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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-06-16 · 24 (16.6.1911) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
24 (16.6.1911)
Date
1911-06-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Serie S96 Dr. Blochs WochMMft Willigkeit überall' Nachahmung finden! In Böhmen allein leben weit über 300 schwachsinnige isr. Kinder und Erwachsene, die sich zumeist in einer trostlosen Lage befinden. Bei der oben erwähnten Generalversammlung wurde insonderheit Herrn Hugo Reiniger, Fabrikanten in Klattau, für seine eifrigen Bemühungen im Interesse des Vereines der Dank ausgesprochen. Bei den hierauf folgenden Wahlen wurden die Herren: Julius Glauber, Unw.-Prof. Dr. Egmont Münzer, kais. Rat Leopold Stadler, wieder-, die Herren Alfred Erben in Pilsen, kais. Rat Karl Gottlieb Fischmann, Alfred Fröhlich, Artur Fuchs, Willi Glaser, Rudolf Haurowitz in Prag, Prof. Dr. Emll Hbffmann in Reichenberg, Präsident der Advokatenkammer Dr. Friedrich Kaufmann in Prag, Advokat Dr. Mar Löbl in Budweis, Advokat Dr. Isidor Petschek, MUDr. Josef Popper in Prag, Hugo Reiniger in Komotau, Dr. Ignaz Ziegler in Karlsbad, Josef Heller, Hugo Lowositz, Julius Pollak, Direktor Adolf Weiner in Prag, A. Stransky in Sadska, neugewählt: als Revisoren die Herren: Dir. Gustav Adler, Sigmund Hahn, Jakob Käuders, Josef Kopperl in Prag. Wir bitten nochmals die grämte Iudenschaft, des Fürsorgevereines für isr. Schwachsinnige in Prag bei jeder Gelegenheit zu gedenken. B a u m (Klattau). Zur Gründung des Oesterreich isch-Jsraelitischen Religionslehrerbundes. (Eine Anregun g.) Mit den Bestrebungen zur Verbesserung des Religionsunterrichtes mutz zweifellos die Hebung des Lehrerstandes Hand in Hand gehen, wenn in dieser Sache überhaupt Ersprießliches erreicht werden soll. Das wird von der Geschichte der allgemeinen Erziehung reichlich bestätigt. Von dieser unabweisbaren Erkenntnis ging wohl auch Herr Rabbiner Dr. Feuchtwaug aus, indem er von der Rettung des Idealismus sprach, welchen die Behandlung, die dem Lehrer oft zuteil wird, leicht zu trüben vermag. (Siehe diese Wochenschrift Jahrgang XXVIII, Nr. 22, S. 367). Wenn irgend ein Lehrer, so ist es gewiß der junge ifrael. Religionslehrer, der mit Begeisterung und freudiger Hingabe feinen Beruf erfaßt hat. Eine kurze Amtspraxis genügt jedoch schon, diesen leichtbeschwingten Jkarusflug zu unterbinden und an seine Stelle Enttäuschung und Depression in sein Gemüt zu senken, wodurch jeder Betätigungserfolg im voraus in Frage gestellt wird. Die gesellschaftliche Stellung, die materielle Entlohnung, die Haltung der Mitglieder der Gemeindevorstände und der gegen den Religionsunterricht indifferenten Eltern, die völlig fehlende Fürsorge für fein höheres Atter oder die Erkrankung und Invalidität sind ständige Posten im Sorgenbuche des israel. Religionslehrers. Gegenwärtige Zeilen haben daher den Zweck, auf eine alte Lehre hiuzuweisen, die schon bei der Ausarbeitung der Statuten beherzigt zu werden verdient. Die drei welterhaltenden Dinge Simons des Gichten: der israel. Religionslehrer verbreitet die Thora, seine Berufsarbeit ist zumeist eine schwere Aboda und er ist dabei so ziemlich auf die Wohltätigkeit angewiesen. Die kläglichen Gehälter werden von den Gemeindevorstäaden, wenigstens in den Provinzgemeinden, fast als Almosen betrachtet. Doch wäre das noch der Uebel größtes nicht. Wenn der Religionslehrer nach vieljähriger Dienstzeit das Zeitliche segnet und das Unglück hat, eine Witwe mit Kindern zu hinterlaffen, so ist diese verwaiste Familie der größten Not preisgegeben. Mir ist eine namhafte, wohlsituierte Kullusgemeinde bekannt, die statutengemäß der Witwe im besten Falle eine Jahrespension von 600 K. gewährt, auch wenn der Gatte nach vierzigjähriger Dienstzeit mit dem Tode abgegangeu ist. Wie viele Gemeinden tun nicht einmal das! Diese Gleichgiltigkeit zeigt sich, ganz besonders, wenn der Verewigte Religionslehrer war. Ueberdies sind viele Religionslehrer nicht definitiv angestellt, so daß sich die Kultusgemeinden jeder Fürsorge enthoben glauben. Hier und in ähnlichen Fällen könnte der »Bund" durch eine zu kreierende R e ch t s s ch u tz st e 11 e und Gründung einer »Hilfskaffe für R eligionslehrer und deren Witwen und Waisen" ein gutes