Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 22 (2.6.1911)
- Date
- 1911-06-02
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 22 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 369 feldj R. Groß, M. Epstein, St. Breßlauer, L. Stein, begrüßte Bischof Dr. Krapac im Namen der isr. Kultusgemeinde. Der Führer und Redner der Deputation Herr Oberrabbiner Schönfeld hielt in kroatischer Sprache eine schwungvolle Rede an den Bischof. „Ihre allgemein bekannte humane und edle Gesinnung" — hieß es in derselben — „gibt uns das Recht, hoffen zu dürfen, daß wir Juden, die wir zum erstenmal das Prinzip der wahren Menschenliebe verkündet haben, in Ew. Eminenz einen edlen Fürsprecher und aufrichtigen Freund finden werden". Bischof Dr. Krapac antwortete: „Ich danke herzlichst für die schönen Worte. Auch meine Religion lehrt den Grundsatz: Liebe Gott über alles und liebe deinen Nächsten wie dich selbst, mag er welcher Konfession immer angehören. Ich achte, liebe und schätze die Israeliten. Ich kenne sie sehr gut. Ich pflege mit ihnen die freundschaftlichsten Beziehungen. Die herzlichen Worte des Ehrwürden Herrn Oberrabbiner werden mir stets in angenehmer Erinnerung bleiben." Den nächsten .Tag gab Pfarrer Dr. Novosel zu Ehren des Bischofs 'ein Festbankett, an welchem alle Spitzen der Behörden und Konfessionen teilnahmen, von der isr. Kultusgemeinde ihr geistiger Führer Oberrabbiner Schönfeld. Bei dem weißgedeckten Tische feierte der konfessionelle Frieden die schönsten Triumphe. Herr Regierungs-Sekretär, Bez.-Vorstand v. Piskoric, erhob sein Glas auf das Wohl des Herrn Oberrabbiners, der — wie er sagte — in der kurzen Zeit seines hiesigen Wirkens die Herzen aller eroberte. Oberrabbiner Schönfeld toastisrte in einer von liefen Gedanken durchwobenen Rede auf die Geistlichen der katholischen und serbischen Konfession unserer Stadt, die in des Wortes edelster Bedeutung den Frieden und die harmonische Eintracht unter den Konfessionen fördern. Herr Pfarrer Dr. Novosel feierte unsern Herrn 'Oberrabbiner mit geistreichen und von wahrem Liberalismus getragenen Worten. Wahrlich ein schönes Beispiel konfessionellen Friedens! Das Deutsche Kaiserpaar in Köln. In der letzten Nummer des Israelitischen Gemeindeblattes wurde unter der Ueberschrift „Die Kölner Synagogengemeirde und die israelitische Volksschule" besonders hervorgehobeu, wie in Köln eine große israelitische städtische Schule von der Stadtverwaltung ohne jeden Beitrag der Synagogengemeinde erhalten wird. Kaum in irgend einer Stadt Preußens findet fich etwas Aehnliches. Sieben Lehrer und sieben Lehrerinnen sind städtischerseits angkstellt und pensionsberechtigt, und nicht lange wird es dauern, so wird auch seitens der Stadt eine neue große Schule für die Juden gebaut werden. Dieser Geist der berechtigten, aber immerhin anzuerkennenden Rücksichtnahme auf das Judentum und seine Stellung in der Gegenwart hat sich in diesen Tagen bei Gelegenheit des hohen Besuches Ihrer Majestäten des Kaisers und der Kaiserin in Köln wiederum bewährt. Zu allen aus diesem Anlasse veranstalteten Feiern und Festlichkeiten wurde, gleichsam als Vertreter des Judentums, Herr Rabbiner Doktor Frank von dem Oberbürgermeister geladen. Zunächst zur Enthüllung des Kaiser Friedrich-Denkmales und Einweihung der Hohenzollernbrücke, deL Galamahles im Gürzenich und zur Rheinsahrt auf dem Kaiserschiff. Außerdem erhielt Dr. Frank eine besondere Einladung, sich nach Aufhebung der Tafel in den Jsabcllensaal zu begeben, wo die die Majestäten Ceicle abhalten werden. Hier wurde derselbe von dem Oberpräsidenten der Rheinprovinz, Staatsminister Freiherrn v. Rheinbaben, und dem Oberbürgermeister dem Kaiser vorgestellt, nachdem der Domprobst Dr. Berlage und zwei evangelische Geistliche in eine längere Unterredung gezogen worden waren. Der Kaiser erkundigte fich eingehend nach der hiesigen