglöhner, 52% Kutscher, Steinklopser, Tischler und Waldarbeiter, die übrigen sind Feldarbeiter und nur wenige Händler. Der reichste unter den so verpönten eingewanderten Galizianern besitzt nicht mehr als kaum 7000 Kronen Vermögen. Im übrigen bleiben diese Juden nicht lange in dem Orte, in welchem sie sich versuchsweise ansiedeln, da sie dort nicht ihren Lebensunterhalt finden, und wandern bald weiter, nach Amerika. Es ist erwiesen, datz 80% dieser armen, gehetzten Juden kaum die allernötigsten Lebensmittel erschwingen und nur in den allerseltensten Fällen sich eine Fleischspeise gönnen können. Bon der Berliner Universität. Wie die „Berliner Klinische Wochenschrift" mitteilt, wird einer der bedeutendsten deutschen Latyngologen, Geheimrat Professor Bernhard Fränkel, mit dem Ablauf des Sommersemesters seine Tätigkeit an der Berliner Universität aufgeben. Mit Rücksicht auf sein vorgeschrittenes Alter hat Geheimrat.Fränkel um Enthebung von seinem Amte als Leiter der Klinik und Poliklinik für Hals- und Nasenkrankheiten nachgesucht. Der Minister hat das Entlassungsgesuch genehmigt und die Fakultät zu Vorschlägen über die Nachfolge aufgefordert. Auszeichnung eines jüdischen Ministerialrates in Konstantmopel. Dem Ministerialräte im türkischen Kriegsministerium Jsaac Effendi Pessua wurde vom Sultan der Medschidsche-Orden verliehen, dessua, der im Kriegsministerium einen hohen Vertrauensposten bekleidet, steht in militärischen Kreisen Konstantinopels in sehr grobem Ansehen und hat einen großen Anteil an dem sich soeben vollziehenden Militär-Reformwerk im ottomanischen Reiche. Neue Drangsalierung der russische» Jude». Dem Hilfsverein der deutschen Juden ging aus Petersburg folgendes Telegramm zu: „Die Schikanierungen durch die Polizei, denen die Juden in allen Provinzen Rußlands fortdauernd ausgesetzt find, greifen nunmehr auch auf die Hauptstadt Petersburg über. Die Polizei dringt in später Nachtstunde in die Wohnungen angesehener jüdischer Bürger ein und nimmt „Revisionen" vor, ob nicht irgend jemand ohne Wohnrecht sich im Haufe befinde. Diese in Petersburg bisher in solchem Umfange unbekannten Maßregeln rufen unter der jüdischen Bevölkeruug eine starke Unruhe hervor." Eine Auszeichnung des Bürgermeisters Nathan. Aus Rom wird berichtet: Unter denjenigen, die am Verfassungsfest und dem Tag der Einweihung des Nationaldenkmals mit Auszeichnungen bedacht worden sind, befindet sich auch der in diesem Festjahr vielgeplagte Bürgermeister von Rom, Ernesto Nathan. Da man seine Ernennung zum Senator nicht ernstlich ins Auge fassen konnte, well keine der gesetzlich festgelegten Kategorien für die Herrenhausmitgliede): auf ihn anwendbar war, wurde ihm das Grobkreüz dds' Mauritius- und Lazarus- Ordens verliehen, der ehedem als ein Schmuck für gutgläubige römische Katholiken gestiftet worden ist, jetzt aber, nach einem halben Jahrtausend auch auf der Brust eines Freidenkers jüdischer Abstammung glänzt. Bukarest. Dr. Adolf Stern, Präsident der „Vereinigung der eingeborenen Juden", überreichte dem Minister- Präsidenten Ca rp folgende Adresse: „Das neue Reglement für die privaten Kommissions- und Speditionsbureaus bestimmt, daß diejenigen, welche derartige Bureaus eröffnen. Rumänen oder Naturalisierte sein müssen. Diese Maßnahme bedeutet einen neuen Schlag für die eingeborenen Juden, die, entgegen den alten Gebräuchen und Gesetzen des Landes, als einfache Fremde betrachtet und als solche nicht bloß von den