Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-06-16 · 24 (16.6.1911) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
24 (16.6.1911)
Date
1911-06-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3020846-3021927-3021952--20275-3045305
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 394 Nr. 24 Dr. Vlochs Wochenschrift sympathisch ist oder nicht — wir müssen für ihn freudig stimmen, um endlich auch für die Stadt Wien das Werk der Erlösung zu vollenden. Wir Juden haben ja allen Grund, uns über die grrße Leuderuug in der Politik zu freuen. Endlich wurden die Verleumder unserer ehrlichen und fleißigen Arbeit, unserer Staatstreue, unserer guten Sitten von der rächenden' Nemesis ereilt. Darüber wollen, wir vorderhand auch vergessen, daß in manchen jüdischen Wahlkreisen wertlose jüdische Eigenbrödler Verwirrung und die antisemitische Gefahr heraufbeschworen haben, Diese Rechnung kommt erst später. Wir müssen vor allem und in erster Linie daran gehen, praktisch und theoretisch Systeme aufzustellen, um Genugtuung für Schimpf und Schaden zu bekommen, welche uns aus der christlichsozialen Herrschaft entstanden sind. Der unschuldige Hilsner muß seinen Kerker verlassen, die Behörden müssen sich wieder daran gewöhnen, die Gesetze nach den Bestimmungen der Staatsgrundgesetze zu handhaben. Das wird Alles möglich sein nach dieser großen Ueberraschung, zu welcher die „Oesterreichische Wochenschrift" in ihren Grenzen beigetragen hat. Als sich schon Alles und auch die. Wiener Presse mit der unerschütterlich scheinenden christlichsozialen Herrschaft abgesunden hatte, war sie es, welche oft allein zum Kampfe rief und diesen führte, bis sie Genossen weckte. Wenn der große Erfolg verdorben werden sollte, so könnte das nur durch einen alten Fehler der Ju^en geschehen. Wir müsien streng vermeiden, wieder in den liberalen Dusel zu verfallen, sondern uns so einig als möglich gegen den noch immer starken, nationalen Antisemitismus wappnen. Auch der Masseuanschluß an eine bestimmte Partei, die lächerliche Assimilation kann wieder nur die Reaktion der Abschütteluug Hervorrufen. Wir haben in einer harte», christlichsozialen Schule gelernt und wollen das nützen. Als eine nicht mehr angefeiudete, aber durch Einigkeit starke Gruppe wollen wir auf unserem Rechte stehen, unsere eigene Entwicklung durchmachen, Mitarbeiten und uns wehren wie alle anderen Völker in dem Staate, in dem nun die Götzendämmerung auch uns den Tag gebracht hat. Beratung findet der k. k. Landesschulrat Nachstehendes anzuordnen: ' 1. Der k. k. Bezirksschulrat hat bezüglich jeder, von israelitischen Schulkindern besuchten Volks- und Bürgerschule des dortigen Verwaltungsgebietes bis Ende Juni 1911 zu berichten, ob, eventuell in welcher Weise für den Religionsunterricht dieser Kinder vorgesorgt ist. Im bejahen len Falle ist der h* o. Erlass, -• Mit -welchem der betreffende israelitische Religionsunterricht zuletzt geregelt wurde, anzuführen und im verneinenden Falle zu ' berichten, aus welchen Gründen eine Regelung des erwähnten •'Unterrichtes Unterblieb. 2. Sollte der in Rede stehende Unterricht trotz des Vorhandenseins jüdischer Schulkinder an einer Volks- und Bürgerschule gegenwärtig nicht eingeführt, beziehungsweise die h. o. Genehmigung zur Einführung oder Neuregelung dieses Unterrichtes bisher nicht eingeholt worden sein, so ist-in jedem einzelnen'Falle ein im Sinne des h. o. Zirkularerlasses vom 6.“Juli 1908, Z. 32.053 (V. Bl. f. V. S. 36) instruierter Antrag derart zeitgeiecht anherzustellen, dass mit der Unterrichts er teilung bereits mit dem 15. September 1911 begonnen werden könnte. Hiebei wird bemerkt, dass sich in jenen Kultusgemeinden, welche eine kleine Schülerzahl besitzen und sich entfernt von den anderen grösseren Kultusgemeinden befinden, die Bildung von Stationen, also Zentren, empfehlen würde, wo die einzelnen Kinder aus den benachbarten Gemeinden Unterricht' erhalten könnten. 