Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 24 (16.6.1911)
- Date
- 1911-06-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr 24 Dr. Bkochs Wochmfchrist Seite 395 Wohlfahrtsanstalten und unserer der Förderung von Kunst und Kultur dienenden Institutionen hätte entstehen oder erhalten werden können, ohne die Unterstützung der Juden. Ich bin stolz auf die Tatsache, daß die Juden in Amerika eine Freiheit und Gleichberechtigung genießen, wie dies nur in sehr wenigen anderen Ländern der Fall ist. Damit will ich aber keineswegs behaupten, daß wir hier keine sozialen Vorurteile haben. Ich will damit nicht behaupten, daß es hier nicht auch gesellige Klubs und andere Plätze gibt, in denen Menschen mit kleinen Köpfen glauben, daß sie dadurch sehr große Männer geworden sind, wenn sie die Juden aus ihren Kreisen ausschließen Ist das nun auch ärgerlich und aufreizend, so ist es immerhin nicht das Schlimmste, das einem passieren kann. So etwas ist übrigens auch meinen christlichen Freunden passiert, die von Menschen aus Klubs ausgeschlossen wurden, die nicht einmal würdig sind, die Schuhriemen der Ausgeschlossenen gu lösen. Es sind das Menschen, die außer in ihren Klubs sonst nirgends Einfluß haben oder Ansehen genießen. Ich gebe, wie gesagt, zu. daß so etwas ärgerlich ist, aber ein ganzer Mann ist der, der von Selbstachtung erfüllt ist, und weiß er einmal, daß sein Beleidiger nicht würdig ist, Seinesgleichen zu sein, so wird er stets höher stehen, als sein Kritiker und Beleidiger." Hierauf hielt Dr. Madison Peters einen Vortrag üher Chaim Salomon, von dem er nachwies, daß er für die Befreiung Amerikas in der kritischesten Zeit 650.000 Dollar aus Eigenem spendete und daß weder er selbst, noch seine Erben und Nachkommen diese Summe jemals zurückerstattet erhielten. Bernhard Shaw über die Juden. In einem Aufsatze über Henri Bernsteins Drama „Apres moi" äußerte sich Bernhard Shaw auch über die Iudensrage im allgemeinen. Er schreibt hierüber: „Ich habe es niemals begreifen können, was unter der sogenannten Judenfrage verstanden werden soll. Ich bin der Meinung, daß die Judenfrage überall eine Folge der Fähigkeit und Ehrlichkeit der Juden -ist. Macht ein Jude mit irgend jemandem ein Geschäft, so tut er es ln der Absicht, das Abkommen einzuhalten, und verlangt auch, daß sein Gegenpart das Abkommen gleichfalls einhalte. Der Engländer ist, wenn er in Geldnot gerät, bereit, jeden Pakt zu unterschreiben, denkt aber nicht immer daran, denselben auch einzuhalten. In England gibt es natürlich keinen direkten Haß gegen die Juden, aber dort, wo ein solcher sich bemerkbar macht, so hat er in der Regel die oben bezeichnete Ursache. Meiner Meinung nach, hat Shakespeare sein Drama „Der Kaufmann von Venedig" auf diesem Gedanken aufgebaut. Shylock hat mit Antonio ein Geschäft abgeschlossen, und hat alle Vertragsbedingungen und sein gegebenes Wort eingehalten. Er stellte daher die gerechte Forderung, daß auch Antonio sein Wort halte. Antonio, der aber ein sentimentaler Engländer war, war bereit, alles zu unterschreiben, um nur das Geld von dem Juden herauszubekommen, ohne auch nur einen Moment daran zu denken, das Geld jemals zurück zu erstatten/ Als aber der Jude fordert, daß Antonio das einhalte, was er unterschrieben, macht sich der Pöbel über ihn lustig und gerät dann in Wut. Das geschieht eben überall. Das Vorurteil gegen Juden ist noch tief eingewurzelt, weil die Volksmassen sich nicht der Mühe unterziehen, dieses Vorurteil zu analysieren und darüber nachzudenken. Ich glaube, daß Maculai Recht hatte, als er sagte, daß. wenn jemand gegen einen Menschen mit 'gelben Haaren irgend eine Verleumdung oder ein Vorurteil ausstreuen würde, diese genau so verfolgt und gehetzt würden, wie es mit den Juden der Fall ist. Die Pogroms auf Juden in Rußland sind nach demselben Muster