bürgerlichen und öffentlichen Rechten, sondern auch von einer Menge.von Beschäftigungen ferngehalten werden. Wir glaubten, daß wir eine Verbesserung des den eingeborenen Inden gegenüber adoptierten Systems erhoffen durften. Wir sehen aber mit Schmerz, daß die Maßregeln, durch welche den Inden die Mittel des Lebensunterhaltes beschränkt werden, fortgesetzt werden. Die unerschütterliche Ueberzeugung der eingeborenen Juden, sowie aller Derjenigen, welche die Judenfrage ohne Parteilichkeit oder Feindschaft studieren, ist, daß die für die eingeborenen Juden geschaffene Lage nicht bloß mit dem Geiste der Gerechtigkeit im Widerspruche steht, sondern auch dem Lande zum Schaden gereicht. Unter dem Vorwände der Nationalisierung des Handels, der In-- dustrie und der Gewerbe hat man begonnen, durch Gesetze und Reglements nach und nach die Juden aus diesen Zweigen der Tätigkeit herauszuziehen, sie, die. zur Hebung der Kultur- und der Volkswirtschaft beigetragen haben und in mächtiger Weise beizutragen vermögen. Die Politik der Ausschließung der eingeborenen Juden — wir scheuen uns nicht, es zu sagen, weil wir es jederzeit beweisen können — ist, unserer Ansicht nach, eine antinationale Politik, weil ihrethalben wirtschaftlich-kulturelle Energien und Intelligenzen, die nichts anderes verlangen, als sich in den Dienst des Landes zu stellen, beseitigt werden. Wir Unterzeichneten Vertreter der „Vereinigung der eingeborenen Juden", die den Zweck hat, die. öffentliche Meinung über die Judenfrage aufzuklären und diese Frage auf den Weg der Lösung im Lande und durch das Land zu bringen, halten es für unsere Pfficht, uns dieser neuen Verletzung der Rechte und Interessen der eingeborenen Juden gegenüber an Sie als den Chef der Regierung zu wenden und Sie zu bitten, unsere Beschwerden zu prüfen und die Maßregeln zu ergreifen, damit das erwähnte Reglement nicht auf die eingeborenen Juden zur Anwendung gelange." Vermischtes. Wien. (Trauung) Sonntag, den 18. Juni 1911 um 1 Uhr mittags findet im israelitischen Tempel I., Seitenstettengafse die Trauung des Fräulein Alice Czeezowiczka, . Tochter des Herrn Salomon Czeezowiczka, mit Herrn Richard Schweiger, Sohn des Herrn Kommerzialrates Max Schweiger, statt. Wien. Das verdienstvolle langjährige Vorstandsmitglied und Gründer des Beth-H amidrasch „M o n t e f i o r e", Herr Jakob Winter, ist in seinem 72. Lebensjahre am 1. Juni l. I. nach kurzem Leiden verschieden. Zur Leichenfeier am 4. Jpni hatten sich eine größere Anzahl Mitglieder und der Gefämtvorstand des Vereines „Montefiore" eingefunden. Der Vereinsrabbiner Herr Moriz Flesch widmete am Grabe dem Verblichenen einen warm empfundenen Nachrüf.- Wien. (D a v i d . G r ä tz er.) .Am 11. Juni wurde Herr. . David Grätzer, Direktor der Aktiengesellschaft für chemische, Industrie in Wien, zu Grabe getragen. Der Verblichene einer vornehmen Familie' in Holleschau entstammend, besaß edlen Charakter Und ein warmes edles Herz fürs Judentum. Durch gewiegte Fachkenntnis, umfassendes kaufmännisches Wissen und überaus rastlosen Fleiß, hat es der vielbetrauerte David Grätzer so weit gebracht. Mit besöndenr Treue zu seiner Heimatsgemeinde hat David Grätzer sofort sich vor zwei Jahren ent- , schloffen, in unseren Mauern den Humanitären Geselligkeitsverein der Holleschauer in Wien mitzubegründen. Einen gediegenen wahrhaft würdigen Nachruf widmeten die Rabbiner -Ehrwürden Dr. A. Abeles

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