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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-06-09 · 23 (9.6.1911) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
23 (9.6.1911)
Date
1911-06-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 23 Dr. Bloch’s Ishrgang XXVIll Zenttalotöan für die gesamten Ilnteressen des Judentums. -n~ - Wien, S. Juni 1911 Lrscbetnt jeden Freitag. Brief-Adrefse: Wien, IX/i, Hahngaffe 15. * Telegramm-Adresse: Bloch'S Wochenschrift, Wien. Oo . =DO p Vesugsprris für Vefkrrrrich: Halbjährig 8 Kronen: Einzelexemplare 50 Hellei . Für'« Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 4malgespal» 2 tene Pettkzeile 24 Heller. G n O - -O Ö 0(7 O ' ■ ■ - -o o A. kr. Pofisparkaffenamf Sieartng-Verkebr «r. S10.S76. Redaktion und Administratton: d» Wien H/i, Hahngaffe Nr. 15. l) Telefon Nr. 14.847. J QO O r Inhalt: Leitartikel: Zur Urne! — Vom Jahrmarkt des Lebens: Die Jewish Lad's Brigade bei der Londoner Krönungs- Feier. Verzeichnis getaufter jüdischer Kurärzte. Oesterreichische Liga zur Bekämpfung des Mädchenhandels. Juden in der Musik. Jnaugurationsrede eines jüdischen Generalprokurators. Ein interessantes historisches Dokument aus der Geschichte Spaniens. Die Juden in der amerikanischen Armee. Das Ghetto von Verona. Juden in der k. u. k. Kriegsmarine. — Korrespondenzen: Die „Oefterreichisch-Jsraelitische Union". Zur Reichsratswahl in Fünfhaus. Achtundsechzigster Bericht des Vereines zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten sowie dessen Lehrlingsheims. Errichtung einer israelitischen Kultusgemeinde in Salzburg. Bukowina. Jüdische Buchverleger in Italien. Eine Kunstausstellung in Tunis. Zwischen zwei Feuern. Kokowzew über die Judenfrage. Die russische Prozentnorm vor Gericht. Das Wohnrecht der jüdischen Kämpfer im russisch-japanischen Kriege. Judenmetzeleien in Arabien. Zur Katastrophe von Saffed. Antitaufliga in Kanada. Eine Untersuchungskommission auf Ellis Island. — Vermischtes. — Feuilleton: Ueber Josef Popper (Lynkeus). — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Zur Urne! Wenige Tage trennen uns noch von der Entscheidung über das zweite Haus des allgemeinen, gleichen Wahlrechtes. Von dem Ausfall dieser Wahlen hängt weit mehr ab, als sonst an Wichtigkeit einem Parlamente zukommt. Je nach der Zusammensetzung des neuen Reichsrates wird die Regierung diesen bestehen lassen oder auflösen. Jeder Freund des Fortschrittes, jeder wirkliche Patriot muß daher sein Aeußerstes aufbieten, damit nicht. wieder für viele Jahre das Regiment der Christlich-Sozialen sich breit macht, welche ihre unendliche Korruption dadurch befestigen, daß sie Regierungspartei sind. Es ist wahrhaft überflüssig, die Zeitgenossen darauf zu verweisen, welchen unendlichen, schweren, kaum in Jahrzehnten wettzumachenden Schaden die schmähliche Wiener Rathauspartei angerichtet hat. Wir sind faktisch wieder in ein Stadium des Vormärz hineingeraten, im Wettbewerb der Staaten um eine riesige Strecke zurückgeworfen worden. Es ist auch gar nicht anders möglich unter einem System, bei welchem persönliche Tüchtigkeit ganz bedeutungslos ist und nur die Unterwürfigkeit gegen eine politische Partei entscheidet. Wohin immer wir unsere Blicke lenken : Auf die Führer der Wissenschaft, der Industrie, des Handels, überall schwächliche Epigonen, Verdrossenheit und Unlust. Mit wenigen Ausnahmen stehen unsere Staatsmänner unter