gemacht worden, wie die Verfolgungen der Armenier und anderer Rassen und sind demnach auch genau so einzuschätzen. Heiteres aus ernster Aeit. Ein „stiller Beobachter der Weltdummheiten" stellt dem „Montags-Journal" folgende Lesefrüchte zur Verfügickg: 1. Schaßsteinlegung des Elisabethheims. Anwesend ein Erzherzog, einige Minister, der Jud, der'» Geld hergibt^ Der Erzherzog fahrt den Hammerschlag, der Dompralat weiht ein, der jüdische Schwiegervater aus Rumänien, der das Geld sauer verdient hat, dreht sich im Grab um. Und nun hat Wien um eine Sehenswürdigkeit mehr: Eine katholisch: Kapelle, die ein Jud mit seinem Geld erbaut hat. Vielleicht wird er sich nach Anlangen des mitbezahlten Adels auch darin taufen lassen. .... Der Kaiser hat dem Stifter des Kaiserin Elisabeth-Heims, Konsul Felix Stiaßny, den Adelsstand mit dem Prädikate „Edler i-on" und dem Präsidenten des Heims, Truchseß, Oberfinanzrat Haus t>. Lakenbacher den Orden der Eisernen Krone dritter Klaffe verliehen. Eine Anstatt für israelitische schwachsinnige Kinder. Vor mehreren Jahren haben wir .in Ihrem geschätzten Blatte die Wichtigkeit der Gründung einer Anstalt für israelitische Idioten in einem längeren Artikel erörtert. Es freut uns ungemein, daß unsere damaligen Erörterungen endlich auf fruchtbaren Boden gefallen sind. In Prag hat sich ein Verein zur Errichtung und Erhaltung einer Pflege- und Erziehungsanstalt für schwachsinnige israelitische Kinder und Idioten gebildet, der laut Beschlusses der am 28. Mai d. I. abgehaltenen Generalversammlung von nun an Fürsorgeverein für isr. Schwachsinnige heißen wird. Dieser Verein erläßt folgendes Zirkular: Euer Wohlgeboren! lieber Anregung der Landesjudenschaft wurde hier der „Verein zur Errichtung und Erhaltung einer Pflege- und Erziehungsanstalt für schwachsinnige israelitische Kinder und Idioten" ins Leben gerufen. Trotz der vielen schon bestehenden humanitären Institutionen ist nämlich die Fürsorge für die Idioten, diese Aermsten der Armen, durchwegs mangelhaft, und es ist eine hervorragende Pflicht der Humanität, für diese bedauernswerten Geschöpfe, welche für ihre Angehörigen eine Q ielle steter Aufregung und dauernden Leides bilde,', eine Heimstätte zu schaffen. Durch die Gründung einer solchen Anstalt soll also einem überaus fühlbaren Mangel abgeholfen werden. Die Jdiojen bedürfen der wohlwollendsten Fürsorge und sachverständigen ärztlichen Pflege, und deshalb ist unser nächstes Ziel die Errichtung einer Pflege- und Erziehungsanstalt für sie. Wir sind auf die Unterstützung unserer Glaubensgenoffen angewiesen, wenn wir dieses Ziel erreichen wollen. An Sie, sehr .geehrter Herr, stellen wir nun die große Bitte, unserem Vereine als Mitglied berzutreteu und Ihre bewährte Kraft dieser eminent humanen Sache zu widmen, indem Sie uns durch Anwerbung von Mitgliedern sowohl als auch durch Zuweisung von Spenden rc. in unserer Tätigkeit unterstützen. Wir ersuchen Sie, nichts unversucht zu laffen, dieser edlen Sache zu dienen. Die Mitgliedsbeiträze sind: für ordentliche Mitglieder von 6 Kr. aufwärts, für Gönner 200 Kr. Der Gründerbeitrag beträgt yOOO Kr., der Strfterbeitrag 20.000 Kr. Indem wir Ihnen für Ihre werktätige Mithilfe im vorhinein unserem herzlichsten Dank aussprechen, zeichnen wir mit vorzüglichster Hochachtung für den Verein zur Errichtung und Erhaltung einer Pflege- und Erziehungsanstalt für schwachsinnige israelitische Kinder und Idioten: Advokat Dr. Guft. Scheider» Advokat Dr. Heinr. Rofenbaum, dzt. Schriftführer. dzt. Präsident. Ein solches Zirkular erhielt beispielsweise auch Herr Heinrich Singer, Lederfabrikant in Klattau. Er warb sofort unter den Kultusgemeindeangehörigen Klattaus Mitglieder und konnte binnen 24 Stunden den Betrag von 100 Kronen dem Fürsorgeverein für Schwachsinnige nach Prag senden. Möge dieses Beispiel von Opfer-