nützliches Werk schaffen. Dem Bunde selbst wäre übrigens durch diese Schöpfung neben anderen Vorteilen materiell gedient, da alle Lehrer mit Rücksicht auf diese Institution sich dem »Bunde" als Mitglieder anschließen und gern auch in ihren Gemeinden beitragende Mitglieder für die Hilfskaffe werben würden. Denn die HilOkasse als besondere Sektion des Bundes könnte so beschaffen fern, daß auch Nichtlehrer ihr angehören und bei gewisser numerischer Stärke eine beratende Stimme ihnen zugestauden werde. (Daß die Rabbinerverbände ein Gleiches tun könnten, weil es den Landrabbinern ja auch nicht viel anders geht, sei nur nebenbei bemerkt.) ' Dr. R. F. in W. Nr. 24 Die Wirkung des russischen Ansiedlungsrayons auf die Juden. Die. Führer der Wilnaer Iudenschaft sandten an sämtliche Mitglieder der Duma und des Senats ein Memorandum, in welchem auf Grund statistischen Materials. die Wirkung der Abgrenzung des jüdischen Ansiedlungsgebietes auf die Juden mit besonderer Berücksichtigung der Verhältnisse im Wilnaer Gouvernement dargelegt wird. Das Memorandum weist zunächst darauf hin, daß die Begrenzungen gegen die Juden nur aus religiösen Motiven geschaffen werden konnten, da doch Juden, hie sich taufen liehen, sofort alle Rechte erlangten. Interessant sind die statistischen Ziffern über die schreckliche Armut der Juden in diesem Gouvernement. Laut dem Ergebnisse der Volkszählung vom Jahre 1897 gab es damals im Kiewer Gouvernement 204,673 jüdische Seelen, von denen 83,6% in den größeren und kleineren Städten lebten. Seit jener Zeit ist der Perzentsatz der Juden in den Städten auf 90°/o gestiegen. 98% sämtlicher Juden haben keinen realen Besitz, sondern leben vom Handel, von Vermittlung, Kleingewerbe oder haben überhaupt keinen bestimmten Beruf. Da der weitaus größte Teil dieser Juden in Kiew selbst wohnt, so ergibt es sich, daß es im Iudenviertel von Kiew kaum ein Saus gibt, in dem nicht zumindest zwei jüdische Kramläden bestünden. Das Grundkapital dieser kleinen Geschäfte variiert zwischen 100—1000 Rubel. Da es verhältnismäßig mehr Geschäfte als kaufkräftige Kunden gibt, ist die Konkurrenz eine unnatürliche. Dazu kommt noch, daß die Handelszeit der jüdischen Krämer eine kleinere ist, als diejenige der Nichtjuden, da sie um 66 Tage im Jahre länger ihre Geschäfte geschlossen halten, als ihre christlichen Konkurrenten. Dies hat nun zur Folge, daß der jüdische Krämer spottbillig verkaufen muß, um überhaupt eine Einnahme zu erzielen: er verdient kaum 4% und das reicht naturgemäß nicht hin, bei den teuren Lebensbedingungen seinen Unterhalt zu decken. Daher kommen die vielen Bankerotte, die wieder auf die Fabriken und Banken ihre Rückwirkung nicht verfehlen. Von der gesamten jüdischen Bevölkerung des Gouvernements leben im ganzen 31,545, d. h. rund 20% vom Gewerbe. Laut der offiziellen Statistik beträgt der Durchschnittsverdienst eines Handwerkers jährlich 240 bis 300 Rubel. Der Arbeitslohn der Frauen, die in Fabriken /arbeiten, ist noch niedriger. In den Strumpffabriken, in denen die Frauen zumeist beschäftigt sind, macht der Wochenlohn durchschnittlich nicht mehr als 1 Rubel 40 Kopeken aus. Von Ersparnissen kann unter solchen Umständen natürlich nicht die Rede sein. Jeder Zufall, unvorhergesehene Krankheit, Arbeitsverlust, Einschränkung der Arbeitszeit in den Fabriken usw. hat den Hunger der Familie zur Folge. Gegen solche Zufälle ist selbstredend auch der christliche Handwerker nicht gefeit. Ihm bleibt aber eben jener -Ausweg offen, der dem Juden versperrt ist. Er kann eben in eine andere Gegend übersiedeln, wo die Arbeitsmöglichkeit eine günstigere ist. Das ^Memorandum kommt nun zu folgendem Schlüsse: Von diesen Katastrophen bleiben den Juden nur drei' ehrliche Wege offen: 1. Inanspruchnahme der öffentlichen Wohltätigkeit. 2. Das Streben nach einem Diplom von einer Hochschule, um auf diese Weise sein Wohnrecht zu erweitern und 3. die Auswanderung. An Unterstützungen verteilen die jüdischen Wöhllätigkeitsanftalten in Wilna jährlich rund 300.000 Rubel. Das ist jedoch nur ein geringer Teil von dem, was die jüdische Gesellschaft von Wilna jährlich für Wohltätigkeitszwecke ausgibt. Außerordentlich und fast unnatürlich groß ist die Jagd nach Bildung. In Wilna wurden

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