dem Durchschnitt, die Politik geht nach dem dreifachen Kommando der Klerikalen, Feudalen und Agrarier, keine große Idee wagt sich hervor, das Kapital ist ängstlich, die Verwaltung unsinnig teuer mit Defizit bei den gesündesten Unternehmungen, die Schuldenwirtschaft das große Heil jedes Budgets. Wenn man wenigstens sagen könnte, daß es einem einzigen Stande im Staate wirklich gut geht. Aber auch die Bauern brechen unter der Last der Steuern und Abgaben zusammen. Es gibt jetzt nur eine Sorte vergnügter Leute in Oesterreich. Das sind jene politischen Gaukler und Schwindler, jene Christlich-Sozialen, welche ausgezogen sind, das christliche Volk zu retten und die jüdische Korruption zu erschlagen, welche aber den Rekord der christlichen Korruption aufgestellt und sich selbst mehr als gerettet haben. Es gibt wahrhaftig kleine Leute, welche unter dem christlichsozialen Regime an jedem Wochentag Champagner im Glase haben können und Millionäre geworden sind. Aber diese kleinen, großgewordenen Leute sind alle namentlich bekannt, sind Parteiführer, die Masse der G führten sind die Gefoppten geblieben. Das Hemd vom Leibe wird ihnen genommen, Spitäler und Asyle werden zu klein, Fleisch und Kohle sind unerschwinglich, der Zins nicht zu bezahlen, die Erwerbsmöglichkeiten minimal, die Aemter sind Familienstuben, Gott Nimm thront auf dem goldenen Kalbe auf dem Rathaus, die Städter sind die Knechte der Bauern geworden, welche Geßmann gehorchen. Alle Energie, alle Bereitwilligkeit, alle Opfer sind zu wenig, um diesen ganzen Block des Schadens und der Schande in den Morast zu stürzen, dem er entstiegen ist. Alle Mann müssen aus allen Kräften mithelfen, um Bresche zu schlagen in den dunkeln Gürtel, mit welchem unser schönes Vaterland umgeben ist. Die Aussichten für die Räumungsarbeiten sind gute. Nach dem Tode Luegers ist die Pestbeule der Partei geplatzt und angewidert von dem Übeln Geruch werden viele Hunderte die von den erbärmlichsten Individuen gegründete Partei verlassen. Es ist nun notwendig, nichts für den Erfolg zu versäumen. Tue jeder seine Pflicht, nicht nur für seine Person, sondern bemühe sich in seinem Kreise. Er wird noch den und jenen finden, welchem er den letzten Ruck geben muß, um ihn von den Geßmanns und Weiskirchners, den Bielohlaweks, Kunschaks und Konsorten zu trennen. Auf der Gegenseite gibt es Kandidaten genug, welche die christlichsozialen Barrierestöcke turmhoch überragen. Da ist im neunten Bezirk der tapfere Huttenstreiter gegen die Klerikalen, Baron Hock. Man sollte keine Wahlmüdigkeit empfinden, sondern alle Kräfte aufwenden, gegen die Reaktion das Feld zu behaupten. Da ist am Kai der gelehrte und angesehene Kuranda, gegen den seine freisinnigen Justament- Konknrrenten, welche von der Partei abgelehnt sind, wohl schwerlich in Betracht kommen. Er ist der würdige Sohn seines berühmten Vaters; er hat seinen Platz im Parlament ebenso würdig ausgefüllt wie früher seine Stellung als Ministerialrat; hat in schwierigen Lagen dem Judentum Treue bewahrt — da gilt es Treue um Treue. Dann ist der prächtige Professor K la u dtz mit seiner Männlichkeit und seinen unerschütterlichen Grundsätzen im Stubenviertel, der von den Christlich-Sozialen instinktiv gehaßte und darum doppelt empfehlenswerte Max Fried mann im Parkoiertel, wo seine Energie den christlichsozialen Praktiken gewachsen ist. In der

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