Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 22 (2.6.1911)
- Date
- 1911-06-02
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3021927-3021950--20250-3045278- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 22 Dr. Blochs Wochenschrift Seite 371 Auszeichnung. Der Kaiser hat dem praktischen Arzte Dr. Jakob Schreiber in Wien den Titel eines kaiserlichen Rates mit Nachsicht der Taxe verliehen. Wien. Am 12. v. M. verschied nach längerer, schwerer Krankheit im Alter von 57 Jahren der durch sein hervorragendes Wissen und große Frömmigkeit allseits geachtete Herr Gerson Prochnik. Der Verblichene wirkte zwei Jahrzehnte lang als Lehrer an der Talmudschule der Schiff-Schul und die gesamte Wiener junge Generation, die ein jüdisches Wissen besitzt, zählte zu seinen Schülern. Von der großen Beliebtheit, welch« der bescheidene, schlichte Gelehrte genoß, zeigte die große Beteiligung bei seinem Begräbnisse. Am offenen Grabe nahmen tiefbewegt Abschied die Schwäger des Verstorbenen Ehrwürden Rabbiner Kramer—Wien und Ehrwürden Rabbiner Griinwald—Sopron. Im Namen des Vorstandes der „Jesode hathorei" sprach Herr Wolf Pappenheim. Wien. (Spende.) Herr Leopold Neumann hat anläßlich des Ablebens seiner Gattin Frau Rosa Neumann geb. Aufricht einen Betrag von K 2000.— für die Armenanstalt der israelitischen Kultusgemeinde Wien gespendet. Wien. (Silberne Hochzeit.) Herr Isidor Kerner und seine Gattin Frau Antonie Kerner ged. Menkes haben am 25. Mai d. I. das Fest ihrer Silberhochzeit begangen, aus welchem Anlässe dem Jubelpaare vielfache Beweise der Sya pathie zugegeugen sind. Einer besonderen Ehrung erfreute sich das feiernde Ehrpaar durch den Krankenunterstützungsverein „Liwias Chen“, dem Herr Kerner durch fast zwei Dezennien als Schriftführer angehört. Der Verein „Liwias Chen“ hat seinen beliebten Schriftführer ein sichtbares Zeichen seiner Verehrung und Anerkennung gegeben durch Widmung einer silbernen Tasse mit eingravierter Schrift, welches Ehrengeschenk Obmannstellvertreter Herr Josias Goldschmidt in Anwesenheit fast aller Vorstandsmitglieder mit feierlicher Ansprache dem Jubilar überreicht hat. Ein Festmahl vereinigte dann die versammelten Damen und Herren zu einem gemütlichen Abend, in dtfsen Verlauf mehrfache Toaste auf das gastfreundliche Silberpaar und dessen Familie ausgebracht wurden. Wien. (Jüdisch-akademischer Philosophenverein in Wien) Die Ausschubwahl für das Sommersemester 1911 hatte folgendes Ergebnis: Präses: Karl Kraus; Vizepräses: Armin Schläfrig; Schriftführer: Jacques Salzer, Ignaz Frankfurter; Kaffiere: Fräulein Erna Michelstädler, Gustav SchönBibliothekare: Walter Robitschek, Otto Wolf, Wien. Die Vereinigung jüdischer Hochschüler aus Galizien „Bar-Kochbar" in Wien gibt hiemit bekannt, daß die anläßlich der im Februar v. I. stattgefundenen Bezalel-Ausstellung bestellten Sachen bis späteste s den 8. Juli 1911 abzuholen sind u. zw. an Samstagen auf der Bude der Vereinigung, VIII., Langegasse 5—7, in der Zeit von 7'/, — 9 Uhr abends. Die nicht abgeholten Sachen werden als verfallen betrachtet und im Wege der Versteigerung veräußert. Austritte ans dem Judentum Vom 21. Mai bis inkl. 27. Mai 1911. Gliicksam Bettina, Priv., geb. 23. September 1883, Wien, XVII., Hernalser-Hauptstrasse 91. Goldschmiedt Leopold Erwin, geb. 10. Mai 1897, Wien, Melk. Krieser Hugo, Kaufmann, geh. 14 August 1878, VI., Magdalenenstr.66. Krieser Ida geb. Pollak, KaufmannsgattiD, geb. 14. August 1878, Wien, VI., Magdalenenstr. 