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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-06-16 · 24 (16.6.1911) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
24 (16.6.1911)
Date
1911-06-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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f Nr. 24 Dr. Bloch’s Jahrgang XXVIII i Zentralorgan für die gesamten Interessen des Judentums. =Do r Ä. k. Pvstfx«k«ff*narnk Sleartng-Verkebr «r. sro.sis. RedaMon und Administration: Wir« TS.li, Hahngaffe Nr. 15. Telefon Nr. 14.847. <1 QO ■ -Qn -□_ _ID-— Wien, 16. Juni 1911 L es cd eint jeden Lr eitag. Brief-Adresse: Wie», IX/i, Hahngaffe 15. Telegramm-Adresse: Bloch'S Wochenschrift, Wien. QCr ■ . ■■ —njO p Vrxugsprrks Mr Drstrrrrirh: Halbjährig 8 Kronen; Einzelexemplare 50 Heller. Für'» Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 4malgespaltene Petttzetle 24 Heller. C nft ■ ■ —-Do ö #v;: z: I; +:? f *. Inhalt: Leitartikel: Götzendämmerung. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Regelung des israelitischen Religionsunterrichtes. Eine Rede des Präsidenten Taft in einer Synagoge. Bernhard Shaw über die Juden. Heiteres aus ernster Zeit. Eine Anstalt für israelitische schwachsinnige Kinder. Zur Gründung des Oesterreichisch-Jsraelitischen Religionslehrerbundes. Die Wirkung des rufftschen Anstedlungsrayons auf die Juden. Verbot christlicher Namen für Juden in Rußland. — Juden als Mitglieder des Parlaments in der Provence. — Korrespondenzen: Aus der Wiener israelitischen Kultusgemeinde. Eine große Stiftung für die Wiener Israelitische Allianz. Prag. Fünfzigjähriges Doktorjubiläum Hermann Telekys. Der Bildungszensus für galizische Orthodoxe Rabbiner. Jüdische Abgeordnete im ungarischen Parlament und die Vertretung jüdischer Angelegenheiten durch dieselben. Budapest. Wahlverschiebung wegen des Sabbath. Die galizischen Juden in Ungarn. Von der Berliner Universität. Auszeichnung eines jüdischen Ministerialrates in Konstantinopel. Neue Drangsalierung der russischen Juden. Eine Auszeichnung des Bürgermeisters Nathan. Bukarest. — Vermischtes. — Feuilleton: „Rabbi Ezechiel Landau". — Literatur. — Briefkasten. — Notiz. — Inserate. GKtzendiinimrrnng. Da liegt nun die Hydra, welche den Staat so lauge umschlungen hielt und alles geistige und materielle Leben zu ersticken suchte.. Den Häuptern, die man ihr abgeschlagen hat, werden sicherlich keine mehr nachwachsen. Es ist nur notwendig, daß dem ersten Streich ein vehementer zweiter folge, daß alle Freunde des Fortschrittes ohne Zagen und Ermüdung auch bei den Stichwahlen alle Kräfte zusammenraffen und dem ersten befreienden Atemzug der Bevölkerung wird bald die dauernde Gesundung folgen. So sind denn die Gaukler doch endlich von der schwindelnden Höhe heruntergestürzt, welche sie erklommen haben. Man konnte gar nicht begreifen, wie sie hinauf gekommen sind. In aller Erinnerung steht noch lebhaft, wie ein Trupp verdächtiger und anrüchiger Subjekte von Wirtshaus zu Wirtshaus zog, die wildesten Leidenschaften des Mobs aufstachelte, das Blaue vom Himmel herunterlog und versprach, das Pöbeltum in die Politik hineinbrachte und aus dieser alle anständigen Elemente verjagte, mit Ochsenknechten die Versammlungen sprengte, die Behörden des Staates sich unterjochte und schließlich in Rathaus und Parlament eine wilde Gewaltherrschaft installierte. Man konnte, gar nicht begreifen, wie diese lumpigen Subjekte auf ihrem Sockel aus Lüge und Verleumdung, aus Ritualmord und Menschenhetze, aus Gesinnungslosigkeit und schwatzhafter Flunkerei so hoch gekommen waren; daß man sie mit Ehren und Würden überschüttete, daß sie schließlich in trauriger Wahrheit sagen konnten „ich bin der Staat". Welcher Minister hat dem politischen Gesindel vor wenigen Tagen noch zu widersprechen gewagt, welcher Statthalter hat ihm nicht gehorsam salutiert? Aber im Hintergründe wartete das brave, arbeitssame, geduldige und irregeführte Volk. Wartete auf die versprochene Rettung von unerhörter Teuerung und Besteuerung, von Wohnungsnot und allem Elend. Wenn erst der Jude erschlagen wäre, so würde alles kommen. Der Jude war tot, aber die Steuern und Preise und Zinse wuchsen und wuchsen ins unendliche weiter. Das Volk erkannte und schaute und dabei gingen ihm die Augen auf. Es erschaute die Apostel des Antisemitismus als fanatische Propheten des Gottes Nimm und daß sie alles doppelt und dreifach selbst begingen, was sie über die Juden logen. Daß sie nur darauf bedacht waren, die Bevölkerung zu betrügen und auszubeuten, sich selbst aber schamlos zu bereichern, jedes bezahlte Amt an sich rissen, ihre Familien bis ins zehnte Glied versorgten, wie die ärgsten Diebe stahlen, mit vollen Händen schmutzige Provisionen trugen und in fabelhaft kurzer Zeit Millionäre wurden, während in fabelhaft kurzer Zeit das Asyl der Obdachlosen, das Versorgungshaus und die Spitäler zu enge wurden, ärmere Familien hungern mußten, die Kartelle und Zünftler nach Belieben wuchern konnten. Was Hraba in seiner berühmten Rede, dem Aufschrei gegen eine Diebsbande, ausgesprochen hat, das war schon lange Gefühl und Gedanke in den breiten Massen. Schon seit einiger Zeit hörte man ein dumpfes, feindseliges Grollen gegen die herrschenden Götzen. Obwohl nun diese alle ihre alten Künste wiederum spielen ließen, maßlos wurden in ihren Versprechungen und Hetzen, versagte diesmal die große Beschwörungsformel. Das Gewitter gegen sie brach doch mit aller Macht los und fegte sie weg.. Es hat gar nichts zu sagen, daß die verführten und langsamen Bauern die schmutzige christlichsoziale Fahne noch immer mit beiden Hänven festhalten, daß der Mißmut über den ewigen nationalen Streit in Böhmen dort einen Zuwachs an Stimmen brachte. Wie ein Gebäude, dessen Fundament einsinkt, erst nur Teile verliert, dann aber vollständig znsammenfällt und zur Ruine wird, so auch die gewesene christlichsoziale Partei. Vor allem gilt es zunächst, daß jeder jüdische Wähler am Tage der Stichwahl voll und ganz seine Pflicht tue. Angesichts der neuen Situation und der von der Regierung zu Gunsten der antisemitischen Schädlinge eingeleiteten Hilfsaktion möchten wir allen jüdischen Wählern dringend ans Herz legen, Empfindlichkeiten jeglicher Art beiseite z« lasten, nur das eine Ziel im Auge zu behalten, die christlichsozialen Häuptlinge aus der Volksvertretung verschwinden zu wachen. Wer immer als Kandidat ihnen in der Stichwahl gegenübersteht, gleichviel ob derselbe uns i

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