Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 23 (9.6.1911)
- Date
- 1911-06-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 378 Dr. Blochs Leopoldstadt herrscht im freisinnigen Lager die -bei den Sozialpolitikern so beliebte Zwietracht. Schade wäre nur, wenn dieser jüdische Wahlkreis an den antisemitelnden Renegaten fiele, au Austerlitz, der sich natürlich in einen christlichen Wahlkreis nicht hiueintraut. Wer für Fritz Austerlitz, der das Judentum wie ein schmutziges Hemd von sich geworfen, es von Zeit zu Zeit zum Gaudium eines Lesepöbel mit Hohn und Spott überschüttet, wer für diesen sonderbaren EhrenmaNu mit der perversen Leidenschaft eines echten Schmock, zur Belustigung Anderer sich selber ins Gesicht zu spucken, eine Stimme abgivt, bekennt' sich damit zum Renegatentum. Eme ganze Reihe von Bezirken gibt cs noch, in welches die Juden bei den meist knappen Majoritäten eine große Rolle spielen. Sie dürfen nicht abseits stehen, sie müssen sich rühren, mit Feuer tätig sein und die Christlich-Sozialen werfen. Fällt Wien, so müssen die Landbezirke nach. Auf denn zum Wahlkampf mit aller Macht. Wir Juden studen im Bankerott der Christlich-Sozialen' die Vergeltung für den gemeinen Schimpf, den Diebstahl au unserem Eigentum, die Zurücksetzung, die wir uns haben jahrelang von einer Hand voll Haderlumpen gefallen lassen müssen. Es scheint zu tagen, aber wir müssen selbst den Wolkenvorhaug vom Nachthimmel der österreichischen Politik wegziehett helfen._ Dom Jahrmarkt des Lebens. Die Zewish Lad's Brigade bei der Londoner Krönungs- Feier. Wie aus London berichtet wird, wird die „Jewish Lads Brigade", eine jüdische Knaben-Militärorganisa-2. tion. auf Wunsch des Königs an dem Krönungsmarsche unter dem übrigen Militär teilnehmen. Diese jüdische Knabenbrigade wurde im 2ahre189Z^von dem seither verstorbenen Colonel Albert Goldsmith auf militärischer Grundlage gegründet. Sie hat ihre eigene Kaserne, in welcher die jugendlichen Marschbeflissenen wohnen müssen. Während des Sommers beziehen sie alljährlich auf 10 Wochen in der Provinz ein Feldlager, in dessen Umgebung regelrechte Manöver abgehalten werden. Natürlich gibt es auch hier Offiziere und Unteroffiziere aller Ränge. Der gegenwärtige Kommandant her jüdischen Brigade ist Colonel De Lara Cohen. Verzeichnis getaufter jüdischer Kurürztß» Ju Karlsbad: Die Herren Dr. Gustav A ran Ui, Dr. Adolf Ch arm atz, Dr. Franz Fokschaner, Dr. Edgar Ganz, Dr. Emil G o l d s ch e i d e r, Dr. Hugo Guth, Dr. Stefan Ke len, Dr. Rudolf K o l i s ch, Dr. Alexander Komaromy, Dr. Friedrich Kraus, Dr. Arnold Lorand,' Dr. Heinrich Munk, Dr. Gustav Töpfer, Dr. Ignaz Wermer, Dr. Leo Zupnik. Herr Dr. Eugen Frank ist konfessionslos und hat seine Kinder laufen lassen. . Herr Dr. Defiderius:Si p o S ist konfessionslos. Jy, Marieubad: Dr. Emil L o e w y, ° 1 Dr. Lm Marte n.s, Zahnamt, Dr. Julius ch u e tz. Ju Ebensee: Dr. N o b e l. I« Bad Ischl: Kais. Rat Dr. Herzka, Dr. Stefan Jsor Stein, Inhaber der mechanotherapeutischen Anstalt (im Winter in Abbazia). Wochenschrift Nr. 23 In Baden bei Wien: Dr. Wilhelm A l t m a n n. In Meran: Dr. Binde r, Besitzer des Sanatoriums Stefanie, Meran-Obermais, . Dr. T r a g e r, Zahnarzt. . In Frauzensbqd: Dr. Josef Ste inb