66. Lichtpacht Pauline, geb. 3. Dezember 1878, Wola Gnojnicka, Galiz. Rob. Hamerlingstr. 15. Löwensohn Irma, Priv., geb. 29. April 1877, Pressburg, II., Kleine Schiffg. 6 Löwy Pauline, Beamtin, geb. 3. Juli 1879, Wien, XV., Rob. Hamerlinggasse 15. Reich Sigmund, Zuschneider, 14. April 1887, Wien, XX, Kluckysg. 8. Soskin Sarah, Studentin, geb. 13. September 1891, Genikoschek, Russland, XVII., Beheimg. 15. Welsl Marianne, Universitätshörerin, VII., Kircheng. 48. Wenger Josefa Anna geb. Lüssek, geb. 29. September 1873, Pogors Kavla bei Tarnow, II., Kaiser Josefst. 14. Winternitz Katharina, Priv., geb. 25. Dezember 1863, Bndnian, VII., Lerchenfelderst. 45. Kremsier. Frau Rosa Simon bekleidet ein Menschenalter Hindurch das Ehrenamt einer Prästdentin des israelitischen Frauen- UnterstützungsvereineS in Kremsier und übt als solche an allen Kranken, reich wie arm, besonders an letzteren Wohltaten aus. Ein so edler Eharakter wie diese Dawe ist berufen, in die ersten Reihen jener gestellt zu werden, welche die Humanität in unserer Kultusgemeinde repräsentieren. Selbstlos und aufopfernd, alle Zeit zur Hilfeleistung bereit, ist sie stets dort zu finden, wo es not tut. Ja, wenn die Mittel des Vereines es nicht gestalten, geht sie bittend und sammelnd von Haus zu HauS, um so verschämte, bittere Not zu lindern. Diese in ihrer Wohltätigkeit einzig dastehende Dame wird von dem Gesamtvorstande, dem auch die Gattin unseres verdienstvollen Rabbiners Frau Maria Frankl-Grün angehört, unterstützt. Ein Kultussteuerträger. Hohe Auszeichnung eines jüdischen Abgeordneten. Das Budapefter Amtsblatt veröffentlicht eine hohe Auszeichnung, welche der Kaiser dem jüdischen Abgeordneten des ungarischen Parlamentes Dr. Julius Rosenberg verliehen hat. Der Genannte erhielt in Anerkennung seiner verdienstvollen öffentlichen Tätigkeit das das Kkeinkreuz des Stefan-Ordens. Budapest. Auf die Stelle des nach Gießen berufenen Prof. Schlesinger, der — nebenbei bemerkt — seine Kinder hat taufen lassen, wurde der berühmte Mathematiker Leopold Fejer, der, bereits 24 jährig, zum Mitgliede der ungarischen Akademie ernannt wurde, berufen. — Der Antrag, eine Täuflingsliste herauszugeben, wurde in der Generalversammlung der Kultusgemeinde abgelehnt. Berlin. Der hiesige Korrespondent und Mitarbeiter der „Neuen Freien Presse", Herr Dr. Kurt Mühsam, Sohn des Rabbiners Dr. S. Mühsam aus Graz, heiratet am 4. Juni Frl. Alice Frey mark, Tochter des Bankdirektors a. D. Herrn I. Freymark, in Berlin. Die Trauung wird Herr Dr. Weisse im Elternhause der Braut vollziehen. Sterbefall. In Hamburg ist Frau M. Hirsch, die Witwe des vor 2 Jahren verstorbenen ehemaligen Prager Oberrabbiners Hirsch, im 80. Lebensjahre an den Folgen der Influenza gestorben. Die Verstorbene, die einer alten ungarischen Rabbinerfamilie entstammt, zeichnete sich durch großen Wohltätigkeilssinn aus. Sie war die Mutier des Karolinentalers