3. Falls die Erteilung des israelitischen Religionsunterrichtes aus dem Grunde unmöglich sein sollte, dass seitens einer Kultusgemeinde ein Religionslehrer nicht bestellt würde, hat sich der k. k. Bezirksschulrat an die zuständige k. k. Bezirkshauptmannschaft unter Hinweis auf den Statthalterei-Zirkularerlass vom 7. Mai 1909, Zahl 20.671, um Abhilfe zu wenden und hierüber gleichzeitig anher zu berichten. Derartige Fälle sind dortseits in Evidenz zu behalten und eventuell in angemessener Frist bei der politischen Behörde in Erinnerung zu bringen. 4. Seitens der Schulleitungen sind zu Beginn des Schuljahres 1911—1912 auf Grund der Schülereinschreibungen Verzeichnisse über die die Schule besuchenden israelitischen Kinder dem k. k. Bezirksschulräte zu übermitteln. Sollte auf Grund der hienach sichergestellten Kinderzahl die Voraussetzung für die Einführung, beziehungsweise Neuregelung des israelitischen Religionsunterrichtes gegeben sein, so sind die bezüglichen, im Sinne dis oben bezogenen h. o. Zirkularerlasses gehörig instruierten Anträge ehebaldigst anher vorzulegen. 5. Nach Einführung des israelitischen Religionsunterrichtes an allen Schulen ist in Hinkunft dafür Sorge zu tragen, dass jüdische Schüler ohne Religionsnote kein Zeugnis erhalten und nicht in die höheren Klassen aufsteigen können. Für den k. k. Statthalter: Der k. k. Vizepräsident: Dr, Karl To bisch m. p. Dom Jahrmarkt des Lebens. Regelung des israelitischen Religionsunterrichtes. Ueber Antrag des Mitgliedes des Landesschulrates Herrn Dr. L. Beudiener hat eine Enquete stattgefunden, worüber nunmehr folgender Erlaß des Landesschulrates erflossen ist: K. k. Landesschulrat für Böhmen. 124 Zahl: 2-B -g- Mai 1911. Prag, am 9. Juni 1911 Betreff: Israelitischer Religionsunterricht. * Regelung. K. k. Bezirksschulrat! Nach einer dem k. k. Landesschulrate zugekommenen Mitteilung bestehen in Böhmen mehr als 50 (deutsche uud böhmische) israelitische Kultusgemeinden, die seit Jahren keinen Religionslehrer besitzen, vielfach sogar seit ihrem Bestände überhaupt noch keinen Religionslehrer angestellt haben Infolge dessen kommt es vor, dass an vielen öffentlichen Volksschulen Böhmens kein israelitischer Religionsunterricht erteilt wird, die israelitischen Kinder dieser Schulen daher in den Zeugnissen keine Note aus der Religion erhalten und trotzdem in die höheren Volksschul- und Bürgerschulklassen aufsteigen. Um diesen mit den Bestimmungen des Reichsvolksschulgesetzes, wonach der Unterricht in der Religion ein obligater Lehr- •gegenstand ist, in Widerspruch stehenden Uebelständen abzuhelfen, wurde beim k. k. Landesschulrate unter Zuziehung der interessierten Kreise am 12. Mai 1. J. eine Beratung über die einzurieitenden Schritte betreffs jener Gemeinden gepflogen, in weichender jüdische Religionsunterricht nicht erteilt wird. Auf Grund dieser Eine Rede des Präsidenten Tast in einer Synagoge. Vorige Woche fand in einer der größten Newyorker Synagogen eine Festlichkeit statt, mit welcher die Sammlungsaktion zu gunsten eines Monümentes, das dem großen amerikanischen Patrioten Chaim Salomo» gestellt wurde, eingeleilet wurde. Chaim Salomon hat bekanntlich zur Zeit der Revolution fast sein ganzes Vermögen in selbstlosester Weise der republikanischen Regierung zur Verfügung gestellt, die damals, aller Mittel entblößt, ohne diese Hilfsmittel sicherlich ihre Sache hätte aufgeben müssen. Zu dieser Festlichkeit ist auch Präsident Taft erschienen und hielt eine Rede an die Versammelten, in welcher er u. a. ausführte: „Ich bin nicht nur deshalb hieher gekommen, um eine allgemeine Rede zu halten, sondern um die Bewegung zu unterstützen, welche die Errichtung eines Denkmals für einen Juden anstrebt, der die republikanische Sache in unserem Lande gestützt und gefördert hat. Denn der Mann mit dem Schwert und den Epauletten, der General auf dem Schlachtfelde, ist nicht der einzige Patriot, dem ein Land zu Danke verpflichtet ist. Zum Kriege ist auch Geld notwendig, und Chaim Salomon hat aus eigener Tasche große Summen Geldes zur Verfügung gestellt, das den Begründern der amerikanischen Republik damals wie eine Erlösung aus größter Not und Verlegenheit zu statten kam. Jeder Bürger, der in diesem freien Amerika lebt, weiß es ganz genau, daß keine einzige unserer großen i

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.