ach, Dr. Gustav Egger, Dr. Bruno F e l l n e r, Sohn des . ,, in Franzensbad praktizierenden kais. Rates Dr, L. Fellner. In Bad Nauheim: Die Söhne des Herrn Professors . Dr. Isidor Grödel: Dr. med. Theo G r ö b e I, . i Dr. med. Franz Grödel,? Prof. Dr. Schott. . In Kolberg: Medizinalrat Dr. B e h r e n d,. Dr. Margulies, Dr. Fabian. . Oesterreichische Liga zur Bekämpfung des Mädchenhandels. Unter dem Vorsitze ihres Präsidenten, des Herren Reichsgrasen Franz v. Har rach, hat am 30. Mai d. I. die achte ordentliche Generalversammlung dieser Liga stattgefunden, deren Wirken, wie die spärliche Mitgliederzahl beweist, noch lauge nicht genug bekankt ist und gewürdigt wirsi^ U&b gerade an dieser Stelle verdient sie besondere Beachtung, wenn man aus dem Berichte ihres Sekretariates uur die eine Tatsache heraushebt, daß in dem verflossenen Vereinsjahre neben 502 katholischen und 90 evangelischen Mädchen nicht tveniger als 176 Jüdinnen die Hilfe des Bureaus in Anspruch genommen haben. Hiebei ist allerdings zur Milderung des Eindruckes der ■ vergleichenden Statistik zu erwägen, daß sich dieser Hilfesuchenden auch der katholische Fürsorgeverein annimmt, und tmß) 'wie aus hem Jahresberichte zu ersehen, gerade! diesem vonden ' Wiener Polizeikommiffariatenmit. Vorliebe >die. Karbid at in neu-i? zugewiesen werden. In das Bureau der Liga (Wien,-VI , Köstlergaffe 5) find, im Jahre 1910 1431 Parteien gekommen, - von 594 Stellenangeboten wurden 524 besetzt, der Gesamtauslauf des Sekretariates betrug 2567 Stück, in der Schutze station (Wien, V., Grüngasse 15) wurden 434 durch insgesamt 1423 Tage vollständig kostenlos verpflegt. Und diese, ja fast die gesamte Arbeit leistete eine einzige Kraft, die unermüdliche, ' hochverdiente, Mls Beschützerin Verlassener und aufstrebender Talente rühmlichst bekannte Frau Generalsekretärin C e le st in a Truxa. Es ist fast unbegreiflich, weshalb nicht genau wie in England und Deutschland, wo die Bestrebungen zur Bekämpfung des Mädchenhandels in -er kleinsten jüdischen Ge- . meinde ihre Vertreterinnen gefunden haben, auch in Wien sich v längst aus den Kreisen der jüdischen Frauen ein Komitee zu diesem überaus löblichen Zweck gebildet hat. Der uns. gedrückt vorliegende Jahresbericht der Oesterreichischen Liga, spendet;• durch die Tatsache^ die er anführt, diesM wackere« Vereine, in dem alle Konfessioy^n Harmonisch zuMmenwirken, in erster Reihe seinen Leitern däs. chöMe Loh. Der Jahresbericht rsei Jedem zu eingehendem Studium empfohlen. Juden in der Musik. In einem Artikel „Gedanken über Form und Stil", „Neue Freie Presse", vom Sonntag, 4. Juni schreibt Karl Gold mark: „Freilich, wie oft bekommt Man noch vom äußersten linken Flügel unserer Jüngstmodeinen - zü hören: Ein Nichtarier (mous autres) könne den deutschen Geist nicht begreifen. Es nützt nichts, auf deutschem Boden geboren zu sein oder aus deutschen Bildungsquellen allein sich.^genährt, gesättigt und..grotzgezogen zu haben. Hat - er nicht an der sogenannten arischen Brust echte arische Muttermilch getrunken, versteht er den deutschen Geist nicht. . Kann man wirklich allen Ernstes behaupten, ohne zu lachen, ein italienischer arischer Musikerhabe Vachsche Musik besser verstanden, als etwa Mendelssohn, der Wie-