Rabbiners Prof. Dr. Hirsch. Rakel. Zum zweiten Mal in kurzer Zc,t bewegte sich am Mittwoch den 17. Mai nachmittags ein imposanter Leichenzug durch die Straßen unserer Stadt zum jüdischen Friedhofe, und diesmals galt es, die sterbliche Hülle des erst im 33. Jahre stehenden, in Magdeburg einer tückischen Krankheit erlegenen Herrn Dr. mcd. Walter Perlitz, einzigen Sohnes des hü sigen Rabbiners Dr. Gabriel Perlitz» zur letzten Ruhestätte zu geleiten. Aus Nah und Fern waren die Angehörigen und Freunde des Verstorbenen herbeigeetlt, und mit ihnen folgten die Lehrer der höheren Schulen, die Spitzen der städtischen Behörden, die jüdische Gemeinde und eine große Zahl anderer hiesiger Bürger dem Sarge; auch der Verein jüdischer Studenten hatte drei Chargierte delegiert, die dem teuren Toten als ihrem alten Herrn die letzten Ehren des Korps erweisen sollten. — Die Leichenrede hielt auch dieses Mal Herr Rabbiner Dr. Walter—Bromberg. Ausgehend von dem Spruch aus Proverb. 27, 1: „Freue dich nicht des morgigen Tages rc." zeigte der treffliche Redner, mit welcher Sorgfalt die Eltern diesen ihren einzigen Sohn erzogen, wie sie ihn zu einem wackeren und tüchtigen Mann sich hatte« entwickeln sehen, und nun, da sie ihn in gesicherter und geachteter Stellung gewußt hätten und sich endlich der so wohl vorbereiteten Ernte an ihrem Sohne hätten erfreuen wollen, da sei auch an sie — wie an unserem Stammvater Abraham — das Wort Gottes ergangen: „Nimm deinen Sohn, den einzigen, den du lieb hast, und bringe ihn mir zum Opfer." Der Rabbiner entwarf ein herrliches Bild des Verstorbenen und rühmte neben dessen stählerner Kraft und Gewandtheit vor allem den goldenen Humor, die herzgewinnende Liebenswürdigkeit, das lautere, offene Wesen und den wahren geraden Charakter, die treue kindliche dankbare und brüderliche Liebe des so früh Entschlafenen und sein treues Festhalten an den Idealen seiner Religion. Die schwer heimgesuchten und tiefgebeugten Eltern, aus deren Hause so viel Trost und tätige Hilfe über Hunderte geflossen fei, mögen nun von Gottes Trost und Hilfe gestärkt und aufgerichtet werden! Tief erschüttert wurde nun der Sarg von sechs Freunden des Verstorbenen zum Grabe getragen. Hier sprach Herr Rabbiner Dr. Emil Cohu-Kiel namens des V. j. St., der in dem so jäh dem Leben Entriffenen ein treues und tätiges, für die Ideale des Judentums begeistert wirkendes Mitglied betrauere. Der Redner pries den redlichen Charakter des Verstorbenen, der durch sein offenes, mannhaftes Eintreten für die Ziele des V. j. St. belebend auf die Mitglieder gewirkt, der selbst dann, wenn andere mutlos wurde», durch seinen klaren Blick und sein mutiges Wort aufrichtete und stärkte, der zwar Gegner seiner Ansichten, aber nicht Feinde, sondern nur Freunde gehabt hatte. Und ebenso treu wie zu seinem Judentum, habe der Verstorbene zu seinem Deutschtume, zum Deutschen Vaterlande gehalten, und so werde das Andenken an diesen teuren Toten, an Walter Perlitz, dem V. j. St. nun und allezeit ein Sporn zu edler Nacheiferung sem und bleiben! — Nach beendigter Liturgie trat der greise Vater des Verstorbenen an das Grab, um die drei Handvoll Erde auf den Sarg fallen zu lassen. In