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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-06-09 · 23 (9.6.1911) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
23 (9.6.1911)
Date
1911-06-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
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dererwecker I. S. Bachs? Oder, daß ein solcher das Beethovensche Violinkonzert stilvoller, das ist im Geiste Beethovens, spielt als Josef Joachim; oder der deutscheste Arier das G-dur-Konzert besser, größer, echter als etwa Anton Rubinstein oder Karl Taussig? Und hat nicht R. Wagner für sich selbst den stärksten Gegenbeweis erbracht, indem er unter den Hunderten tüchtigen arischen Kapellmeistern Deutschlands für seinen ^Parsifal" keinen besseren fand als gerade — Hermann Lewy?! Und als verständnisvollsten (!) literarischen Interpreten seiner Werke (für den König von Bayern) Heinrich Borges, den er eigens hiezu nach München berief. Und die wundervollen Aufführungen der „Iphigenie", „Figaros Hochzeit" und „Tristan" unter Gustav Mahler. O, herrliche Logik! O, Gerechtigkeit! Allediese hätten den deutschen Geist nicht verstanden. Das 'spricht so einer dem anderen gedankenlos nach." JnaugllraÜonsrede eines jüdischen Generalprokurators. Wir berichteten jüngst über die erfolgte Ernennung des Senators Lüdovico Mostara zum Generalprokurator am Kassationshofe zu Rom. Anläßlich seiner Installierung hielt?'der Genetalp^okurator eine beachtenswerte Rede, in welcher er auch auf seine Zugehörigkeit zum Judentume bezug nahm. Er sagte u. a.: : „Ich weiß wohl, daß ich Nichts bin, aber ich wäre ohne das Wunder des nationalen Erwachens noch weniger Äs NWs. Hieraus allein schöpfte ich einen Gedanken, der meinen Geist stärkt. Ich bin der Meinung, däßMeitte Erhebung zu dieser hohen Stelle nicht ohne Bedeutüng ist in -dem Auferstehungsfeste Italiens. Denn Äs Äh, fast am Vorabend unserer nationalen Geburt, gehören, würde, war die Erde noch rot von dem heiligen Blüte der Märtyrer von Belfiore und an meiner Wiege war für die Feen, die mir eine glänzende ^Ärgerliche Zukunft hatten verkünden können, kein Platz, denn sie war noch von den Schatten der Unduldsamkeit und der Bannflüche umgeben. Würde damals jemand prophezeit haben, daß ich einstens die hohe Stelle eines Generalprökurators am Kassationshofe in Rom einnehmen werde, der wäre nicht als Prophet, sondern als ein Schwärmer angesehen worden, der von krankhaften Halluzinationen befallen ist. ..." Ein interessantes Historisches Dokument aus der Geschichte Spaniens. In der spanischen Stadt Sevilla fand in der dortigen Synagoge seit undenklicher Zeit die erste öffentliche Bar-Mizwah-Feitzr statt. An der Feier haben außer den Juden der Stadt auch d^r Bürgermeister und der gewesene Minister Borbola teilgenomwen. Fast zur selben Zeit erschien in einem großen spanischen Platte ein aufsehenerregender Artikel, in welcheitt äüf die triste finckUzielle Lage des Landes hl'ngewiefen und als Lösung dieser wichtigen Landesfrage die ProHLgidrustg d^r Ernwänderung von Juden eittpfohlest wird. Der AMkelschreiber veröffentlicht u. a. ein DökümM aus dein Ende des 1-8. Jahrhunderts, das beweist, dtlß schon damals die Absicht bestand, die zerrütteten fMWÄlen Verhältnisse durch Heranziehung jüdischer Einwanderer zu veranlassen. M .Mrd l79tz derief Karl IV. Don Pedro Varia, eitten Viifgetlärten Mann an die Spitze der spattischen Regierung. Her dreijährige Krieg mit Frankreich hatte die Siaatskässett geleert und das, Land sah sich dem fiftMKtzlkeN