israelitischen Gemeinde, ihrer Berufstätigkeit und ihrem Ergehen. Auch fragte der Kaiser, wie das Verhältnis der verschiedenen Konfessionen untereinander wäre, was der Rabbiner unter Hinweis auf siine langjährigen, guten Beziehungen zu dem Kardinal Fischer als durchaus erfreulich bezeichnen durfte. Hierauf erbat fich der Rabbiner von dem Kaiser die Erlaubnis, den von dem Judentum gebotenen Segensspruch über ein gekröntes Haupt sprechen zu dürfen, was höchstderselbe gern gestattete und nach Schluß desselben dem Rabbiner warm die Hand drückte. Auch der Kaiserin wurde der Rabbiner auf besondere Veranlassung des Kardinals Fischer vorgestellt, die auch einige liebenswürdige Worte an denselben richtete. Nach der Cour ging es in von der Stadt bereit gestellten Equipagen zum Kaiserschiff, und da traf es fich recht schön, daß der Kardinal, Weihbischof Müller, ein evangelischer Geheimrat aus Köln und der Rabbiner Dr. Frank zusammen fuhren, worauf von evangelischer Seite bemerkt wurde, daß hier der Friede unter den Konfessionen herrsche und daß der sogenannte Antisemitismus, als er - in voller Blüte stand, hier in Köln keinen Boden fand, fügte aber hinzu, das habe auch vor allem seinen Grund in dem Charakter der jüdischen Bevölkerung Kölns, die allerseits Achtung und Anerkennung verdiene. Es war schön und eine dauernde schöne Erinnerung an den 22. Mai bleibt dem Rabbiner zurück. Auch die Leser dieser Zeitung werden mit gehobener Stimmung über die dem Judentum gezollte Rücksichtnahme diesen Bericht lesen. A_ Berlin. Bei der Abstimmung über die einzelnen Paragraphen des Verfassungs- und Wahlgesetzes für Elsaß-Lothringen, wandte sich im Reichstage der konservative Abgeordnete Winkler dagegen, daß ein Vertreter der jüdischen Konsistorien in die erste Kammer komme, da nur die evangelische und die katholische Kirche als Konfession anerkannt sind. — Bei der Abstimmung wurde gegen die konservativen Stimmen der jüdische Vertreter aufrecht erhallen. Zwei jüdische Paschas in Egypten. Wie aus Kairo berichtet wird, hat der Khedive von Egypten den bekannten Philanthropen und Finanzier Moise Bey Cattaui und M Joseph Cattaui-Aslan den Titel „Pascha" verliehen. Moise Cattaui-Pascha ist ein bedeutender Finanzmann und beteiligt sich auch an dem jüdischen öffentlichen Leben von Kairo mit großer Hingebung. Er ist Präsident der jüdischen Gemeinde von Kairo und Begründer der jüdischen Schule. Das Bankhaus Cattaui hat die Errichtung der meisten öffentlichen Unternehmungen in Egypten initiiert und finanziert. Sie haben sich auch als Philanthropen große Verdienste erworben. In Egypten gibt es im ganzen fünf Juden, die den Titel Pascha führen dürfen. Auszeichnung eines tunesischen Juden. Der Präsident der französischen Republik hat den bekannten Rechtsgelehrten Dr. Elle Fitoussi in Tunis zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. Dr. Fitoussi ist seit vielen Jahren Mitglied der tunesischen konsultativen Konferenz, einer Art Landtag und seit vorigem Jahre auch Mitglied des Obersten Regierungsrates. Der Ausgezeichnete ist Autor verschiedener preisgekrönter Werke über wichtige französische und internationale Rechtsfragen. Neue Emigrantenghetti in Antwerpen. Die Einwanderung russischer, galizischer und ungarischer Juden nach der weltberühmten Diamantenstadt nimmt in jüngster Zeit stark zu. Die ersten jüdischen Einwanderer während der letzten Jahre waren Galizianer. Ihre Kolonie, die ein Ghetto für sich bildet, zählt heute schon 12.000 Seelen. Ihnen folgten die ungarischen Juden, die heute auch schon 4000 Seelen stark ist. In letzter Zeit ist nun die Emigration aus Russisch-Polen so stark angewachsen, daß ihre Zahl dermalen schon 8000 Seelen übersteigt. Diese Emigranten haben ihre spezifischen Lebensformen aus ihrer alten Heimat mitgebracht, die dem Ghetto das Gepräge geben. Die meisten dieser eingewanderten Juden führen hier