RM.gegenüber. Damals unterbreitete der MAlsteipräsidestt Pedro Barla seinem König jenes interessante Memorandum, das folgenden Wortlaut hat: „Die Zeiten der Vorurteile sind vorüber. Das Beispiel, das uns die anderen europäischen Nationen bieten, sollte uns veranlassen, unser Verhalten zu ändeni. In diesem Sinne sind die Lehren des heiligen Paulus zugunsten dieses verfolgten Volles geeignet, ebenso die hartnäckigsten Theologen, wie das Gewissen des gemeinen Volkes davon zu überzeugen, daß die Erlaubnis der Rückkehr der Juden in unser Land viel eher dem Geiste unserer Religion entspricht, als das Vertreibungsedikt, das gegen sie heraüsgegHhen wurde. Die Politik der gegenwärtigen Zeit kann in $hem solchen Vorschläge bloß ein mächtiges Mittel zur Entwicklung des Handels und der Industrie des Landes erblicken, da wir kein anderes Mittel finden, den wirtschaftlichen Kampf mit den auswärtigen Mächten aufzunehmen, sintemalen die Arbeitslust und Sparsamkeit nicht zu unseren nationalen Eigenschaften gehören. Ich glaube, im Gegenteile, Majestät, daß die Kaufleute dieser fleißigen Rasse bald unsere Kassen mit Geld füllen werden und ihnen gleich den Kredit im Auslände sichern. Sie werden auch die kommerziellen Transaktionen mit der Levante erleichtern, die ohne sie fast unmöglich sind. Ein solches Ergebnis wäre in dem jetzigen Zustande nicht nur eine gute Spekulation, sondern auch eine unschätzbare Möglichkeit für die Entwicklung unserer Fabriken. All' dies zu erreichen, wäre ohne die Hilfe der Juden, der einzigen Käufkeute und Handelsvermittler dieses Landes, unmöglich. Auch der Handel mit Amerika würde einen neuen' Aufschwung nehmen, während er sich jetzt in den Händen einiger Faulenzer von Cadir, Malaga und anderen Häfen befindet. Ich bin der Meinung, daß wir mit einigen der wichtigsten Häuser, die seit vielen Jahren in den holländischen und anderen nordischen Häfen etabliert sind, Unterhandlungen einleiten müßten, um sie zur Errichtung von Filial-Niederlassungen in Spanien zu veranlassen. Wenn man ihnen zu verstehen gibt, daß ihre Etablierung in unserem Lande nichts anderes als der erste Schritt zu einer Maßregel sei, der sich dann auf das ganze jüdische Volk erstrecken soll, so ist es sicher, daß wir dadurch die. Arbeitslust dieser nach Vermögen dürstenden- Nation, die noch nicht vergessen hat, welch' glänzende Stellung sie einst in Spanien eingenommen hat, in höchstem Maße anspornen würden." Dieses Memorandum gewinnt um so mehr an Bedeutung, als es zu einer Zeit entstand, da die Inquisition in Spanien noch ungeschwächt ihres finsteren Amtes waltete. Die Durchführung der im Memorandum gemachten Vorschläge blieb zunächst deshalb aus, well sein Autor, der Ministerpräsident Don Pedro Varla. nicht lange darauf starb. Sie wäre aber auch an dem Widerstande der Juden gescheitert, die auch ein späteres Dekret Karls IV., das den Fabrikantett gestattete, fremde Angestellte aufzunehmen, und der Inquisition verbot, Ausländer wegen ihrer religiösen Ueberzeugung zu verfolgen, unberücksichtigt ließen. Die Juden in der amerikanischen Armee. Präside nt Taft für die Zulassung jüdischer Offiziere. London. Vor kurzem hatte Präsident Taft in einer Rede Gelegenheit genommen, seiner Mißbilligung über den Ausschluß der Juden aus gewissen vornehmen amerikanischen Klubs Ausdruck zu geben. Jetzt hat er dem Kävalleriekommandanten des Forts Myrs in Virginia eine scharfe Rüge erteilt, weil er befohlen hatte, daß ein gewisser Blohm nicht zur Offiziersprüfüng zu-

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